Die Revolution wird blutig

Januaraufstand in Berlin
Januaraufstand in Berlin

Weihnachtskämpfe

Die so lange ersehnte Einheit der Arbeiterparteien MSPD und USPD zerbrach bald wieder. Die bislang friedlich verlaufene Revolution schlug in Gewalt um.

Kurz vor Weihnachten 1918 eskaliertr ein Streit um die Lohnzahlungen an die Matrosen der Volksmarinedivision. Am Heiligen Abend tobten blutige Kämpfe zwischen Truppen der alten Reichswehr, herbeigeholt von Ebert, und den Matrosen, die von demonstrierenden Arbeitern unterstützt wurden. Auch der Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn von der USPD stellte sich mit seinen Leuten auf die Seite der Matrosen und der Arbeiter.

Aus Protest gegen den Einsatz von Truppen gegen das Volk trat die USPD aus der Regierung aus. Das war zunächst ein politischer Sieg für Ebert, der nun die missliebigen USPD-Politiker durch seine Vertrauten ersetzen konnte. Unter ihnen war Gustav Noske, ein Hardliner, der gleich die verstärkte Bildung von Freikorps anordnete. Doch viele MSPD-Anhänger fühlten sich durch Eberts Politik verraten und wechseln zur USPD oder gar den Kommunisten; und abgesehen von Groener waren die Generäle mit ihm nur ein Zweckbündnis eingegangen.

Spartakus und KPD

Die Spartakisten traten nun ganz aus der USPD aus und gründeten mit anderen linksextremen Gruppierungen die Kommunistische Partei Deutschlands. Sie verstärkten ihren Propagandakrieg, forderten die Fortsetzung und Ausweitung der begonnenen Revolution und lehnten in ihrer Mehrheit eine Teilnahme an den Wahlen zur Nationalversammlung ab.

Januaraufstand

In der aufgeheizten politischen Atmosphäre verfügte die preußische Regierung am 4. Januar die Entlassung des Polizeipräsidenten Eichhorn. Viele Menschen waren empört. KPD, USPD und Revolutionäre Obleute riefen zu einer Massendemonstration auf.

Am Sonntag, dem 5. Januar 1919 und am folgenden Montag versammelten sich über Hunderttausende im Zentrum Berlins. Selbst überrascht von dem großen Zulauf, sahen Karl Liebknecht und die anderen Führer der der radikalen Linken ihre Stunde gekommen: sie riefen zum bewaffneten Kampf und zum Sturz der Regierung auf. Revolutionäre Demonstranten bewaffneten sich, besetzten die Berliner Bahnhöfe und stürmten das Zeitungsviertel mit den Redaktionsgebäuden der bürgerlichen Presse und des Vorwärts. Einige Zeitungen hatten nicht nur zur Aufstellung weiterer Freikorps, sondern auch zum Mord an den Spartakisten aufgerufen.

Doch Karl Liebknecht schätzte die Lage falsch ein: Die meisten Demonstranten waren für Eichhorn auf die Straße gegangen, für die Ziele vom November 1918, nicht für einen bewaffneten kommunistischen Umsturz. Auch die Volksmarinedivision verweigerte ihre Unterstützung. Die Revolutionäre debattierten nur, wurden sich nicht einig; die meisten Demonstranten gingen nachhause. Ebert und die anderen Volksbeauftragten hätte aufatmen können.
Auf Initiative der USPD begannen in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar Verhandlungen. Doch sie scheiterten schon am selben Tag. Nun wollten Ebert und Noske es zu Ende bringen. Beide waren der Ansicht, dass die Lage nur durch Gewalt zu bereinigen war.

Die Stunde der Abrechnung

Noch am selben Tag gab Ebert Noske den Oberbefehl über die Truppen in und um Berlin. Der nahm an: „Meinetwegen. Einer muss der Bluthund werden. Ich scheue die Verantwortung nicht.“ Weitere Freicorps wurden aufgestellt. Am 8. Januar wurde ein SPD-Flugblatt mit dem Titel „Die Stunde der Abrechnung naht“ bekannt. Auch die Linken riefen zum bewaffneten „Kampf gegen die Todfeinde“ auf. Tagelang tobten schwere Kämpfe in Berlin.
Am 11. Januar gab Noske den Einsatzbefehl gegen die Besetzer des Vorwärts. Freikorps rückten in die Stadt ein, bewaffnet mit Flammenwerfern, Maschinengewehren, Mörsern und Artillerie. Damit waren sie ihren Gegnern weit überlegen. Die bürgerkriegsähnliche Situation bot den Republikfeinden im Militär die Gelegenheit, mit ihren Feinden abzurechnen, und das im Auftrag der Regierung. Oft wurden Hausbesetzer noch standrechtlich erschossen, als sie schon aufgegeben hatten. Die besetzten Gebäude und Straßen im Zeitungsvierteil und das Berliner Polizeipräsidiums wurden bis zum 12. Januar erobert. Der Aufstand brach zusammen, er hatte 165 Opfer gefordert.

Luxemburg und Liebknecht werden ermordet

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mussten um ihr Leben fürchten, doch beide wollten Berlin nicht verlassen. Am Abend des 15. Januar 1919 wurden sie verhaftet und noch in derselben Nacht von Freicorps ermordet. Die Mörder wurden nur gering bestraft, wenn überhaupt. Kommunisten auf der einen, Sozialdemokraten und Bürgerliche auf der anderen Seite wurden unversöhnliche Feinde.

 

Die Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 wurde von schweren Kämpfen in Berlin überschattet. Gustav Noske ließ den Militärs freie Hand. Die Parlamentarier der Nationalversammlung gingen nach Weimar.

Schon bald sprachen die Generäle Ludendorff und Hindenburg von einem „Dolchstoß“ in den Rücken des deutschen Heeres. An Freikorpshelmen tauchten Hakenkreuze auf.

 

Bild- und Quellenachweis
Public Domain Section der Wikipedia.

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