Franzosenzeit1

Am Rhein in jenen Jahren
Am Rhein in jenen Jahren

Diese Zeit, und „Franzosenzeit“ ist absolut neutral gemeint, hat unsere Region geprägt. Napoleons Code Civil galt lange über seine Herrschaft hinaus.

Die Französische Revolution 1789 erschüttert die Monarchien Europas; es kommt zum Krieg. Den Söldnerheeren Preußens und Österreichs tritt ein Volksheer aus Männern entgegen, die für ihr Vaterland und für die Ideen der Revolution kämpfen. Ihr Kriegslied, die Marseillaise, ist heute noch die französische Nationalhymne. 1794 besetzen französische Truppen das linke Rheinufer, im Oktober fallen Bonn und Köln.

Die Rheingrenze

De facto ist der Rhein nun die Grenze zwischen dem revolutionären Frankreich und dem Alten Reich. Eine französische Militärverwaltung wird eingesetzt, die u.a. eine Kriegssteuer verhängt und sofort die Rechte der geistlichen Fürstentümer an sich zieht.

Schon 1795 scheidet König Friedrich Wilhelm II. von Preußen aus der Koalition aus, lässt sich aber eine Entschädigung für verloren gegangene preußische Gebiete auf der linken Rheinseite garantieren.

Noch im selben Jahr setzen französische Truppen über den Rhein und ziehen gegen die anrückenden Österreicher. Soldaten beider Armeen ziehen durch unsere Region, die Reichsarmee muss untergebracht und verpflegt werden.

Einer der fähigen Revolutionsgeneräle ist der Korse Napoleon Bonaparte. Er besiegt die Österreicher in Italien, daraufhin muss Kaiser Franz II. im Frieden von Campo Formio 1797 österreichische Territorien abtreten und die Rheingrenze anerkennen. Das besetzte linke Rheinufer ist nun französisches Staatsgebiet. Noch im November 1797 beginnt die Umgestaltung des Landes nach französischem Vorbild in Départements, Arrondissements Bezirke), und Municipalités (Gemeinden) und die in Frankreich geltenden Gesetze und Verordnungen treten auch hier in Kraft.

Die völkerrechtliche Anerkennung folgt im Frieden von Lunéville 1801. Zugleich werden den Fürsten, die auf der linken Rheinseite Gebiete verloren hatten, Entschädigungen auf der rechten Rheinseite versprochen. Dabei ist schon klar, dass dies nur auf Kosten der geistlichen und kleinen Fürstentümer möglich sein wird.

Reichsdeputationshauptschluss

Die Umsetzung obliegt einem Ausschuss des Reichstages, der Reichsdeputation, wobei Napoleon das letzte Wort hat. Im Reichsdeputationshauptschluss 1803 verfügt sie: Die geistlichen Fürstentümer und Klöster werden aufgehoben und ihre Gebieten weltlichen Landesherrn zugeschlagen (Säkularisierung); fast alle kleinen reichsunmittelbaren Reichsstädte und Herrschaften verlieren ihre Selbständigkeit und werden anderen Landesherren zugeschlagen (Mediatisierung). Das geht so weit, dass die Entschädigungen oft ungleich größer sind als die Verluste. So für Bayern und Württemberg, die zudem 1805 von Napoleon zu Königreichen erhöht wurden. Recht und Gesetz des Altes Reiches werden nicht beachtet.

Erzbistum Köln und Kloster Heisterbach

Das Erzbistum Köln gibt es nun nicht mehr. Seine Gebiete auf dem rechten Rheinufer, das Amt Wolkenburg mit Königswinter und Ittenbach, sind dem Herzog von Nassau-Usingen zugesprochen. Noch im gleichen Jahr, am 12. September 1803, hebt die bergische Regierung das Kloster Heisterbach auf und bietet die Abteikirche zum Kauf an. 1809 erwirbt sie der französische Unternehmer Piautaz, der hier Steine für den Bau eines Kanals brechen will.

1806: Der Rheinbund ..

Nach Napoleons Sieg in der Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz 1805 geht es Schlag auf Schlag. Kaiser Franz II. nimmt den Titel „Kaiser von Österreich“ an. Der französische Gesandte erklärt dem Reichstag in Regensburg: „Seine Majestät der Kaiser und König sieht sich verpflichtet zu erklären, dass er den Bestand der deutschen Verfassung nicht mehr anerkennt. Aber er erkennt nichtsdestoweniger an die vollkommene Souveränität eines jeden der Fürsten, deren Staaten heute Deutschland bilden. Er wird mit ihnen dieselben Beziehungen halten wie mit den anderen unabhängigen Mächten Europas.“

.. und das Ende des Alten Reiches

Daraufhin schließen sich 16 Fürsten in Süd- und Mitteldeutschland als souveräne Staaten unter Protektorat Napoleons zum Rheinbund zusammen. Am 1. August 1806 erklären sie vor dem Reichstag in Regensburg, dass die Reichsgesetze „künftighin null und nichtig“ für sie und ihre Untertanen seien – das ist der Austritt aus dem Verbund des Alten Reiches. Die Macht des Faktischen und ein Ultimatum Napoleons lassen Franz II. die Konsequenzen ziehen: Am 6. August 1806 dankt er als römisch-deutscher Kaiser ab und erklärte das Alte Reich, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, für erloschen.

Großherzogtum Berg (1806)

Am 15. März 1806 tritt der Herzog von Berg, nun König Max I. Joseph von Bayern, das Herzogtum an Napoleon ab. Der Kaiser vergrößert das Gebiet und erhebt es zum Großherzogtum Berg. Auch Königswinter mit der Wolkenburg und dem Drachenfels kommen nun zu Berg. Per Dekret vom 26. März 1806 wird es Napoleons Reitergeneral und Schwager Joachim Murat übertragen.

Am 12. Februar 1808 wird im Großherzogtum Berg die Leibeigenschaft aufgehoben, am 1. Januar 1810 der französische Franc eingeführt und der Code Civil, auch Code Napoléon genannt, tritt in Kraft. 1812 folgt eine einheitliche Gerichtsorganisation. 1808 gibt Murat die Herrschaft an Napoleon zurück, der es dann selbst übernimmt. Doch Berg muss jährlich 5.000 Mann für Napoleons Armee abstellen; bergische Soldaten kämpfen gegen die Preußen und in Spanien.

Der Zusammenbruch Preußens (1806)

Preußen war seit 1795 neutral. Erst als französische Truppen auf dem Weg nach Austerlitz durch preußisches Gebiet marschieren und Napoleon seine Versprechen bricht, erklärt König Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) Frankreich den Krieg. In der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt im Oktober 1806 erleidet Preußen eine vernichtende Niederlage; zwei Wochen später zieht Napoleon in Berlin ein. Napoleon besiegt auch die russische Armee. Im Frieden von Tilsit kann er die Bedingungen diktieren. Preußen verliert fast alle Landesteile im Westen; hier bildet Napoleon das Königreich Westfalen unter seinem Bruder Jérôme.

In diesen schweren Jahren erkennt der preußische Staat die Notwendigkeit grundlegender Reformen. Der Freiherr vom Stein und Graf Hardenberg kämpfen für die Bauernbefreiung und die Aufhebung von Standesschranken, die Generäle Scharnhorst und Gneisenau für eine Heeresreform.

Kontinentalsperre (1806)

Napoleon beherrscht fast ganz Europa – nur der englische Flotte war er in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 unterlegen. Da er England nicht erobern kann, will er es wirtschaftlich niederringen. Kein Land in Europa darf mit England Handel treiben, kein Hafen englische Schiffe vor Anker gehen lassen. Doch während die englischen Kaufleute neue Absatzmärkte in Übersee für ihre Waren erschließen, leiden die Menschen auf dem Kontinent.

In diesem erbittert geführten Wirtschaftskrieg werden schließlich auch Waren aus Berg als „feindlich“ eingestuft und mit so hohen Zöllen belegt, dass das Großherzogtum de facto vom französischen Markt abgeschlossen ist. Die Folgen sind verheerend.

Bild- und Quellenachweis
Das Bild stammt aus der Public Domain Section der Wikipedia.

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