Franzosenzeit2

Königswinter
Königswinter

Höhepunkt und Widerstände

1808 ist Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht. Weitere 23 deutsche Staaten haben sich dem Rheinbund angeschlossen, nur Österreich, Preußen, Dänisch-Holstein und Schwedisch-Pommern sind außen vor. Diejenigen unter den Rheinbund-Fürsten, die vor allem an ihren Status und an ihre Territorien denken, finden in Napoleon ihren Meister. Ihm geht es um den Aufbau eines unabhängigen, langfristig an Frankreich gebundenen Staatenbundes zwischen seinem Kaiserreich auf der einen und Preußen und Österreich auf der anderen Seite. Vor allem braucht er Waffenhilfe, und wann der Bündnisfall eintritt, bestimmt er allein.

Aus Befreiern werden Besatzer

Napoleons Kriege fordern den Menschen immer größere Opfer ab. Am Ende verfinstert sich das Bild vom Hoffnungsträger Napoleon; für viele ist er nur noch ein Despot, der die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit längst verraten hat, der koste es was es wolle ganz Europa beherrschen will und dafür unzählige Menschen in den Tod schickt.

Der Druck von Napoleons Herrschaft stärkt das nationale Bewusstsein, das Wort „Vaterland“ bekommt einen tieferen Sinn. Nationalbewusstsein und Weltoffenheit waren kein Gegensatz, die Liebe zum eigenen Land und zur eigenen Kultur schließt die Achtung für andere Kulturen ein. Das leben große Menschen jener Zeit vor; als Beispiel seien hier der Universalgelehrte Wilhelm von Humboldt und die Brüder Grimm genannt, die nicht nur deutsche, sondern Märchen aus aller Welt sammeln, übersetzten und für Verständnis werben.

Russlandfeldzug (1812)

Über die Kontinentalsperre kommt es zum Bruch zwischen Zar Alexander I. und Napoleon. An der Spitze seiner Grande Armée von 675.000 Mann, mit Kontingenten aus Preußen, Österreich und den Rheinbundstaaten, zieht Napoleon nach Russland – entschlossen und zuversichtlich, das Zarenreich niederzuwerfen. Nach anfänglichen Erfolgen Napoleons zieht sich der Zar immer weiter ins Innere seines riesigen Landes zurück. Schließlich besetzt Napoleon Moskau; doch in der nächsten Nacht geht die Stadt in Flammen auf, dabei werden Vorräte und Quartiere vernichtet. Napoleon bietet dem Zaren den Frieden an, erhält aber über Wochen keine Antwort.

Als er schließlich den Rückzug antritt, gerät er mit seinen Truppen in den russischen Winter und wird immer wieder von Kosaken angegriffen. Der Feldzug endet in einer Katastrophe. Napoleon selbst entkommt in einem Schlitten, von seiner Grande Armée kehren nur 18.000 Soldaten heim, unter ihnen etwa 190 von 500 Männern aus dem Großherzogtum Berg.

Befreiungskriege

General Yorck, Kommandant des preußischen Hilfskorps, schließt am 30.12.1812 mit dem russischen Kommandanten ein Neutralitätsabkommen (Konvention von Tauroggen). Von Ostpreußen aus ruft der Freiherr vom Stein im Auftrag des Zaren zum Widerstand auf. Schließlich kommt ein Bündnis mit Preußen zustande; König Friedrich Wilhelm III. erklärt die allgemeine Wehrpflicht und ruft am 17. März 1813 zum Befreiungskrieg auf. Getragen von einer Welle der Begeisterung und Opferbereitschaft werden neue Einheiten geschaffen: Landwehr, Landsturm und Freikorps. Besonders bekannt ist das Corps von Major Lützow.

Im Großherzogtum Berg hatte die französische Zollpolitik zu Depression, Schmuggel und Abwanderung geführt und der Militärdienst belastet die Menschen so stark, dass es im Januar 1813 kam zu offenem Widerstand gegen weitere Aushebungen kommt.

Napoleon eilt mit eigenen Soldaten und Rheinbundtruppen nach Sachsen, kann die Preußen und Russen schlagen und schließt einen Waffenstillstand. Soldaten aus dem Großherzogtum Berg waren nicht mehr dabei.

Völkerschlacht bei Leipzig

Im Sommer 1813 verstärken England und Schweden unter Kronprinz Karl Johann, dem ehemaligen französischen Marschall Bernadotte, das Bündnis. Staatsminister Metternich von Österreich verhandelt mit Napoleon, denn er will eine russische Vorherrschaft ebenso wenig wie eine französische. Als Napoleon auf das Angebot nicht eingeht, tritt auch Österreich der Koalition gegen Napoleon bei. Wenig später auch Bayern.

In der Völkerschlacht bei Leipzig treffen die Heere aufeinander. Vier Tage lang, vom 16.-19. Oktober 1813 wird gekämpft, dann ist Napoleon besiegt und zum Rückzug nach Frankreich gezwungen. Preußische und russische Truppen setzen nach und dringen an den Rhein vor; der Rheinbund fällt auseinander.

Rheinübergang und Landsturm vom Siebengebirge

Im November 1813 erscheint der preußische Major von Boltenstern mit seiner Truppe in Königswinter. Zusammen mit Königswinterer Bürgern bilden sie am 10. November 1813 den „Landsturm vom Siebengebirge“. Fortan sichern 3.000 bewaffnete Landsturmmänner das rechte Rheinufer von der südlichen Gemeindegrenze Honnefs bis zur Siegmündung. Das linke Rheinufer ist noch von den Franzosen besetzt.

In der Neujahrsnacht 1813/14 überschreiten preußische Truppen unter Feldmarschall Blücher bei Caub den Rhein. Am 3.1.1814 versucht Major von Boltenstern mit seiner Truppe und 150 Freiwilligen, Köln zurückzuerobern. Doch ihr Angriff scheitert; der Major kommt ums Leben. Am selben Tag greifen preußische Gardejäger und Landsturmmänner von der Insel Nonnenwerth aus die französischen Truppen auf der linken Rheinseite an. Dabei fällt ein Einheimischer, Johann Josef Genger. An von Boltenstern und Genger erinnert das Landsturmdenkmal auf dem Drachenfels.

Am 14. Januar 1814 räumen die Franzosen Köln und die Rheinlinie, im März 1814 ist das ganze Rheinufer zurückerobert. Am 31. März 1814 ziehen die Verbündeten in Paris ein; Napoleon muss abdanken und bekommt die Insel Elba als Fürstentum zugewiesen. Doch die Lage bleibt unruhig.

Generalgouvernement Berg (1813)

Nach dem Sieg über Napoleon bei Leipzig baut der tüchtige Freiherr von und zum Stein ein Zentralverwaltungsdepartement für die provisorische Verwaltung der ehemaligen Modellstaaten und französischen Gebiete auf. Truppen für den Krieg gegen Napoleon müssen aufgestellt, Bargeld, Material und Ausrüstung besorgt werden. Das bergische Landsturmedikt vom 25. Dezember 1813 verfügt die allgemeine Wehrpflicht für alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren. Aus dem Großherzogtum Berg wird im November 1813 das Generalgouvernement Berg mit Sitz in Düsseldorf. Schon damals zeichnete sich ab, dass die Rheinlande wohl an Preußen fallen würden.

Wiener Kongress und Waterloo (1814/15)

Vom 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 tagen die Staatsmänner Europas im Palais am Ballhausplatz in Wien. Die Interessen Frankreichs vertritt Talleyrand, ein überaus geschickter Diplomat, der schon unter dem Ancien Régime, der Revolution und Napoleon seinen Einfluss zu wahren gewusst hatte. Geschickt nützt er die Differenzen und Eifersüchteleien zwischen Russland, Preußen, England und Österreich, bis der Kongress zu platzen und ein neuer Krieg droht.

Doch dann erreicht eine alarmierende Nachricht den Kongress: Am 1. März 1815 war Napoleon mit einigen Hundert Mann in Südfrankreich gelandet. Überall jubelten Menschen ihm zu und Truppen, die ihn bekämpfen sollten, waren zu ihm übergelaufen. Nun findet man eine Lösung: Frankreich kommt gut weg, seine neuen Grenzen sind ungefähr die von 1789. Österreich verzichtet auf die österreichischen Niederlande, erhält dafür Tirol, Salzburg, die Lombardei und Venetien. Russland bekommt den größten Teil Polens („Kongresspolen“), England bekommt u.a. Hannover zurück. Preußen bekommt nicht wie gewünscht Sachsen, sondern das Rheinland und Westfalen. Die Schlussakte wird am 9. Juni 1815 unterzeichnet.

„Ich wollte es wäre Nacht oder die Preußen kämen“ – Waterloo

In den österreichischen Niederlanden siegt Napoleon noch einmal gegen die preußische Armee, dann, wenige Tage später, unterliegt er bei Waterloo den vereinigten englischen und preußischen Heeren unter Wellington und Blücher. Zum zweiten Mal muss Napoleon abdanken; er wird auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt. Sechs Jahre später verstirbt er dort.

Die vom Wiener Kongress beschlossene Ordnung sichert das Gleichgewicht der Kräfte in Europa. Zur Sicherung der neuen Ordnung schließen sich Russland, Österreich und Preußen am 26. September 1815 zur Heiligen Allianz zusammen; später treten ihr die meisten europäischen Staaten bei.

Deutscher Bund

Ein Sonderkomitee des Wiener Kongresses beschäftigt sich mit der Frage, wie es in Deutschland weitergehen soll. Im ersten Pariser Friedensvertrag war den deutschen Staaten und freien Städten ihre Unabhängigkeit zugesichert und die Vereinigung durch ein föderatives Band angedacht worden. Nun stehen Interessen gegeneinander. Keiner der Herrscher ist bereit, zugunsten einer Zentralmacht zurückzustecken – weder Kaiser Franz I. von Österreich, noch Friedrich Wilhelm III. von Preußen, noch die Herrscher der Mittelstaaten wie Bayern, Württemberg oder Hannover. Preußen ist durchaus für eine stärkere Einigung Deutschlands, aber unter seiner Führung, und dagegen wenden sich die kleineren Staaten und Österreich.

Schließlich kommt nur ein loser Staatenbund, der „Deutsche Bund“ zustande. Das Gründungsdokument, die Bundesakte, wird am 8. Juni 1815 unterzeichnet. In Artikel 13 heißt es, dass alle Bundesstaaten eine Verfassung bekommen und das Volk durch seine Stände vertreten wird. Aber nur einige Mittel- und Kleinstaaten halten sich daran. Die Staatsmänner sind zufrieden, viele Menschen aber sind tief enttäuscht.

Bild- und Quellenachweis
Die Bilder stammen aus der Public Domain Section der Wikipedia.

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