Was soll aus Deutschland werden?

Ebert begrüßt heimkehrende Fronttruppen
Ebert begrüßt heimkehrende Fronttruppen

Revolutionäre und konterrevolutionäre Truppen in Berlin

Viele Menschen trugen Waffen. In Berlin wurde im November die Volksmarinedivision aus revolutionären Matrosen gebildet, sie stand dem Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (USPD) als bewaffnete Ordnungsmacht zur Verfügung. Eine Abteilung bewachte u.a. die Reichskanzlei.

Auch Reichswehrtruppen standen in Berlin. Viele Soldaten waren verbittert und republikfeindlich; ihrer Meinung nach waren die Sozialisten dem Heer in den Rücken gefallen und schuld an der Niederlage. Als am 6. Dezember ein Demonstrationszug der Linken durch Berlin zog, schossen die Militärs ohne Vorwarnung in die Menge. 14 Menschen wurden getötet.

Am 10. Dezember 1918 marschierten heimkehrende Fronttruppen mit den schwarz-weiß-roten Fahnen des Kaiserreichs durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Reichskanzler Ebert begrüßte sie mit einer von der OHL verfassten Rede: „Eure Opfer und Taten sind ohne Beispiel. Kein Feind hat Euch überwunden. Erst als die Übermacht der Gegner an Menschen und Material immer drückender wurde, haben wir den Kampf aufgegeben.“
In Berlin hielten sich nun bewaffnete revolutionstreue und bewaffnete gegenrevolutionäre Truppen auf – auch wenn letztere ihre wahren Absichten hinter einem Zweckbündnis mit der MSPD verstecken und die Angst vor einem spartakistischen Umsturz nutzten.

Parlamentarische Demokratie oder Rätepublik?

Die Vorstellungen von der künftigen Staatsform und Wirtschaftsordnung Deutschlands gingen weit auseinander. Ebert und die Mehrheit der MSPD-Anhänger wollten so bald wie möglich eine Nationalversammlung wählen, die dann über die Verfassung der neuen Republik und auch über die Sozialisierung wichtiger Industrien entscheiden sollte.

Viele USPD-Politiker und andere Linke wollten eine Räterepublik; und sie wollten Schlüsselindustrien wie den Bergbau so bald als möglich sozialisieren. Das wiederum alarmierte sowohl die Großindustrie als auch die Gewerkschaften. Am 15. November schlossen der Industrielle Hugo Stinnes und der Gewerkschafter Carl Legien ein Abkommen, in dem die Gewerkschaften einen geordneten Produktionsverlauf und die Arbeitgeber den Achtstundentag und den Alleinvertretungsanspruch der Gewerkschaften garantierten. Damit war die Sozialisierung von Industriebetrieben unterlaufen.

Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte

Vom 16. bis 20. Dezember 1918 kam in Berlin der Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte zusammen, zu dem alle Räte im ganzen Land Delegierte entsandt hatten. Ebert und General Groener wollten ihn verhindern, dabei fielen Schüsse. Doch das wäre gar nicht nötig gewesen. Die Mehrheit der Räte waren gemäßigt, oft SPD-Anhänger. Sie verstanden ihre Tätigkeit als Übergangslösung im Dienste einer neuen, demokratischen Ordnung. Der Spartakusbund war nicht einmal beratend zugelassen. Mit großer Mehrheit stimmten die Räte am 10. Dezember für freie Wahlen zur Nationalversammlung, gegen die Räterepublik, und erkannten den Rat der Volksbeauftragten als Regierung an.

Bild- und Quellenachweis
Public Domain Section der Wikipedia.

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