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Heute steht Kloster Heisterbach im Mittelpunkt des Projektes Klosterlandschaft Heisterbach der Regionale 2010, des Strukturprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen. Gründung und Blütezeit Auf Bitten des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (EB 1167-1190) waren am 22. März 1189 zwölf Mönche des Zisterzienserklosters Himmerod unter ihrem Abt Hermann (1189-1196) auf den Petersberg gezogen. Doch schon 1193 zogen sie hinab ins Heisterbacher Tal. Unter dem zweiten Abt Gevard (1196-1209) und dem dritten Abt Heinrich I. (1208-1240) entstand in den Jahren von 1203 bis 1237 die Abteikirche - nicht nur einer der größten der Region, sondern auch ein bedeutendes Beispiel der Spätromanik in Deutschland. Das ist erstaunlich in einer Zeit, die von zwei Kriegen um den Thron heimgesucht wurde. Heute haben wir nur noch die Ruine des Chors und Zeichnungen, wie sie damals ausgesehen haben mag. Wir sehen, dass der mittelalterliche Architekt die neuen, aus Frankreich stammenden gotischen Formen kannte und sie mit den bekannten romanischen und dem Ideal der Zisterzienser nach Einfachheit in Einklang bringen wollte. Seit Bernhard von Clairveaux waren die Zisterzienser eine Größe in der europäischen Politik. Kaiser Friedrich II. (1210-1250) hat sie sehr verehrt. Abt Heinrich I. stand in Kontakt mit Kaiser und König und Papst. Der Kölner Erzbischof Engelbert I. von Berg (EB 1215 -1225) war dem Kloster eng verbunden. Als er 1225 ermordet wurde, zog Abt Heinrich I. mit dem Leichenzug zum Hoftag nach Frankfurt und erhob Anklage gegen die Mörder. Auch ein Hospital wurde aufgebaut. 1254 stiftete die Mechthild von Sayn, die Witwe Heinrichs III. von Sayn, zusätzlich 13 neue Pflegestellen für Arme. Cäsarius von Heisterbach Vieles von dem, was wir heute über die Zeit von 1180 bis 1240 wissen, verdanken wir dem bekanntes Mönch aus Heisterbach, Caesarius, der von 1199 bis 1240 im Kloster Heisterbach lebte. Er war ein bekannter Chronist seiner Zeit, von ihm wissen wir einiges über das Leben der Mönche zur damaligen Zeit: sie beteten, bauten ihre Abteikirche und bewirtschafteten ihr Land. Schon bald hatten sie mehr, als sie für sich selbst brauchten, und so konnten sie in Zeiten der Not die Armen versorgen. Caesarius berichtet von einer großen Hungersnot im Jahr 1198, als 1.500 Menschen an der Klosterpforte geholfen wurde. "Die Hand der Armen sei Gottes Opferkasten", sagte er. Da er zunächst Novizenmeister war, schrieb er - modern ausgedrückt - Lehrschriften. Sie wurden immer wieder abgeschrieben und in vielen Klöstern genutzt. In seinem bekanntesten Werk, dem "Dialogus miraculorum" (1219/23), beschrieb er in Wundererzählungen den Alltag des Klosterlebens. Seine Erzählungen haben über Jahrhunderte nichts von ihrer Kraft verloren, ihn zu lesen ist noch heute eine große Freude. Caesarius schrieb auch über die politischen Ereignisse seiner Zeit, sorgfältig und wahrheitsliebend, ist deshalb ist er noch heute einer unserer wichtigsten Zeitzeugen über die Jahre 1180-1240. Caesarius berichtete über den Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV., seine verheerenden Folgen für das Rheinland und die verhängnisvolle Rolle des Kölner Erzbischofs Adolf II. von Altena. Nach der Ermordung Engelberts I. von Berg 1225 schrieb er im Auftrag des Kölner Erzbischofs Heinrich von Müllenarck (EB 1225-1238) eine Lebensgeschichte des Erzbischofs.1237 verfasst er eine Lebensgeschichte der Elisabeth von Thüringen. Die späteren Jahre Der Bau der Abteikirche und der Unterhalt des Klosterbetriebs verschlangen Gelder, doch die Mönche von Heisterbach konnten sie nicht selbst erwirtschaften, so wie es das Ideal der Zisterzienser vorsah. Dafür wurden die Kapelle auf dem Petersberg und die Abteikirche in Heisterbach Wallfahrtsorte. Hier wurden Ablässe gewährt, d.h. für Bittgänge an genau festgelegten Tagen, Stiftungen u.ä. wurden Sünden vergeben. Päpstliche Verkündigungen von 1312 und 1319 bestätigten dies. Jahrhundertelang zogen an Pilger an kirchlichen Feiertagen hinauf zum Petersberg und zum Kloster Heisterbach. Dennoch war die Abtei verschuldet, das belegen Urkunden aus den Jahren 1282, 1291 und 1303. Schwere Kirchenstrafen wurden verhängt und Äbte abgesetzt. Personalmangel kam hinzu, man musste Knechte einstellen oder die Güter verpachten. Abt Heinrich II. (1336-1375) wurde als unwürdig angeklagt. 1469 wurde sogar der Abt von Heisterbach verdächtigt, unerlaubten Handel mit Reliquien zu betreiben. Das Kloster Heisterbach gehörte zum Erzbistum Köln bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803, als Napoleon die politische Karte Deutschlands neu ordnete und dazu die geistlichen Fürsten enteignet wurden (Säkularisation). Der Abbruch des Klosters wurde noch im selben Jahr verfügt. Trotzdem blieben das Chorhaupt und andere Mauerteile stehen. 1818 verboten die preußischen Behörden (seit dem Wiener Kongress 1815 gehörte das Rheinland zu Preußen) die Abbrucharbeiten, jedoch nicht ohne einen Hinweis des Staatskanzlers, dass die Bevölkerung wenig patriotisches Interesse an der Erhaltung der Monumente hatte. So haben wir heute nur noch die Chorruine. Denkt man ans Siebengebirge, so gehört sie einfach hinzu. Und doch macht sie betroffen. Sie ist eben ein "Zeugnis der Barbarei", wie es Hermann Josef Roth in seinem Beitrag "Burgen- und Klosterlandschaft" in "Das Siebengebirge, Natur, Landschaft, Kultur", schreibt. Aber: "Wallfahrtsorte sind Schnittpunkte menschlicher Hoffnung, die nie aufhört, auch dann nicht, wenn der Mensch nicht mehr ein noch aus zu wissen scheint, Gnadenorte in gnadenloser Zeit", soll Konrad Adenauer einmal geäußert haben*. Recht hat .. ein Besuch in Heisterbach ist immer etwas Besonderes.
Bild- und Quellennachweis Kloster Heisterbach
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