In Berlin überschlagen sich die Ereignisse

9. November 1918 , Brandenburger Tor, Berlin

Dann überschlugen sich die Ereignisse in Berlin. Am Morgen des 9. Novembers war Generalstreik, Hunderttausende Menschen zogen in die Innenstadt. Etwa zur gleichen Zeit in Spa erfuhr Wilhelm II. von General Groener, Nachfolger Ludendorffs in der Obersten Heeresleitung, dass die Frontsoldaten ihm nicht mehr folgen würden. Prinz Max von Baden bat ihn dringend, sofort abzudanken, doch Wilhelm zögerte immer noch – wenigstens König von Preußen wollte er bleiben.

Nun handelte Max von Baden selbst: Am Mittag gab er die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen bekannt. Friedrich Ebert übernahm als Reichskanzler die Regierung.

Es lebe die Deutsche Republik!

Doch die Nachricht kam zu spät. Die riesige Menschenmenge in der Innenstadt zerstreute sich nicht, immer mehr Demonstranten forderten die Abschaffung der Monarchie. Beim Mittagessen im Reichstagsgebäude erfuhren die SPD-Politiker Scheidemann, Ebert und Bauer, dass Karl Liebknecht in Kürze die Räterepublik ausrufen wollte. Dem musste man zuvorkommen, war Scheidemann überzeugt. Da Ebert nicht wollte, trat er gegen 14 Uhr auf einen Balkon des Reichstags und rief die Republik aus.

Freie Sozialistische Republik Deutschland!

Etwa zur selben Zeit im Tiergarten verkündete Karl Liebknecht die sozialistische Republik. Am Nachmittag stand er auf einem Lastwagen vor dem Berliner Stadtschloss und rief die Demonstranten auf, das Schloss zu erstürmen. Danach rief er vom Schlossbalkon erneut erneut die „Freie Sozialistische Republik Deutschland“ aus und forderte: „Alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten!“ Anschließend zogen Liebknechts Anhänger durch die Stadt und riefen: „Nieder mit der Regierung Ebert – Scheidemann!“

Der Rat der Volksbeauftragten

Um die Dinge doch noch in der Hand zu behalten, bot Ebert nun der USPD den Eintritt in die Regierung an. Ebert, in seinem Herzen Republikaner, hatte sich im Interesse eines friedlichen Übergangs vom kaiserlichen Obrigkeitsstaat zur Demokratie mit der parlamentarischen Monarchie arrangiert. Nun hatte sich die MSPD-Führung an die Spitze der Revolution gestellt, um sie zu bremsen.

Das war ganz und gar nicht im Sinne der „Revolutionären Obleute“ in den Großbetrieben, die Ebert eh misstrauten. Nun mobilisierten sie die Berliner Betriebe, Arbeiter- und Soldatenräte zu wählen, die stellvertretend für alle Räte in Deutschland einen aus MSPD- und USPD-Vertretern bestehenden „Rat der Volksbeauftragten“ bestimmen sollten. Dieser Rat sollte die Regierung Ebert ersetzen.

Die MSPD-Führung bekam Wind davon und tat alles, um diese Wähler für sich zu gewinnen. Mit Erfolg: Auf der Versammlung am Nachmittag des 10. November waren ihre Anhänger in der Mehrheit, und eine überwältigende Mehrheit der Delegierten wollte Einigkeit unter den Arbeiterparteien. Mit eben diesem Ruf „Einigkeit“ schrien sie Karl Liebknecht nieder. Der „Rat der Volksbeauftragten“ wurde gewählt, paritätisch besetzt mit je drei Vertretern der MSPD und der USPD. Die Revolutionären Obleute drückten noch einen Vollzugsrat durch, der die Arbeit des Rates kontrollieren sollte. Ebert hatte sich behauptet, doch er hatte auch verloren. Er war jetzt nicht mehr Reichskanzler, sondern Volksbeauftragter – an der Spitze einer Revolution, die er nicht gewollt hatte.

Ebert-Groener-Pakt

Am späten Abend dieses turbulenten Tages klingelte das Telefon in der Reichskanzlei. Es war General Groener. „Hier General Groener!“ Der Feldmarschall und ich erkennen Ihre Regierung an.“ Der General sicherte der neuen Regierung die Loyalität der Reichswehr zu, sofern sie gemeinsam gegen Bolschewismus, Chaos und Revolution kämpften. Dafür verlangte er Eberts Garantie, dass die Befehlsgewalt über die Truppen bei der OHL verblieb.

In der Tat war die Lage unsicher. Der Spartakusbund war klein, doch Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren populäre und charismatische Persönlichkeiten, unzählige Menschen hörten ihnen zu. „Die ganze Macht den Arbeiter- und Soldatenräten!“ forderte die Rote Fahne, die Zeitung des Spartakusbundes. Niemand konnte sicher sagen, wie stark die radikale Linke wirklich war.

Russland und Lenin waren ein warnendes Beispiel. Die Bolschewiki waren nie die Mehrheit, hatten die Macht mit Gewalt an sich gerissen, die Zarenfamilie umgebracht und das Land in einen Bürgerkrieg gestürzt. Um Deutschland das zu ersparen, wollte Ebert mit den bürgerlichen Parteien zusammenarbeiten und die alten Eliten für den demokratischen Staat gewinnen.

Bild- und Quellennachweis
Das Bild Brandenburger Tor, Novemberrevolution, Bundesarchiv, Bild 183-B0527-0001-810 / CC-BY-SA stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Creative Commons Lizenz 3.0. Es wurde im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Bundesarchiv und Wikimedia Deutschland aus dem Bundesarchiv für Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt.

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