Die Republik zerfällt

Zerstörtes Geschäft in Berlin
Wahlsieg der NSDAP, zerstörtes Geschäft in Berlin

Der letzte Beitrag Weimarer Republik – die Republik zerfällt beschreibt die Jahre 1929-1933. Weltwirtschaftskrise, Verelendung und Radikalisierung.

Deutschland, 1928. Seit Jahren zahlte Deutschland Reparationsleistungen in Milliardenhöhe an die Alliierten. Auch wenn der Weimarer Republik in den „goldenen Zwanzigern“ ein kurzer Aufschwung vergönnt war, blieben diese Zahlungen eine schwere Belastung.

Young-Plan

1928 beliefen sich die Reparationen auf 2,5 Milliarden Mark jährlich, und die Reichsregierung bat um eine neue Regelung. Der Young-Plan wurde ausgehandelt, so benannt nach dem amerikanischen Konferenzvorsitzenden. Er reduzierte die jährlichen Zahlungen und machte politische Zugeständnisse: Wegfall von Kontrollen, Verbot von Sanktionen, und nach der Kölner Zone 1926 sollte 1930 die zweite und dritte Rheinlandzone geräumt werden. Dafür verschuldete er Deutschland aber bis ins Jahr 1988.

Die Rechte, allen voran der Hugenberg-Konzern und die Nationalsozialisten, entfesselten eine bislang beispiellose Hetzkampagne. Hugenberg wollte die gesamte Rechte dagegen mobilisieren und druckte Hitlers Hetzreden in Massenauflage. So erreichten sie Millionen. Die Regierung hielt dagegen, an vorderster Front Innenminister Severing; er setzte insbesondere auf den Rundfunk. Die vereinigte Presseabteilung von Reichsregierung und Auswärtigem Amt, die Reichszentrale für den Heimatdienst (dies war ein Vorläufer der Bundeszentrale für politische Bildung) mit ihren Landesabteilungen) schrieben und druckten gegen die Presse des Hugenberg-Konzerns an.

Die Rechtsradikalen wollten einen Volksentscheid gegen die Annahme des Youngplans, dabei trat auch Adolf Hitler wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Doch der Volksentscheid scheiterte. Nach heftigen Auseinandersetzungen im Reichstag trat der Young-Plan am 12. März 1930 in Kraft.

Weltwirtschaftskrise

Der wirtschaftliche Aufschwung der Jahre 1924-29 war vor allem durch große Auslandsanleihen möglich geworden, diese waren jedoch zumeist kurzfristig und konnten jederzeit abgerufen werden. Zudem floss ein großer Teil der Auslandsanleihen als Zinsen, Tilgung und Reparationen gleich ans Ausland zurück. Der Aufschwung trug sich nicht selbst.

Black Thursday 1929
Black Thursday 1929

Am 25. Oktober 1929 kam es an der Wallstreet in New York zu einem großen Börsencrash. Er weitete sich schnell zur Weltwirtschaftskrise aus und riss die ganze nicht-sowjetische Welt in den Abgrund. In Deutschland führte die Weltwirtschaftkrise zu Massenarbeitslosigkeit und Verelendung. Im Februar 1930 waren drei Millionen Menschen ohne Arbeit, die Arbeitslosenversicherung drohte zusammenzubrechen.

Darüber zerbrach die amtierende Große Koalition aus SPD, Zentrum, BVP, DDP und DVP. Kanzler Hermann Müller reichte am 27. März 1930 den Rücktritt seines Kabinetts ein. Reichspräsident Paul von Hindenburg nahm ihn an; er wollte „die Sozen“ aus der Regierung haben. Am 29. März 1930 ernannte er den Vorsitzenden der Zentrumsfraktion, Dr. Heinrich Brüning, zum Reichskanzler.

Brünings Präsidialdemokratie

Brüning verehrte den Reichspräsidenten. Er bildete eine Minderheitsregierung mit Männern der Mitte und der gemäßigten Rechten. Millionen Menschen waren arbeitslos, das Bankenwesen war  zusammengebrochen, Konzerne meldeten Konkurs an und die Ausfuhr bracht ein. In dieser Situation entschied sich Kanzler Brüning für eine Politik der Deflation; sein oberstes Ziel war ein ausgeglichener Staatshaushalt. Dazu legte er ein drastisches Sparprogramm vor. Der Reichstag lehnte ab. Nun wandte Hindenburg Artikel 48 der Weimarer Verfassung an und gab Brünings Vorlagen durch Notverordnung Gesetzeskraft. Der Reichstag wurde aufgelöst, Neuwahlen für den 14. September 1930 wurden ausgeschrieben.

Da er keine Mehrheit im Reichstag hatte, regierte Brüning weiter mit Notverordnungen, die er dem Reichspräsidenten gegenüber verantworten musste, nicht dem Parlament. Das war keine parlamentarische Demokratie mehr.

Massenarbeitslosigkeit

Tatsächlich gelang es auf diese Weise, den Reichshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen; doch die Wirtschaft lag danieder: in zahllosen Konkursen, Vergleichsverfahren und Zwangsversteigerungen wurden riesige Vermögenswerte vernichtet. Kaum jemand hatte den Mut und die Mittel zu Investitionen, die Produktion sank auf fast die Hälfte. Schon hatten Millionen Menschen keine Arbeit, und die Schlangen der Arbeitssuchenden vor den Arbeitsämtern wurden immer länger. Vielen Jugendlichen schien die Zukunft hoffnungslos.

Frankreich räumt das Rheinland

Nach den Vereinbarungen des Young-Plans zogen die französischen Truppen ab. Am 30. November 1929 wurde die Trikolore auf dem Ehrenbreitstein eingeholt; am 30. Juni 1930 wurde als letzte Besatzungszone die „Mainzer Zone“ geräumt. Nun fanden Jubelfeiern statt, doch es waren rein deutsche Feiern, mit viel Pathos und nationalistischen Tönen. Reichspräsident Hindenburg hätte seine Teilnahme bei der Befreiungsfeier in Koblenz beinahe abgesagt, weil man ihm, im republikanischen Freistaat Preußen, das Ehrengeleit durch den rechtsextremen Stahlhelm verwehren wollte. Viele Beobachter werteten diese Jubelfeiern als Abkehr von der Stresemannschen Verständigungspolitik.

Erdrutscherfolg der NSDAP

Im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen im September 1930 warben die Parteien vor allem um die Jungwähler und die bisherigen Nichtwähler. Der politische Kampf spielte sich mehr und mehr auf der Straße ab und nahm immer radikalere Formen an. Immer mehr dominieren die Kampfverbände, SA und SS sowie Stahlheim auf der extremen Rechten, Roter Frontkämpferbund auf der extremen Linken. Immer wieder kam es zu Straßenkämpfen, Überfällen bis zum Totschlag politischer Gegner. Nun erlebte die Öffentlichkeit die volle Entfaltung der nationalsozialistischen Propaganda.

Die hemmungslose Agitation hatte Erfolg: die NSDAP erreichte 18,3% der Stimmen und wurde zweitstärkste Fraktion hinter der SPD, knapp vor der KPD. Anstelle einer Randgruppe von 12 Abgeordneten saß nun ein brauner Block von 107 Nationalsozialisten in SA-Uniformen im Reichstag. In dieser Situation duldeten die Parteien der Mitte und die SPD Brünings Politik, um Neuwahlen und ein weiteres Erstarken der Extremisten zu verhindern.

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