Ein wenig irritiert schaut König Friedrich Wilhelm III. von Preußen auf seine neuen Gebiete am Rhein, die ihm der Wiener Kongress 1814/15 zugesprochen hatte. Nun waren zwei unterschiedliche Landesteile, Altpreußen und die Rheinlande, unter seiner Krone vereint. Auch seine neuen Untertanen reagierten unterschiedlich. In Kleve, das vor der Franzosenzeit zu Preußen gehört hatte, und in überwiegend protestantischen Gebieten überwog Freude; in den katholischen Gebieten Skepsis. Auch wenn man nicht von einer grundsätzlichen Ablehnung oder gar Feindschaft sprechen kann, waren sich beide Seiten doch fremd. Viele gebildete Rheinländer, stolz auf ihre Jahrtausende alte Kultur, konnten mit dem ostelbischen Preußen und dem als typisch preußisch empfundenen Militär und Beamtentum wenig anfangen. Dem König waren die Rheinlande suspekt: mehr als andere Regionen waren sie durch die Franzosenzeit geprägt, und nun verteidigten die Menschen ihr "Rheinisches Recht", den Code Civil, gegen den preußischen Staat, der die Reformer zunehmend entmachtete oder gar entließ. 1818 lenkte Friedrich Wilhelm III. ein: der Code Civil blieb in Kraft.
RheinprovinzUm das Eis zu brechen, machte Friedrich Wilhelm III. im September 1825 eine Dampferfahrt auf dem Rhein und ließ das Schloss Stolzenfels, das die Koblenzer dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. geschenkt hatten. von Karl-Friedrich Schinkel neu gestalten. Diesem begnadeten Architekten und Maler verdanken wir nicht nur zahlreiche Gebäude des klassischen Berlins; er hat sich um kleine und große Gebäude und auch Denkmäler in ganz Preußen verdient gemacht, so auch um den Kölner Dom und Schloss Stolzenfels.
Bald waren viele Burgen am Rhein in der Hand der Hohenzollernfamilie, u.a. Stahleck, Rheinfels, Rheinstein, der Rolandsbogen und die Godesburg. Auch der spätere Kaiser Wilhelm I. bekam in Rolandseck sein Palais mit seinem eigenen Gleisanschluss gebaut.
Ab 1816 baute die preußische Regierung eine neue Verwaltung auf. Zuerst gab es zwei Provinzen: Niederrhein und Jülich-Kleve-Berg. 1822 wurden sie zusammen-geschlossen. An der Spitze der neuen Rheinprovinz stand der Oberpräsident in Koblenz. Für den Bau der Festung Ehrenbreitstein oberhalb von Koblenz wurden erneut Steine von der ehemaligen Klosterkirche in Heisterbach gebrochen, bis der Oberpräsident 1818 den weiteren Abbruch verbot.
Damals konnten 3/4 der Menschen weder lesen noch schreiben. Hier verdankt unsere Region dem preußischen Staat viel: Nun bekam jeder die Chance zu lernen, die Dorfschulmeister wurden anerkannt und gut ausgebildet. 1818 stiftete Friedrich Wilhelm III. die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Doch in vielen Bauern- und Arbeiterfamilien herrschte so große Not, dass die Kinder mitarbeiten mussten und nicht zur Schule gehen konnten.
In jenen Jahren hatte man den Charme des Rheintals mit seinen steilen Hängen, den Burgen und Weinbergen entdeckt. Menschen aus den In- und Ausland bereisten das Rheinland und schwärmten davon. Unter ihnen war 1816 der ebenso berühmte wie skandalumwittertete Lord Byron aus England; er widmete dem Drachenfels sogar das Gedicht "Der turmgekrönte Drachenfels". Aus jener Zeit sind romantische Bilder überliefert, auf denen die Landschaft besonders wild und geheimnisvoll wirkt.
In den 1820er Jahren sah man die ersten Dampfschiffe auf dem Rhein. Bald nach der ersten Eisenbahnlinie in Deutschland 1835 von Nürnberg nach Fürth entstand auch im Rheinland eine Eisenbahnlinie nach der anderen: 1838 Düsseldorf - Erkrath, 1841 Köln-Aachen, 1844 Bonn-Köln, 1844/45 Köln-Bonn-Koblenz.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Steinbruchschäden am
Drachenfels bedrohlich, 1826 stürzte ein Teil der Außenmauern der Burgruine ein. Zugleich hatten Reparaturarbeiten am - damals noch unvollendeten - Kölner Dom begonnen. Da große Teile des Doms mit Trachyt vom Drachenfels gebaut worden waren, wollte die Dombauhütte ihn auch nun wieder. Es kam zu einem jahrelangen, erbitterten Rechtsstreit, der schließlich auf den Tisch König Friedrich Wilhelms III. kam. Auf der einen Seite die Königswinterer Steinbrechergewerkschaft, auf der anderen viele Bürger und die preußischen Behörden.
Auch Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. setzte sich für den Drachenfels ein. Er mochte das Rheintal, zweimal war er am Drachenfels gewesen. Als er in einer Zeitung über die Wiedereröffnung der Steinbrüche las, handelte er sofort: sein Hofmarschall schrieb dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, dass dem Kronprinzen und der ganzen königlichen Familie sehr viel am Erhalt der Ruine läge, und bat um Unterrichtung über den Sachstand. Wenig später schrieb auch Prinz Friedrich von Preußen. 1829 verfügte das preußische Innenministerium die Einstellung aller Steinbrucharbeiten. 1836 kaufte die preußische Regierung den oberen Teil des Drachenfelses mit der Ruine und er kam unter Denkmalschutz. 10.000 Taler hatte der preußische Staat bezahlt.
Die Rheinländer waren überwiegend Katholiken, und Köln war wieder Erzbistum. Unter den Katholiken gab es Liberale und Anhänger der dogmatischen päpstlichen Linie. Die Preußen und ihr Königshaus waren Protestanten. Als in den 1830er Jahren auf beiden Seiten die Hardliner das Sagen hatten, kam es zu den "Kölner Wirren"1837 wurde der Erzbischof verhaftet und lange gefangen gehalten. Das war ein Politikum weit über das Erzbistum hinaus. Erst unter König Friedrich Wilhelm IV. (1840-61) kam er frei, musste aber sein Amt abgeben. Im September 1842 feierte man das Kölner Dombaufest: Endlich, nach fast 300 Jahren, sollte der Kölner Dom fertig gebaut werden! Das Fest sollte allen im Land zeigen, dass Frieden war zwischen Staat und Kirche. Doch die Spannungen blieben.
Rheinkrise1839-1841 kam es zu einer diplomatischen Krise, als Frankreich das linke Rheinufer für sich beanspruchte. Vorangegangen war eine diplomatische Niederlage Frankreichs im Orient gegen England, Russland, Preußen und Österreich. Das waren die Länder, die Frankreich 1814/15 besiegt hatten, und viele Franzosen waren empört. In dieser Lage steckte das Kabinett Thiers ein neues Ziel: die Rheingrenze. Auf beiden Seiten des Rheins schlugen die Wellen hoch. Rheinlieder wie "Die Wacht am Rhein" und "Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein" kamen auf. Man baute Festungen aus und rüstete auf. Doch wenig später wurde Thiers abgelöst, sein Nachfolger suchte Versöhnung.
Heinrich HeineIn jenen Jahren lebte der große Dichter aus Düsseldorf schon seit einigen Jahren im Pariser Exil. Als Jurist bekam er ob seiner jüdischen Herkunft kein Bein auf die Erde, und seine Werke, schon seit Jahren streng zensiert, waren 1835 ganz verboten worden. Der Emigrant Heine war sehr umstritten, man sprach ihm immer wieder die Vaterlandsliebe ab. Dabei war Heine seiner Heimat tief verbunden, was er fürchtete war ein Nationalismus, der Deutsche und Franzosen aufeinander einschlagen und sich "die Hälse brechen" ließ, wie er es im Vorwort zu "Deutschland. Ein Wintermärchen" schrieb. Mit Heinrich Heine wenden wir uns nun der Politik jener Jahre zu, dem Vormärz.
Bild- und Quellenachweis
Bilder aus der Public Domain Section der Wikipedia sind im Bild- und Quellennachweis
erwähnt.
Die folgenden Bilder stammen von www.zeno.org, zenodat: Drachenfels.