Aufschwung und Stabilisierung

Siebengebirge, von Rolandseck
Siebengebirge, von Rolandseck

„Goldene Zwanziger Jahre“

Eine kurze Zeit des Aufatmens war der Weimarer Republik vergönnt, die „Goldenen Zwanziger Jahre“ begannen. Die Wirtschaft erholte sich langsam, und die Menschen konnten sich ein bisschen Normalität gönnen: Kino, Radrennbahn, Baden oder Ausflüge mit dem Auto. Man konnte Max Schmelings Boxkämpfe und die ersten Fußball-Länderspiele live sehen oder im Radio verfolgen. Täglich gingen etwa zwei Millionen Menschen in die Kinos. Gut situierte Bürger besuchten die Opernhäuser und die Theater oder amüsierten sich in den zahlreichen Revuen, Tanzpalästen, Jazz-Lokalen und Bars der Großstädte. In Berlin tanzte eine schwarze Tänzerin, Josephine Baker aus Amerika, sogar nur mit einem Bananenröckchen bekleidet.

Vielerorts wurden Reihenhäuser und große Wohnsiedlungen mit begrüntem Umfeld und ausreichend Licht gebaut. Mit diesen Großprojekten des sozialen Wohnungsbaus wollte man möglichst viele Menschen aus dem Elend der Mietskasernen und Hinterhöfe holen. Rationellere Bauweisen sollten helfen, schnell und finanzierbar die große Wohnungsnot zu lindern, dabei entstanden auch erste Hochhäuser.

Kulturelle Blütezeit

Diese wenigen Jahre waren eine unglaublich innovative, kreative Zeit. Industrie und Wissenschaft gelangen sensationelle Fortschritte, und zahlreiche Nobelpreise gingen nach Deutschland. Kunst und Kultur erlebten eine ganz neue Freiheit und Blütezeit. Die Vielfalt der Stilrichtungen war ein Kennzeichen der Weimarer Republik. Den Expressionismus fand man nicht mehr in der Malerei, sondern im Film und im Theater, dafür standen Filme wie „Das Kabinett des Dr. Caligari“. 1927 entstand Fritz Langs Film „Metropolis“. Auch „Dr. Mabuse“ gehört in die Zwanziger Jahre.

In der Malerei dominierten der Surrealismus und die Neue Sachlichkeit. Kühl und nüchtern sollte die Wirklichkeit abgebildet werden. Otto Dix‘ Großstadttriptichon entstand. Zahlreiche Künstler waren politisch engagiert. George Grosz‘ malte die die Wirklichkeit schonungslos und pointiert, 1926 entstanden seine „Stützen der Gesellschaft“. John Heartfields Arbeit „Väter und Söhne 1924“ zeigt Paul von Hindenburg vor Soldatenskeletten, an denen Kinder in Uniform vorbeimarschieren.

Kanzler Marx

Wilhelm Marx leitete vier Kabinette. Bedeutende Gesetze wurden verabschiedet, und auch für die Menschen wurde viel getan. 1927 kam die Arbeitslosenversicherung als vierte Säule der Sozialgesetzgebung hinzu. In den Betrieben gab es fortan den Achtstundentag, bessere Schutzbestimmungen für Jugendliche und Mütter, Erholungsurlaub mit Lohnfortzahlung, neue Wohnungen und Erziehungshilfen. Neu war auch die Vertretung durch Betriebsräte.

Doch das Regieren wurde für die republikanischen Parteien der Mitte immer schwieriger. Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) warb mit einem Plakat „Locarno?“ das einen farbigen französischen Soldaten drohend im Hintergrund einer Rheinlandschaft zeigte. Unter ihrem neuen Vorsitzenden, dem „Medienzaren“ Alfred Hugenberg, betrieb sie Fundamentalopposition gegen das „Weimarer System“.

Große Koalition unter Hermann Müller

Die Reichstagswahl 1928 brachte der SPD einen klaren Sieg und der DNVP eine herbe Niederlage. Nun regierte eine große Koalition unter dem Sozialdemokraten Hermann Müller mit einer breiten Mehrheit im Reichstag. Doch die SPD-Minister standen zwischen ihrer Reichstagsfraktion und den Koalitionspartnern, die DVP orientierte sich immer mehr an der Wirtschaft, das Zentrum war zerstritten und ging immer mehr nach rechts, die ehemals liberale DDP war im Niedergang begriffen und suchte schließlich ihr Heil in einem Rechtsruck. Dem Reichspräsidenten Hindenburg waren Hermann Müller und seine Sozialdemokraten kaum genehm.

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Bild- und Quellenachweis

Die folgenden Bilder stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Creative Commons Lizenz 3.0.

  • Dankveranstaltung bei Friedrich Ebert, 1924 / Bundesarchiv, Bild 102-00488 / CC-BY-SA.

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