Neue Feinde: Franken und Alemannen
An der Grenze des Römischen Reiches / 3
Lange hatte an der Rheingrenze Frieden geherrscht. Germania Inferior, Germania Superior und die angrenzenden Gallia Belgica und Raetia waren blühende Provinzen. Am Drachenfels wurden Steine gebrochen; in Bonn und Köln, ja sogar in Xanten und Nimwegen wurde mit Trachyt vom Drachenfels gebaut. Doch die meisten Menschen im freien Germanien waren arm, und der Wohlstand in den römischen Provinzen weckte Neid. Im Osten des Reiches waren die Parther seit jeher erbitterte Feinde Roms.
Markomannen-KriegeSchon zur Zeit Kaiser Marc Aurels (160-180) wurde Rom in die Defensive gedrängt. Im Osten überfielen die Parther römische Gebiete, an der Donaugrenze drangen die Markomannen und Quaden über die Grenze tief in die römischen Provinzen ein. Zugleich wütete die Pest im Römischen Reich. Der Kaiser konnte die Donaugrenze sichern, doch die Reserven waren erschöpft und das Reich geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise. Ganze Regionen waren menschenleer; hier siedelte der Kaiser Germanen an, damit sie das Land bestellten und zur Not verteidigten. Er selbst erkrankte an der Pest und verstarb in Wien.
Römische BürgerUnter der Dynastie der Severer (193-235) erlebten Germania Inferior und Germania Superior noch einmal eine Zeit relativen Friedens. 212 verlieh Caracalla allen Freien das Römische Bürgerrecht; so waren auch die Menschen in Bonn und Köln nun römische Bürger. Zudem hob der Kaiser den Sold der Legionäre an, so kam mehr Geld in die Provinzen und den Menschen ging es recht gut. Auch auf der rechten Rheinseite, im "Barbaricum", wurden viele römische Waren gefunden, und die germanische Oberschicht, die sich römische Güter leisten konnte, fand sicher Gefallen daran. Doch die meisten Menschen im freien Germanien waren arm, und der Wohlstand in den römischen Provinzen weckte Neid.
Als Kaiser Severus Alexander im Osten gegen die Parther kämpfte, zog er Truppen vom Limes ab. Die Alemannen fielen in Germania Superior ein, plünderten das Land und legten viele Limeskastelle in Schutt und Asche. Immer mehr Germanen schlossen sich zu Raubzügen auf die linke Rheinseite zusammen.
SoldatenkaiserDie Zeit der Soldatenkaiser (235-285) gilt als eine Zeit der Krise. Der ständige, oft gewaltsam herbeigeführte Wechsel auf dem Kaiserthron ließ das Römische Reich nicht zur Ruhe kommen. Nach außen musste es sich an mehreren Fronten gegen neue, mächtige Feinde verteidigen: Die Franken und Alemannen am Rhein, die Goten und Sarmaten an der Donau und die Sassaniden im Osten. Die Franken waren ein Großverband, in dem die Germanenstämme entlang der Rheingrenze aufgegangen waren. Auch die Alemannen waren ein Großverband. Beide unternahmen immer wieder verheerende Raubzüge in das Dekumatland, nach Raetien und nach Gallien. Immer öfter kamen die römischen Truppen zu spät. Als erneut Truppen vom Rhein in den Orient verlagert wurden, war die Rheingrenze kaum geschützt.
Ein Katastrophenjahr für Rom256-258 fielen die Franken in Germania Inferior ein. Mehrere Legionslager am Rhein wurden zerstört, Trier wurde erobert und nur Köln mit seiner steinernen Stadtmauer überstand den Überfall. Kaiser Gallienus und sein Statthalter in Germania Inferior Postumus konnten die Franken zunächst schlagen. Doch 260 musste Gallienus den Feldzug plötzlich abbrechen. Valerian, sein Vater und Mitkaiser, war mit seinem Heer von den Sassaniden besiegt worden und in die Gefangenschaft des Sassanidenkönigs geraten. Als die Nachricht nach Rom kam, brach ein Bürgerkrieg aus. Wieder wurden Truppen vom Rhein abgezogen, und sogleich überrannten Alemannen und Franken den Limes und drangen tief ins Römische Reich vor. Mit knapper Not konnte Kaiser Gallienus sie bei Mailand schlagen; aber die Folgen für Germania Superior waren verheerend.
Gallisches SonderreichAn der Rheingrenze konnte Postumus die Franken besiegen. Doch dann sagten sich die drei gallischen und die beiden germanischen Provinzen, zeitweise auch Spanien und Britannien von Rom los. Das Gallische Sonderreich (260-274) entstand, an der Spitze war Postumus, seine Hauptstadt wurde C.C.A.A./Köln. Auch die Bonner Legion I. Minervia diente ihm. Es war es eine gute Zeit für Gallien und das Rheinland .. nicht aber für Kaiser Aurelian in Rom, dem der Verlust des Nahen Ostens und Ägyptens an den syrischen Stadtstaat Palmyra und des Westteils an das Gallische Sonderreich drohte. In der Schlacht bei Châlons-sur-Marne 274 machte er dem Gallischen Sonderreich ein Ende. Doch unzählige Soldaten kamen dabei um und so blieb kaum jemand, der die Grenze hätte verteidigen können.
Noch im selben Jahr überrannten fränkische und alemannische Kriegsherrn das Land. Viele Kastelle am Rhein wurden zerstört, Köln und Trier erobert und geplündert. Die Menschen in Bonn suchten Schutz im Legionslager, das Hinterland von Köln war menschenleer. Weite Regionen Hollands, Belgiens und Frankreichs wurden verwüstet.
Der Limes wird aufgegebenDrei Jahre herrschte Anarchie, dann konnte Kaiser Probus die Alemannen und Franken besiegen. Nun traf er eine weitreichende Entscheidung: Die Grenze des Römischen Reiches wurde an den Rhein und die Donau zurückgenommen, der Limes und das Dekumatland wurden aufgegeben. Zugleich machte er die besiegten Franken und Alemannen zu Föderaten Roms, d.h. zu Verbündeten, die auf römischen Gebiet oder unmittelbar an der Grenze siedeln durften, loyal zum Reich standen und es gegen Eindringlinge verteidigten. Bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts herrschte Frieden.
Am Ende des 3. Jahrhunderts kam mit Diokletian wieder ein starker Herrscher auf den Thron. Ihn verbinden wir mit der Vier-Männer-Herrschaft und schlimmen Christenverfolgungen, mit Diokletian beginnt die Spätantike.
Germania Prima und Germania SecundaDiokletian ordnete die Provinzen neu: Germania Inferior blieb weitgehend unverändert, nur der Name änderte sich in Germania Secunda, Germania Superior wurde aufgeteilt: der Teil nördlich von Argentorate / Straßburg blieb und hieß nun Germania Prima. Die Vier-Männer-Herrschaft hatten keinen Bestand. Schon Konstantin setzte sich in einem blutigen Machtkampf gegen seine Mitkaiser durch. Nun wurde das unter Diokletian noch verfolgte Christentum eine anerkannte, ja sogar privilegierte Religion, wenn auch noch keine Staatsreligion. Gelebt hat er selbst es nicht.
Castellum Divitia - Köln-DeutzDie Rheingrenze wurde neu befestigt. Um 310 entstand das Kastell Deutz (castellum divitia), auch mit Steinen vom Drachenfels, und die erste feste Rheinbrücke, aus Holz, verband es mit der Stadt. Gebaut haben es Männer der XXII. Legion Primigenia, auch divitenses genannt, daher der Name.
Julian ApostataAls nach dem Tod Konstantins erneut ein blutiger Machtkampf ausbrach, drangen die Alemannen und Franken erneut über den Rhein. 353 zerstörten die Franken das Bonner Legionslager, 355 eroberten und plünderten sie Köln. Konstantins Neffe Julian, damals Unterkaiser in Gallien, konnte sie nach heftigen Kämpfen über den Rhein zurückdrängen. Er eroberte Köln zurück und ließ das Bonner Lager neu aufbauen und befestigen. Wir wissen nicht, was mit der dort stationierten Legion I. Minervia geschah. Wenig später wurde Julian "Apostata" Kaiser. Rom gestattete den Franken, sich in Toxandrien (im heutigen Belgien) anzusiedeln. Immer mehr kamen, schließlich waren sie, nunmehr Salfranken genannt, die größte ethnische Gruppe. Viele Salfranken, unter ihnen die frühen Merowinger, dienten in der Römischen Armee. Die rechtsrheinischen Franken hingegen blieben Feinde des Reiches.
Völkerwanderung395 wurde das Römische Reich unter den Söhnen Kaiser Theodosius' in ein Weströmisches und ein Ost-römisches Reich geteilt. Während das Oströmische Reich eine Zeit relativen Friedens erlebte, befand sich das Weströmische Reich in einem ständigen Abwehrkampf. Sein Heer bestand zunehmend aus Fremden, auch die Heermeister waren überwiegend Germanen. Im 5. Jahrhundert waren sie die starken Männer im Weströmischen Reich.
Die größte Gefahr waren die Hunnen, die um 370 aus Zentralasien in die damals bekannte Welt eingefallen waren. Ihrer brutalen Kriegsführung hatten die Völker nichts entgegenzusetzen; die besiegten mussten Heeresfolge leisten, die anderen flohen und suchten Schutz im Römischen Reich. Auch die Westgoten lebten als Verbündete (foederati) auf römischem Gebiet. Mehrfach focht Kaiser Theodosius I. Thronkämpfe im Westen aus, und stets waren die Verluste bei den westgotischen Hilfstruppen besonders hoch. Als die Goten nach dem Tod des Kaisers endlich zurückkehren durften, hatten die Hunnen ihre Siedlungsgebiete zerstört. Schließlich zogen sie unter ihrem Anführer Alarich ins Westreich; 401/2 standen sie in Italien.
Zusammenbruch der RheingrenzeKaiser Honorius zog mit seinem Hof nach Ravenna, das als uneinnehmbar galt. Sein Heermeister Stilicho, ein Vandale, konnte die Goten besiegen. Doch schon 405/ 406 fiel ein weiteres Heer in Italien ein, und auch Alarichs Truppen standen noch an der Grenze. In dieser Notsituation zogen die Römer Truppen vom Rhein ab. Daraufhin überschritten Tausende Vandalen, Sueben und Alanen bei Mainz den zugefrorenen Rhein, überrannten die romtreuen Franken auf der linken Rheinseite und drangen bis tief nach Gallien ein. Für Jahrzehnte herrschten Anarchie und Not.
Fränkische Scharen erstürmten Köln. 440 eroberten die Römer die Stadt zurück, 446 fielen die Franken wieder ein. Noch einmal konnten die Römer sie zurückdrängen, doch das Ende der Römerherrschaft zeichnete sich ab.
AttilaUm 450 war der Hunnenkönig Attila Herr über ein Riesenreich von der Wolga bis an den Rhein, und der mächtigste Mann der bekannten Welt. Für Rom hatte der mächtige Heermeister Flavius Aëtius lange Zeit gute Beziehungen zu den Hunnen gepflegt. Doch dann kam es zum Bruch; Attila zog gegen Westrom. 451 standen die Hunnen am Rhein. Die rechtsrheinischen Franken unterwarfen sich und mussten als Hilfstruppen mit Attilas Heer ziehen.
Auf den Katalaunischen Feldern trafen die beiden Heere aufeinander. Nur etwa die Hälfte der Soldaten in Attilas Streitmacht waren Hunnen, die andere Hälfte Ostgoten, Gepiden, Burgunder und rechtsrheinische Franken. In Aëtius' Heer stellten die Westgoten die Hälfte der Soldaten, die andere Hälfte waren Weströmer, linksrheinische Franken, Burgunder und Alanen. Aëtius und seine Verbündeten siegten, und Attila zog sich aus Gallien zurück. Zwei Jahre später starb er, das Hunnenreich brach auseinander. Aëtius überlebte ihn nicht lange, 454 wurde er ermordet.
AegidiusDer letzte römische Feldherr am Rhein war Aegidius. Wie sein Freund, der Kaiser Majorian, stemmte er sich letztlich vergeblich gegen den Machtverlust Westroms. 455 wurde Köln endgültig von den Franken erobert. Die römische Herrschaft im Rheinland war vorbei; um 475 war auch die lateinische Sprache verschwunden.
