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Spätmittelalter | Die Habsburger (1438-1530)* |
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Umbruch
in Reich und Region
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Hauen
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Im Reich tobte der Krieg gegen die "Hussiten", der von beiden Seiten grausam geführt wurde und weite Teile des Reiches verwüstete (1419-1436). Albrecht II. von Österreich (1438-1439) Kaiser Sigismunds Schwiegersohn Albrecht hatte ihn in seinem Kampf gegen die Hussiten unterstützt. Von ihm heißt es, er habe Ketzer und Juden mit fanatischem Hass verfolgt. Sigismund hatte ihn als Nachfolger designiert; am 18. März 1438 wurde er in Frankfurt am Main zum König gewählt. Doch Albrecht musste sofort wieder an die Front, der Krieg gegen die türkischen Osmanen und gegen aufständische Ungarn ließen ihm keine Zeit, sich um andere Reichsangelegenheiten zu kümmern. Schon ein Jahr später Albrecht II. auf einem Feldzug gegen die Türken; er liegt in Stuhlweißenburg, im heutigen Ungarn begraben. Als Nachfolger Albrechts II. wurde im Jahr 1440 Friedrich III. (1440-1493) zum deutschen König gewählt. Er war mit Leib und Seele Wiener und Habsburger. "Des Römischen Reiches Erzschlafmütze" Zeitgenossen über Friedrich III. Seine Gegner waren zahlreich, sein eigener Bruder Albrecht VI. machte ihm die Herrschaft streitig und mit seinem Sohn Maximilian hatte er sich zerstritten. Doch Friedrich III. war mit seiner wenig glanzvollen Politik erstaunlich erfolgreich. Als letzter Kaiser wurde er vom Papst in Rom gekrönt, und er konnte dem Kaisertum noch einmal Achtung verschaffen. Ausgerechnet er, mit seiner tiefen Abscheu vor dem Krieg, machte Habsburg zur Großmacht. Von Friedrich III. heißt es, dass er sich stundenlang mit den Buchstaben AEIOU beschäftigen konnte, und immer neue Bedeutungen fand, zum Beispiel "Alles Erdreich ist Österreich untertan". Friedrich III. heiratete 1452, im Alter von siebenunddreißig Jahren, Eleonore von Portugal - eine der besten Partien Europas. Typisch Friedrich III., möchte man sagen, denn ihre reiche Mitgift befreite ihn aus seinen Geldnöten. Kaiser Friedrich III. war kein glanzvoller Ritter und er verabscheute den Krieg - aber in allen Konflikten behielt er die Oberhand - er überlebte seine Gegner und beerbte sie. So auch Karl den Kühnen von Burgund, der mit Gewalt versucht hatte, sein Herrschaftsgebiet zu erweitern. Auch hatte er einer Ehe seiner Tochter Maria mit dem Kaisersohn Maximilian nicht zugestimmt. Doch dann wurde Karl 1477 im Kampf getötet, und die beiden konnten heiraten. Nach Marias frühem Tod 1482 fielen Burgund und die reichen Niederlande als Erbe an Österreich und die Habsburger. Erbstreitigkeiten um die Löwenburg Nach Johann II. "de Streitbare" von Loen wurde Johann III. von Heinsberg Herr der Löwenburg (1438-1443). Seine Tochter Margaretha heiratete 1440 Philipp II. Graf von Nassau-Saarbrücken, starb jedoch bereits sechs Jahre später. Sein Sohn Johann IV. wurde 1445 Herr von Heinsberg und Herr der Löwenburg, doch auch er starb schon 1448. Er hinterließ keine männliche Erben, nur die vierjährige Tochter Johanna. Sie heiratete schließlich Johann II. von Nassau-Saarbrücken, einem Bruder Philipps, der zehn Jahre zuvor ihre Tante Margaretha geheiratet hatte und nun Witwer war. Doch ihre Ehe blieb ohne männliche Nachkommen, und wieder gab es Erbstreitigkeiten. Die Löwenburg und das Land Löwenberg wurden zunächst Philipp II. von Nassau zur Verwaltung zugesprochen. Dabei machte er sich durchaus verdient, denn die Löwenburg hatte durch die ständigen Kämpfe einiges mitgemacht. Zudem war sie 1436 verpfändet, aber schon 1438 ausgelöst worden. Philipp II. veranlasste gründliche Reparaturen, ließ ein Geschütz aufstellen, Steinkugeln anfertigen und bezahlte auch einen Teil der Schutz- und Ehrenwache. Im Dezember 1457 wurde die Erbsache entschieden; neue Herren wurden Johann II. von Nassau-Saarbrücken und Johanna. Heiliges Römisches Reich deutscher Nation Nach dem Fall Konstantinopels war die letzte christliche Bastion im Osten gefallen und die Bedrohung durch die muslimischen Türken war allgegenwärtig. In jenen Jahren verbreitete sich sich die Bezeichnung "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation"; sie fand sich zuerst auf einer Landesfriedensordnung Friedrichs III. von 1442, seit 1474 war sie "offiziell". Wofür steht der Zusatz "deutscher Nation?" Sollte er deutsche Tugenden und das Gefühl der Einheit für den Abwehrkampf gegen die Türken mobilisieren? Gerade war die "Germania" des römischen Autors Tacitus, entstanden im Jahr 98, wieder entdeckt worden. Italienische und deutsche Humanisten verbreiteten sie und zeichneten dabei ein idealisiertes Bild germanisch-deutscher Tugenden. Oder steht er einfach für die Einsicht, dass der universelle Anspruch "Heiliges Römische Reich" mit der politischen Realität im Europa des 15. Jahrhunderts nicht zu vereinbaren war, wie es Herbert Schmidt-Kaspar in "Kaiser, König, Edelmann" (siehe Bild- und Quellennachweis) nahelegt? "Nicht ein Schloss, nicht eine Stadt, nicht einen Zoll haben wir unverpfändet angetroffen." Erzbischof Ruprecht von der Pfalz bei seiner Amtsübernahme Nach einer langen Amtszeit von fast 50 Jahren war der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers am 14.2.1463 verstorben. Sein Nachfolger Ruprecht von der Pfalz (EB 1463-1480) übernahm das Erzbistum in einer verzweifelten finanziellen Lage. Dietrichs zahlreiche Kriegszüge hatten es tief in die Schulden gestürzt, ganze Ländereien waren verpfändet worden. Erzbischof Ruprecht ging nun daran, die verpfändeten Güter wieder an sich zu bringen - mit Gewalt. Sein Bruder, der Kurfürst von der Pfalz, schickte ihm seine Soldaten, genannt die "Böcke" zu Hilfe. Daraufhin schlossen sich auch die Pfandherrn zusammen und bildeten eine Truppe, die sich "Wölfe" nannten. Einer ihrer Anführer war Claus vom Drachenfels, der Neffe des amtierenden neunten Burggrafen Heinrich. Erst im Januar 1469, und auch nur unter schweren Auflagen, kam es zu einer Aussöhnung mit dem Erzbischof. Der Familienzwist am Drachenfels In der Familie der Burggrafen vom Drachenfels schwelte ein Konflikt. Heinrich, der neunte Burggraf, war ein jüngerer Sohn; er war 1457 nur bis zur Volljährigkeit der Kinder seines früh verstorbenen älteren Bruders belehnt worden. Doch nun waren Claus und seine Geschwister volljährig. Am 11.5.1470 kam es zu einem Vergleich über das Erbe: Claus und seine Geschwister sollten den Drachenfels erhalten, Heinrich andere Güter der Familie. Doch diese Regelung wurde zu Lebzeiten der beiden nicht umgesetzt. Heinrich starb kurz darauf, am 8. April 1472, und hinterließ sechs unmündige Kinder. Neusser Krieg Die finanzielle Lage des Erzbistums Köln war nach wie vor dramatisch. Am 24. März 1473 ernannte das Domkapitel Hermann von Hessen zum Administrator und versprach, ihn nach Abdankung Ruprechts zum Erzbischof zu erheben. Die "Edelleute, Ritter, Städte und Untertanen des Erzstifts" (Drachenfelser Chronik) wurden aufgefordert, sich von Ruprecht loszusagen und Hermann von Hessen zu gehorchen. Bald darauf standen sich im Erzbistum Köln zwei verfeindete Parteien gegenüber. Claus und Godart vom Drachenfels blieben auf Ruprechts Seite. Vermittlungsversuche des Papstes und der Kaisers scheiterten. Ruprecht ernannte den Herzog Karl den Kühnen von Burgund zum Vogt des Erzbistums: Karl, der sehr ambitionierte und kriegerische Herzog, sollte die weltlichen Interessen des Erzbistums vertreten. Der Kaiser setzte Ruprecht als Erzbischof ab und bestellte den Landgrafen Heinrich von Hessen, den Bruder Hermanns, zum Schirmherrn des Erzbistums. Das Domkapitel lud den Herzog von Burgund zu Friedensverhandlungen ein. Er ging darauf ein doch nur zum Schein und nur solange, bis er in seinem Herzogtum den Rücken frei hatte. Dann, im Juli 1474, zog er mit einem starken Heer vor die Stadt Neuss und begann eine lange Belagerung. Kaiser Friedrich III. rief ein riesiges Reichsheer im Raum Koblenz zusammen und zog Richtung Neuss. Als sie auf die befestigte Stadt Linz trafen, entschied der Kaiser, zunächst die kleineren Orte in der Umgebung einzunehmen. Auch Königswinter mit den Burgen Drachenfels und Wolkenburg ergab sich 1475. Als Friedrich III. sich Ende Mai 1475 Neuss näherte, zog Karl der Kühne ab. Doch erst nach dem Tod Ruprechts 1480 wurde Hermann IV. von Hessen zum Kölner Erzbischof (EB 1480-1508) gewählt. Wirren um Claus vom Drachenfels Die nachfolgenden Jahre sind von Wirren geprägt. Claus vom Drachenfels sah sich selbst als (zehnter) Burggraf an und unterzeichnete als solcher. Doch nirgends findet sich eine Urkunde, die das belegt. Es kann gut sein, dass Urkunden verloren gegangen sind. Doch Claus, ein Parteigänger Ruprechts, blieb auch später ein erbitterter Gegner Hermanns, daher ist es unwahrscheinlich, dass der Erzbischofs ihm als Burggraf eingesetzt hat. Vermutlich ging er nach einer Fehde 1477 außer Landes: 1478 stand er in den Diensten des österreichischen Erzherzogs und Thronfolgers Maximilian, der ihn schätzte. Danach trat er in die Dienste des Trierer Erzbischofs. Die Löwenburg fällt ans Herzogtum Berg Die Herren der Löwenburg, Johanna von Heinsberg und Johann II von Nassau-Saarbrücken, waren 1469/1472 verstorben. Sie hinterließen zwei Töchter, Elisabeth und Johanna. Bald darauf heiratete Herzog Wilhelm von Jülich und Berg (beide Herzogtümer waren seit 1423 vereinigt) die ältere Schwester Elisabeth, zudem schaffte er 1478 eine gütliche Einigung mit Philipp II. von Nassau. Schließlich verkaufte die jüngere Schwester Johanna 1483 alle ihre Erbansprüche auf die Löwenberg an ihren Schwager. 1484 kam das Land Löwenberg endgültig zu Berg und wurde zum "Amt Löwenberg". Maximilian I. (1493-1519) 1493 verstarb Kaiser Friedrich III. Er wurde im Wiener Stephansdom beigesetzt. Sein Sohn Maximilian, 1486 noch zu Lebzeiten seines Vaters zum König gewählt, trat die Nachfolge an. Er übernahm ein zerrüttetes Reich, das durch Fehdewesen und Raubrittertum heimgesucht wurde. 1495 wurde auf einem Reichstag zu Worms eine umfassende Reichsreform verabschiedet, die eine reichsweite Steuer, den Gemeinen Pfennig, und einen Ewigen Landfrieden vorsah. Die komplexen Strukturen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation konnte die Reform jedoch nicht aufbrechen. Maximilian, selbst hoch gebildet und ein Freund des Humanismus und der Renaissance, symbolisiert den Umbruch. Als "letzter Ritter" liebte er das burgundische Rittertum. Doch die Zeit der Ritter und der Burgen war vorbei, Artillerie und Schußwaffen hatten längst ihren Siegeszug angetreten. Als "Freund der Landsknechte" übte Maximilian oft und gerne mit den neuen Infanterie-Soldaten, und er konnte stundenlang beim Gießen einer Kanone zusehen. Familiendrama am Drachenfels In der Familie der Burggrafen auf dem Drachenfels dauerte der Konflikt in der nächsten Generation an. 1489 hatte Claus vom Drachenfels einen Vertrag mit seinem Vetter Heinrich und dessen Brüdern geschlossen, doch der Streit schwelte weiter. 1493 kehrte Claus nach längerer Abwesenheit zurück und verlangte Einlass auf den Drachenfels. Heinrich und seine Brüder verweigerten ihn ihm. Da marschierte Claus mit seinen Männern hinauf zum Drachenfels, auf halber Höhe trafen sie auf Heinrich und seine Männer. Es kam zu einem Streit - und kurz darauf war Claus tot, erschlagen von seinem Vetter Heinrich. Am vermutlichen Tatort (vor der Nibelungenhalle) steht heute ein Kreuz. Über den Tathergang gibt es verschiedene Darstellungen. Es heißt, Heinrich habe seinen Vetter nicht im ritterlichen Kampf getötet, sondern mit seinen Knechten niedergeknüppelt. Andere Darstellungen rechtfertigen zwar die Tat nicht, zeichnen aber ein schlechtes Bild von Claus. Für seinen Vetter war er ein "Verwüster und Verschleuderer des Familiengutes" (Drachenfelser Chronik), die Legende vom "Kreuz am Kuckstein" nennt ihn einen "unruhigen Gesellen und Raufbold". Heinrich selbst beteuerte, Claus habe ihn immer wieder bis aufs Blut gereizt. Schließlich entschloss sich der Kölner Erzbischof Hermann von Hessen zu einer Strafexpedition gegen Heinrich, den Täter, und seine Brüder, denen er Mittäterschaft vorwarf. Als die Truppe sich dem Drachenfels näherte, floh Heinrich außer Landes. Nach längeren Verhandlungen kapitulierten seine Brüder Johann und Godart am 2. November 1493. Das Domkapitel sollte nach Anhörung beider Parteien entscheiden, ob sie mitschuldig waren oder nicht, bis dahin mussten sie ihre Anteile ihrem Schwiegervater überstellen. Heinrichs Anteil forderte der Erzbischof für sich. "Ich bin nicht
länger gewillt, dies zu erleiden" Johann und Godart vom Drachenfels hatten ihre Anteile an der Burg ihrem Schwiegervater überstellt, aber das Verfahren wegen der ihnen vorgeworfenen Mittäterschaft zog sich über Jahre hin. Bei einem Verhandlungstermin in Brühl war es den Brüdern nicht gelungen, den Erzbischof von ihrer Unschuld zu überzeugen. 1505 setzte sich Kaiser Maximilian selbst beim Erzbischof für die Brüder ein. Schließlich, 1507, entschloss sich Johann und schrieb einen Fehdebrief an den Erzbischof. Ende Oktober 1508 endlich bewilligte das Kölner Domkapitel die Rückgabe der Burg Drachenfels und der Pfandschaft Wolkenburg, sogar noch eine finanzielle Entschädigung von 1.000 Gulden. 1509-47, England: Heinrich VIII. "Bella gerant alii,
tu felix austria nube." Österreich/Deutschland/Europa Maximilians Nachfolger als Kaiser wurde sein in den Niederlanden aufgewachsener Enkel Karl V. (1519-1556), Sohn des schon 1506 verstorbenen Philipp und Johannas. In seinem Reich sollten dann "die Sonne nicht mehr untergehen". Mit ihm, und mit dem Reformator Martin Luther, verlassen wir die Welt des Mittelalters. Heinrich, der letzte Burggraf aus der Familie der Drachenfelser Heinrich vom Drachenfels war vom Kölner Erzbischof Philipp II. von Daun (EB 1508-1515) begnadigt worden und zurückgekehrt; am 20.9.1510 tauchte er in einer Urkunde wieder auf. Gemeinsam mit seinen Brüdern Johann und Godart war er Amtmann des Amtes Wolkenburg, doch es dauerte noch eine geraume Zeit, bis er wieder als Burggraf vom Drachenfels. eingesetzt wurde. 1513 starb Johann vom Drachenfels, 1518 dann Godart. Damit fiel Godarts Anteil an seine Tochter Agnes Augusta und ihren Ehemann Dietrich von Mirelaer Herr zu Millendonk. Werner vom Drachenfels, seit 1487 Ritter des Deutschen Ordens, versuchte, den Anteil für die Familie zurückzugewinnen. Es begann ein langer Rechtsstreit, der durch Werners Tod 1524 beendet wurde. Endlich wurde Heinrich vom Drachenfels 1525 als Besitzer einer Hälfte des Drachenfelses vom Kölner Erzbischofs anerkannt und 1526 wieder als Burggraf eingesetzt. Die andere Hälfte gehörte Dietrich von Mirelaer Herr zu Millendonk. Noch zu Lebzeiten Heinrichs drohte ein Erbstreit mit der Familie Waldbott von Bassenheim, in die Apollonia vom Drachenfels eingeheiratet hatte. Ihre Söhne waren die nächsten Erben nach Claus vom Drachenfels, den Heinrich 1495 im Streit erschlagen hatte. Man versöhnte sich, Heinrich wurde zu Sühneleistungen verurteilt, doch die Erbsache wurde nicht abschließend geregelt. Am 3.5.1530 verstarb Heinrich, der elfte Burggraf aus dem Geschlechts der Drachenfelser und der letzte. * Natürlich regierten die Habsburger länger; meine Darstellung zum Mittelalter schließt 1530. Bild- und Quellennachweis Den Bildnachweis
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