Herzog Wilhelm von Berg und der Kaiser

Herzog Wilhelm V. "der Reiche" von Jülich-Cleve-Berg
Herzog Wilhelm V. "der Reiche" von Jülich-Cleve-Berg

Reich und Region, Anfang des 16. Jahrhunderts. Seit dem Ende des Spätmittelalters gehörten große Teile unsere Region zum Herzogtum Berg.

Zu Beginn der Neuzeit waren die Habsburger eine europäische Großmacht. Durch Kaiser Maximilians Ehe mit seiner geliebten Maria von Burgund waren das spätmittelalterliche Burgund (Niederlande, Belgien, Südostfrankreich) und die reichen Niederlande an die Habsburger gefallen. Ihre Kinder haben ins spanische Königshaus geheiratet; Ehen ins jagiellonische Königshaus haben Habsburg die Kronen von Ungarn und Böhmen eingebracht.

Nach dem Tod Maximilians I. 1519 fielen die Habsburger-Gebiete in Österreich, die zum Reich gehörten, an seinen Enkel Karl. Seit 1516 war er König von Spanien. Dank der legendären Finanzhilfe durch die Fugger wurde er 1519 zum Kaiser Karl V. gewählt. Bald war er einer der mächtigsten Männer seiner Zeit und regiert über ein Weltreich, in dem „die Sonne nicht untergeht“. 1521 zerschlug Cortés das Azteken-Reich, 1532 Pizarro das Inka-Reich. Karl V. war der einzige Habsburger-Kaiser, der, wenigstens für einige Jahre, alle Habsburger-Macht in seiner Hand vereinigte.

Die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg waren eine bedeutende Macht am Niederrhein.  Herzog Wilhelm V. (1539-92) war mit dem Kaiserhaus verschwägert; seine Schwester Anna von Kleve wurde die vierte Ehefrau Heinrichs VIII. von England – diejenige, an der Heinrich so wenig Gefallen fand, dass er die Ehe gleich annullieren ließ. Der Herzog war ein aufgeschlossener Katholik und brachte der Reformation und Erzbischof Hermann von Wied Toleranz entgegen.  Unter dem Schutz des Herzogs konnte sein Leibarzt Dr. Johannes Weyer über das schreiende Unrecht und die Grausamkeiten der Hexenprozesse schreiben; sein Buch „Über die Blendwerke der Dämonen, Zauberer und Giftmischer“ ist ein Schlag gegen den „Hexenhammer“ von 1487.

Doch 1543 erhob Herzog Wilhelm Anspruch auf die Stadt Geldern. Wäre ihm auch dieses Gebiet noch zufallen, wäre Jülich-Cleve-Berg eine bedeutende Regionalmacht geworden. Kaiser Karl V. aber hatte nach jahrzehntelangem Krieg endlich Frieden mit den König von Frankreich und dem Sultan in Istanbul geschlossen. Für ihn war es die Gelegenheit, endlich auch in Deutschland seine Macht zu zeigen. Er begann einen Feldzug den Rhein hinauf. In Honnef kam es zu Gefechten mit den Männern des Herzogs und viele Häuser wurden zerstört. Der Kaiser setzte sich durch; im Vertrag von Venlo 1543 wurde der Herzog gezwungen, auf Geldern zu verzichten und in seinem Herzogtum streng gegen die Reformatoren vorzugehen. 1550, nach dem Sieg des Kaisers über die protestantischen Fürsten, verschärfte sich der Druck auf ihn noch.

Erst nach dem letzendlichen Sieg der Fürsten und dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 konnte  Herzog Wilhelm aufatmen, nun erlaubte er in seinen Ländern den Laienkelch und die Priesterehe.

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