Wenn Sie einmal zur Weihnachtszeit nach Köln kommen, finden Sie vielleicht ein paar Minuten für den Besuch der Friedenkrippe im Hauptbahnhof Köln. Dann ist es wieder Winter 1946/47: Die Städte waren zerbombt und auch viele Dörfer lagen in Schutt und Asche. Kartoffeln, ein wenig Obst und Kaffeebohnen waren wundervoll. Auch Kohle zum Heizen im bitterkalten Winter war ein Vermögen, die Menschen passte stehende Güterzüge ab, um etwas Kohle mitzunehmen. Erzbischof Josef Kardinal Frings hatte dies in seiner Silvester-Predigt 1946 nicht als Sünde bezeichnet.
Potsdamer KonferenzVom 17. Juli bis zum 2. August 1945 fand im Schloss Cecilienhof in Potsdam die letzte der alliierten Kriegskonferenzen statt. Sie entschied über die Zukunft Deutschland: der nördliche Teil Ostpreußens mit Königsberg wurde sowjetischer; ein großes Gebiet im Osten polnischer Verwaltung unterstellt. Das verbleibende Gebiet wurde in vier Besatzungszonen - eine amerikanische, britische, sowjetische und eine französische - eingeteilt; deren Oberbefehlshaber den "Alliierten Kontrollrat" bildeten. Unsere Region gehörte zur britischen Besatzungszone. 1947 entstanden die Länder Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und der Stadtstaat Hamburg.
1945/1946, DeutschlandDie Städte waren zerbombt und auch viele Dörfer lagen in Schutt und Asche. Es gab kaum etwas zu essen, kaum ein festes Dach über dem Kopf, kein fließendes Wasser, keinen Strom. Die Verkehrswege waren zerstört, das Post- und Fernmeldewesen nahezu lahmgelegt. Die Lazarette und Krankenhäuser waren vollkommen überlastet.
In einem Büchlein "Krieg und Währungsreform im Siebengebirge - ein Heisterbacherrotter berichtet" erinnert sich Heinz Klein an jene Jahre. Mit schlichten Worten und viel Menschlichkeit erzählt er von auseinandergerissenen Familien, von Trauer und Not, und von der Hilfsbereitschaft, die wenigen festen Dächer über dem Kopf mit Notleidenden und Flüchtlingen zu teilen. Da ist Mitfreude, wenn ein Angehöriger wiederkommt, und Verständnis für die Freude der Zwangsarbeiter, die nun nachhause reisen können. Da ist zunächst der Hass und die Ablehnung allen Deutschen gegenüber, dann die Schulspeisung. Er erzählt von der Not und dem Hunger in den Jahre nach dem Krieg. Kartoffeln, ein wenig Obst und Kaffeebohnen waren wundervoll. Auch Kohle zum Heizen im bitterkalten Winter war ein Vermögen, die Menschen passte stehende Güterzüge ab, um etwas Kohle mitzunehmen.
Erzbischof Josef Kardinal Frings hatte dies in seiner Silvester-Predigt 1946 nicht als Sünde bezeichnet: "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit not-wendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten nicht erlangen kann".
Truman-Doktrin und Marshall-PlanDer sowjetische Machtbereich dehnte sich weiter aus; nicht nur im späteren "Ostblock", auch in Griechenland und in der Türkei drohte ein kommunistischer Umsturz. Beide Länder baten die USA um Hilfe. Auch die Ländern Westeuropas litten Not, und dies nutze die kommunistische Propaganda aus.
In dieser Situation verkündete US-Präsident Truman 1947 eine Politik der "Eindämmung": "Es muss .. der außenpolitische Grundsatz der Vereinigten Staaten werden, allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen von außen geübten Druck bedroht wird, unseren Beistand zu leihen .. Unter einem solchen Beistand verstehe ich vor allem wirtschaftliche und finanzielle Hilfe zur Herstellung geordneter politischer Verhältnisse und zur Sicherung der Stabilität." Auf Initiative seines Außenministers George C. Marshall begann 1947 das "European Recovery Program" oder einfach "Marschall-Plan": große Mengen Lebensmittel, Rohstoffe, Maschinen und auch Geld für notleidende europäische Staaten, damit die Wirtschaft gesunden konnte. Umgekehrt sollten die begünstigen Länder auch das Ihre tun; 18 freie Länder schlossen sich zur "Organization for European Economic Corporation" zusammen. Daraus entstand 1960 die heutige Organization for Economic Cooperation and Developement (OECD).
Aufrüstung und Krieg hatten die deutsche Volkswirtschaft völlig aus dem Gleichgewicht gebracht; der Wert der Reichsmark war ins Bodenlose gesunken. Die "gültige Währung" waren amerikanische Zigaretten. Zudem hatten die Alliierten Demontagen und Drosselung der Produktion angeordnet. In vielen Fabriken, nicht nur der Rüstungsindustrie, wurden Maschinen abmontiert und ins Ausland gebracht. Andere Fabriken durften nicht wieder aufgebaut werden. Die deutsche Wirtschaft lag tief danieder; die Lebensmittelimporte konnten nicht mehr bezahlt werden. Die Versorgung der Menschen war völlig unzureichend.
"Trizonesien"Schließlich schlugen die Amerikaner vor, die Besatzungszonen wirtschaftlich zu vereinigen und einen föderativen Staatsaufbau anzustreben. Zu Beginn des Jahres schlossen Amerikaner und Briten ihre Besatzungszonen zur Bizone zusammen; durch den Anschluss der französischen Besatzungszone 1948 wurde daraus die Trizone. Im Karneval sang man dann "Wir sind die Einwohner von Trizonesien".
"An Iron Curtain has swept across the continent." Winston ChurchillZugleich zeichnete sich das Scheitern des Alliierten Kontrollrats ab - zu groß waren die Differenzen zwischen den Westmächten USA, England und Frankreich auf der einen und der Sowjetunion auf der anderen Seite. Der von England, Frankreich und den USA besetzte Teil des Landes sollte demokratisch regiert wer-den, die sowjetisch besetzte Zone sollte kommunistisch werden. Als die Westmächte nach dem kommunistischen Umsturz in Prag Verhandlungen über die Zusammenschluss ihrer Zonen begannen, verließ die Sowjetunion am 20. März 1948 den Kontrollrat. De facto war damit die Teilung des Landes vollzogen. Kurz darauf sperrte die Sowjetunion den Güterverkehr mit Berlin auf Straße, Scheine und Wasser. Britische und amerikanische Flugzeuge flogen Lebensmittel und Kohle in die drei Westsektoren ein. Dank der "Rosinenbomber" und ihrer großartigen Disziplin überstanden die Menschen in Berlin den Winter 1948/49 trotz harter Entbehrungen, und die Blockade wurde Anfang Mai 1949 wieder aufgehoben. Doch die Spaltung und der "Kalte Krieg" waren da. Am 7. Oktober 1949 trat die längst beschlossene Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Kraft.
WährungsreformChef der Wirtschaftsverwaltung in der Bizone war Ludwig Erhard, unter ihm wurde die Währungsreform durchgeführt. Die Währungsreform war Voraussetzung für das Gesunden der Wirtschaft, und das spätere Wirtschaftswunder.
Auf den letzen Seiten des Büchleins erzählt Heinz Klein vom Tag der Währungsreform, dem 20. Juni 1948: "mit 40 DM, nunmehr fester Valuta, pro Kopf der Bevölkerung startet man in die neue Zeit. Das sollte sich schon am nächsten Tag in den Schaufenstern zeigen, wo es manches wieder zu kaufen gab, was bisher unerreichbar war. Damit hatte die Kriegsära ein endgültiges Ende zu einem hoffnungsvollen Neubeginn."
Bild- und Quellenachweis
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Währungsreform, Juni 1948, Bundesarchiv, Bild 183-M0425-333 / Donath, Herbert / CC-BY-SA;
Währungsreform, Urheber Herbert Donath, Bundesarchiv, Bild 183-M0425-325 / CC-BY-SA;
Kohlenklau 1946, Bundesarchiv, Bild 183-R70463 / CC-BY-SA;
Potsdamer Konferenz, Gruppenbid, Bundesarchiv, Bild 183-R86965 / CC-BY-SA;
Potsdamer Konferenz, Konferenztisch, Bild 183-R67561 / CC-BY-SA;
Essen, Währungsreform, Bundesarchiv, Bild 183-2005-1017-513 / CC-BY-SA;
Ludwig Erhard mit seinem Buch, Urheberin Doris Adrian, Bundesarchiv, B 145 Bild-F004204-0003 / Adrian, Doris / CC-BY-SA;
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Josef Kardinal Frings Urheber;
Deutschland Besatzungszonen 1945 Urheber
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