Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reichs herrschten die Franken auf beiden Seiten des Rheins. Die salischen Franken lebten um Tournai, Cambrai und Arras, heute in Belgien und Nordfrankreich. Hier treffen wir die erste fränkische Herrscherdynastie, die Merowinger. Der erste bekannte Merowingerkönig Childerich I. war ein hoher Offizier in der römischen Armee.
ChlodwigUnter Childerichs Sohn Chlodwig, den man durchaus als Gewaltherrscher bezeichnen kann, wurde das Frankenreich zur europäischen Großmacht. Er ließ sich taufen und nahm das katholische Bekenntnis an. Eine unserer wichtigsten Quellen ist die "Historia Francorums" Gregors von Tours. Ihm zufolge hatte Chlodwig den Christengott beschworen, ihm in der fast schon verlorenen Schlacht bei Zülpich 496 den Sieg über die Alemannen zu schenken. Doch seine Entscheidung war vor allem ein kluger politischer Schachzug: Mit seinem katholischen Bekenntnis hatte er sich für die Religion seiner gallo-römischen Bevölkerung entschieden und konnte sich bei der Verwaltung des Reiches auf sie stützen. Gelebt hat er es freilich nicht, er blieb ein germanischer Heerkönig. Chlodwigs Herrschaft stand am Übergang von der Spät-antike zum Mittelalter. In seinem Reich verbanden sich römische Staatsauffassung, katholisches Christentum und germanisches Heerkönigtum.
Dörfer im SiebengebirgeUnsere Region damals an der Ostgrenze des Frankenreiches. Im Früh-mittelalter entstanden viele Dörfer rund um das Siebengebirge, deren Namen viel erzählen. So enden die Namen der ältesten Dörfer auf "-heim" oder "-dorf", neuere Gründungen auf "-hofen" und "-inghoven". Endungen wie "-rott" oder "-roth" finden sich bei Dörfern im Bergbereich, die erst nach Rodung der Wälder entstanden. Dorfnamen auf "-berg" weisen ebenfalls auf Dörfer im Bergbereich hin. Dorfnamen auf "-bach" bezeichnen ein Dorf, das an einem Bach gebaut wurde. Auch der Name von Bächen findet sich in Ortsnamen wieder, z.B. der Pleisbach im Namen "Oberpleis". Auch das Pleistal, das Gebiet des heutigen Oberpleis, war bereits in merowingischer Zeit besiedelt. Um 700 entstand in Oberpleis der Fronhof, heute Propsteihof.
Der Grabstein von NiederdollendorfAls eine der ersten Siedlungen um das Siebengebirge entstand in merowingischer Zeit Niederdollendorf, dort wurde eine fränkische Grabstele aus dem 7. Jahrhundert gefunden. Sie ist im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausgestellt. Man sieht, wie sich heidnische und christliche Glaubensvorstellungen vermischen. Auch das Totschlagen von Geistlichen blieb an der Tagesordnung.
Die Irisch-Schottischen MissionareIn jener Zeit missionieren irische und angelsächsische Mönche im Frankenreich. Zunächst kam das Ire Columban, der die Klöster in Luxeuil und Annegray im heutigen Frankreich und Bobbio im heutigen Italien gegründete. Zum "Apostel der Deutschen" wurde dann der Brite Bonifatius, der 722 seine Mission begann. Er ordnete die verfallene Kirche unter der Oberhoheit des Papstes.
Der Aufstieg der KarolingerDurch den Verfall der Merowinger kam die politische Macht immer mehr in die Hände ihrer höchsten Verwaltungsbeamten, der Hausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger. Karl Martell, der Sieger über die Araber in der Schlacht von Tours und Poitiers 732, regierte fast wie ein König. Pippin III. machte dann Schluss mit dem merowingischen Schattenkönigtum: 751 ließ er sich mit Einverständnis des Papstes zum König krönen. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, denn die "Pippinsche Schenkung" begründet den Vatikanstaat.
Karl der GroßeUnter seinem Sohn Karl dem Großen (768-814) wurde das Frankenreich zur europäischen Großmacht. Getrieben von einem großen Machtwillen und mit oft gnadenloser Härte ging Karl an die Neuordnung der Verhältnisse in seinem Sinne, im Frankenreich wie auch gegen die Sachsen, die Langobarden und die Mauren. Er schaffte die Stammesherzogtümer ab, wahrte aber die rechtliche Eigenständigkeit der Stämme. Das Reichsgebiet war in Grafschaften unterteilt, diese wiederum in Gaue. An ihrer Spitze stand ein Graf, der von Karl eingesetzt, versetzt und auch abgesetzt wurde.
Am Weihnachtstag 800 wurde Karl in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt. Nun war er, in der Tradition der christlichen römischen Kaiser, der Schutzherr Roms und der Kirche; sein fränkisches Reich war das Nachfolgereich des römischen Kaiser-reiches. Beide Kulturen, die christlich-römische und die fränkische, sollten es tragen.
Karl de Große kümmerte sich um die Bildung, die seit langem darnieder lag. Die Geistlichen, zu seiner Zeit Hauptträger der Bildung, ermahnte er immer wieder, Latein und Griechisch zu lernen und die Wissenschaften zu studieren. Er selbst holte Gelernte an seinen Hof in Aachen; die Hofschule entstand, der wir herrliche Buchmalerien verdanken. Zugleich wurde am Hof fränkisch gesprochen, und auch in den Kirchen wurde in der Sprache der Menschen gepredigt.
Der AuelgauDas Siebengebirge gehörte zum Auelgau, der urkundlich ab 832 belegt ist. Oberpleis ab 859. Das war dann schon zur Zeit Lothars I., des Enkels Karls des Großen.
Die ReichsteilungenDas Reich seines Großvaters war zu diesem Zeitpunkt schon geteilt. Lothar I., der Kaiser, regierte im Mittelreich, Ludwig II. "der Deutsche" im Ostreich und Karl II. "der Kahle" im Westreich. Das Rheinland gehört Mittelreich Lothars, Lotharingen. Doch schon 870, im Vertrag von Meersen, wurde das Mittelreich unter Karl dem Kahlen und Ludwig II. dem Deutschen aufgeteilt. Die Grenze durch Lotharingen verlief am Rhein, die rechte Rheinseite gehörte zum Ostreich, die linke zum Westreich. Im Vertrag von Ribemont 880 konnte der ostfränkische König Ludwig III. auch Westlothringen gewinnen. 881 wurde das Fränkische Reich durch die Raubzüge der Normannen heim-gesucht, Köln wurde verwüstet. In eine Urkunde von 893 wurde ein Ort namens "vintre" genannt. Dieser Name ist vom lateinischen Wort für Weinbau abgleitet; vermutlich wurde schon damals Wein im Siebengebirge angebaut. In spätkarolingischer Zeit entstanden auch Oberdollendorf und Römlinghoven.