Hauen und Stechen

Das Spätmittelalter hindurch kam es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen in unserer Region, vor allem zwischen den Kölner Erzbischöfen und den Grafen von Berg.

Von den Grafen der Wolkenburg wissen wir nur wenig. Seit ihrer Erbauung 1118 war die Wolkenburg eine Festung des Erzbistums Köln und Sitz des Amtes Wolkenburg. In einer Urkunde von 1341 war noch einmal Burggraf Heinrich mit seinen Rechten und Pflichten als Amtmann erwähnt. Er muss einer der letzten, wenn nicht gar der letzte gewesen sein, denn 1353 starb das Geschlecht der Wolkenburger Grafen aus.

Erbstreitigkeiten um die Löwenburg

Die Rivalitäten zwischen den Grafen von Berg und dem Erzbistum Köln dauerte an; auch um die Löwenburg wurde gestritten und gekämpft; die nächsten Jahrzehnte waren von bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt. Schließlich gewann Graf Wilhelm von Jülich-Berg 1365 die Oberhand und setzte seinen Amtmann Johann vom Stein auf der Löwenburg ein. Der Graf stand  in gutem Kontakt mit Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel; 1380 wurde er von diesem zum Herzog erhoben. Die Häuser Jülich und Berg heirateten untereinander, so entstand ein großes Herzogtum auf beiden Seiten des Rheins.

Eine Generation später war  es mit dem relativen Frieden wieder vorbei. Johann II. von Loen „der Streitbare“ eroberte 1395 die Löwenburg für Heinsberg. Er verwüstete bergisches Gebiet, dafür eroberten die Berger 1400 die Löwenburg. In jenen Jahren wurde die Zwingermauer gebaut. Rund 40 Jahre lang war er Herr von Löwenburg. Königswinter, damals ein „kurkölnischer Flecken“, wurde um 1400 durch eine Stadtmauer befestigt.

Pilgrim vom Drachenfels

In der Benediktinerabtei auf dem Siegburger Michaelsberg wirkte Pilgrim vom Drachenfels, zunächst als Scholaster (Kindermeister), dann fast 30 Jahre lang als Abt. Die Bildung seiner Schüler lag ihm so sehr am Herzen, dass er sie auf die 1388 vom Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden gegründete Universität Köln schickt.

Die Abtei lag auf bergischem Gebiet, keine einfache Situation für Pilgrim. Adolf von Berg, einer der Söhne Herzog Wilhelms, war rücksichtslos und Pilgrim befürchtete das Schlimmste für den Tag, an dem er die ganze Macht übernehmen würde. Deshalb sicherte er sich bewaffneten Schutz durch Johann von Loen, den Herrn der Löwenburg. Im Jahre 1403, als Johann von Loen weit weg war, überfiel  Graf Adolf Siegburg. In der Not schoss man von der Abtei auf die Stadt, es gab einen riesigen Brand. Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu bewaffneten  Auseinandersetzungen zwischen den Kölner Erzbischöfen und den Herzogen von Berg.

Godart vom Drachenfels

Im Dauerstreit zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Herzog von Berg konnte König Sigismund noch vermitteln. Doch kaum hatte der amtierende Erzbischof Dietrich von Moers (EB 1414-1463) den Rücken frei, da versuchte er, die Stadt Köln wieder zu beherrschen. Die Kölner wandten sich an den König, dieser ermahnte den Erzbischof, doch der gab keine Ruhe. Daraufhin verbündeten sich die Kölner mit Adolf von Berg und weiteren Adligen. Auch der Erzbischof suchte und fand Verbündete, unter ihnen Godart vom Drachenfels.

1419 griff man zu den Waffen, es wurde gebrandschatzt, geplündert und verwüstet, allen voran Godart vom Drachenfels. Schließlich vermittelte der Erzbischof von Trier. Godard ist wohl der bekannteste unter den Drachenfelser Burggrafen. Eine Anekdote besagt, dass er einen prächtigen Ring trug – mit einem Stück Trachyt vom Drachenfels! Die „Steine für den Dom“ hatten ihn reich gemacht.

Im Dienst der Kölner Erzbischöfe hatte er auf zahlreichen Feldzügen mitgekämpft, er hatte hohe Kosten gehabt und Verluste erlitten. Darüber hinaus hatte er Dietrich von Moers mehrfach große Geldsummen geliehen. Im Laufe der Jahre war eine riesige Gesamtforderung von 10.000 Gulden zusammengekommen. Schließlich, am 13.5.1425, verpfändete Erzbischof Dietrich von Moers das Amt Wolkenburg und das Dorf Königswinter mit fast allen Rechten und Einkommen an den Burggrafen. So war der die letzten Jahre seine Lebens auch noch quasi Landesherr. Godart vom Drachenfels verstarbt am 18.3.1428.

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