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Franzosenzeit

Franzosenzeit

Als "Franzosenzeit", durchaus neutral, bezeichnen wir die Jahre zwischen 1794, als die französischen Revolutionsheere das linke Rheinufer besetzten, und 1815, als Napoleon in Waterloo endgültig den Alliierten unterlag. Wir könnten dieses Kapitel auch "Napoleon und das Großherzogtum Berg" nennen, denn für einige Jahre gehörte unsere Region zum Großherzogtum Berg, Modellstaat für die Rheinbund-Staaten mit Napoleon selbst an der Spitze.

Die Rheingrenze

Die Französische Revolution erschütterte die Monarchien Europas. Es kam zum Krieg. 1794 besetzten französische Truppen das linke Rheinufer, im Oktober fielen Bonn und Köln. De facto war der Rhein nun die Grenze zwischen dem revolutionären Frankreich und dem Alten Reich. Schon ein Jahr später schied König Friedrich Wilhelm II. von Preußen aus der Koalition aus, ließ sich aber eine Entschädigung garantieren. Noch im selben Jahr setzen französische Truppen über den Rhein. Nach dem Sieg Napoleons in Italien musste Kaiser Franz II. im Frieden von Campo Formio vom Oktober 1797 die Rheingrenze anerkennen. Die völkerrechtliche Anerkennung folgte im Frieden von Lunéville 1801. Zugleich wurden den Fürsten, die auf der linken Rheinseite Gebiete verloren hatten, Entschädigungen auf der rechten Rheinseite versprochen. Schon damals war klar, dass sie auf Kosten der geistlichen und kleinen Fürstentümer möglich sein würde.

Reichsdeputationshauptschluss

1803 entschied ein Ausschuss des Reichstags, die Reichsdeputation, die geistlichen Fürstentümer und Klöster aufzuheben und ihre Gebiete an weltliche Landesherren zu geben. Die meisten kleinen Länder und Reichsstädte verloren ihre Selbständigkeit und wurden anderen Landesherren zugeschlagen. Auch das Erzbistum Köln verschwand von der Karte; seine Gebiete auf der rechten Rheinseite, das Amt Wolkenburg mit Königswinter und Ittenbach, gingen an den Herzog von Nassau-Usingen.

Kloster Heisterbach

Noch im gleichen Jahr, am 12.09.1803, hob die bergische Regierung das Kloster Heisterbach auf und bot die Kirche zum Verkauf an. 1809 erwarb sie der französische Unternehmer Piautaz, der hier Steine für den Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss brach. Auch die Festung Ehrenbreitstein wurde mit Steinen von Heisterbach gebaut. 1818 verbot der preußische Oberpräsident den weiteren Abbruch. So blieb der wenigstens der Chor.

Das Ende des Alten Reiches

Nach der Niederlage des Kaisers in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz ging es Schlag auf Schlag. 16 Fürsten schlossen sich unter Protektorats Napoleons zum Rheinbund zusammen - de facto war das der Austritt aus dem Alten Reiches. Die Macht des Faktischen und ein Ultimatum Napoleons ließen Franz II. die Konsequenzen ziehen: Am 6. August 1806 dankte er als Kaiser ab und erklärte das Heilige Römische Reich für erloschen.

Großherzogtum Berg

Am 15.03.1806 trat der eben erhobene König von Bayern, in Personalunion Herzog von Berg, das Herzogtum an Napoleon ab. Der Kaiser vergrößerte es, auch Königswinter mit Wolkenburg und Drachenfels kam hinzu. Als Großherzogtum Berg sollte es mit dem Königreich Westfalen "Modellstaat" für die Rheinbundstaaten wer-den. Erster Großherzog wurde Napoleons Schwager und General Joachim Murat, 1808 übernahm der Kaiser es selbst.

Justiz, Verwaltung und Militär wurden nach französischem Vorbild modernisiert. Am 12.02.1808 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben.; am 01.01.1810 kam der französische Franc. Am selben Tag trat der "Code Napoleon" in Kraft, als einheitliches Gesetzbuch gewährte er allen Bürgern Gleichheit vor dem Gesetz. 1812 folgte eine einheitliche Gerichtsorganisation. Doch zugleich wurde alle Männer zwischen 18 und 40 Jahren zwangsrekrutiert. Berg musste jährlich 5.000 Mann für Napoleons Armee abstellen. Bergische Soldaten kämpften gegen die Preußen und in Spanien.

Der Zusammenbruch Preußens

In der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt im Oktober 1806 erlitt Preußen eine vernichtende Niederlage; zwei Wochen später zog Napoleon in Berlin ein. Wenig später besiegte er die russische Armee und konnte im Frieden von Tilsit die Bedingungen diktieren. Preußen verlor fast alle Landesteile im Westen; das Königreich Westfalen unter Napoleons Bruder Jérome entstand. In diesen schweren Jahren sah der preußische Staat die Notwendigkeit grundlegender Reformen. Der Freiherr vom Stein und Graf Hardenberg kämpften für die Bauernbefreiung und die Aufhebung von Standesschranken, die Generäle Scharnhorst und Gneisenau für eine Heeresreform.

Kontinentalsperre

Napoleon beherrschte nun fast ganz Europa - nur der englische Flotte war er in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 unterlegen. Da er England nicht erobern konnte, wollte er es wirtschaftlich nieder-ringen. Kein Land in Europa durfte mit England Handel treiben, kein Hafen englische Schiffe vor Anker gehen lassen. Doch während die englischen Kaufleute schließlich neue Absatzmärkte in Übersee für ihre Waren erschlossen, litten die Menschen auf dem Kontinent. Als sogar Napoleons Bruder, der König von Holland, nicht mitmachte, annektierte der Kaiser Holland, um die Küste zu kontrollieren.

Nun lag das Großherzogtum Berg direkt an der Zollgrenze zu Frankreich, und auch bergische Waren wurden als "feindlich" eingestuft und hoch verzollt. Für Berg war dies ein schwerer Schlag; schon bald führte der Handelskrieg zu Depression, Schmuggel und Abwanderung. Im Januar 1813 kam es zu offenem Widerstand gegen weitere Aushebungen: bergische Truppen wurden nicht mehr eingesetzt.

Befreiungskriege

Die Revolutionsarmeen waren zu Besatzern geworden, und in den Augen vieler Menschen hatte Kaiser Napoleon die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit längst verraten. Die Katastrophe der Grande Armée in Russland war der Wendepunkt. Napoleon selbst entkam in einem Schlitten, von seinen Truppen kehrten nur 18.000 heim, von den 500 bergischen Soldaten nur etwa 190. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erklärte die allgemeine Wehrpflicht und rief am 17. März 1813 zum Befreiungskrieg auf. Getragen von einer Welle der Begeisterung und Opferbereitschaft wurden neue Einheiten geschaffen: Landwehr, Landsturm und Freikorps. Besonders bekannt ist das Corps von Major Lützow.

Im Sommer 1813 verbündeten sich Russland, Preußen, England. Schweden, Österreich und Bayern gegen Napoleon. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 trafen die Heere aufeinander. Vier Tage wurde gekämpft, dann war Napoleon besiegt und zum Rückzug nach Frankreich gezwungen. Die Verbündeten setzten nach und drangen an den Rhein vor; der Rheinbund fiel auseinander. Im November 1813 erschien der preußische Major von Boltenstern mit seiner Truppe in Königswinter. Zusammen mit Königswinterer Bürgern bildeten sie am 10. November 1813 den "Landsturm vom Siebengebirge". Fortan sicherten 3.000 bewaffnete Landsturmmänner das rechte Rheinufer von der südlichen Gemeindegrenze Honnefs bis zur Siegmündung.

Das linke Rheinufer war noch von den Franzosen besetzt. In der Neujahrsnacht 1813/14 überschritten preußische Truppen unter Feldmarschall Blücher bei Caub den Rhein. Am 3.1.1814 versuchte Major von Boltenstern mit seiner Truppe und 150 Freiwilligen, Köln zurückzuerobern. Doch ihr Angriff scheiterte; von Boltenstern kam um Leben. Am selben Tag griffen preußísche Gardejäger und Landsturmmänner von der Insel Nonnenwerth aus die französischen Truppen auf der linken Rheinseite an. Dabei fiel Johann Josef Genger, der Pächter des Wülsdorfer Hofes. An von Boltenstern und Genger erinnert das Landsturmdenkmal auf dem Drachenfels. Am 14. Januar 1814 räumten die Franzosen Köln und die Rheinlinie, im März 1814 war das ganze Rheinufer zurückerobert. Am 31. März 1814 zogen die Verbündeten in Paris ein; Napoleon musste abdanken und bekam die Insel Elba als Fürstentum zugewiesen. Doch die Lage blieb unruhig.

Wiener Kongress und Waterloo

Auf dem Wiener Kongress 1814/15 debattierten die Sieger über eine Neuordnung Europas, kamen aber zu keiner Einigung. Dafür handelte Napoleon: Am 1. März 1815 landete er mit einigen Hundert Mann in Südfrankreich zurück. Viele Menschen jubelten ihm zu und Truppen, die ihn bekämpfen sollten, liefen zu ihm über. Nun einigte man sich in Wien und zog ins Feld. Bei Waterloo unterlag Napoleon den Engländern und Preußen unter Wellington und Blücher. Er wurde auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt und starb dort 1821.

Die auf dem Wiener Kongress beschlossene Ordnung sicherte das Gleichgewicht der Kräfte in Europa. Preußen bekam nicht wie gewünscht Sachsen, sondern das Rheinland und Westfalen zugesprochen. Die Zeit der Preußischen Rheinlande brach an.


Bild- und Quellenachweis

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