Petersberg im Siebengebirge (336 m)
"Der Petersberg bei Bonn" hört man auch heute noch oft in den Nachrichten. Das Grand Hotel auf dem Petersberg ist nach wie vor Gästehaus der Bundesregierung und Tagungsstätte für internationale Konferenzen, z.B. die UN-Konferenzen zu Afghanistan 2001 und 2002 und vor kurzem die Konferenz der Internationalen Kontaktgruppe (International Contact Group, ICG) der Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan. In der Kapelle auf dem Petersberg hat Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher seine Corinna geheiratet. Aber auch Sie und ich können das Hotel und das Restaurant besuchen.
Die Geschichte des Petersbergs führt von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart
Seine Exzellenz der Petersberg ist aber nicht nur wegen seiner diplomatischen Aufgaben interessant. Er entstand als einer der letzten Berge im Miozän. Seine Geschichte führt uns von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart. Schon um 3500 vor Christus waren der Petersberg und seine Umgebung besiedelt man vermutet, dass es auch auf der Mondscheinwiese zwischen Petersberg und Nonnenstromberg eine prähistorische Siedlung gegeben hat. Um 100 vor Christus stand auf dem Petersberg eine Bergfestung, von der Reste des Ringwalls keltischen Typs geblieben sind. Wir wissen aber nicht sicher, wer hier gelebt hat. Das Siebengebirge lag im Grenzgebiet zwischen der keltischen Zivilisation im Süden und der germanischen Welt im Norden, doch weder Kelten noch Germanen kannten Schriftlichkeit
Im hohen Mittelalter, zur Zeit der Staufer, stritten sich die Erzbischöfe von Köln, die Grafen von Sayn und die Grafen von Berg um die Vorherrschaft in unserer Region. 1189 rief der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg Zisterzienser-Mönche ins Siebengebirge. Auf dem Stromberg. bauten sie eine Kapelle, die sie dem Heiligen Petrus widmeten, und so hieß der Stromberg fortan Petersberg. Doch schon 1193 zogen die Zisterzienser hinab nach Heisterbach. Das Kirchlein auf dem Petersberg blieb und wurde später ausgebaut. Im Spätmittelalter wurden hier Ablässe gewährt, d.h. für Bittgänge an genau festgelegten Tagen, Stiftungen u.ä. wurden Sünden vergeben; päpstliche Verkündigungen von 1312 und 1319 bestätigten dies. So wurde der Petersberg zum Wallfahrtsort: Jahrhundertelang zogen an Pilger an kirchlichen Feiertagen hinauf zum Petersberg. Davon zeugen die zahlreichen Steinkreuze an den Wegen hinauf zum Petersberg. Die mittelalterliche Kapelle steht nicht mehr. 1765 ließ der Heisterbacher Abt Hermann Kneusgen eine neue errichten.
Steinbrüche am Petersberg, Naturschutz und Verein für die Verschönerung des Siebengebirges
Auch am Petersberg wurden Steinbrüche betrieben; hier wurde Basalt abgebaut, ein Stein, der auch größtem Druck standhält. Schon in Napoleonischer Zeit wurde Basalt gebraucht, und im Zuge des Straßen- und Eisenbahnbaus wurde der Abbruch immer intensiver. Schließlich alarmierten die Schäden an der Natur viele Menschen. Damals wurden zwei Vereine zum Schutz des Siebengebirges gegründet, die sich später zum VVS zusammenschlossen. Nun gab es einen Interessenkonflikt: den Interessen der Natur standen die Interessen der Betreiber, aber auch der Arbeiter in den Steinbrüchen entgegen. Ein wichtiges Argument war der Tourismus, denn viele Menschen hatten das Siebengebirge als Ausflugsziel für sich entdeckt und ließen viel Geld in den Hotels, Restaurants, Transportunternehmen usw. Um 1900 gibt es bereits ein stattliches Hotel auf dem Petersberg, das Hotel Nelles. 1914 wurde es vom neuen Besitzer Ferdinand Mühlens (4711) noch prunkvoller ausgebaut wurde. Nach langen Verhandlungen, Aufkauf von Gelände und juristischen Auseinandersetzungen wurde im April 1908 der letzte Steinbruch am Petersberg geschlossen. Auch zum Petersberg wurde eine Zahnradbahn gebaut, die von 1888 bis 1958 in Betrieb war und manchen hohen Gast beförderte.
Staatsgäste auf dem Petersberg
Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte der Petersberg wieder in das Interesse der Weltpolitik: von 1949 bis 1952 residierten die Alliierten Hohen Kommissare Frankreichs, Großbritanniens und der USA im Kurhotel auf dem Petersberg. Hier wurde auch das wichtige "Petersberger Abkommen" ausgehandelt, das den Weg für den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die staatliche Unabhängigkeit ebnete. Während dieser Zeit benützen sie die Bahn, die zu diesem Zweck auch winterfest gemacht wurde. Während der "Bonner Republik" beherbergte das Hotel hochrangige Staatsgäste, unter ihnen 1955 der Schah von Persien, Reza Pahlevi, mit seiner damaligen Gemahlin Soraya und 1967 mit seiner dritten Frau Farah Diba und Königin Elizabeth II. von Großbritannien 1965. 1973 wohnte der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnjew, auf dem Petersberg. Er bekam einen funkelnagelneuen Mercedes geschenkt, den er gleich Probe fahren wollte .. doch leider fuhr der auf der Serpentinenstraße in den Graben.
Das alte Hotel steht nicht mehr, an seiner Stelle wurde, unter Verwendung einiger alter Steine, ein neues Gästehaus gebaut, das dem alten Hotel nachempfunden ist. Auch dieses Hotel hat schon prominente Gäste beherbergt, unter ihnen Hillary und Bill Clinton - nach ihm ist sogar ein Jogging-Pfad benannt.





