Das Reich, Mitte des 14. Jahrhunderts. Während der Zeit der Luxemburger (1347-1437) war Prag Regierungssitz, denn Böhmen war Eckpfeiler der luxemburgischen Hausmacht. Überhaupt wurden die Geschicke des Reiches vor allem durch Ereignisse im Osten bestimmt: die Gefährdung durch das osmanische Reich und die "Kreuzzüge" ins Baltikum, wo der Deutschen Orden seinen Ordensstaat errichtetet hatte.
Karl IV. (1346-78)Er gilt als der bedeutendste Kaiser des Spätmittelalters, liest man oft. Mit seinem Namen verbunden ist die "Goldene Stadt" Prag, seine Hauptstadt mit der Karls-Universität von 1348, der ersten deutschsprachigen Universität im Reich, der Karlsbrücke über die Moldau, dem gotischen St. Veitsdom und der Burg Karlštejn. Das wohl wichtigste Gesetz aus Karls Regierungszeit war die Goldene Bulle von 1356. Sie bestätigte die herausragende Stellung der Kurfürsten im Reich, gab ihnen die volle Gerichts- und Landeshoheit und sicherte ihnen zu, dass die Kurfürstentümer "in Zukunft nicht zerteilt und nicht .. zergliedert werden dürfen". Die Bulle galt bis zum Untergang des Reiches 1806.
Der schwarze TodIn jener Zeit kam es zu einer Katastrophe: Die Pest verbreitete sich aus dem östlichen Mittelmeerraum, vor allem entlang der Handelswege, überall in Europa bis hinauf nach Island. 1347-51 erreichte sie ihren Höhepunkt. Allein in diesen Jahren starben in Mitteleuropa etwa 25 Mio. Menschen, das waren 2/3 der Gesamtbevölkerung. Ganze Landstriche wurden entvölkert. Alle Schichten waren betroffen, doch am meisten die Armen, die in den engen Städten unter schlimmen Bedingungen lebten.
Die Ärzte waren hilflos, es gab kein Mittel gegen die Pest. Die Menschen sahen sie als eine Strafe Gottes an. Sogenannte "Geißler" zogen mit Fahnen und Kreuzen durch die Straßen und geißelten sich selbst. Sie predigten, dass Jesus die Welt fürchterlich strafen würde, wenn die Menschen nicht Buße täten. Immer mehr Menschen schlossen sich ihnen an, denn sie hatten keine Hoffnung und kein Vertrauen mehr, weder in die weltlichen Herrscher noch in die geistlichen. Doch die Geißlerbewegung selbst wurde zur Bedrohung: Priester wurden verfolgt, ja sogar gesteinigt, und die umherziehenden Geißler selbst trugen zur Verbreitung der Pest bei. Wieder richtete sich der Zorn vieler Menschen gegen die Juden. Es kam erneut zu grausamen Judenverfolgungen; an ihrer Spitze fand man oft genug die Geißler. Zudem waren die Juden auch Geldverleiher, und ihr Tod befreite manchen Schuldner. Kaiser Karl hat davon zumindest gewusst. Dass er es duldete, verstieß auch gegen mittelalterliches Rechtsverständnis, denn die Juden standen unter dem direkten Schutz des König und zahlten dafür.
Von den Grafen der Wolkenburg wissen wir nur wenig. Seit ihrer Erbauung 1118 war die Wolkenburg eine Festung des Erzbistums Köln und Sitz des Amtes Wolkenburg. In einer Urkunde von 1341 ist noch einmal Burggraf Heinrich mit seinen Rechten und Pflichten als Amtmann erwähnt. Er muss einer der letzten, wenn nicht gar der letzte gewesen sein, denn 1353 starb das Geschlecht der Wolkenburger Grafen aus.
Herzogtum BergDie Häuser Jülich und Berg heirateten untereinander, so entstand ein großes Herzogtum auf beiden Seiten des Rheins. Graf Wilhelm von Berg stand in guten Kontakt mit Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel; von diesem wurde er 1380 zum Herzog erhoben. Die Rivalität zwischen Berg und dem Erzbistum Köln dauerte fort; die nächsten Jahrzehnte waren von bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt.
Um die Löwenburg wurde gestritten und gekämpft. 1365 hatte sich zunächst Johann vom Stein durchgesetzt, ein entschiedener Gegner des Kölner Erzbischofs und bergischer Amtmann, 1395 eroberte Johann II. von Loen "der Streitbare" für Heinsberg die Löwenburg zurück. Er verwüstete bergisches Gebiet, dafür eroberten die Berger 1400 die Löwenburg. In jenen Jahren wurde die Zwingermauer gebaut. Rund 40 Jahre lang war er Herr von Löwenburg; nach seinem Tod gab es erneut Erbstreitigkeiten. Königswinter, damals ein "kurkölnischer Flecken", wurde um 1400 durch eine Stadtmauer befestigt.
In Benediktinerabtei auf dem Siegburger Michaelsberg wirkte Pilgrim vom Drachenfels, zunächst als Scholaster (Kindermeister), dann fast 30 Jahre lang als Abt. Die Bildung seiner Schüler lag ihm so sehr am Herzen, dass er sie auf die 1388 von Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden gegründete Universität Köln schickte. Die Abtei lag auf bergischem Gebiet, keine einfache Situation für Pilgrim. Adolf von Berg, einer der Söhne Herzog Wilhelms, war rücksichtslos und Pilgrim befürchtete das Schlimmste für den Tag, an dem er die ganze Macht übernehmen würde. Deshalb sicherte er sich bewaffneten Schutz durch Johann von Loen, den Herrn der Löwenburg. Doch im Frühjahr 1403, als Johann von Loen weit weg war, überfiel Graf Adolf von Berg Siegburg. In der Not schoss man von der Abtei auf die Stadt, und es gab einen riesigen Brand. Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Kölner Erzbischöfen und den Herzogen von Berg.
Kaiser Sigismund, Konzil von Konstanz und Hussitenkriege1419 wurde Sigismund, ein Sohn Karls IV., zum Kaiser gewählt. Es waren schwere Zeiten: Nach ihrem Sieg über die Serben auf dem Amselfeld 1389 beherrschten die Osmanen weite Teile Südosteuropas. Das Byzantinische Reich bestand nur noch aus der Stadt selbst, und sie war in höchster Gefahr. Sigismund selbst und sein Kreuzheer waren in der Schlacht von Nikopolis 1396 besiegt worden. Das größte Problem seiner Zeit war die Kirchenspaltung, das Abendländische Schisma. 1378 war der Papst nach Rom zurückgekehrt, doch die französische Geistlichkeit erkannte ihn nicht an und erhob einen Gegenpapst. Beide Päpste bannten sich und ihre Gefolgschaften gegenseitig, so dass viele Gläubige im Bann lebten - für die tief religiösen Menschen des Spätmittelalters eine große Belastung. Der Prager Magister Jan Hus predigte die Erneuerung der Kirche und die Einziehung des kirchlichen Besitzes - das war auch eine politische Forderung, denn die reichsten Pfründe hatten Deutsche inne. Der Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen verschärfte sich, und 1409 verließen die deutschen Professoren und Studenten Prag.
Kaiser Sigismund lud zu einem Konzil nach Konstanz ein. Es gelang dem Konzil (1414-18), die Einheit der römischen Kirche wiederherzustellen. Die von vielen Menschen geforderte Reform der Kirche aber unter-blieb. Auch Magister Jan Hus war zugegen, nachdem der Kaiser ihm freies Geleit zugesagt hatte. Doch als er bei seiner Überzeugung blieb, wurde ihm der Prozess gemacht - er wurde als Ketzer verurteilt und 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das löste in Böhmen einen Volksaufstand aus, es kam zum Krieg gegen die "Hussiten", der von beiden Seiten grausam geführt wurde und weite Teile des Reiches verwüstete (1419-36).
Erzbischof Dietrich von Moers (1414-1463) führte viele Feldzüge, dafür stürzte er das Erzbistum in tiefe Schulden und verpfändete ganze Gebiete. Als er versuchte, die Stadt Köln wieder zu beherrschen, verbündeten sich die Kölner u.a. mit Adolf von Berg. Auch der Erzbischof suchte und fand Verbündete, unter ihnen Godart vom Drachenfels. 1419 griff man zu den Waffen, es wurde gebrandschatzt, geplündert und verwüstet, allen voran Godart vom Drachenfels. Schließlich vermittelte der Erzbischof von Trier. Godart ist wohl der bekannteste unter den Drachenfelser Burggrafen. Eine Anekdote besagt, dass er einen prächtigen Ring trug - einem Stück Trachyt vom Drachenfels! Die "Steine für den Dom" hatten ihn reich gemacht. Der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers war so tief bei ihm verschuldet, dass, er ihm am 13.5.1425 das Amt Wolkenburg und das Dorf Königswinter mit fast allen Rechten und Einkommen an den Burggrafen verpfändete. So war er die letzten Jahre seines Lebens auch noch quasi Landesherr. Für das Erzbistum Köln hingegen brachen schwere Zeiten an, seine Finanzen waren zerrüttet und der neue Erzbischof hatte kaum Handlungsspielraum.
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