Das Reich, um 1215. Das hohe Mittelalter zur Zeit des Friedrichs II. (1212-1250) ist von großen Gegensätzen geprägt: höfischer Glanz, Minnesang und Burgen auf der einen Seite – bittere Armut, Krankheit und oft genug das Recht des Stärkeren auf der anderen. Die christliche Kirche führte Kreuzzüge gegen Christen, so 1209/1210 gegen die Katharer in Südfrankreich. Auch die Staatsmacht griff durch: Friedrich II. sah seine Ordnung und die Autorität seiner Regierung gefährdet: Ketzer sollten der Acht verfallen und in schweren Fällen auf dem Scheiterhaufen sterben. Vieles von dem, was wir über diese Zeit wissen, verdanken wir Caesarius von Heisterbach.
Friedrich II.Die Welt Friedrichs II. umfasst den gesamtem Mittelmeerraum. In Deutschland war er nur selten, 1212-1220, und dann noch einmal 1235. Das hat man ihm oft vorgeworfen, und auch, dass er den deutschen Fürsten so große Zugeständnisse machte. In der "Confoederatio cum principibus ecclesiasticis" 1220 übertrug er den geistlichen Fürsten fast alle Königsrechte.1232 im "Statutum in favorem principum", wurden den weltlichen Fürsten die gleichen Rechte zugesprochen, auch sie waren fortan Landesherrn. Nun konnten mächtige Fürstentümer entstehen.
Doch um dem letzten Stauferkaiser annähernd gerecht zu werden, muss man versuchen, in seinen Kategorien denken. Friedrich, der Sohn einer Normannin aus Sizilien und eines schwäbisch/burgundischen Vaters, war in Palermo aufgewachsen. Trotz seiner schweren Kindheit liebte er seine Heimatstadt, er tauchte gerne in ihr multi-kulturelles Leben ein und wuchs mehrsprachig auf; nur Deutsch lernte er
erst später. Er hieß Friedrich nach seinem Großvater väterlicherseits Friedrich I. Barbarossa, mit zweitem Vornamen Roger nach seinem Großvater mütterlicherseits Roger II. von Sizilien. Sein mütterliches Erbe war Sizilien und Süditalien, sein väterliches das Stauferreich jenseits der Alpen.
Beidem fühlte er sich verpflichtet, und so war sein Herrschaftsverständnis. Er vertrat die Idee eines universalen Kaisertums mit dem Kaiser als weltlichem Führer des Abendlandes. Damit stieß er auf den erbitterten Widerstand der Päpste und der norditalienischen Städte, die wie ein Riegel zwischen seinen nördlichen und seinen südlichen Reichsteilen waren. Friedrich II. gilt als herausragende Persönlichkeit unter den Herrschern des Mittelalters, und schon zu seinen Lebzeiten nannte man ihn "Stupor Mundi".
Der Kölner Erzbischof Engelbert I. war einer der mächtigsten Männer im Reich. Friedrichs kleiner Sohn Heinrich (VII). wuchs in seiner Obhut auf. Er versuchte, Frieden und Recht herzustellen, doch war er auch Graf von Berg und darauf bedacht, den Besitz des Erzbistums als auch den seiner Familie zu erweitern, und machte sich Feinde. Am 7. November 1225 geriet er in einen Hinterhalt seines Verwandten Friedrich von Isenberg und wurde ermordet. Das Verbrechen schockte die Menschen tief. Der neue Kölner Erzbischof Heinrich I. von Müllenark ließ den Mörder in Köln hinrichten. Er beauftragte Caesarius von Heisterbach, eine Biographie zu verfassen, damit Engelbert möglichst schnell heilig gesprochen würde.
Friedrichs KreuzzugAls Friedrich 1225 endlich den lange zugesagten Kreuzzug antrat, brach im Lager in Brindisi eine Seuche aus, auch der Kaiser erkrankte schwer und der Kreuzzug wurde verschoben. Papst Gregor IX. bannte den Kaiser. Als Gebannter segelte er 1228 nach Palästina, Walther von der Vogelweides Palästinalied entstand vermutlich im selben Jahr. Doch im Heiligen Land schlug dem Kaiser der Hass des Patriarchen von Jerusalem, der Templer und der anderen Ordensritter entgegen. Seine Gegner schreckten auch vor Verrat und Attentaten nicht zurück. Nur seine deutschen und italienischen Ritter sowie die Ritter des Deutschen Ordens standen loyal zu ihm. Durch Verhandlungen mit dem Sultan Al-Kamil gewann er Jerusalem ohne Kampf und setzte sich am 18. März 1229 in der Grabeskirche selbst die Krone auf. Doch beiden Herrschern wurde von ihren Untertanen Verrat an der eigenen Sache vorgeworfen. Der Papst ließ sogar Söldner in Süditalien einfallen, Friedrich segelte eiligst zurück, siegte und nahm unerbittlich Rache.
Ketzerei als MajestätsverbrechenAus Sicht des Kaisers stellten Ketzer die Ordnung in Frage, und damit auch seine Autorität. Ausgerechnet er, der selbst alles und jedes in Frage stellte, erließ nun die umfangreichste und bedeutendste Gesetzgebung gegen Ketzer: Das bisher gültige Untersuchungs- und Bekehrungsverfahren wurde aufgehoben, nun konnten die Inquisitoren nach eigenem Ermessen und mit aller Voll-macht handeln. Im Kapitel 1 der Konstitutionen von Melfi (1231) wurde Häresie als Majestätsverbrechen angesehen; in Sizilien wurde die Inquisition eingeführt. 1232 erließ der Kaiser ein Gesetz zur Unterstützung der Inquisition in Deutschland. 1238 erneuerte er die Ketzergesetze; sie galten nun für das ganze Reichsgebiet.
Friedrichs Gesetzgebung wurde ins Kirchenrecht übernommen. Papst Gregor IX. übertrug die Ketzerbekämpfung 1231 einem Mann, der viel Leid über Deutschland bringen sollte: Magister Konrad von Marburg, dem ehemaligen unerbittlichen Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen. Von Köln aus organisierte Konrad ein Netz von Spitzeln, die ihm Namen und Vergehen vermeintlicher Ketzer zutrugen. Er ging davon aus, dass jeder Verdächtigte auch schuldig war, und machte kurzen Prozess: keine weiteren Zeugenverhöre, keine Bekehrungsversuche mehr. Bald loderten überall Scheiterhaufen.
Selbst Graf Heinrich III. von Sayn wurde 1233 angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe an einer Ketzerzusammenkunft teilgenommen und greuliche Dinge gesagt und getan. Zudem gab es einen privaten Grund für die Feindschaft: Graf Heinrich und seine Frau Mechthild, die aus Thüringen stammte, waren mit Elisabeth befreundet gewesen. Der Inquisitor, Ankläger und Richter zugleich, befand Heinrich für schuldig. Doch der mächtige Graf schaffte es, seinen Fall der außerordentlichen Gerichtsbarkeit Konrads zu entziehen und vor ein weltliches Gericht zu bringen, das ihn freisprach. Doch Magister Konrad hetzte weiter gegen den Grafen, rief sogar zum Kreuzzug gegen die Burg Sayn auf. Kurz darauf wurde er auf saynischem Gebiet ermordet. Mehr dazu: "Eine Mauer im Haus des Herrn", zum Ketzerprozess gegen Heinrich III. von Sayn"
Friedrichs FamilieWährend der 1230er und 1240er Jahre war Friedrich zumeist in Apulien, er liebte dieses Land. Foggia war sein Regierungssitz, in Gioia del Colle lebte Bianca Lancia, seine große Liebe, die er kurz vor ihrem Tod heiratete. Mit ihr hatte er zwei Töchter und den Sohn Manfred, mit dem er sein berühmtes Falkenbuch schrieb. Castel del Monte entstand.
Der Kaiser hatte eine große Familie. Da waren die erbberechtigen Kinder aus seinen Ehen und die unehelichen aus seinen zahlreichen Liebschaften, denen Friedrich ein guter Vater war. Das traurige Schicksal seiner Söhne deutet den Untergang der Staufer an. Heinrich (VII.) aus der ersten Ehe mit Konstanze von Aragón, regierte in Deutschland, doch seine Politik fand nicht die Zustimmung des Vaters. Er wurde vor aller Welt gedemütigt, revoltierte dann offen, worauf er verurteilt und eingekerkert wurde. Am Ende beging er Selbstmord. Konrad IV. aus der zweiten Ehe mit Isabelle von Brienne, starb in Süditalien, als er nach dem Tod des Vaters sein Erbe retten wollte.
Zum Ende der Stauferzeit ging auch die "Höfische Zeit", eine Blütezeit von Literatur, Kunst und Rittertum, zu Ende. Die Minnesänger fanden neue Themen: es ging nicht mehr nur um die unerreichbar hohe Dame, in deren Dienst der Ritter ein besserer Mensch wurde, sondern zu-nehmend um erfüllte Liebe. Neidhart von Reuenthal parodiert gar den hochhöfischen Minnesang, seine Lieder spielen in Dörfern. Neidhard, Walther von der Vogelweide und der Tannhäuser waren keine hochadeligen, finanziell gesicherten Ritter, sondern Berufssänger, die mit ihren Liedern die adligen Gesellschaft am Hof ihrer Fürsten unter-hielten und auf seine Freigebigkeit angewiesen waren. Der Tannhäuser hat dieses Dilemma sogar in ein Lied gepackt "Ich muoz klagen".
Das Ende der StauferPapst Gregor IX. verfolgte den Kaiser mit fanatischem Hass, brandmarkte ihn als Ketzer, als leibhaftigen Antichrist und Diener des Satans. Jeden Sonntag wurden diese schrecklichen Vorwürfe und der Bannspruch in den Gottesdiensten überall im Reich vorgelesen.
Einige der Großen des Reiches, unter ihnen Heinrich III. von Sayn, wandten sich in einem Brief vom 2. April 1240 an den Papst und versuchten zu vermitteln, doch vergeblich. Der "Endkampf" zwischen Kaiser und Papst war ein Vernichtungskrieg. Am 17. Juli 1245 auf dem Konzil von Lyon ließ der neue Papst Innozenz IV. den Kaiser absetzen. Mit viel Geld warb er einen Gegenkönig an, Heinrich Raspe von Thüringen, und scheute sogar vor Mordanschlägen nicht zurück. Der Kaiser nahm unerbittlich Rache, wenn er sich hintergangen fühlte.
Friedrich II. verstarb am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino.
Der Hass des Papstes verfolgte die Staufer über seinen Tod hinaus. Karl von Anjou, Bruder Ludwigs IX. des Heiligen von Frankreich, eroberte Süditalien und Sizilien für den Papst - und für sich selbst. Friedrichs Söhne und sein Enkel Konradin kamen beim Kampf um ihr Erbe um; Süditalien ging dem Reich für immer verloren. Doch Frankreich, der Verbündete der Päpste im Kampf gegen die Staufer, sollte sich bald gegen sie wenden.
Zurück ins Siebengebirge. Unterhalb des Ölbergs auf der Rosenau stand für kurze Zeit eine kleine Burg, doch wir wissen wir nur wenig von ihr. Im Siebengebirge war Dietrich von Dorndorf, ein niederer Adliger, aufgetaucht. Seit 1227 nannte er sich Dietrich von Rosenouwe, also Herr der Burg Rosenau. Er starb 1243, und noch im gleichen Jahr verkaufte seine Familie die Burg an das Kloster Heisterbach. Um m 1250 wurde die Burg abgerissen. Die Motive blieben unklar. Caesarius, der eine Lebensgeschichte Elisabeths von Thüringen verfasst hatte, lebte da nicht mehr - er hätte bestimmt berichtet.
Bild- und Quellenachweis
Das Foto vom Normannenpalast stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia, public domain section. Ich danke Giovanni dall'Orto dafür. Bilder aus der Public Domain Section der Wikipedia sind im Bild- und Quellennachweis erwähnt.