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Rheindrache > Geschichte des Siebengebirges und der Region


Burg und Amt Wolkenburg - die Zeit der Salier

Salier Wolkenburg Skizze
1118: Als erste Burg im Siebengebirge
entsteht die Wolkenburg
Mittelalter   Einführung 1 2 3 4 5 6 7 8 9

Von der Burg Wolkenburg ist nichts erhalten geblieben. Wenn Sie den Saliern in unserer Region "nachspüren" möchten, besuchen Sie doch einmal die romanischen Kirchen in Köln aus jener Zeit, etwa St. Georg oder St. Maria im Kapitol, in deren Krypta auch Steine vom Drachenfels verbaut wurden.

Ausland Datum Rheinland und Deutschland
   
Köln wird Krönungsort
  1024 Als 1024 der letzte Herrscher aus der Ottonen-Dynastie, Heinrich II., ohne Erben verstirbt, wählen die Großen des Reiches den Salier Konrad II. zum König. Am 8. September 1024 wird er im Mainzer Dom von Erzbischof Aribo gekrönt. Doch der Erzbischof weigert sich, auch Konrads Gattin Gisela zu krönen.
um 1020
Normannen in Süditalien
1021-36 Nun schlägt die Stunde des Kölner Erzbischofs Pilgrim, dessen Erzbistum bisher etwas im Schatten des Mainzers gestanden hat: Am 21. September 1024 krönt er Gisela in Köln.
  1028 Damit begründet er die enge Anbindung des Erzbistums an das salische Königshaus und sichert Köln das Krönungsrecht. Ostern 1028 krönt Pilgrim dann den Thronfolger Heinrich III.
  1031 Wenig später wird er zum Erzkanzler für Italien ernannt, und dieses Amt bleibt fortan mit dem Kölner Erzbischofsstuhl verbunden.
    Heinrich III.
  1039
-1056
Auch ein Friedenskaiser ist stark! Heinrich III. sichert dem Reich die Lehnsherrschaft über Böhmen, Polen und Ungarn. Im Inneren erlässt er einen Landfrieden.
1046
Synoden von Sutri
und Rom
1046 Die meisten Menschen sehen im König den Stellvertreter Christi auf Erden. Unter Heinrich III. erlebt das Reichskirchensystem seinen Höhepunkt - er setzte Bischöfe und Äbte ein, ja sogar den Papst! Dem Geschachere um das Papstamt macht er ein Ende, räumt auf mit Päpsten und Gegenpäpsten und lässt einen Cluniazenser als Clemens II. zum Papst wählen.
    Als erste Amtshandlung krönt er Heinrich und seine Frau zu Kaiser und Kaiserin. Ihm folgen drei weitere von Heinrich eingesetzte deutsche Päpste.
    Cluny - die Reformbewegung
    Dabei ist Heinrich tief religiös, er unterstützt die kirchliche Reformbewegung und spricht sich gegen Simonie und für das Zölibat aus. Durch seine zweite Ehefrau Agnes von Poitou hat er Kontakt zu den Mönchen im burgundischen Cluny, den Trägern einer radikalen Reformbewegung. Sie fordern eine Besinnung auf die wahren Aufgaben der Kirche, ja sogar Weltabkehr, und leben selbst nach ganz strengen Regeln.
    Heinrich mag dies entgegen gekommen sein. Es heißt, dass sein Beiname "Der Schwarze Heinrich" seinen Charakter gut beschreibt, gilt er doch als düster, unnahbar und asketisch - ein Mann, der bei seiner eigenen Hochzeit die Spielleute wegschickt! Doch die radikale Abkehr von der Welt geht vielen Gläubigen in Deutschland zu weit - sie wollen Gott auch in der Welt dienen.
    Vor allem aber fordert Cluny die absolute Unabhängigkeit der Kirche von jeder weltlichen Gewalt. Übersieht oder unterschätzt Heinrich III. die Gefahr für sein Königtum?
    Heinrich IV.
  1056 Nach dem Tod Heinrichs III. übernimmt seine Witwe Agnes von Poitou die Regentschaft für ihren kleinen Sohn Heinrich IV. Schon bald verschwören sich die Fürsten gegen sie, an ihrer Spitze Erzbischof Anno II. von Köln.
  1062 Im "Staatsstreich von Kaiserwerth" entführen sie Heinrich. Anno übernimmt die Regentschaft, für die nächsten Jahre ist er der starke Mann im Staat. Heinrich IV. hat ihn zeitlebens gehasst.
    Im Rheinland: Anno II. von Köln zieht gegen die Ezzonen
ab 1057
Normannen erobern Süditalien
1056
-1075
Die Erzbischöfe von Köln sind also mächtige Männer. Ein mittelalterlicher Erzbischof ist nicht nur ein hoher Geistlicher, sondern auch ein weltlicher Herrscher, ein einflussreicher Politiker und oft genug ein Machtmensch. Das gilt besonders für Anno II.
1066
Normannen erobern England
  In unserer Region beschwört das den Konflikt mit der anderen Regionalmacht herauf, den Ezzonen; es kommt zum offenen Krieg gegen Pfalzgraf Heinrich "dem Wütenden". Anno setzt sich durch, nun ist das Erzbistum in der gesamten Region vorherrschend.
    Kurz darauf gründet Anno II. die Abtei auf dem Michaelsberg in Siegburg, von der wiederum die Propstei Oberpleis gegründet wird. In Siegburg liegt er auch begraben, 1183 wird er heilig gesprochen. Im Siebengebirgsraum besaß das Erzbistum Köln nun die Wolkenburg und den Drachenfels sowie die Ortschaften Königswinter und Ittenbach.
    Romanik
1054
Kirchenschisma zwischen der West- und Ostkirche
  Die Zeit der Salier verbindet man mit den großen Kaiserdomen in Speyer, Worms und Mainz. Doch auch in Köln wird gebaut. 1040-1065 entsteht unter Äbtissin Ida die romanische Kirche St. Maria im Kapitol, deren Kleeblattchor (Drei-Konchen-Chor oder Trikonchos) bald zum Vorbild für andere Kirchen in Köln und der Region wird.
    In der Zeit des Kirchenschismas vereint sie Elemente der westlichen und östlichen Baukunst. Äbtissin Ida muss eine sehr tatkräftige und mutige Frau gewesen sein.
    Anno II. ist auch ein großer Bauherr. In Köln entsteht in den Jahren 1050-1067 die romanische Kirche St. Georg, eine Säulenbasilika, die trotz aller späteren Veränderungen noch den salischen Bau erkennen lässt.
    Investiturstreit
  1065 Am 29. März 1065 wird Heinrich für volljährig erklärt und tritt die Herrschaft an. Seine lange Regierungszeit, ja sein ganzes Leben sind von Konflikten geprägt.
1071
Die Seldschuken besiegen die Byzantiner
1073 Mit Gregor VII. wird ein radikaler Reformer Papst. Politisch geht er noch weiter und fordert, dass der Kaiser sich dem Papst beugt. Als Heinrich 1075 einen Bischof einsetzt, bricht der Konflikt offen aus. Gregor droht ihm den Bann an, daraufhin erklärte Heinrich den Papst für abgesetzt.
    So anmaßend das heute klingt - aus Heinrichs Sicht ist es konsequent. Sein Vater hat Päpste eingesetzt! Er besteht auf einem Mitspracherecht des Königs bei der Papstwahl, und da er in diesem Fall nicht hatte ausüben können, war Gregor nach seinem Verständnis unrechtmäßig an die Macht gekommen.
    Für Gregor hingegen ist dieses Mitspracherecht des Königs undenkbar. Heinrichs Anspruch, als Kaiser das christliche Europa zu führen und gar als Stellvertreter Christi über dem Papst zu stehen, muss er mit aller Macht abwehren. Konsequenterweise bezeichnet er Heinrich IV. nur als "deutschen König".
    Nun bannt der Papst den König. Das ist ein noch nie dagewesener, ungeheurer Vorgang: Damit ist Heinrich aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen, und - im tiefgläubigen Mittelalter - aus der Gemeinschaft der anständigen Menschen.
    Auch politisch ist der Bannspruch verheerend, denn einem gebannten Herrscher müssen seine Untertanen nicht folgen. Im Gegenteil, sie sind von allen Treuepflichten ihm gegenüber ausdrücklich befreit. Nun verbünden sich die deutschen Fürsten gegen den König und drohen mit seiner Absetzung.
    Der Bußgang nach Canossa
  1077 Heinrich erkennt, dass er als gebannter Mann keine Chance hat. Doch nur der Papst kann den Bann lösen, und so kommt es zum berühmt gewordenen Gang nach Canossa.
    Im tiefsten Winter zieht Heinrich mit seiner Ehefrau als Büßer nach Canossa in Italien, wo sich der Papst aufhielt. Drei Tage harrt er vor den Toren der Burg aus. Am 28. Januar schließlich hebt Gregor VII. den Kirchenbann und die Exkommunikation auf.
    Damit hat Heinrich kurzfristig wieder Handlungsfreiheit gewonnen. Zugleich hat er eingeräumt, welche Macht der Bann, und damit der Papst, über den König hat. Die Zeiten des sakralen Königtums wie noch unter Heinrich II. und Heinrich III. sind vorbei.
    Die Hand "mit der er Heinrich Treue geschworen hatte"
Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden
    Den Bann und die Exkommunikation Heinrichs hat der Papst zurückgenommen, die Absetzung als König nicht. Vor allem bleibt er ein erbitterter Feind.
  1080 Daraufhin wählen die Fürsten einen Gegenkönig, Rudolf von Rheinfelden. Der Papst schlägt sich auf Rudolfs Seite und bannt Heinrich erneut. Nach einem monatelangen Guerillakrieg, der Tausenden das Leben kostet und das Land verwüstet, kommt es 1080 zu einer offenen Schlacht. Rudolf scheint zu siegen, da wird ihm im Kampf die rechte Hand abgeschlagen (so besagt es die Legende), wenig später stirbt er.
  25. Juni
1080
Das wird als Gottesurteil aufgefasst, und noch einmal kann Heinrich die Fürsten hinter sich bringen. Am 25. Juni 1080 setzt er erneut den Papst ab, und am selben Tag wurde Wibert von Ravenna als Papst Clemens III. zum Gegenpapst gewählt.
1084
Nach dem Abzug des
kaiserlichen Heeres fallen die Normannen über Rom her
1083/84 Nun zieht Heinrich nach Italien, im März 1084 ist er in Rom. Während Gregor in der Engelsburg festsitzt, lässt sich Heinrich am 31. März von Clemens zum Kaiser krönen. In seiner Not hat Gregor die Normannen unter Robert Guiscard zu Hilfe gerufen. Nun zieht ein gewaltiges Herr, verstärkt mit Söldnern und Sarazenen, gegen Rom. Heinrichs Heer ist stark geschwächt und zieht ab.
1091
Normannen erobern Sizilien
  Während der nächsten Jahre scheint Heinrich etwas Frieden zu finden und versucht nach Kräften, auch dem Land Frieden zu geben. Doch der der neue Papst Urban II. hasst ihn genauso unerbittlich wie sein Vorgänger. Nach und nach bringt er Heinrichs Familie auf seine Seite.
    "Deus le vult" - der erste Kreuzzug
    In seiner Bedrängnis bittet der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos (1081-1118) um Waffenhilfe gegen die türkischen Seldschuken; er hofft wohl auf eine Söldnertruppe, die seinem Befehl unterstellt wird.
1098
Gründung der Zisterzienser-Ordens
1095 Papst Urban II. nimmt sich der Sache an, gibt ihr aber eine andere Wendung: In Clermont fordert er die französischen Ritter auf, nach Palästina zu ziehen und die heiligen Stätten der Christenheit zurückzuerobern.
1099-99
1. Kreuzzug
  Der Aufruf zum Kreuzzug führt einer ersten großen Welle von Judenverfolgungen im Rheinland. Erzbischof Hermann III.(EB 1089-99) kann sie nicht so schützen, wie er es will.
    "Sagte nicht Jesus selbst, man müsse Vater und Mutter hassen?"
Papst Urban II. zu Heinrich V.
1105-1154
Roger II. von Neapel und Sizilien
  Mit Heinrich V. war ein Ausbund an Skrupellosigkeit Thronfolger geworden, und er will selbst an die Macht. Die Fürsten verspraehen sich Vorteile von dem jungen König, also ermuntern sie ihn, ja sogar Papst Urban II. bestärkt ihn. Auch der Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg (EB 1100-1131) wechselt 1106 auf seine Seite.
    Heinrich zieht in einen Bürgerkrieg gegen seinen Vater, kann sich aber militärisch nicht durchsetzen. Er lädt den Vater zu einem Reichstag nach Mainz, dort lockt er ihn in die Falle und lässt ihn einkerkern. Über Monate wird der Königfestgehalten und behandelt wie ein Schwerverbrecher; man droht ihm lebenslange Kerkerhaft an, wenn er nicht abdankt.
  1106 Doch Heinrich IV. kann entkommen. In Lüttich findet er Verbündete und kann seinen Sohn besiegen. Auch Köln bleib kaisertreu, Heinrich V. belagert es vergeblich. Am 7. August 1106 verstirbt Heinrich IV. Sterbend übersendet er seine Insignien und seinen Segen an seinen Sohn. Er liegt im Dom zu Speyer, an dem ihm so viel lag, begraben.
    Heinrich V.
  1106
-1125
Als Heinrich V. sicher auf seinem Thron sitzt, setzt er die Politik seines Vaters rigoros fort, der Investiturstreit ging weiter.
  1111 Am 13. April 1111 traf Heinrich V. in Rom ein und forderte die Kaiserkrone. Als sie ihm verwehrt wird, nimmt er Papst Paschalis II. und viele seiner Kardinäle gefangen und erzwingt neben seiner Krönung noch das Recht der Investitur.
  1112 Doch gleich nach seiner Abreise widerruft die Kurie die Abmachungen und hetzt die Fürsten gegen ihn auf. Schon 1112 erheben sich sächsische Fürsten gegen ihn, darunter der zukünftige Kaiser Herzog Lothar von Supplinburg.
  1114/15 Auch der Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg wechselt die Fronten und besiegt Heinrich V. in der Schlacht bei Andernach.
1118
Gründung des Templerordens
1122 Endlich kommt es im Wormer Konkordat zu einem Ausgleich zwischen Heinrich und dem amtierenden Papst Kalixt II. An der Abfassung des Wormser Konkordates ist der Kölner Erzbischof als Ratgeber und Erzkanzler von Italien beteiligt. Damit ist der Machtkampf zwischen Kaiser und Papst vorläufig beigelegt.
1121
Gründung des Prämenstratenser-Ordens
1125 Am 23. Mai 1125 verstirbt Heinrich V. ohne eheliche Kinder in Utrecht. Er liegt im Dom zu Speyer begraben. Mit ihm geht die Dynastie der Salier zu Ende.
    Die erste Burg im Siebengebirge
    In unserer Region ist das Erzbistum Köln nun vorherrschend. Im Siebengebirge gehören ihm die Wolkenburg und den Drachenfels sowie die Ortschaften Königswinter und Ittenbach. Erzbischof Friedrich sichert den Süden des Erzbistums durch den Bau mehrerer Burgen. 1118 entsteht, als erste Burg im Siebengebirge, die Burg auf der Wolkenburg.
  1131 Der Erzbischof ist gerne hier, und hier stirbt er auch am 5. Oktober 1131. Leider ist von der Burg nichts erhalten geblieben, nur eine Skizze (oben), die uns ihr Aussehen erahnen lässt.