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Merowingischer Gürtel                                                                                                                                                         
Merowinger (450-751)
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Merowinger (450-751) | Karolinger (751-919)

Während der Völkerwanderung war ein Teil der Franken auf römisches Gebiet gezogen. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts hatten sich zwei große Gruppen herausgebildet: die salischen Franken waren nach Nordbrabant gezogen und hatten von da aus die Gebiete um Tournai, Cambrai und Arras ein Besitz genommen. Dies geschah zunächst friedlich. Merovech und Chilperich, die ersten Könige der salischen Franken, fochten als Verbündete (foederati) im römischen Heer. Die rheinischen Franken nahmen die Gebiete um Köln, Xanten, Nimwegen und Maastricht in Besitz.

Das Ende der römischen Herrschaft im Rheinland

Im Jahr 455 wurde Köln endgültig von den Franken erobert. Zugleich fiel das weströmische Reich vollends auseinander, 476 schließlich wurde der letzte Kaiser Westroms, Romulus Augustulus, von dem  Germanen Odoaker abgesetzt. Die römische Herrschaft im Rheinland war vorbei; um 475 war auch die lateinische Sprache verschwunden. Aegidius, der letzte römische Heermeister, sicherte sich im Nordosten Galliens ein gallo-römisches Sonderreich (461-486), das nach ihm von seinem Sohn Syagrius beherrscht wurde, bis Chlodwig und seine Franken es eroberten.

Nordgallien

Während Köln von den Franken erobert wurde, fochten im Nordosten Galliens die Könige der salischen Franken noch an der Seite der Römer. Hier treffen wir die erste fränkische Herrscherdynastie, die Merowinger. Der Name ist abgeleitet von Merowech (ca. 447-ca.457), der auf Seiten der Römer gegen Attila und die Hunnen gekämpft hatte; doch viel mehr ist von ihm nicht bekannt.

Childerich I. (457-482)

Der erste bekannte Merowingerkönig ist sein Sohn Childerich I. (457-482), König der Franken von Tournai im heutigen Belgien und Vater des berühmten Reichsgründers Chlodwig. Childerich war ein hoher Offizier in der römischen Armee; er wurde in der Uniform eines römischen Generals bestattet. Als Verbündeter Westroms kämpfte er für den letzten Statthalter Aegidius.

Dann, 475, übernahm Odoaker, ein germanischer Heerführer, die Macht in Rom. In den Wirren nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches rettete sich Aegidius ein eigenes Reich in Nordgallien, und Childerich herrschte als Heerkönig über die salischen Franken auf dem Gebiet des heutigen Nordfrankreichs, Belgiens und Niederlande. 

Chlodwig (482-511)

Unter Childerichs Sohn Chlodwig wurde das Frankenreich zur europäischen Großmacht; Chlodwig selbst wurde erster Alleinherrscher der Franken. Er kannte keine Skrupel und scheute auch vor Mord nicht zurück. Bald war er auf diese Weise alle Konkurrenten los. 486 eroberte er das Reich des Syagrius, Aegidius' Sohn. Da er als Heerführer großen Erfolg hatte, schlossen sich auch andere Frankenstämme ihm an. 

496 zogen die salischen Franken unter Chlodwig gemeinsam mit den rheinischen Franken unter Sigibert gegen die Alemannen und besiegten sie in der Schlacht von Zülpich. Chlodwigs Ansehen und Einfluss wuchs weiter. Der Legende (oder Gregor von Tours?) nach hatte er den Christengott beschworen, ihm den Sieg über die Alemannen zu schenken. Seine Ehefrau Chrodechildis war katholische Christin und hatte ihn schon lange gedrängt, sein Heidentum aufzugeben. Doch Chlodwigs Entscheidung war vor allem ein kluger politischer Schachzug: mit seinem katholischen Bekenntnis entschied er sich für die Religion der gallo-römischen Bevölkerung und setzte sich von den arianischen Westgoten und Ostgoten ab. Verinnerlicht oder gar gelebt hat er es nicht, er blieb ein germanischer Heerkönig und pflegte die heidnische Tradition seiner Familie.

507 eroberte er mit burgundischer Hilfe das Westgotenreich bis zu den Pyrenäen. Nur das Eingreifen des Ostgotenkönigs Theoderichs des Großen (493-526) stoppte die Franken. 

Nun, da er die gleiche Religion wie seine gallo-römischen Untertanen, konnte Chlodwig sich bei der Verwaltung des Reiches auf sie stützen. Auch der byzantische Kaiser erkannte ihn an.

509 kam es zu einem Familiendrama im austrasischen Herrscherhaus in Köln. König Sigibert "der Lahme" (eine Knieverletzung aus der Schlacht von Zülpich) wurde von seinem Sohn Chloderich "der Parasit" umgebracht – auf Anstiften Chlodwigs, wie Gregor von Tours berichtet. Genutzt hat es dem Vatermörder nichts. Wenig später beschuldigte ihn Chlodwig des Mordes und ließ ihn umbringen. Nun war der Weg frei, und Chlodwig wurde auch zum König der rheinischen Franken erhoben.

Chlodwigs Herrschaft stand am Übergang von der Spätantike zum Mittelalter. In seinem Reich verbanden sich römische Staatsauffassung, katholisches Christentum und germanisches Heerkönigtum. Fortan waren nicht mehr Rom und der Mittelmeerraum das politische Zentrum, sondern West- und Mitteleuropa.

Chlodwigs Söhne  (511-  613)

Nach fränkischem Recht hatte Chlodwig das Reich unter seinen vier Söhnen geteilt: Chlodomer, Childebert und Clothar I. herrschten in Neustrien; Theuderich I. in Austrasien. Die Hauptstadt wurde von Köln nach Metz verlegt. Militärisch waren sie durchaus erfolgreich: Thüringen und Burgund wurden erobert.

Doch bereits in dieser Generation der Chlodwig-Söhne begann ein moralischer Niedergang im Merowinger-Reich, der heute noch erschüttert – auch wenn man bedenkt, dass nach damaligen Recht die Blutrache gestattet, ja sogar verlangt wurde. Es begann die Zeit der "Merowingischen Greuel". Chlothar I. selbst brachte zwei seine Neffen durch Lug und Trug in seine Gewalt und tötete sie mit eigener Hand. Nicht nur das Königshaus, auch der Adel brachte sich gegenseitig um, und die Frauen waren keinen Deut besser als die Männer.  Nach dem Tod seiner Brüder konnte Chlothar I. (555-561) von Paris aus allein herrschen. Doch sowohl der gallische als auch der fränkische Adel hatte seit der Spätantike ein ausgeprägtes Herrengefühl entwickelt; man empfand den fränkischen König als "Ersten unter Gleichen", aber nicht mehr.

Auch mit der Bildung ging es immer weiter bergab: Im 6. Jahrhundert verschwanden allmählich die öffentlichen Schulen, im 7. Jahrhundert war von Bildung und Kultur nichts mehr zu spüren. 

Die Generation der Enkel Chlodwigs

Nach dem Tod Chlothars I. wurde das Reich unter seinen Söhnen Charibert I., Sigibert I., Guntrum und Chilperich I. in drei Teile geteilt: Neustrien (heutiges Westfrankreich, Hauptstädte Paris und Soisson) Austrasien (Gebiete an Rhein, Maas und Mosel, Champagne, Hauptstädte Reims und Metz) und - bis 613 – Burgund (Loire- und Rhonebecken, Hauptstadt Orléans).

Austrasien fiel an Sigibert I., der seine Residenz in Köln hatte. Er geriet in eine merowingische Familientragödie, die ihn das Leben kostete und das Land auf Jahrzehnte in den Bürgerkrieg trieb Sigibert war mit einer westgotischen Prinzessin, Brunichild, verheiratet. Sie war schön, gebildet und hatte eine reiche Mitgift in die Ehe eingebracht. Das machte seinen Bruder Chilperich I. Herrscher in Neustrien, neidisch. Obwohl er schon Ehefrauen hatte, unter ihnen die berüchtigte Fredegunde, schickte er seine Brautwerber an den westgotischen Hof. Man schickte ihm Galswinta, Brunichilds Schwester. Doch kurz nach der Heirat war er wieder mit Fredegunde zusammen. Als Galswintha zurück nach Spanien wollte, ließ er sie ermorden (572). Dieser Mord führte zu einem Vernichtungskrieg zwischen den Brüdern. Fredegunde ließ Kinder und Freunde von Galswintha töten, 575 dann auch Sigibert ermorden. 584 wurde Chilperich ermordet. Über Jahrzehnte kämpfte Brunichild für die Rechte ihrer Kinder, Enkel und Urenkel, und machte sich dabei den austrasischen Adel zunehmend zum Feind. Schließlich liefen einige der fränkischen Großen, unter ihnen die Stammväter der Karolinger, Bischof Arnold von Metz und Pippin der Ältere zu Chlothar II. über, dem Sohn Fredegundes und Chilperichs. Er ließ Brunichild zu Tode schleifen (613).

Unter Chlothar II. wurde das Reich noch einmal vereint. Doch schon 614 musste er im "edictum chlotharii" den fränkischen Großen weitreichende Zugeständnisse machen: Königliche Grafen durften nur noch aus den jeweiligen Grafschaften genommen werden - das war eine empfindliche Schwächung der Zentralgewalt. Besonders in Bayern, Alemannien und Aquitanien herrschten die Herzöge weitgehend unabhängig. Burgund ging verloren. Austrasien und Neustrien erhielten Verwaltungsautonomie.

Aufstieg der Karolinger als Hausmeier (614-751)

An die Spitze der königlichen Verwaltung standen die Hausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger, so benannt nach ihren bekanntesten Vertretern. Zunächst waren sie nur mit Verwaltungsaufgaben betreut, doch der Verfall der Merowinger begünstigte ihren Aufstieg: die politische Macht geriet immer mehr in die Hände der Hausmeier.

Clothar II. und sein Sohn Dagobert I. "der Gute" (629-639) gelten als die letzten bedeutenden Merowinger-Könige, doch schon zu ihrer Zeit sind die Hausmeier eine feste Größe ihm Reich und regierten nahezu selbständig. Dagobert I. förderte den Bau von Klöstern und Kirchen.  Sein Nachfolger Sigibert III. wartete lange vergeblich auf einen männlichen Erben. Deshalb hatte sein Hausmeier in Austrasien, Grimoald I., Sohn Pippins des Älteren, ihn dazu gebracht, einen eigenen Sohn Childebert zu adoptieren (Childebert adoptivus).

656 wagte Grimoald I. einen Staatsstreich. Nach dem Tod Sigibert III. entführten seine Handlager den Thronerben Dagobert II. und schnitten ihm die langen Haare, Zeichen der Königswürde, ab. Dagobert wurde zum Bischof Desiderius (Dido) von Poitiers gebracht, von ihm zum Mönch geweiht und dann in ein Kloster nach Irland verbannt. Später kam er nach England, wo er am Königshof erzogen wurde. Derweil setze Grimoald I. seinen eigenen Sohn Childebert adoptivus auf den Thron Austrasiens (657-662). Doch den anderen mächtigen Familien ging das zu weit: der neustrische Adel verlangte vom neustrischen König die Bestrafung. Grimoald wurde in einen Hinterhalt gelockt, man machte ihm den Prozess und richtete ihn hin. Das Datum ist umstritten, es kann unter dem neustrischen Herrschern Chlodwig II. (639-657) oder Chlothar III. (657-673) gewesem sein. Der eigentliche Machthaber aber war der neustrische Hausmeier Ebroin.

Dennoch sah er sich kurz darauf gezwungen, Austrasien einen eigenen König zuzugestehen, man einigte sich auf Childerich II., ein Kind. Als er 675 ermordet wurde, brach ein neuer schwerer Machtkampf aus. Gegen den erbitterten Widerstand Ebroins wurde Dagobert  II. 673 nach Austrasien zurückgerufen und konnte dort erst im Ostteil, ab 676 im gesamten Gebiet von Austrasien regieren.

Dagobert II. war ein erwachsener, energischer und gebildeter Mann, als er die Herrschaft übernahm. Gerade um ihn ranken sich viele Legenden. Es heißt, er habe die Ausübung der Herrschaft seinem Hausmeier Pippin dem Mittleren überlassen, um sich ganz auf seine frommen Übungen und wohltätigen Werken zu konzentrieren, darunter verschiedene Kirchenbauten und Klostergründungen; aber auch, dass er als König Übergriffen der Kirche und des Adels entgegentrat. Während der neu ausbrechenden Kämpfe zwischen Austrasien und Neustrien wurde er von dem ihm feindselig gesinnten Hausmeier Ebroin heimtückisch auf der Jagd ermordet; mit ihm starb die Hauptlinie der merowingischen König aus. Knapp zweihundert Jahre später, am 10. September 872, wurde Dagobert heilig gesprochen.

Für eine Weile blieb der Thron unbesetzt. In Austrasien herrschte Pippin der Mittlere (679-714), und er als 687 in der Schlecht von Tertry den Hausmeier Neustriens besiegen konnte, war er der starke Mann im ganzen Frankenreich. Die Merowinger blieben noch bis 751 auf dem Thron, freilich nur als Schattenkönige, und das Reich wurde nicht weiter unter den Königssöhnen geteilt. Die politische Macht blieb in den Händen der Hausmeier. 

Karl Martell (714-741)

Als es mit Pippin dem Mittleren zu Ende ging, schickte er nach seinem Sohn und Thronfolger, doch der wurde auf dem Weg zu seinem Vater ermordet. Die männlichen Nachkommen der Familie waren minderjährig – bis auf Karl Martell, den unehelichen Sohn. Prompt ließ Pippins Witwe ihn einsperren. Doch Karl entkam und setzte sich durch. Über zwanzig Jahre regierte Karl Martell fast als König. In der berühmten Schlacht von Tours und Poitiers 732 siegte er über die Araber. 

In jener Zeit missionieren irische und angelsächsiche Mönche in Deutschland. Bonifatius (gest. 754) begann 722 seine Mission und ordnete die verfallene Kirche unter der Oberhoheit des Papstes. Dies war in Karl Martells Sinn, denn nun orientierten sich die frankischen Christen nach Rom und ihrem Herrscher.

Während in der Merowingerzeit die persönliche Bindung des einzelnen Mannes zum König im Vordergrund stand, begann mit Karl Martell um 730 das Lehnswesen. Karl vergab leihweise Güter aus dem Kirchenbesitz mit allen Nutzungsrechten an seine Vasallen, die ihm dafür Treue schworen. Auch die Bischofsitze besetzte er mit ihm ergebenen Männern.