Reformation

Hogenberg, Belagerung von Königswinter
Hogenberg, Belagerung von Königswinter

Die Reformation findet im Rheinland zunächst wenig Widerhall. Doch auch der Kölner Erzbischof Hermann von Wied sieht, wie drängend Reformen sind, und ruft schließlich Theologen der Reformation ins Land. Auch in unserer Region entstehen Lutheraner-, Täufer- und Calvinistengemeinden. Die Täufer aber werden verfolgt, und auch das Bekenntnis zum Calvinismus ist gefährlich

Reich und Region, Anfang des 16. Jahrhunderts. Für die Menschen des Mittelalters sind Hölle und Fegefeuer Realität; Wallfahrten, Almosen und wohltätige Stiftungen für das eigene Seelenheil haben eine lange Tradition.

„Sobald die Münze in dem Koffer klingt ..“ Ablasshandel (um 1512)

„.. die Seele aus dem Feuer springt.“ Die Kirche sagt, dass der Papst einen Teil der Strafen im Fegefeuer erlassen kann und die Menschen spenden, um verstorbenen Verwandten und sich selbst diese Qualen zu ersparen. Der Ablasshandel ist ein überaus einträgliches Geschäft. Um den Neubau des Petersdoms in Rom zu finanzieren, werden Ablässe ausgeschrieben. Der Dominikaner Johann Tetzel, ein bekannter Ablassprediger, verkauft nun den Menschen Ablass von ihren Sünden gegen bare Münze.

Martin Luthers Thesen (1517)

Dr. Martin Luther, Augustiner-Mönch, Theologe und Universitätsprofessor in Wittenberg, ist empört. Er glaubt fest daran, dass nur die Gnade Gottes Vergebung schenken kann, und dass die Christen mit dem Ablasshandeln in die Irre geführt werden. In einem Brief an Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg protestiert er gegen den Ablasshandel und fügt seine 95 Thesen bei. Es heißt, dass er am selben Tag, dem 31. Oktober 1517, eine Kopie an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelt.

Dabei geht es ihm um die Klärung drängender religiöser Fragen; eine Spaltung des Reiches oder gar Kriege um der Religion will er sicher nicht. Doch darauf läuft es hinaus, denn seine Thesen, bald vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt und dank der neuen Gutenberg-Druckerpresse schnell in Deutschland und Europa verbreitet, stelten die Autorität des Papstes und der Kirche in Frage. Der Papst exkommuniziert ihn 1520, wenig später, fordert Kaiser Karl V. ihn sich von seinen Thesen und Büchern loszusagen. Mit dem berühmt gewordenen „Hier stehe ich ..“ lehnt Luther ab. Der Kaiser verhängt die Reichsacht über Luther und verbietet jedem, seine Schriften zu lesen. Luthers Landesherr, der Kurfürst von Sachsen, bringt ihn auf der Wartburg in Sicherheit. Hier übersetzt Luther 1521/22 die Bibel vom Griechischen ins Deutsche, so wie die Menschen es damals sprachen. Jetzt können sie zum ersten Mal Gottes Wort selbst lesen.

Religion und Politik

Trotz des Edikts von Worms verbreitetet sich die Reformation. Auch andere Fürsten bekennen sich zu Luthers Lehre, so die Herrscher Hessens, der Kurpfalz, Sachsens und Württembergs. Dies geschieht aus Überzeugung, aber auch aus politischem Kalkül: Indem ein Landesfürst sich zur Reformation bekennt, streift er die Autorität des Papstes ab, und damit auch die erdrückenden Abgaben an die Kurie. Dafür kann er eine eigene, protestantische Landeskirche aufbauen und seine Position dem katholischen Kaiser gegenüber stärken. Die Reformation ist also nicht mehr nur eine Sache der Theologen.

Sie ist auch nicht mehr einheitlich lutheranisch. Andere Reformatoren wie Thomas Müntzer geben andere Antworten auf die drängenden Fragen ihrer Zeit. Unabhängig von Luther wirkt eine Reformationsbewegung in Zürich um Huldrych Zwingli. Im Umfeld der Züricher Reformation entsteht um 1525 die Täuferbewegung.

Kaiser Karl V. muss es gehasst haben, zuzusehen. Habsburg war eine Weltmacht, doch er kann nicht energisch gegen die Reformation vorgehen, weil er ständig Krieg führen muss und oft außer Landes ist. Frankreich kämpft gegen die Umklammerung durch die Habsburger, und im Osten drängen die Osmanen immer weiter vor. Viele Jahre lang muss sich der Kaiser mit den protestantischen Fürsten arrangieren.

Auf dem Reichstag zu Speyer 1529 wird das Wormser Edikt bestätigt. Im „Augsburger Bekenntnis“, geschrieben von Luthers Weggefährten Philipp Melanchton, legen die protestantischen Fürsten dar, dass ihre Religion sich nicht gegen den Kaiser richtet – doch der reagiert wieder hart. Der Reichstag setzt auch das „Wiedertäufermandat“ in Kraft; danach könnten Täufer, wenn sie nicht abschwören, sofort und ohne Verfahren hingerichtet werden.

Die protestantischen Fürsten schließen sich 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Doch die Türken unter Süleiman dem Prächtigen bedrohen Wien; der Kaiser muss sich mit den Fürsten einigen, damit er seinen Feldzug finanzieren kann. Der Nürnberger Religionsfrieden von 1532 ist dann auch eher ein Waffenstillstand: Bis zu einem Konzil über Glaubensfragen sollen die Protestanten ihre Religion ausüben dürfen.

Im Rheinland: Erzbischof Hermann von Wied und Herzog Wilhelm V. von Berg

Erzbischof Hermann von Wied von Köln (1515-1547) war zunächst hart gegen Reformatoren und vermeintliche Ketzer vorgegangen. Doch als guter Landesherr sieht er, wie drängend Reformen innerhalb der katholischen Kirche sind. Als sie trotz seines jahrelangen Bemühens nicht zustande kommen, ruft er schließlich Theologen der Reformation ins Land, unter ihnen Martin Bucer aus Straßburg und Philipp Melanchton aus Wittenberg. Bei vielen Menschen findet er Unterstützung, denn seine Neuerungen kommen ihnen entgegen. Von Bonn aus verbreitet sich die Reformation auch in den Dörfern auf der rechten Rheinseite. Dabei übt Hermann keinen Zwang aus, es gibt ein friedliches Nebeneinander der Konfessionen.

Die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg sind eine bedeutende Macht am Niederrhein. Weite Teile unserer Region gehören zum Herzogtum Berg. Herzog Wilhelm V. (1539-92) ist mit dem Kaiserhaus verschwägert; seine Schwester Anna von Kleve wird die vierte Ehefrau Heinrichs VIII. von England – diejenige, an der er so wenig Gefallen findet, dass er die Ehe gleich annullieren lässt. Der Herzog ist ein aufgeschlossener Katholik und bringt der Reformation und Erzbischof Hermann von Wied Toleranz entgegen.

Der Konflikt um Geldern (1543)

Doch dann erhebt Herzog Wilhelm Anspruch auf die Stadt Geldern. Würde ihm auch dieses Gebiet noch zufallen, wäre Jülich-Cleve-Berg eine bedeutende Regionalmacht. Kaiser Karl V. aber hat nach jahrzehntelangem Krieg endlich Frieden mit den König von Frankreich und dem Sultan geschlossen. Für ihn ist es die Gelegenheit, endlich auch in Deutschland seine Macht zu zeigen. Er beginnt einen Feldzug den Rhein hinauf. In Honnef kommt es zu Gefechten mit den Männern des Herzogs und viele Häuser werden zerstört. Der Kaiser setzt sich durch; im Vertrag von Venlo 1543 wird der Herzog gezwungen, streng gegen die Reformatoren vorzugehen.

Durch seine Reformen hat sich der Kölner Erzbischof Hermann von Wied von Köln das Domkapitel zum Feind gemacht: 1545 wird er zum Papst und zum Kaiser in Brüssel zitiert und 1547 abgesetzt.

Konzil und Krieg (1545-1548)

In der nächsten Jahren gewinnt der Kaiser die Oberhand. Endlich kommt auf Drängen des Kaisers das Konzil von Trient zusammen, doch es untersteht dem Papst, nicht dem Kaiser, und es ist kein deutsches Konzil, wie es die Protestanten gefordert hatten. Daher weigern sich die deutschen protestantischen Fürsten, Vertreter zu entsenden und sich seinen Beschlüssen zu unterwerfen. Das Konzil beschließt die Gegenreformation, getragen vor allem vom Jesuiterorden.

Es kommt zum Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund 1546/47. Mit Hilfe seiner spanischen und italienischen Söldner setzt sich Kaiser Karl V. durch. Auf dem anschließenden „geharnischten“ Reichstag 1548 in Augsburg will er den Protestanten eine Religion diktieren (Augsburger Interim).

Karls Sieg verschärft auch den Druck auf Herzog Wilhelm: Nun muss er den Beweis liefern, dass sein Herzogtum römisch-katholisch bleibt. 1550 beauftragt er seine Amtmänner mit einer Inspektion sämtlicher Pfarreien in seinem Territorium; er muss beweisen, dass die überwiegende Zahl der Geistlichen und ihre Gemeinde katholisch sind und Abweichler entfernt werden. Die Protokolle dieser „Visitationen“ sind unsere wichtigste Quelle aus jener Zeit.

Augsburger Religionsfrieden (1555)

Der „geharnischte Reichstag“ von Augsburg ist zunächst ein Sieg für Karl, aber auch ein Wendepunkt. Die protestantischen Länder setzen das Augsburger Interim nur zögernd um, und auch die katholischen Fürsten fürchten das spanische Übergewicht. Als Karl seinen Sohn Philipp II. von Spanien als Nachfolger vorschlägt, rebellieren die Fürsten. Vereint und mit Unterstützung des französischen Königs bereiten sie dem Kaiser eine vernichtende Niederlage. Karl V. muss fliehen.

Sein Bruder Ferdinand I. übernimmt die Regierung in Deutschland (1556-1564) und schließt mit den Protestanten den Augsburger Religionsfrieden. Fortan soll der Landesherr die Religion für sich und sein Gebiet bestimmen: „wessen Land, dessen Religion“. Doch nur das lutherische Bekenntnis wird als dem katholischen gleichberechtigt anerkannt – nicht das reformierte. Eine weitere Bestimmung, der „geistliche Vorbehalt“ besagt, dass ein katholischer geistlicher Würdenträger, z.B ein Erzbischof, selbst durchaus Protestant werden kann – sein erzbischöflicher Besitz aber verbleibt bei der katholischen Kirche. Im Herzogtum Berg kann Herzog Wilhelm aufatmen, nun erlaubte er in seinen Ländern den Laienkelch und die Priesterehe.

Calvinisten und Täufer im Rheinland (2. Hälfte des 16. Jahrhunderts)

Die „Reformierte Kirche“ des Jean Calvin war 1541 in Genf entstanden und hatte sich schnell verbreitet, nach Frankreich, den Niederlanden, England und Schottland und später nach Nordamerika. Auch in Deutschland hatte der Calvinismus Anhänger, allen voran die Herrscher Brandenburg-Preußens.

Auch in unserer Region gibt es calvinistische Gemeinden, so in Niederdollendorf und Oberkassel. Doch es ist gefährlich, sich zum Calvinismus zu bekennen: Der Augsburger Religionsfrieden erkennt nur das lutherische Bekenntnis an, nicht aber das reformierte. Vor allem kämpfen die calvinistischen Niederlande seit 1566 um ihre Unabhängigkeit vom habsburgischen Spanien, da ist es undenkbar, dass die habsburgische Obrigkeit im Reich calvinistische Gemeinden so nah an der Grenze duldet.

Täufer (2. Hälfte des 16. Jahrhunderts)

Noch mehr als der Calvinismus hat das Täufertum mennonitischer Prägung in den rechtsrheinischen Dörfern Fuß gefasst, auch in Ober- und Niederdollendorf, Oberkassel, Honnef und im erzbischöflichen Königswinter. Die Täufer lehnen die Kindestaufe ab und lassen nur die Erwachsenentaufe gelten. Die Bewegung ist sehr vielschichtig und umfasst Menschen, die Unrecht bewusst erdulden, aber auch Gewaltbereite, denen jedes Mittel recht scheint („Gottesstaat“ in Münster 1534/35). Darüber hinaus verlangen sie Religionsfreiheit und die radikale Trennung von Kirche und Staat – eine politisch brisante Forderung, die zu Verfolgungen durch die katholische und die protestantische Obrigkeit führt.

Seit dem Reichstag von Speyer 1529 gilt das „Wiedertäufermandat“. Die Täufer in unserer Region sind gewaltlos, ja pazifistisch – doch auch sie werden verfolgt. Zwar wird das im Rheinland milder gehandhabt als in anderen Gegenden, doch auch hier kommt es zu Hinrichtungen.

Truchsessischer Krieg (1583-1588)

In Köln ist Gebhard I. Truchsess von Waldburg Erzbischof. 1582 sagt er sich von der katholischen Kirche los, verkündet Glaubensfreiheit und heiratet Agnes von Mansfeld, eine Protestantin. Das ist sein gutes Recht, doch nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens muss er seinen Besitz als Erzbischof aufgeben. Dazu aber ist er nicht bereit. Am 1. April 1583 wird er vom Papst exkommuniziert; das Domkapitel wählt einen Gegen-Erzbischof, Ernst von Bayern. Beide Seiten machen mobil: Gebhard erhält Unterstützung von Truppen aus der Kurpfalz, das Domkapitel von Truppen aus Bayern und Spanien. Auch der Herr vom Drachenfels, Dietrich von Mirelaer, stellt sich auf seine Seite und stellt ihm die Burg Drachenfels zur Verfügung.

Während der nächsten Jahre kommt es zu heftigen Gefechten. Vergeblich verschanzt sich Gebhard auf der Godesburg; sie wird belagert und nach Eroberung 1583 in die Luft gesprengt. 1583 wird Königswinter besetzt, gebrandschatzt und dann durch bayrische Truppen, die vom Drachenfels angreifen, entsetzt. Gebhard flieht nach Westfalen und dann in die Niederlande. Unterstützt durch niederländische Truppen, nimmt er den Kampf noch einmal auf und erobert 1587 Bonn.

Doch als die Niederländer 1588 ihre Truppen zurückziehen, muss er aufgeben. Viele Burgen und Städte sind zerstört. Der Augsburger Religionsfrieden ist verletzt worden; zudem haben beide Seiten ausländische Truppen ins Land geholt. Ungefähr 50 Jahre später kommt es im Dreißigjährigen Krieg noch viel schlimmer.

Bild- und Quellenachweis
Die Bild oben stammt aus der Public Domain Section der Wikipedia.

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