Germania Inferior

Römische Garküche am Rhein
Römische Garküche am Rhein

Nach Caesars Sieg in Gallien war der Rhein die Grenze zwischen dem Römischen Reich auf der linken und dem freien Germanien, Germania Magna.

Danach verschwand Germanien für einige Zeit aus dem Blickfeld der römischen Geschichtsschreiber, in den folgenden Jahren ging es ihnen vor allem um den Machtkampf in Rom. Caesar war 44 v. Chr. ermordet worden, ein Bürgerkrieg war ausgebrochen. Caesars Getreue Octavian und Marcus Antonius zogen gegen die Mörder Brutus und Cassius. Einige Jahre später kam es zum Krieg zwischen Octavian und Marcus Antonius. Octavian siegte, unterstützt von seinem Feldherrn und engen Vertrauten Marcus Vipsanius Agrippa. Erst im Zusammenhang mit der Statthalterschaft des Agrippa in Germanien hören wir wieder vom Rhein.

Agrippa und die Ubier (ab 38 v. Chr.)

Das linke Rheinufer war römischer Militärbezirk. Hier ließ Agrippa Legionslager und Heerstraßen bauen. Auf der rechten Seite lebten die germanischen Ubier, die wegen ihrer romfreundlichen Haltung von anderen Germanen bekämpft wurden und arg bedrängt waren. Agrippa griff mit seinen Truppen ein, danach siedelte er die Ubier auf dem linken Rheinufer an. Von Aachen bis hinunter ins Ahrtal entstanden Ubier-Siedlungen, unter ihnen Bonn und um 38 v. Chr. die wohl bekannteste: „oppidum ubiorum“, später Colonia Claudia Ara Agrippinensium, heute Köln.

Germanien-Feldzüge (16 – 9 v. Chr.)

Nach einer verheerenden Niederlage des Feldherrn Lollius gegen die germanischen Sugambrer 15 v. Chr., bei der sogar der Adler der Legio V. Alaudae verloren ging, entschloss sich Kaiser Augustus in Rom zu einer Großoffensive – der Angriff auf Germanien schien ihm die beste Verteidigung Galliens. Die kaiserlichen Prinzen Drusus und Tiberius, beide hatten schon den Alpenraum für ihn erobert, sollten nun die Stämme zwischen Rhein, Elbe und Donau befrieden.

13 v. Chr. wurden mehrere Legionen aus Gallia Belgica an den Rhein kommandiert. Das Land entlang des Rheins wurde zum Militärdistrikt Germania Inferior und Germania Superior. Legionslager wurden gebaut: Bonna/Bonn (um 11 v. Chr. von den Legionären des Drusus gegründet), Asciburgium/Moers-Arsberg, Castra Vetera/Xanten, Ulpia Noviomagus Batavorium/ Nimwegen und Mogontiacum/Mainz. Zur Rheinarmee gehörten die Legionen I Germanica, V Alaudae, XVII, XVIII und XVIIII. Ein Jahr später begann der Aufbau der Classis Germanica, der Rheinflotte; im Norden ließ Drusus Kanäle und Dämme bauen.

In den folgenden Jahren 12-9 v. Chr. zogen Truppen unter Drusus vom Rhein aus die Lippe entlang und über die Nordsee ins Innere Germaniens und eroberten es bis zur Elbe. Nach Drusus‘ Tod übernahm Tiberius das Oberkommando und sicherte die eroberten Gebiete (9-8 v. Chr.) 40.000 Sugambrer wurden auf der linken Rheinseite angesiedelt.

Schon in den Jahren 1-4 v. Chr. kam es zu Aufständen in den eroberten Gebieten; römischen Quellen sprachen von einem „immensum bellum“ in Germanien. Tiberius besiegte die Cannanefates, Attuarier und Brukterer und sicherte die Grenze durch einen Vertrag mit den Cheruskern (4-6 n. Chr.) Seit der Entdeckung von Waldgirmes wissen wir, dass es schon damals zivile römische Siedlungen in Germanien gab und eine Infrastruktur aufgebaut werden sollte.

Um 6/7 n. Chr. schien Germanien besiegt; nur das Markomannen-Reich im Osten war noch selbständig. Obwohl sein König Marabodus Rom freundlich gesinnt war, wollte Kaiser Augustus auch sein Reich unterwerfen. Tiberius zog mit einem gewaltigen Heer in den Krieg, dabei waren Legionen aus Germania Superior und Germania Inferior. Dann zwang ein Aufstand in der Provinz Pannonien zum Abbruch des Feldzugs.

Varus-Schlacht

„Germania capta“ – Germanien war erobert, ließ Kaiser Augustus in Rom auf Münzen schlagen. Er ernannte Quinctilius Varus zum Statthalter in Germanien und trug ihm auf, in Germanien römisches Recht und römische Steuern durchzusetzen.

Doch die vernichtende Niederlage der Römer im Jahre 9 n. Chr. änderte alles. Vier Tage und drei Nächte dauerte die Schlacht im Teutoburger Wald, dann hatten Arminius und seine Germanen gesiegt. Drei Legionen, XVII, XVIII, XIX, sechs Kohorten, weitere Hilfstruppen und ihr Tross waren vernichtet.

Tiberius zog acht Legionen an die Rheingrenze – es war die größte Truppenansammlung, die es wohl je an einer römischen Grenze gab. Zum Niedergermanischen Heer gehörten die Legionen I Germanica, XX Valeria Victrix, V Alaudae und XXI Rapax; zum Obergermanischen Heer die II Augusta, XIII Gemina, XIIII Gemina und XVI Gallica. Kaiser Augustus wollte Rache. 13-16 n. Chr. zog der Feldherr Germanicus, Drusus‘ Sohn, mit einer gewaltigen Streitmacht nach Germanien. Es kam zu mehreren Schlachten, großen Verlusten und großen Verheerungen, doch ein entscheidender Sieg über Arminius gelang nicht.

Nach Augustus‘ Tod wurde Tiberius Kaiser (14-37 n. Chr.) Er entschied, den Krieg zu beenden und die Germanen ihrem eigenen Zwist zu überlassen.

Die Rheingrenze

Kaiser Tiberius ging es von nun an um die Sicherung Galliens an der Rheingrenze: Von Bonn im Süden über Köln, Neuss, Xanten, Nimwegen und Utrecht in Holland bis an die Nordsee ist römisches Militär stationiert. Auf der linken Rheinseite entstanden nicht nur Kastelle, Häfen und Legionslager und befestigte Straßen, sondern auch zivile Siedlungen und römische Landgüter.

Köln als Militärbasis wurde geschlossen und eine zivile Siedlung. Die Legion XX Valeria Victrix ging um 20 nach Neuss; die I Germanica soll nach Bonn. Um 43 war die ganze Legion dort stationiert. Da auf dem bisherigen südlichen hochwasserfreien Siedlungsgebiet bzw. Lagerplatz der Auxiliartruppen kein Platz war, baute sie ihr Legionslager nördlich davon, noch aus Holz. In der Nähe entstanden die „Canabae legionis“, die Lagervorstadt mit Handwerkern und Händlern, und weiter südlich der „Vicus bonnensis“ eine zivile Siedlung, die nach und nach zu einer Stadt mit allem römischen Komfort und einem Hafen wurde. Zur Zeit des Kaisers Claudius (41-54) entstand das Flottenkastell Köln-Alteburg.

Agrippina und Köln

Claudius‘ dritte Ehefrau war Agrippina die Jüngere, die Tochter des Feldherrn Germanicus und seiner Frau Agrippina der Älteren. Während der Germanienfeldzüge wurde sie im damaligen „Oppidum Ubiorum“ geboren. Als Kaisergattin setzt sie durch, dass ihre Geburtsstadt in den Rang einer römischen Colonia erhoben wird – die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln.

Römische Steinbrüche am Drachenfels

Obwohl das rechte Rheinufer zum freien Germanien gehörte, ist es für die Römer wichtig. Nicht nur für die militärische Aufklärung – sie betreiben in großem Rahmen Steinbruch am Drachenfels und transportierten die Steine nordwärts. In Bonn und Köln (ab ca. 50 die Stadtmauer), ja sogar in Xanten und Nimwegen wird mit Trachyt vom Drachenfels gebaut.

1. Vier-Kaiser-Jahr und Bataver-Aufstand (68-70)

Im Jahr 68, zum Ende der Regierungszeit Kaiser Neros (54-68) geriet das Römische Reich in eine Staatskrise, in die auch die Rheinlegionen verwickelt waren. Es kommt zum Bürgerkrieg um den Kaiserthron, in dem sich zuletzt zwei Feldherrn gegenüber standen: Aulus Vitellius, den die Rheinlegionen erhoben hatten, und der spätere Kaiser Vespasian, General der Orient-Legionen.

Als Vitellius von den germanischen Batavern im heutigen Holland Hilfstruppen anforderte, kam es 69 zum Aufstand unter Iulius Civilis. Die Brukterer und Tenkterer schlossen sich ihm an. Schnell eroberten die Bataver und ihre Verbündeten die römischen Einrichtungen in ihrem Land. Zudem unterstützt Vespasian den Aufstand, er band ja die Vitellius-treuen Rheinlegionen in Germanien. Doch Civilis dachte nicht an Frieden, sondern trug den Krieg tiefer ins Römische Reich hinein: er ließ Städte plündern und im September 69 das Legionslager Xanten angreifen. Das konnte kein römischer Kaiser hinnehmen. Auch in Gallien brachen Aufstände aus. Das Rheinland wurde verheert und alle Lager angesteckt. Die Legionen I Germanica und XVI Gallica ergaben sich einem anderen Rebellen, Julius Sabinus. Ende 69 fiel die Entscheidung im Rom: Mit Unterstützung seiner Orient-Legionen und den mächtigen Donau-Legionen siegte Vesapasian, der unterlegene Vitellius wurdr ermordet.

Nun, da Römer und Bataver demselben Kaiser dienten, hätte Civilis Frieden schließen können. Doch im März 70 zerstörten die Aufständischen das Legionslager Xanten; die Legionen V. Alaudae und XV Primigenia kamen um. Raubzüge gegen die romanisierten Stämme in Nordgallien und in Germania Inferior folgten. Das Bonner Legionslager wurde zerstört; auch Köln wurde erobert und zunächst Civilis‘ Hauptquartier. Doch nun hatte Kaiser Vespasian Truppen zur Verfügung. Acht Legionen zogen nach Germanien, und trotz der Unterstützung durch die Brukterer und Tenkterer wurden die Bataver besiegt.

Ein neues Legionslager aus Stein (um 70)

Kaiser Vespasian misstraute der Rheinarmee und strukturierte sie neu: die Legionen I Germanica und XIV Gallica wurden aufgelöst, die verbliebenen Legionäre anderen Legionen zugeteilt. Dafür kamen loyale Truppen: VIII Augusta in Straßburg, XXI Rapax in Bonn, VI Victrix in Neuss. X Gemina in Nimwegen, XI Claudia in Windisch. Die germanischen Auxiliareinheiten wurden römischen Offizieren unterstellt. Die zerstörten Legionslager wurden instand gesetzt. In Bonn baute die Legio XXI Rapax das zerstörte Legionslager in Stein neu auf.

Im Jahr 83 kam die von Kaiser Domitian (79-96) neu rekrutierte Legion I Minervia nach Bonn. Von nun an war sie die „Bonner Legion“.

Römische Provinzen und der Limes

Nach der Eroberung des Dekumatlandes 74 wurde die Grenze kürzer. Zur Sicherung der Provinzen Germania Superior und Rätien ließ Domitian eine befestigte Grenzanlage bauen, den Obergermanisch-Rätischen Limes von Rheinbrohl im heutigen Rheinland-Pfalz bis nach Eining in Bayern nahe dem späteren Legionslager Castra Regina. Hier schloss sich der Donau-Limes an. Im Jahr 85 zog der Kaiser mit einem gewaltigen Heer über den Rhein und besiegte die germanischen Chatten.

Danach wandelte er die bisherigen Militärbezirke in römische Provinzen um: Germania Superior mit der Hauptstadt Mogontiacum und Germania Inferior mit der Hauptstadt C.C.A.A.

Im Jahr 89 kam es zum Saturninus-Aufstand gegen Domitian, unterstützt von den Chatten und den Mainzer Legionen XIIII Gemina und XXI Rapax. Das niedergermanische Heer, (I Minervia, VI Victrix, X Gemina, XXII Primigenia) schlug ihn nieder.

Reorganisation an der Rheingrenze

Unter Kaiser Trajan (98-117) erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung. Die Legio I Minervia zog mit ihm nach Dakien und blieb nach dem ersten Dakerkrieg als Besatzungstruppe vor Ort; im zweiten kämpfte sie unter dem späteren Kaiser Hadrian. 107 kehrte sie an den Rhein zurück.

Die Grenzbefestigungen wurden verstärkt; dafür wurden die Legionsstandorte Nimwegen und Neuss aufgegeben, die Legion VI Victrix wurd nach Xanten verlegt und ersetzte dort die XII Primigenia, die nach Mainz in Germania Superior gegangen war. Trajans Nachfolger Hadrian (117-138) setzte auf die Sicherung der Grenzen. Er besuchte auch Germania Inferior und ordnete die Verstärkung des niederrheinischen Limes an. In den folgenden Jahren übernahm die Legio I Minervia Bauprojekte mit ihrer neuen Schwesterlegion XXX Ulpia Victrix in Xanten.

Die Zeit Kaiser Antoninus Pius (138-161) war eine Zeit relativen Friedens, doch es kam zu Aufständen. Eine Vexillation der I Minervia kämpfte bei der Niederschlagung eines Maurenaufstandes in Nordafrika.

Bonna – ein schmuckes Städtchen am Rhein

Bonna lag an der römischen Rheintalstraße, die am Rhein entlang von der CCAA über Bonn nach Koblenz und weiter nach Germania Superior führte. Das Städtchen blühte auf und bot bald allen Komfort. Im Zentrum gab es einen großen öffentlichen Platz, dazu Badegebäude, Tempel und sogar ein großes öffentliches Bad. Entlang der Rheintalstraße und ihrer Nebenstraßen lagen die römischen Häuser. Zumeist waren es lange, schmale Streifenhäuser mit Steinsockel und Wänden in Fachwerkbau. Viele Häuser hatten zur Straße hin kleine Verkaufsläden oder Werkstätten, dahinter lagen die Wohnräume.

Das Römische Reich gerät in die Defensive

Die Zeit Kaiser Marc Aurels (161-180) war ein Wendepunkt; das Römische Reich wurde in die Defensive gedrängt.

Als im Osten des Reiches die Parther das römische Armenien angriffen, kam es 162-166 zum Krieg. Auch die Legio I Minervia wurde in den Orient kommandiert, sie kämpfte in Armenien und im Kaukasus und kam bis zum Kaspischen Meer. Auf dem Rückweg schleppten die Legionäre eine Seuche ins Reich, sie verbreitete sich rasend schnell und verheerte ganze Regionen. In Bonn wurden den Aufanischen Müttern Weihesteine gewidmet als Dank für das Überleben und die Heimkehr der Soldaten. Mit den Legionen kamen Personen griechischer und syrischer Herkunft an den Rhein.

Immer mehr Germanenstämme drangen aus dem Inneren Germaniens an die Grenze des Reiches vor. Noch immer tobte die Seuche und der Kaiser hatte kaum Soldaten, die langgestreckte Donaugrenze zu verteidigen. Dennoch konnte er in zwei erbitterten Kriegen die Donaugrenze sichern, doch die Reserven waren erschöpft und das Reich geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise. Ganze Regionen waren menschenleer; hier siedelte der Kaiser Germanen an, damit sie das Land bestellten und zur Not verteidigten. Er selbst erkrankte an der Pest und starb in Wien. Sein Nachfolger Commodus (180-192) schloss einen Waffenstillstand mit den Markomannen.

Im Bürgerkrieg nach Commodus‘ Tod (196/97) schlug sich die Legio I Minervia in Bonna sofort auf die Seite von Septimius Severus. Nach dessen Sieg wurde eine Vexillation in der gallischen Hauptstadt Lyon stationiert. Eine Vexillation der vier germanischen Legionen kämpfte im zweiten Partherkrieg 197/198 mit Kaiser Septimius Severus.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*