Rheindrache mobil  Blog Suche Sitemap
logo

Von der Nacht auf dem Drachenfels zum Wintermärchen - der Vormärz

Deutschland, um 1815. Nach dem Sieg über Napoleon hatten die Staatsmänner Europas auf dem Wiener Kongress die alte Ordnung wiederhergestellt. Daher nennt man die Jahre von 1815 bis 1848 die Zeit der Restauration oder auch Vormärz, bezogen auf die Märzrevolution 1848.

Das Deutschland jener Jahre war ein loser Staatenbund, der "Deutschen Bund". Seine oberste Behörde war der Bundestag in Frankfurt. In ihm saßen nicht, wie heute, frei gewählte Volksvertreter, sondern Gesandte der einzelnen Bundesstaaten, den Vorsitz hatte Österreich. Kein Herrscher in Deutschland und Österreich war bereit, zugunsten einer Zentralregierung zurückzustecken. Die Monarchen waren zufrieden, doch viele Menschen waren tief enttäuscht.

"Die Nacht auf dem Drachenfels"

Auch der große rheinische Dichter Heinrich Heine hat den Drachenfels besungen. Eine Nacht hat er auf dem Drachenfels verbracht, dem Nord-sturm getrotzt .. und sich am Ende den Schnupfen und Husten geholt. Man möchte ihm für den Schuss Ironie danken, der die Rheinromantik, und Heine liebte seine Heimat, nicht kitschig werden lässt. Doch zugleich war es ein politisches Gedicht. In dieser Nacht des 18.10.1819 feierte Heine mit anderen Studenten der Bonner Universität den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, oben am Landsturmdenkmal auf dem Drachenfels. Das war verboten. Die preußischen Behörden reagierten sofort und verboten den Studenten jede Teilnahme an Burschenschaften oder anderen Verbindungen.

Burschenschaften

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen fühlte sich nicht mehr an sein Versprechen gebunden, seinem Volk eine Verfassung zu geben. Für Österreichs Staatskanzler Fürst Metternich bedeuteten Meinungsfreiheit, Presse- und Versammlungsfreiheit und das Streben nach nationaler Einigkeit Unruhe und Gefahr für die Sicherheit, und so unterdrückte er sie mit aller Gewalt. Doch während der Franzosenzeit hatten die Ideen von bürgerlichen Rechten und Freiheiten und nationaler Einheit in West- und Mitteleuropa feste Wurzeln geschlagen. Ausgehend von Jena, schlossen sich viele Studenten in Burschenschaften zusammen.

Im Oktober 1817 feierten Burschenschaftler auf der Wartburg den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, und unter dem Jubel der Zuhörer forderten die Redner "Ehre, Freiheit, Vaterland!" In Wien verfolgte Staatskanzler Metternich die Ereignisse mit wachsendem Argwohn. Als dann der Schriftsteller von Kotzebue, poli-tisch reaktionär und ein Zuträger des Zaren, von einem radikalen Burschenschaftler ermordet wurde, berief er im August 1819 eine Ministerkonferenz nach Karlsbad ein.

Karlsbader Beschlüsse

Ergebnis waren Karlsbader Beschlüsse, die, in vier Gesetze gefasst, auf der Bundesversammlung des Deutschen Bundes vom 20. September 1819 bestätigt wurden. Nun wurden die Burschenschaften verboten, Professoren und Studenten vom Staat überwacht, Zeitungen und Bücher zensiert. Verdächtige Personen wurden als Demagogen verfolgt; unter ihnen waren verdiente Männer wie der Freiherr von und zum Stein und der General Gneisenau. Als Heinrich Heines Gedicht "Die Nacht auf dem Drachenfels" 1827 im "Buch der Lieder" erschien, wurden seine Werke bereits zensiert. Beruflich bekam er als Jurist kein Bein auf die Erde.

Hambacher Fest

Die Julirevolution in Frankreich gab den Demokraten in Europa Auftrieb. 1832 feierten etwa 25.000 Menschen aus allen Volkskreisen, unter ihnen auch Franzosen, Polen und Italiener, auf der Maxburg im pfälzischen Hambach das Hambacher Fest. Unter dem Jubel der Teilnehmer forderten die Redner demokratische Rechte und Verbrüderung aller freien Völker. Das war politischer Sprengstoff. Staatskanzler Metternich in Wien drang auf die Einhaltung der Karlsbader Beschlüsse. Neue Demagogenverfolgungen begannen, Zeitungen und Literatur wurden noch strenger zensiert. Heines Werke wurden verboten. Er entschied sich, für immer in Paris zu bleiben.

Brüder Grimm

Welchen Schatz uns die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm mit ihrer Märchensammlung hinterlassen haben, begreift man vielleicht erst richtig, wenn man sich mit ihrer Zeit beschäftigt. Sie gehörten gegen den sieben Professoren der Universität Göttingen, die sich gegen einen Verfassungsbruch ihres Landesherrn wandten. Daraufhin verwies der König die Professoren des Landes, doch wo sie auch hinkamen, wurden sie herzlich und voller Bewunderung empfangen. Die Menschen sammelten sogar Geld, damit die Professoren über die Runden kämen. Die Behörden aber reagierten verstockt; der preußische Innenminister sprach sogar vom "beschränkten Untertanenverstand".

Industrialisierung und soziale Not

Es war auch eine Zeit großer Not. Berlin, Schlesien und das Rheinland waren schon früh industrialisiert. So erlebte der Staat Preußen einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch zugleich die durch die "Industrielle Revolution" entstehenden sozialen Probleme. Je mehr Maschinen eingesetzt werden konnten, desto mehr Menschen verloren ihre Arbeit. Ein mechanischer Webstuhl ersetzte 200 Arbeiter - für die Menschen war das eine Katastrophe. für die Menschen war das eine Katastrophe. Hungerlöhne, Frauen- und sogar Kinderarbeit änderten nichts daran. Zugleich zogen unzählige verarmte Bauern und arbeitslos gewordene Handwerker in die Industriezentren in der Hoffnung, in den Fabriken Arbeit zu finden, was wiederum die Löhne drückte. Gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Arbeiter gegen die Ausbeutung gab es nicht, die Lebensverhältnisse waren verheerend. Immer mehr Menschen verelendeten. Es kam zu Aufständen von Arbeitern, sie zerstörten die Maschinen, die ihnen die Arbeit nehmen. Die Maschinenstürmer wurden schwer bestraft. Als sich im Sommer 1844 die schlesischen Weber erhoben, ließ die preußische Regierung sie von Soldaten zusammenschießen.

Hilfe kam von weitblickenden Unternehmern wie Alfred Krupp, der Barmer Fabrikant Schuchard setzten sich gegen Kinderarbeit ein, Kirchenmänner wie Johann Heinrich Wichern, Adolf Kolping und dem Bischof von Ketteler begannen Hilfsprojekte. Doch Gesetze zum Schutz der Arbeiter kamen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Auch die Landwirtschaft litt große Not, nach Missernten in den Jahren 1845 und 1846 kam es 1847 zu einer Versorgungskrise. Die preußische Regierung lieferte Kartoffel- und Getreide, dennoch litten viele Menschen Hunger. Den Gemeinden fehlten das Geld, um bedürftige Familien zu unterstützen. Viele Menschen wanderten aus. Karl Marx (1818-1883), gebürtiger Trierer, schrieb als politischer Journalist bei der "Rheinischen Zeitung" in Köln über die verzweifelte Lage der Bauern in der Eifel und dem Hunsrück und der Weinbauern an der Mosel.

Dichter und Künstler griffen das Elend in ihren Werken auf, u.a. Bettina von Arnim mit ihrer Schrift "Dies Buch gehört dem König", das Friedrich Wilhelm IV. aber nicht lesen wollte, und Heinrich Heine in seinem Gedicht "Die schlesischen Weber". Er schrieb es, als das preußische Militär einen Aufstand der schlesischen Weber 1844 gewaltsam niederschlug. Das Weberlied war zuerst im Vorwärts! erschienen, der damals von Karl Marx geleitet wurde. Schon bald wurde es verboten. Auch die Presse unterlag einer strengen Zensur. Marx und sein lebenslanger Freund Friedrich Engels gingen nach London.

Deutschland. Ein Wintermärchen

Auch Heinrich Heine lebte seit Jahren im Exil in Paris. 1843/44 reiste noch einmal nachhause, nach Deutschland, von dieser Reise erzählt das "Wintermärchen". Es ist ein politisches Gedicht, in dem er gegen die Restaurationspolitik und König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Stellung bezieht. Schon im Oktober 1844 wurde es verboten, gegen Heine erging Haftbefehl.

Zugleich ist es ein persönliches Gedicht, durch Spott und Ironie hindurch fühlt man seine tiefe Verbundenheit mit der Heimat:

"Gib' dich zufrieden, Vater Rhein,
Denk nicht an schlechte Lieder,
Ein besseres Lied vernimmst du bald -
Leb wohl, wir sehen uns wieder."

Aus Caput V


Bild- und Quellenachweis

Bilder aus der Public Domain Section der Wikipedia sind im Bild- und Quellennachweis erwähnt.
Die folgenden Bilder stammen von www.zeno.org, zenodat: Drachenfels.