Rivalitäten im Rheinland

Drachenfels, Johann von Brabant
Drachenfels, Johann von Brabant

Nach dem Ende der Stauferherrschaft ging es dann im Reich drunter und drüber. Die Fürsten waren längst Landesherrn. In unserer Region versuchten regionale Fürsten, dem bislang dominierenden Erzbistum Köln Macht und Einfluss abzutrotzen. Nun waren es vor allem die Grafen von Berg im Rheinland und die Grafen von der Mark in Westfalen, die ihre Macht vergrößern wollten. Die Machtstellung der Grafen von Sayn ging unter den Nachfolgern Graf Heinrichs III. verloren.

Die Kölner Erzbischöfe gegen die Bürger

Von 1261 bis 1274 war Engelbert II. von Falkenburg Kölner Erzbischof. Zu seiner Zeit eskalierte der Streit zwischen der Stadt Köln und dem Erzbischof endgültig. Die wirtschaftlich erfolgreichen Bürger, die Patrizier, wollten nicht länger unter der Knute des Erzbischofs zu leben, sondern das Geschick ihrer Stadt selbst bestimmen. Der Erzbischof bekämpfte sie mit Waffengewalt,  belagerte die Stadt mehrfach und geriet wiederholt in Gefangenschaft. Immer wieder kam es zu schweren Gefechten. 1268 vertrieben ihn die Kölner Bürger.  Nun ließ er in Bonn eine Residenz errichten. Zwischen 1263 und 1267 baute er eine neue Residenz in Bonn.

Aber man vertreibt nicht einfach so seinen Erzbischof. Papst Clemens IV. ließ von Bonn aus den Kirchenbann über die Stadt Köln verhängen, also ein Verbot, Gottesdienste abzuhalten. Und das wiederum empörte die Kölner.

Die Grafen von Berg

Seit 1246 regierte Graf Adolf IV., Er war mit Margarete von Hochstaden verheiratet, war also Schwager des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden. Auch politisch schloss er sich ihm an, ergriff gegen Kaiser Friedrich II. Partei. 1248 war er bei der Grundsteinlegung zum Kölner Dom anwesend. Doch mit dem Tod der Schwäger endete der Friede zwischen dem Erzbistum und der Grafschaft Berg. Solange die Erzbischöfe an dem Anspruch festhielten, nicht nur Herren über ihr eigenes Land, sondern auch Oberherrn über sämtliche benachbarte Gebiete am Niederrhein zu sein, war kein dauerhafter Friede möglich.

Graf Adolf V. von Berg wurde ein erbitterter Gegner.  Er verbündete sich mit der Stadt Köln gegen Erzbischof Engelbert II. von Falkenberg (EB 1261-1274), immer wieder kam es zu schweren Gefechten. Mit dem neuen Erzbischof Siegfried von Westerburg standen die Zeichen gleich auf Sturm, denn bei Siegfrieds Ernennung durch den Papst wurde Graf Adolfs Bruder Konrad übergangen, den das  Domkapitel gewählt hatte. Siegfried zeigte sich der Stadt Köln gegenüber versöhnlich und nachgiebig, denn ihm war bekannt, dass Graf Adolf auch mit Waffengewalt seinen Bruder auf den Stuhl des Erzbischofs bringen würde. Machtpolitisch behielt er zunächst die Oberhand gegen einen 1277 formieren Fürsten- und Adelsbundes. Graf Adolf wurde besiegt und musste einlenken, blieb aber ein Gegner Siegfrieds und suchte jede günstige Gelegenheit zu Rache und Vergeltung.

Ein Erbfolgekrieg eskaliert

Als Herzog Walram V. von Limburg, ein Verwandter Graf Adolfs V. von Berg, 1280 ohne männlichen Nachkommen verstarb, fiel Limburg an seinen Schwiegersohn Graf Rainald I. von Geldern. Obwohl sogar König Rudolf I. diesen Lehnsübergang bestätigte, erhob Graf Adolf Einspruch und forderte das Herzogtum Limburg als sein Erbe. Nicht nur er, auch weitere Verwandte erhoben Erbansprüche.

Da Graf Adolf gegenüber Graf Rainald seine Erbansprüche kaum durchsetzen konnte, verkaufte er sie 1283 an Herzog Johann von Brabant. Der wiederum versuchte seit längerem, seinen Machtbereich zu vergrößern. Ein möglicher Machtzuwachs der Grafen von Berg rief den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg auf den Plan; er verbündete sich 1284 mit Graf Rainald von Geldern und sicherte ihm Beistand gegen seine Feinde zu – insbesondere gegen den Grafen Adolf V. von Berg. Die Bürger der Stadt Köln stellten sich gegen ihren Erzbischof. Der Limburger Erbfolgestreit eskalierte, wegen der vielfältigen Interessenskonflikte wurde daraus ein regionaler Krieg. 1287 scheiterte der Versuch einer friedlichen Einigung.

Anfang 1288 wurde das Rheinland Hauptkriegsplatz. Die Partei des Erzbischofs fiel in die Gebiete der Grafen von Berg und Mark ein, das Bergische Land wurde durch den Erzbischof furchtbar verwüstet, bis ihn das herannahende Brabanter Heer zum Abzug bewegte. Die wiederum rächten sich. Einige Quellen berichten, dass Graf Adolf von Berg 1287 die Burg Drachenfels erstürmte und das angrenzende Gebiet verheert hat.

Schlacht von Worringen 1288

Schließlich trafen beide Parteien am 5. Juni 1288 in Worringen aufeinander. Es war eine der größten mittelalterlichen Ritterschlachten im Bereich Niederlothringen und dem Rheinland mit etwa 4500 bis 6100 Rittern zuzüglich einer Vielzahl nicht berittener Kämpfer.

Burggraf Heinrich und sein Bruder Rutger sowie Graf Johann I. von Löwenburg und Burggraf Ludwig von Wolkenburg zogen mit ihrem Lehnsherrn, dem Propst des Bonner St. Cassius-Stifts, auf der Seite des Erzbischofs in die Schlacht – und wurden besiegt. Erzbischof Siegfried von Westerburg wurde von Herzog Johann I. von Brabant gefangen genommen und Graf Adolf V. von Berg ausgeliefert. Gut ein Jahr wurde er auf Schloss Burg festgehalten. Die Burggrafen vom Drachenfels gerieten in die Gefangenschaft des Herzogs von Berg und mussten ihm Lehnstreue schwören. Graf Johann I. von Heinsberg, Herr zu Löwenberg, geriet in die Gefangenschaft des Grafen Gerhard von Jülich und musste ihm seine Burg Reitersdorf bei Rhöndorf übertragen. Erst nach Unterzeichnung des Sühnevertrages vom 19. Mai 1289 und der Zahlung eines hohen Lösegeldes an Graf Adolf V. von Berg wurde der Erzbischof am 6. Juli 1289 wieder frei gelassen. Er hatte die Bedingungen der Sieger hinnehmen müssen.

Der Ausgang der Schlacht ergab gravierende Änderungen im Rheinland. Nach einigen weiteren Auseinandersetzungen wurde Limburg mit der Lehnsbeleihung 1292 durch König Adolf von Nassau rechtskräftig mit dem Herzogtum Brabant vereinigt. Die Vormacht der Kölner Erzbischöfe war dahin, die Herrschaft über die Stadt Köln verlorengegangen, der Weg für die kleineren Landesherren am Niederrhein und im Bergischen Land war frei. Adolf V. festigte und erweiterte die Macht der Grafen von Berg im Rheinland, am 14. August 1288 erhob er Düsseldorf zur Stadt. Köln wurde eine freie Reichsstadt. Graf Adolf V. geriet 1292 seinerseits durch eine Hinterlist in Gefangenschaft des Erzbischofs von Köln und starb am 28. oder 29. September 1296 in Haft. Sein Nachfolger als Graf von Berg wurde sein Bruder Wilhelm.

Unfreiwillige Lehnsmänner

Die Burggrafen vom Drachenfels waren nach ihrer Freilassung am 31.1.1289 unfreiwillig Lehnsmänner des Grafen Adolf V. von Berg. Zwar hatte Papst Nikolaus IV. Siegfried von Westerburg ud seine Mitstreiter  am 18.1.1290 von den unter Zwang eingegangenen Verpflichtungen befreit, und einige Monate später, am 4./5. Juli 1290, hatte im Bonner Münster sogar ein Prozess gegen die Stadt Köln stattgefunden, bei dem Johann I. von Heinsberg, Herr zu Löwenburg, als Zeuge aufgetreten war. Doch die Vorherrschaft des Erzbistums Köln war dahin, dafür begann der Aufstieg der Herzogtümer Jülich und Berg. Siegfried von Westerburg verstarb am 7. April 1297 in Bonn. Für die Grafen aus dem Siebengebirge sollte es noch viele Jahre dauern, bis die Folgen aus der Niederlage von Worringen überwunden waren.

 

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