Aus Befreiern werden Besatzer

Völkerschlacht bei Leipzig 1813
Völkerschlacht bei Leipzig 1813

Der Zusammenbruch Preußens

Preußen war seit 1795 neutral. Erst als französische Truppen auf dem Weg nach Austerlitz durch preußisches Gebiet marschierten und Napoleon seine Versprechen brach, erklärte König Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) Frankreich den Krieg. In der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt im Oktober 1806 erlitt Preußen eine vernichtende Niederlage; zwei Wochen später zog Napoleon in Berlin ein. Napoleon besiegte auch die russische Armee. Im Frieden von Tilsit konnte er die Bedingungen diktieren. Preußen verlor fast alle Landesteile im Westen; hier bildete Napoleon das Königreich Westfalen unter seinem Bruder Jérôme.

In diesen schweren Jahren erkannte der preußische Staat die Notwendigkeit grundlegender Reformen. Der Freiherr vom Stein und Graf Hardenberg kämpften für die Bauernbefreiung und die Aufhebung von Standesschranken, die Generäle Scharnhorst und Gneisenau für eine Heeresreform.

Kontinentalsperre

Napoleon beherrschte fast ganz Europa – nur der englische Flotte war er in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 unterlegen. Da er England nicht erobern konnte, wollte er es wirtschaftlich niederringen. 1806 verfügt er die Kontinentalsperre: Kein Land in Europa durfte mit England Handel treiben, kein Hafen englische Schiffe vor Anker gehen lassen. Doch während die englischen Kaufleute neue Absatzmärkte in Übersee für ihre Waren erschlossen, litten die Menschen auf dem Kontinent.

Widerstand gegen Napoleon

1808 war Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht. Weitere 23 deutsche Staaten hatten sich dem Rheinbund angeschlossen, nur Österreich, Preußen, Dänisch-Holstein und Schwedisch-Pommern waren außen vor. Diejenigen unter den Rheinbund-Fürsten, die vor allem an ihren Status und an ihre Territorien denken, fanden in Napoleon ihren Meister. Ihm ging es um den Aufbau eines unabhängigen, langfristig an Frankreich gebundenen Staatenbundes zwischen seinem Kaiserreich auf der einen und Preußen und Österreich auf der anderen Seite. Vor allem brauchte er Waffenhilfe, und wann der Bündnisfall eintrat, bestimmte er allein. Napoleons Kriege forderten den Menschen immer größere Opfer ab. Am Ende verfinsterte sich das Bild vom Hoffnungsträger Napoleon; für viele war er nur noch ein Despot, der die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit längst verraten hatte, der koste es was es wolle ganz Europa beherrschen wollte und dafür unzählige Menschen in den Tod schickte.

Der Druck von Napoleons Herrschaft stärkte das nationale Bewusstsein, das Wort „Vaterland“ bekam einen tieferen Sinn. Nationalbewusstsein und Weltoffenheit waren kein Gegensatz, die Liebe zum eigenen Land und zur eigenen Kultur schloss die Achtung für andere Kulturen ein. Das lebten große Menschen jener Zeit vor; als Beispiel seien hier der Universalgelehrte Wilhelm von Humboldt und die Brüder Grimm genannt, die nicht nur deutsche, sondern Märchen aus aller Welt sammelten, übersetzten und für Verständnis warben.

Niedergang in Berg

Da Napoleon England nicht erobern konnte, wollte er es durch die Kontinentalsperre wirtschaftlich niederringen. In diesem erbittert geführten Wirtschaftskrieg wurden schließlich auch Waren aus Berg als „feindlich“ eingestuft und mit so hohen Zöllen belegt, dass das Großherzogtum de facto vom französischen Markt abgeschlossen war. Die Folgen waren verheerend: Viele Unternehmen gingen bankrott, Menschen verloren ihre Arbeit, Schmuggel, vielerorts kam es zu soziale Unruhen und Abwanderung. Obwohl das Großherzogtum Berg auch wirtschaftlich eng an Frankreich gebunden war, hatte Napoleon seinen Niedergang bewusst in Kauf genommen.

Russlandfeldzug (1812)

Über die Kontinentalsperre kam es zum Bruch zwischen Zar Alexander I. und Napoleon. An der Spitze seiner Grande Armée von 675.000 Mann, mit Kontingenten aus Preußen, Österreich und den Rheinbundstaaten, zog Napoleon nach Russland – entschlossen und zuversichtlich, das Zarenreich niederzuwerfen. Nach anfänglichen Erfolgen Napoleons zog sich der Zar immer weiter ins Innere seines riesigen Landes zurück. Schließlich besetzte Napoleon Moskau; doch in der nächsten Nacht ging die Stadt in Flammen auf, dabei wurden Vorräte und Quartiere vernichtet. Napoleon bot  dem Zaren den Frieden an, erhielt aber über Wochen keine Antwort.

Als er schließlich den Rückzug antrat, geriet er mit seinen Truppen in den russischen Winter und wurde immer wieder von Kosaken angegriffen. Der Feldzug endete in einer Katastrophe. Napoleon selbst entkam in einem Schlitten, von seiner Grande Armée kehrten nur 18.000 Soldaten heim, unter ihnen etwa 190 von 500 Männern aus dem Großherzogtum Berg.

Befreiungskriege

General Yorck, Kommandant des preußischen Hilfskorps, schloss am 30.12.1812 mit dem russischen Kommandanten ein Neutralitätsabkommen (Konvention von Tauroggen). Von Ostpreußen aus rief der Freiherr vom Stein im Auftrag des Zaren zum Widerstand auf. Schließlich kam ein Bündnis mit Preußen zustande; König Friedrich Wilhelm III. erklärte die allgemeine Wehrpflicht und rief am 17. März 1813 zum Befreiungskrieg auf. Getragen von einer Welle der Begeisterung und Opferbereitschaft wurden neue Einheiten geschaffen: Landwehr, Landsturm und Freikorps. Besonders bekannt ist das Corps von Major Lützow.

Napoleon eilte mit eigenen Soldaten und Rheinbundtruppen nach Sachsen, konnte die Preußen und Russen schlagen und schloss einen Waffenstillstand.

Völkerschlacht bei Leipzig

Im Sommer 1813 verstärkten England und Schweden unter Kronprinz Karl Johann, dem ehemaligen französischen Marschall Bernadotte, das Bündnis. Staatsminister Metternich von Österreich verhandelte mit Napoleon, denn er wollte eine russische Vorherrschaft ebenso wenig wie eine französische. Als Napoleon auf das Angebot nicht einging, trat auch Österreich der Koalition gegen Napoleon bei. Wenig später auch Bayern.

In der Völkerschlacht bei Leipzig trafen die Heere aufeinander. Vier Tage lang, vom 16.-19. Oktober 1813 wurde gekämpft, dann war Napoleon besiegt und zum Rückzug nach Frankreich gezwungen. Preußische und russische Truppen setzen nach und drangen an den Rhein vor; der Rheinbund fiel auseinander.

Bild- und Quellenachweis
Die Bilder stammen aus der Public Domain Section der Wikipedia.

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