Befreiungskriege

Völkerschlacht bei Leipzig 1813
Völkerschlacht bei Leipzig 1813

Im zweiten Kapitel zur Franzosenzeit geht es um den Russlandfeldzug, die Befreiungskriege und den Landsturm vom Siebengebirge.

Aus Befreiern werden Besatzer

Napoleons Kriege forderten den Menschen immer größere Opfer ab. Am Ende verfinsterte sich das Bild vom Hoffnungsträger Napoleon, für viele war er nur noch ein Despot, der die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit längst verraten hatte, und koste es was es wolle ganz Europa beherrschen wollte und dafür unzählige Menschen in den Tod schickte.

Der Druck von Napoleons Herrschaft stärkte das nationale Bewusstsein, das Wort „Vaterland“ bekam einen tieferen Sinn. Nationalbewusstsein und Weltoffenheit waren kein Gegensatz, die Liebe zum eigenen Land und zur eigenen Kultur schloss die Achtung für andere Kulturen ein.

Das lebten große Menschen jener Zeit vor; als Beispiel seien hier der Universalgelehrte Wilhelm von Humboldt und die Brüder Grimm genannt, die nicht nur deutsche, sondern Märchen aus aller Welt sammelten, übersetzten und für Verständnis warben.

Niedergang in Berg

In Napoleons erbittert geführtem Wirtschaftskrieg wurden schließlich auch Waren aus Berg als „feindlich“ eingestuft und mit so hohen Zöllen belegt, dass das Großherzogtum de facto vom französischen Markt abgeschlossen war. Die Folgen waren verheerend: Viele Unternehmen gingen bankrott, Menschen verloren ihre Arbeit, vielerorts kam es zu soziale Unruhen und Abwanderung. Immer mehr wurde geschmuggelt.

Obwohl das Großherzogtum Berg auch wirtschaftlich eng an Frankreich gebunden war, hatte Napoleon seinen Niedergang bewusst in Kauf genommen.

Russlandfeldzug (1812)

Über die Kontinentalsperre kam es zum Bruch zwischen Zar Alexander I. und Napoleon. An der Spitze seiner Grande Armée von 675.000 Mann, mit Kontingenten aus Preußen, Österreich und den Rheinbundstaaten, zog Napoleon nach Russland. Er war entschlossen und zuversichtlich, das Zarenreich niederzuwerfen.

Nach anfänglichen Erfolgen Napoleons zog sich der Zar immer weiter ins Innere seines riesigen Landes zurück. Schließlich besetzte Napoleon Moskau, doch in der nächsten Nacht ging die Stadt in Flammen auf. Dabei wurden Vorräte und Quartiere vernichtet, und die „Grande Armée“ würde man kaum mehr versorgen können. Nun bot Napoleon dem Zaren den Frieden an, erhielt aber über Wochen keine Antwort.

Als er schließlich den Rückzug antrat, war es längst zu spät. Die „Grande Armée“ geriet in den russischen Winter, und immer wieder griffen Kosaken an. Der Feldzug endete in einer Katastrophe. Napoleon selbst entkam in einem Schlitten, von seiner „Grande Armée“ kehrten nur 18.000 Soldaten heim, unter ihnen etwa 190 von 500 Männern aus dem Großherzogtum Berg. In Berg kam es im Januar 1813 zu offenem Widerstand gegen weitere Aushebungen.

Befreiungskriege

General Yorck, Kommandant des preußischen Hilfskorps, schloss am 30.12.1812 mit dem russischen Kommandanten ein Neutralitätsabkommen (Konvention von Tauroggen). Von Ostpreußen aus rief der Freiherr vom Stein im Auftrag des Zaren zum Widerstand auf. Schließlich kam ein Bündnis mit Preußen zustande. König Friedrich Wilhelm III. erklärte die allgemeine Wehrpflicht und rief am 17. März 1813 zum Befreiungskrieg auf.

Getragen von einer Welle der Begeisterung und Opferbereitschaft wurden neue Einheiten geschaffen: Landwehr, Landsturm und Freikorps. Besonders bekannt ist das Corps von Major Lützow.

Napoleon eilte mit eigenen Soldaten und Rheinbundtruppen nach Sachsen, konnte die Preußen und Russen schlagen und schloss einen Waffenstillstand.

Völkerschlacht bei Leipzig

Im Sommer 1813 verstärkten England und Schweden unter Kronprinz Karl Johann, dem ehemaligen französischen Marschall Bernadotte, das Bündnis. Staatsminister Metternich von Österreich verhandelte mit Napoleon, denn er wollte eine russische Vorherrschaft ebenso wenig wie eine französische. Als Napoleon auf das Angebot nicht einging, trat auch Österreich der Koalition gegen hn bei. Wenig später auch Bayern.

In der Völkerschlacht bei Leipzig trafen die Heere aufeinander. Vier Tage lang, vom 16.-19. Oktober 1813 wurde gekämpft, dann war Napoleon besiegt und zum Rückzug nach Frankreich gezwungen. Preußische und russische Truppen setzen nach und drangen an den Rhein vor; der Rheinbund fiel auseinander.

Landsturm vom Siebengebirge

Im November 1813 erschien der preußische Major von Boltenstern mit seiner Truppe in Königswinter. Zusammen mit Königswinterer Bürgern bildeten sie am 10. November 1813 eine Bürgerwehr, den Landsturm vom Siebengebirge. Genau genommen hieß es „Freiwilliger Landsturm vom Siebengebirge“.  Nun sicherten 3.000 bewaffnete Landsturmmänner das rechte Rheinufer von der südlichen Gemeindegrenze Honnefs bis zur Siegmündung.

Doch das  linke Rheinufer war noch von den Franzosen besetzt. der Neujahrsnacht 1813/14 überschritten preußische Truppen unter Feldmarschall Blücher bei Caub den Rhein.

Am 3.1.1814 versuchte Major von Boltenstern mit seiner Truppe und 150 Freiwilligen, Köln zurückzuerobern. Doch ihr Angriff scheiterte, und der Major kam ums Leben. Am selben Tag griffen preußische Gardejäger und Männer vom Landsturm Siebengebirge von der Insel Nonnenwerth aus die französischen Truppen auf der linken Rheinseite an. Dabei fiel ein Einheimischer, Johann Josef Genger. An beide erinnert das Landsturmdenkmal auf dem Drachenfels.

Aus Anlass des 100. Jahrestags gab es eine Ausstellung im Siebengebirgsmuseum Königswinter: Kampf um den Rhein, Das Ende Napoleons und der „Landsturm“ vom Siebengebirge. Das Begleitbuch zur Ausstellung ist im Bouvier-Verlag erschienen.

Am 14. Januar 1814 räumten die Franzosen Köln und die Rheinlinie, im März 1814 war das ganze Rheinufer zurückerobert. Am 31. März 1814 zogen die Verbündeten in Paris ein; Napoleon musste abdanken und bekam die Insel Elba als Fürstentum zugewiesen. Doch die Lage blieb unruhig.

Generalgouvernement Berg (1813)

Nach dem Sieg in der Völkerschlacht von Leipzig baute der tüchtige Freiherr von und zum Stein ein Zentralverwaltungsdepartement für die provisorische Verwaltung der ehemaligen Modellstaaten und französischen Gebiete auf. Truppen für den Krieg gegen Napoleon mussten aufgestellt, Bargeld, Material und Ausrüstung besorgt werden. Das bergische Landsturmedikt vom 25. Dezember 1813 verfügte die allgemeine Wehrpflicht für alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren.

Aus dem Großherzogtum Berg wurde im November 1813 das Generalgouvernement Berg mit Sitz in Düsseldorf. Schon damals zeichnete sich ab, dass die Rheinlande wohl an Preußen fallen würden.

Die Großen Europas schachern

Über die Neugestaltung Europas sollte ein Kongress aller beteiligten Mächte entscheiden, zu dem der österreichische Staatskanzler Metternich geladen hatte.

Vom 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 tagten die Staatsmänner Europas im Palais am Ballhausplatz in Wien. Österreich wurde durch Staatskanzler Klemens Wenzel Lothar von Metternich vertreten, Preußen durch Minister Hardenberg, Russland durch Zar Alexander I. selbst. Nun schacherten die Großen Europas um die Gebiete, als gäbe es kein Selbstbestimmungsrecht der Völker.

Die alten Differenzen und Eifersüchteleien brachen wieder aus. Das spielte dem Vertreter Frankreichs, Talleyrand, in die Hände. Er war ein überaus geschickter Diplomat, der schon unter dem Ancien Régime, der Revolution und Napoleon seinen Einfluss zu wahren gewusst hatte. Der Kongress drohte zu platzen, Preußen machte mobil, fast alle anderen Staaten schlossen ein Bündnis gegen Preußen und Russland. Das geschlagene Frankreich hingegen war wieder ein gefragter Bündnispartner.

Napoleons 100 Tage

Doch dann erreichte eine alarmierende Nachricht den Kongress: Am 1. März 1815 war Napoleon mit einigen Hundert Mann in Südfrankreich gelandet. Viele Menschen jubelten ihm zu und Truppen, die ihn bekämpfen sollten, liefen zu ihm über. Die Alliierten waren aber keinesfalls bereit, eine neue Herrschaft Napoleons anzuerkennen. Am 13. März ächteten sie ihn, zehn Tage später am 25. März schlossen Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen erneut einen Koalitionsvertrag.

Nun fand man eine Lösung. Frankreich kam gut weg, seine neuen Grenzen waren ungefähr die von 1789. Österreich verzichtete auf die österreichischen Niederlande, erhielt dafür Tirol, Salzburg, die Lombardei und Venetien. Russland bekam den größten Teil Polens („Kongresspolen“), England erhielt u.a. Hannover zurück.

Preußen bekam nicht wie gewünscht Sachsen, sondern das Rheinland und Westfalen. Die Schlussakte wurde am 9. Juni 1815 unterzeichnet. Am 15. Juni 1814 ging die Verwaltung des Generalgouvernements Berg an Preußen über.

Waterloo

In den österreichischen Niederlanden siegte Napoleon noch einmal gegen die preußische Armee, dann, wenige Tage später, unterlag er bei Waterloo den vereinigten englischen und preußischen Heeren unter Wellington und Blücher. Zum zweiten Mal musste er abdanken. Er wurde auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt, und sechs Jahre später verstarb er dort.

Gleichgewicht der Kräfte in Europa

Die vom Wiener Kongress beschlossene Ordnung sollte das Gleichgewicht der Kräfte in Europa sichern. Russland, Österreich und Preußen schlossen sich am 26. September 1815 zur Heiligen Allianz zusammen; später traten ihr die meisten europäischen Staaten bei.

Im ersten Pariser Friedensvertrag war den deutschen Staaten und freien Städten ihre Unabhängigkeit zugesichert und die Vereinigung durch ein föderatives Band angedacht worden. Doch keiner der Herrscher war bereit, zugunsten einer Zentralmacht zurückzustecken. Preußen war durchaus für eine stärkere Einigung Deutschlands, aber unter seiner Führung, und dagegen wandten sich die kleineren Staaten und Österreich.

Schließlich kam nur ein loser Staatenbund, der „Deutsche Bund“ zustande. Das Gründungsdokument, die Bundesakte, wurde am 8. Juni 1815 unterzeichnet. 

 

Die Staatsmänner waren zufrieden, viele Menschen aber waren tief enttäuscht.

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