Die Klausnerinnen vom Nonnenstromberg

Am Nonnenstromberg
Am Nonnenstromberg

Diese Sage spielt um 1195, zur Kreuzzüge. Wie viele andere rheinische Ritter hatte auch Buchenhard, der Herr vom Ölberg das Kreuz genommen, und war mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach Palästina gezogen. Er galt seither als vermisst. Seine Frau Eichenhild und ihr kleiner Sohn vermissten ihn sehr.

Eines Tages kam ein Ritter auf dem Ölberg an. Er trug Buchenhards Rüstung und sah ihm sehr ähnlich, und so verbreitete sich rasch die Kunde, der Herr vom Ölberg wäre zurück. Er schien etwas fremd, aber man schob es auf die schlimmen Erfahrungen im Krieg. Eichenhild jedoch spürte, dass der Mann bei ihr ein Fremder war. Klug wie sie war ließ sich nichts anmerken, denn sie fürchtete um die Sicherheit ihres Kindes und ihrer Getreuen. Bald fand sie heraus, dass ein Komplott geschmiedet wurde: der Fremde wollte die Burg so schnell es ging verkaufen und sich dann mit dem Geld davon machen. Interessenten gab es genug. Doch dabei waren ihm Eichenhild und ihr kleiner Sohn im Weg.

Als Eichenhild ihre Ablehnung einmal nicht verbergen konnte, sah er seine Chance: er beschuldigte sie offen des Ehebruchs und bestach einige Bedienstete, damit sie bezeugten, sie hätten Eichenhild mit einem anderen Ritter gesehen. Noch in derselben Abend floh Eichenhild mit ihrem Sohn und seinem Kindermädchen auf den Nonnenstromberg, zum Drachen Jupp. Der sonst so gemütliche alte Drache war außer sich über so viel Gemeinheit und bot ihnen gleich seine Hilfe an.

Am nächsten Morgen machten sie einen Plan. Der Bub und sein Kindermädchen würden bei Jupp auf dem Nonnenstromberg bleiben, dort waren sie in Sicherheit. Jupp selbst eilte so schnell er konnte und holte Eichenhilds Schwester Eibenhild herbei, die auf einer weiter entfernten Burg lebte. Danach machten Eichenhild und er sich uns an Werk. Sie verstand viel von Kräutern, und er einiges vom Brauen. Sie fanden Kräuter, die bei Menschen die Zunge lösten, und mahlten und mixten sie zu einem feinen Pulver, das man kaum schmeckte. In der nächsten nebligen Nacht verkleidete sich Eichenhild als eine alte Frau, Eibenhild trug ein elegantes Reisegewand, und beide zogen los.
So kam es, dass an jenem Abend zwei fremde Frauen an das Tor der Burg auf dem Ölberg klopften; ein Edelfräulein und seine alte Kinderfrau, die im Nebel vom Weg abgekommen waren. Man ließ sie ein und stellte sie dem falschen Grafen vor. Beeindruckt von der Schönheit der jungen Frau bot er ihnen gleich eine Unterkunft an und freute sich heimlich schon auf eine Nacht mit ihr. Doch zunächst ließ er ein gutes Abendessen servieren. Musiker spielten und der Wein floss in Strömen. Als der falsche Graf seine ganze Aufmerksamkeit Eibenhild widmete und niemand auf die vermeintliche alte Kinderfrau achtete, schüttete Eichenhild schnell das Pulver in seinen Wein. Er trank kräftig, erzählte und prahlte. Eibenhild unterhielt sich mit ihm, lachte über jeden seiner Witze und ermunterte ihn .. verzückt trank der falsche Graf immer mehr.

Als sie sicher war, dass das Pulver seine Wirkung getan hatte, ging Eibenhild aufs Ganze. „Ach Graf „, seufzte sie verträumt, „ich beneide Eure Dame. Sie hat Euch, Eure stattliche Burg und ..“ Da lachte der falsche Graf lauthals los. „Ha, die anmaßende Hexe schläft jetzt wohl auf dem Boden, wenn sie überhaupt noch lebt! Ihre eigenen Leute wollten lieber mein Geld als ihre Herrin!“ Schlagartig wurde es still. Eichenhild legte ihre Verkleidung ab ging mit entschlossenem Gesicht auf ihn zu. Entsetzt wich der falsche Graf zurück und wollte fliehen, doch schnell war er von einigen Getreuen umstellt und wurde ins Verlies gebracht. Nach einer Weile gab er zu, was geschehen war: Er war mit dem Herrn vom Ölberg in Palästina gewesen und hatte gesehen, wie Buchenhard im Kampf verwundet und gefangen genommen wurde. Schnell hatte er seine Waffen genommen und war geflohen. „Mein Gemahl wird über Euch und Eure Spießgesellen richten“, entschied Eichenhild, ganz Herrin der Burg.

Doch als sie am nächsten Tag zu Jupp auf den Nonnenstromberg kam, um ihren Buben und das Kindermädchen zu holen, war sie sehr bedrückt. „Ach Jupp“, sagte sie, „wie soll es nun weitergehen? Natürlich werde ich die Burg führen und meinen Sohn großziehen, und Eibenhild bleibt erst einmal bei mir, aber wie soll ich ohne Buchenhard leben?“ Der Drache fühlte mit ihr. „Hab‘ Vertrauen“, sagte er, „ein Mann wie Buchenhard stirbt nicht so einfach, wenn er eine wundervolle Frau wie Dich und einen so lieben Buben hat. Es stimmt, die Sarazenen haben Jerusalem zurückerobert, aber Sultan Saladin ist ein Ehrenmann, man sagt, dass er sehr viele Gefangene freigelassen hat. Auch Dein Gatte wird zurückkommen, und bis dahin sind wir alle bei Dir.“

Monate später kam wieder ein Ritter auf die Burg auf dem Ölberg. Er trug keine Rüstung mit einem Wappen darauf und er war sehr abgemagert, doch es gab keinen Zweifel – Buchenhard war zurück.

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