Friedrich II. und die Herren vom Siebengebirge

Stauferzeit, Friedrich II. und die Herren vom Siebengebirge
Stauferzeit, Friedrich II. und die Herren vom Siebengebirge

Friedrich II.

Friedrich, der Sohn einer Normannin aus Sizilien und eines schwäbisch/burgundischen Vaters, war in Palermo aufgewachsen. Er hieß Friedrich nach seinem Großvater väterlicherseits, Friedrich I. Barbarossa, mit zweitem Vornamen Roger nach seinem Großvater mütterlicherseits, Roger II. von Sizilien. Sein mütterliches Erbe war Sizilien und Süditalien, sein väterliches das Stauferreich jenseits der Alpen. Beidem fühlte er sich verpflichtet, und so war sein Herrschaftsverständnis. Seine Heimat war und blieb sein Königreich Sizilien. Mit seiner umfassenden Bildung und seinem unbändigen Wissensdrang verblüffte Friedrich II. schon seine Zeitgenossen. „Stupor Mundi“, das Staunen der Welt nannten sie ihn. Vielleicht mit einer Mischung aus Bewunderung und stillem Schaudern in einer Zeit, als der Drang nach Wissen oft genug als Zweifeln an jahrhundertelang tradierten kirchlichen Wahrheiten angesehen wurde.

Endlich Frieden für die Grafen von Sayn

Um 1215 heiratete Graf Heinrich, vermittelt durch die Abtei Heisterbach und Papst Innozenz III. Mechthild von Landsberg, die einzige Tochter des Dietrich von Landsberg und der Landgräfin Jutta von Thüringen. Mechthild brachte den umfangreichen Besitz der Thüringer Landgrafen am Mittelrhein in die Ehe ein. Diese Verbindung brachte – hoffentlich – etwas Frieden in das Leben des Grafen, und den Aufstieg in den Hochadel.

In der Grafschaft Berg trauerte man um Graf Adolf III., der 1218 vor Damiette umgekommen war. Er hatte keinen Sohn, und so machte das Haus Limburg, in das seine Tochter eingeheiratet hatte, seinen Erbanspruch geltend. Das rief Adolfs jüngeren Bruder, den Kölner Erzbischof Engelbert I., auf den Plan; er griff zu den Waffen und übernahm selbst die Herrschaft über die Grafschaft Berg. Als auch Graf Heinrich III. von Sayn ihm beistand, entspannte sich das Verhältnis der beiden.

Die Inquisition

Papst Innozenz III. verfolgte Ketzer mit aller Entschiedenheit und Erbitterung. Zugleich war er ein herausragender Jurist und ordnete das Verfahren neu. Anstelle der jahrhundertelang   durch Gottesurteile und Zweikämpfe sollte ein Geständnis die Wahrheit zu Tage bringen. Ohne Geständnis keine Verurteilung, auch wenn es durch Folter erpresst worden war. Zur Befragung setzte er die päpstliche Inquisition ein.

Das alles manifestierte sich in den Bestimmungen des IV. Laterankonzils von 1215. Innozenz erließ zugleich eine Prozessordnung: Dreimal musste versucht werden, den Beschuldigten durch Belehrungen zur Umkehr zu bewegen; erst wenn dies gescheitert war, wurde er aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen und an ein weltliches Gericht überstellt, welches dann das Todesurteil fällte. Dem Beschuldigten mussten die Anklagepunkte und vor allem die Namen der Zeugen genannt werden, damit er sich verteidigen konnte und Verleumdung und falsches Zeugnis von vornherein ausgeschlossen wurden. Mit der Umsetzung wurden die Bischöfe in ihren Diözesen betraut. Doch bald waren die damit betrauten Geistlichen überfordert, und man begann, „hauptberufliche“ Inquisitoren einzusetzen.

Der Papst am Ziel?

Auch der Machtpolitiker Innozenz konnte zufrieden sein, nie zuvor hatte das Papsttum eine solche Machtfülle gehabt. Im Heiligen Römischen Reich herrschte sein Mündel Friedrich II. nun unangefochten, und er wähnte ihn unter Kontrolle. Schließlich hatte ihm Friedrich mehrfach weitreichende Zugeständnisse gemacht. Sizilien war päpstliches Lehen, und eine Einheit mit dem Kaiserreich wie unter Friedrichs Vater Heinrich VI. sollte es nicht mehr geben. Im Juli 1216 in Straßburg versprach Friedrich erneut, sofort nach seiner Kaiserkrönung zugunsten seines kleinen Sohns Heinrich auf die Krone Siziliens zu verzichten. Ernst gemeint hat er das wohl nicht. Friedrich liebte seine Heimat, und er hatte schon Vorkehrungen getroffen, seinen Sohn und seine Gattin aus Sizilien nach Deutschland holen und ihn hier zum römisch-deutschen König wählen zu lassen.

Dann verstarb Papst Innozenz III. überraschend. Sein Nachfolger Honorius III. war ein älterer Herr, mit dem Friedrich leichtes Spiel zu haben glaubte, zumal ihm viel an dem Kreuzzug lag.

Kreuzzug nach Damiette

Ein Kreuzzug kam dann 1217 tatsächlich zustande, freilich in bescheidenem Umfang und ohne Friedrich; er bekam Aufschub, damit er die Dinge in Deutschland regeln konnte. Im Heiligen Land bewegte das Kreuzheer dann auch kaum etwas. Im April und Mai 1218 trafen niederländische, flämische, friesische und deutsche Kreuzfahrern in Akkon ein, unter ihnen waren Graf Heinrich III. von Sayn und Graf Adolf III. von Berg. Die Kreuzfahrer griffen Ägypten an und stießen auf erbitterten Widerstand. Über Monate hörte man in der Heimat nichts, dann kamen schlimme Nachrichten:  Graf Adolf III. von Berg war am 7. August 1218 vor Damiette an einer Seuche gestorben.

Nach langer Belagerung wurde Damiette im November 1219 eingenommen. Drei Tage später starb in Kairo der Sultan, und sein Nachfolger musste seine Herrschaft erst noch sichern. Zugleich traf Kardinal Pelagius von Albano mit Truppen aus Italien ein und beanspruchte die Führung des Kreuzzuges. Von nun an gab es nur noch Streit. Der neue Sultan Al-Kamil war zu Verhandlungen und weitreichenden Zugeständnissen bereit, doch Kardinal Pelagius lehnte kategorisch ab. Viele Kreuzfahrer reisten zurück. Graf Heinrich III. von Sayn war um 1220 wieder im Kölner Raum. So blieb ihm die letztendliche Niederlage der Kreuzfahrer 1221 erspart.

Der Kaiser in Süditalien

In Deutschland ging Friedrichs Politik auf: Ende April 1220 wurde sein neunjähriger Sohn Heinrich auf einem Hoftag in Frankfurt zum römisch-deutschen König gewählt. Sizilien und Deutschland waren in der Hand der Staufer vereint. Dafür hatte er am 26. April 1220 besonders den geistlichen Fürsten zahlreiche Zugeständnisse gemacht. In der „Confoederatio cum principibus ecclesiasticis“ übertrug er ihnen fast alle Königsrechte. Dann zog er nach Rom, der kleine König Heinrich (VII). verblieb in der Obhut des Kölner Erzbischofs Engelbert I. von Berg. Trotz aller Spannungen wurde Friedrich am 22. November 1220 in Rom von Papst Honorius III. zum Kaiser gekrönt.

Friedrichs Heimat war Süditalien, und dorthin zog es ihn zurück. Hier konnte er seine Königsherrschaft wiederherstellen und dann sein Königreich nach seinen Vorstellungen formen. In Deutschland hätte er sich wohl in einem andauernden Kleinkrieg mit den Fürsten aufgerieben. Die sizilianischen Fürsten erlebten ihn dann auch von einer anderen Seite als die deutschen; hier griff er sofort durch. Das Zentrum des Kaiserreichs war nun Süditalien, inmitten der von Italienern, Byzantinern, Arabern und Normannen geprägten Mittelmeerwelt. Das nordalpine Reich seines Großvaters Barbarossas kam an zweiter Stelle. Doch seine Idee eines universalen Kaisertums mit dem Kaiser als weltlichem Führer des Abendlandes stieß auf den erbitterten Widerstand der Päpste und der norditalienischen Städte, die schon Friedrichs Großvater Friedrich I. Barbarossa so erbittert bekämpft hatte.

Die Herren vom Siebengebirge

Die Burggrafen vom Drachenfels

Die Verwaltung von Burg Drachenfels oblag Dienstleuten; doch diese Regelung verschlang eine Menge Geld. Um 1200 übertrug das St. Cassius-Stiftung die Burg den Ministerialen vom Drachenfels zu Lehen, gegen einen Anteil der Einkünfte. Um 1225 ist als erster Burggraf Heinrich vom Drachenfels verzeichnet. Anders als etwa ein Landgraf gehörten sie zum niederen Adel.

Es gab auch einen Kaplan auf der Burg, und eine Kapelle entstand. Aus dem 13. Jahrhundert ist das „Drachenfelser Missale“, ein Messbuch, erhalten geblieben. Vielleicht haben schon damals die Burgleute vom Drachenfels auf die Weinberge hinabgesehen, denn man weihte die Kapelle später St. Urbanus, dem Schutzpatron der Winzer.

Burg Rosenau

Unterhalb des Ölbergs, auf dem Hügel Rosenau, stand für kurze Zeit eine kleine Burg, doch von ihr wissen wir heute nur sehr wenig.  Im Siebengebirge war ein Dietrich von Dorndorf aufgetaucht, ein niederer Adliger, aufgetaucht. Seit 1227 nannte er sich Dietrich von Rosenau, also Herr der Burg Rosenau. Nach seinem Tod 1243 verkaufte seine Familie noch im gleichen Jahr die Burg Rosenau an das nahegelegene Kloster Heisterbach, und um 1250 wurde sie wieder abgerissen. Die Motive bleiben bis heute unklar.

Wolkenburg

Von den Bewohnern der Wolkenburg wissen wir wenig. Auch sie waren Burggrafen im Dienst des Erzbischofs, Kölner Lehnsleute. Die Burg mit dem Amt Wolkenburg war damals eine der mächtigsten in unserer Region, und die damaligen Burggrafen waren sicher eine Autorität. Sie tauchen in vielen Urkunden aus, aber über ihr Leben wissen wir kaum etwas.

Löwenburg

Graf Heinrich III. von Sayn war nun ein mächtiger und geachteter Mann; er war oft am Hof Friedrichs II. Mit seiner Frau Mechthild stiftete er zahlreiche Klöster und die Deutschherren-Kommende in Ramersdorf. Der Kölner Erzbischof Heinrich von Müllenark war sein Vetter, für ihn griff er oft diplomatisch und militärisch ein.

Kloster Heisterbach

Kloster Heisterbach war religiöser Mittelpunkt unserer Region. Unter dem zweiten Abt Gevard und dem dritten Abt Heinrich I. entstand in den Jahren von 1203 bis 1237 die Abteikirche – eine turmlose Basilika mit Chorumgang und Kapellenkranz, wie sie die Zisterzienser in Frankreich bauten. Ende Januar 1227 wurden die ersten Altäre geweiht.

Die Äbte des Klosters waren bedeutende Männer, Abt Heinrich I. stand in Kontakt mit Kaiser Friedrich II., König Heinrich (VII.) und dem Papst. Der Kölner Erzbischof Engelbert I. von Berg war dem Kloster eng verbunden. Als er 1125 ermordet wurde, zog Abt Heinrich I. mit dem Leichenzug zum Hoftag nach Frankfurt und erhob Anklage gegen die Mörder. Der neue  Erzbischof Heinrich I. von Müllenark ließ den Mörder in Köln hinrichten. Er beauftragte Caesarius von Heisterbach, eine Biographie zu verfassen, die „Vita Engelberti“ damit Engelbert möglichst schnell heilig gesprochen wurde.

Kaiser, Könige, Ketzer

Friedrichs Kreuzzug

Im Sommer 1227 sprachen Menschen überall im Reich von dem bevorstehenden Kreuzzug; am 1. August 1227 sollten die Schiffe der Kreuzfahrer von Brindisi in Süditalien aus nach Palästina segeln. Auch Herzog Heinrich IV. von Limburg, amtierender Graf von Berg, würde mit vielen Männern aufbrechen. Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens und enger Vertrauter Kaiser Friedrichs II., warb in Deutschland für den Kreuzzug. Man hörte wieder Palästina-Lieder. Bekannt sind das von Walter von der Vogelweide und das des Tannhäusers, der vielleicht mit dabei war.

Als Friedrich II. 1227 endlich den lange zugesagten Kreuzzug antrat, brach im Lager in Brindisi eine Seuche aus, auch der Kaiser erkrankte schwer und der Kreuzzug wurde verschoben. Papst Gregor IX. bannte den Kaiser. Als Gebannter segelte er 1228 nach Palästina. Doch im Heiligen Land schlug ihm der Hass des Patriarchen von Jerusalem, der Templer und der anderen Ordensritter entgegen. Seine Gegner schreckten auch vor Verrat und Attentaten nicht zurück. Nur seine deutschen und italienischen Ritter sowie die Ritter des Deutschen Ordens stehen loyal zu ihm.Durch Verhandlungen mit dem Sultan Al-Kamil gewann er Jerusalem ohne Kampf und setzte sich am 18. März 1229 in der Grabeskirche selbst die Krone auf.

Doch beiden Herrschern wurde von ihren Untertanen Verrat an der eigenen Sache vorgeworfen. Der Papst ließ sogar Söldner in Süditalien einfallen.Im Juli kehrte Friedrich eilig zurück nach Europa, setzte sich durch und nahm unerbittlich Rache. Ein Jahr später schloss er einen vorläufigen Frieden mit dem Papst und wurde vom Bann befreit.

Heinrich (VII.)

Friedrichs Sohn Heinrich (VII.) regierte in Deutschland, doch nie auf Augenhöhe mit dem Vater. Heinrich unterstützte die aufstrebenden Städte und den niederen Adel gegen die mächtigen Fürsten, doch diese Politik fand nicht die Zustimmung Friedrichs. Auf einem Hoftag im Mai 1231 in Worms pressten die Fürsten Heinrich weitreichende Zugeständnisse ab. Friedrich II. bestätigte sie 1232 im „Statutum in favorem principum“, einer Urkunde, in welcher den weltlichen Fürsten die gleichen Rechte zugesprochen wurden wie den geistlichen – auch sie waren fortan Landesherrn. Das ging auf Kosten der Städte und auch des Reiches, denn nun können mächtige Fürstentümer entstehen.

Ketzerei als Majestätsverbrechen

Auch im Heiligen Römischen Reich ging die Kirche mit aller Entschiedenheit gegen „Ketzer“ vor. Nun griff auch die Staatsmacht durch. Kaiser Friedrich II. hatte dem Papst von Anfang an und immer seine Unterstützung im Kampf gegen Ketzer zugesichert. Seinem ersten Gesetz vom November 1220 waren weitere gefolgt.

Friedrich II. sah die – gottgewollte – Autorität seiner Staatsregierung durch die Ketzer gefährdet.Ausgerechnet er, der selbst alles in Frage stellte, erließ die umfangreichste und bedeutendste Gesetzgebung gegen Ketzer: Häresie wurde als Majestätsverbrechen angesehen und mit dem Tod bestraft. Nicht nur das. Papst Innozenz III. hatte sich von dem Grundgedanken leiten lassen, der Herr wolle die Bekehrung des Ketzers, nicht dessen Tod. Nun wurde das bisher gültige Untersuchungs- und Bekehrungsverfahren aufgehoben, nun konnten die Inquisitoren nach eigenem Ermessen und mit aller Vollmacht handeln. Die Konstitutionen des Kaisers brachten eine schlimme Wende.

1231 wurde Friedrichs Gesetzgebung ins Kirchenrecht übernommen. Papst Gregor IX. übertrug die Ketzerbekämpfung einem Mann, der viel Leid über Deutschland bringen sollte: Magister Konrad von Marburg, ehemaliger unerbittlicher Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen. Von Köln aus organisierte Konrad ein Netz von Spitzeln, die ihm Namen und Vergehen vermeintlicher Ketzer zutrugen. Er ging davon aus, dass jeder Verdächtigte auch schuldig war, und machte kurzen Prozess: keine weiteren Zeugenverhöre, keine Bekehrungsversuche mehr. Bald loderten überall Scheiterhaufen.

Ketzerprozess gegen Heinrich III. von Sayn

Selbst Graf Heinrich III. von Sayn wurde 1233 angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe an einer Ketzerzusammenkunft teilgenommen und gräuliche Dinge gesagt und getan.Die Anklage kam einem Todesurteil gleich. Zudem gab es einen privaten Grund für die Feindschaft: die engen Beziehungen Graf Heinrich und seiner Frau Mechthild zur verstorbenen Landgräfin Elisabeth von Thüringen. Mechthild, die hochadelige Thüringerin, hatte wohl einen Teil ihrer Kindheit am Thüringer Hof verbracht, wo auch die etwa gleich alte Königstochter Elisabeth von Ungarn seit ihrem 4. Lebensjahr lebte. Auf der Website des Fürstenhauses heißt es dazu. „Elisabeth wird ihre Verwandten in Sayn mehrfach besucht haben […]Es liegt nahe, dass ihre Kinder einige Jahre bei Heinrich und Mechthild von Sayn Schutz und Zuflucht fanden.“

Der Inquisitor, Ankläger und Richter zugleich, befand Heinrich für schuldig. Doch der mächtige Graf schaffte es, seinen Fall der außerordentlichen Gerichtsbarkeit Konrads zu entziehen und vor ein weltliches Gericht zu bringen, das ihn freisprach. Doch Magister Konrad hetzte weiter gegen den Grafen, rief sogar zum Kreuzzug gegen die Burg Sayn auf. Kurz darauf wurde er auf saynischem Gebiet ermordet.

Der ferne Kaiser

Bewegte Jahre

Die 1230/40er waren bewegte Jahre für Friedrich II. Die oberitalienischen Städte kriegte er einfach nicht unter Kontrolle. Die seit jeher schwierige Beziehung zu seinem Sohn Heinrich (VII.) endete tragisch. Heinrich wurde zu seinem Vater zitiert und vor aller Welt gedemütigt. Nun revoltierte er, rief zum Kampf gegen den Kaiser auf und verbündete sich sogar mit dessen ärgsten Feinden, den oberitalienischen Städten. Das war Hochverrat. Friedrich reiste selbst nach Deutschland. 15 Jahre lang war er nicht mehr in Deutschland gewesen, nun kam er mit all seiner orientalischen Pracht. Heinrich unterwarf sich, aber ihm wird nicht vergeben; sein Vater verurteilte ihn zu lebenslangem Kerker.

Im selben Jahr heiratete Friedrich in Worms in dritter Ehe Isabella von England, die Tochter König Johann „Ohnelands“. Köln hatte sie bei ihrer Ankunft willkommen geheißen. Es war ein letzter Höhepunkt der „höfischen Zeit“.

Lebensgeschichten

In diesen Monaten war Graf Heinrich III. von Saynoft am Hof Kaiser Friedrichs II. Ob er auch an der feierlichen Erhebung der Gebeine der heiligen Elisabeth in Marburg teilgenommen hat? Am 1. Mai 1236 hatte der Kaiser, barfuß und im Büßergewand, der Zeremonie beigewohnt. Wir haben kein Zeugnis davon, doch es ist gut denkbar.

Cäsarius von Heisterbach hatte 1236/37 Elisabeths Lebensgeschichte verfasst. In Heisterbach war inzwischen die Abteikirche fertig gebaut und am 18. Oktober 1237 konsekriert. Mit 88 m Länge übertraf dieser Bau, der zisterziensische und niederrheinische Bauelemente vereint, alle romanischen Kirchen Kölns, außer dem damaligen romanischen Dom.

Apulien

In den 1240er Jahren war Friedrich zumeist in Apulien, er liebte dieses Land. Foggia war sein Regierungssitz, in Gioia del Colle lebte Bianca Lancia, seine große Liebe, die er kurz vor ihrem Tod noch geheiratet hat. Mit ihr hatte er zwei Töchter und den Sohn Manfred, mit dem er sein berühmtes Falkenbuch schrieb. Castel del Monte entstand.

Sein Sohn Konrad aus der Ehe mit Isabella von Brienne vertrat ihn in Deutschland. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Heinrich (VII.) beging 1243 Selbstmord.

Kampf gegen das Papsttum

Friedrich II. führte einen erbitterten Kampf gegen das Papsttum. Der Papst verfolgte den Kaiser mit fanatischem Hass, brandmarkte ihn als Ketzer, als leibhaftigen Antichrist und Diener des Satans. Sonntag für Sonntag wurden diese schrecklichen Vorwürfe und der Bannspruch in den Gottesdiensten überall im Reich vorgelesen. Einige der Großen des Reiches, unter ihnen Heinrich III. von Sayn, wandten sich in einem Brief vom 2. April 1240 an den Papst und versuchten zu vermitteln, doch vergeblich. 1243 trat Innozenz IV. die Nachfolge von Gregor IX. an; es begann ein Vernichtungskrieg. Im Juli 1245 auf dem Konzil von Lyon ließ der Papst den Kaiser absetzen. Mit viel Geld warb er einen Gegenkönig an, Heinrich Raspe von Thüringen, und scheute sogar vor Mordanschlägen nicht zurück. Der Kaiser nahm unerbittlich Rache, wenn er sich hintergangen fühlte.

Kaiser oder Papst – alles andere verschwand hinter diesem Endkampf. Da spielte es auch keine Rolle mehr, dass im Osten des Reiches eine tödliche Gefahr drohte – die Mongolen. Anfang 1241 lag nur noch das Herzogtum Schlesien zwischen ihnen und Mitteleuropa. Der in Liegnitz regierende Herzog stellte sich mit ein paar Tausend Männern dem übermächtigen Feind und erlitt eine furchtbare Niederlage, er und fast alle seine Streiter kamen um. Nur wegen ihrer eigenen hohen Verluste und dem Tod ihres Großchans wenig später ließen die Mongolen von Europa ab.

Hochstaden

In Köln war inzwischen Konrad von Hochstaden (1238-1261) Erzbischof geworden. Für ihn heiligte der Zweck die Mittel, auch vor Gewalt schreckte er nicht zurück. Nach dem zweiten Bannspruch gegen den Kaiser am 20. März 1239 wechselteder Erzbischof zum Papst über. Als der Gegenkönig Heinrich Raspe schon nach sieben Monaten starb, sah er seine Chance: nach Verhandlungen mit dem Papst wurde im Oktober 1247 in Worringen der erst neunjährige Wilhelm von Holland als Gegenkönig gewählt und im November gekrönt.

Für Graf Heinrich III. von Sayn war das eine schwierige Situation, es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen.In seinen letzten Lebensjahren brachte sich Graf Heinrich III. immer wieder ein, um den Frieden im Rheinland zu wahren. An Graf Heinrich III. und Gräfin Mechthild erinnert noch heute die 1245 gegründete Stadt Blankenberg.

Das Ende der Stauferzeit
Endlich hatte Friedrich II. Grund zu vorsichtigen Optimismus. Seine Truppen hatten in Oberitalien gesiegt, und sein Sohn Konrad IV. konnte in Deutschland Boden gewinnen. Doch dann erkrankte er schwer an der Ruhr und verstarb um 13.12.1250 in Castel Fiorentino.

Der Hass des Papstes verfolgte die Staufer über seinen Tod hinaus. Karl von Anjou, Bruder Ludwigs IX. des Heiligen von Frankreich, eroberte Süditalien und Sizilien für den Papst – und für sich selbst. Friedrichs Söhne und sein Enkel Konradin kamen beim Kampf um ihr Erbe um; Süditalien ging dem Reich für immer verloren.

Doch Frankreich, der Verbündete der Päpste im Kampf gegen die Staufer, sollte sich bald gegen sie wenden.

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