Habsburger

Siebengebirge Geschichte, Mittelalter, die Zeit der Habsburger
Am Drachenfels, Kaiserpaar Maria und Maximilian

An die Zeit der Habsburger erinnert uns das Kreuz am Kuckstein, etwas unterhalb der Nibelungenhalle. Hier soll 1493 Heinrich vom Drachenfels seinen Vetter Claus erschlagen haben – das schlimme Ende eines jahrzehntelangen Zwistes in der Familie der Burggrafen vom Drachenfels.

Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Nach dem Fall Konstantinopels 1453 war die Bedrohung durch die Osmanen allgegenwärtig. Der Name „Heiliges Römisches Reich deutscher Nation“ kam auf und wurde ab 1474 offiziell – nicht zuletzt, weil man die „Germania“ des Römers Tacitus wieder entdeckt hatte.

AEIOU

Das Reich wurde durch Fehdewesen und Raubrittertum heimgesucht, ohne dass Kaiser Friedrich III. (1440-1493) Einhalt gebieten konnte. Seine Regierungszeit gilt als Zeit der Stagnation. Doch als Habsburger, und das war er mit Leib und Seele, war er erstaunlich erfolgreich: Er überlebte seine Gegner einfach und beerbte sie dann. Stundenlang sann er über die Buchstaben AEIOU und fand immer neue Bedeutungen, z.B. „Alles Erdreich ist Österreich untertan.“

Schuldner gegen Gläubiger im Erzbistum Köln

In fast 50 Jahren Amtszeit hatte der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers zahlreiche Kriegszüge geführt und das Erzbistum tief in die Schulden gestürzt. Ganze Ländereien waren verpfändet worden, u.a. die Wolkenburg 1425 an Godart vom Drachenfels. „Nicht ein Schloss, nicht eine Stadt, nicht einen Zoll haben wir unverpfändet angetroffen!“ klagte sein Nachfolger Erzbischof Ruprecht von der Pfalz bei seiner Amtsübernahme.

Nun ging er daran, die verpfändeten Güter wieder an sich zu bringen – mit Gewalt. Sein Bruder, der Kurfürst von der Pfalz, schickte ihm seine Soldaten, genannt die „Böcke“, zu Hilfe. Daraufhin schlossen sich auch die Pfandherrn zusammen und bildeten eine Truppe, die sich „Wölfe“ nannte. Einer ihrer Anführer war Claus vom Drachenfels, der Neffe des amtierenden neunten Burggrafen Heinrich. Erst im Januar 1469, und auch nur unter schweren Auflagen, kam es zu einer Aussöhnung mit dem Erzbischof.

Familienzwist am Drachenfels

In der Familie der Burggrafen vom Drachenfels schwelte ein Konflikt. Heinrich, der neunte Burggraf, war ein jüngerer Sohn; er war 1457 nur bis zur Volljährigkeit der Kinder seines früh verstorbenen älteren Bruders belehnt worden. Doch inzwischen waren Claus und seine Geschwister volljährig. Am 11.5.1470 kam es zu einem Vergleich über das Erbe: Claus und seine Geschwister sollten den Drachenfels erhalten, Heinrich andere Güter der Familie. Doch diese Regelung wurde zu Lebzeiten der beiden nicht umgesetzt. Heinrich starb kurz darauf und hinterließ sechs unmündige Kinder.

Der Konflikt im Erzbistum Köln eskaliert

Die finanzielle Lage des Erzbistums Köln war nach wie vor dramatisch. Das Domkapitel ernannte Hermann von Hessen zum Administrator und versprach, ihn nach Abdankung Ruprechts zum Erzbischof zu erheben. Bald darauf standen sich im Erzbistum Köln zwei verfeindete Parteien gegenüber. Claus und sein Bruder Godart vom Drachenfels blieben auf Ruprechts Seite. Vermittlungsversuche des Papstes und der Kaisers scheiterten.

Als das Domkapitel Ruprecht zur Abdankung drängte, rief der Karl den Kühnen, den mächtigen Herzog von Burgund, zu Hilfe.

Neußer Krieg (1473)

Karl der Kühne wollte sein Gebiet mit Gewalt erweitern und war deshalb ein Feind des Kaisers, außerdem verbot er eine Ehe seiner Tochter Maria mit dem Kaisersohn Maximilian.

Im Juli 1474 belagerte er mit seinem Heer Neuss. Der Kaiser rief ein riesiges Reichsheer nach Koblenz zusammen und zog in Richtung Neuss. Als sie vor der befestigten Stadt Linz standen, entschied der Kaiser, zunächst die kleinen Orte in der Umgebung einzunehmen. Auch Königswinter mit den Burgen Drachenfels und Wolkenburg ergab sich 1475. Als Friedrich III. sich Ende Mai 1475 Neuss näherte, zog Karl der Kühne ab.

Wirren um Claus vom Drachenfels

Die nachfolgenden Jahre 1477/78 sind von Wirren geprägt. Claus vom Drachenfels sah sich selbst als (zehnter) Burggraf an und unterzeichnete als solcher. Doch nirgends findet sich eine Urkunde, die das belegt. Es kann gut sein, dass Urkunden verloren gegangen sind. Doch Claus, ein Parteigänger Ruprechts, blieb auch später ein erbitterter Gegner Hermanns, daher ist es unwahrscheinlich, dass der Erzbischof ihn als Burggraf eingesetzt hat. Vermutlich ging er nach einer Fehde 1477 außer Landes: 1478 stand er in den Diensten des österreichischen Erzherzogs und Thronfolgers Maximilian, der ihn schätzte. Danach trat er in die Dienste des Trierer Erzbischofs.

Maximilian I.

Zwei Jahre nach dem Neußer Krieg wurde Karl der Kühne im Kampf getötet. Nun konnten Maximilian und Maria heiraten. Es war nicht nur eine Liebesheirat, sondern auch eine vorteilhafte, denn sie brachte die reichen Länder Burgunds, die Niederlande, Belgien und Südostfrankreich, in die Ehe ein. Beide Kinder von Maximilian und Maria heirateten ins spanische Königshaus; Ehen ins jagiellonische Königshaus brachten  Habsburg die Kronen von Ungarn und Böhmen ein.

Nach dem Tod seines Vaters Friedrich III. wurde Maximilian (1493-1519) König. Er übernahm ein zerrüttetes Reich, das durch Fehdewesen und Raubrittertum heimgesucht wurde. Auf einem Reichstag zu Worms 1495 wurde eine umfassende Reichsreform verabschiedet, die eine reichsweite Steuer und einen Ewigen Landfrieden vorsah. Die komplexen Strukturen des Reiches konnte sie jedoch nicht aufbrechen.

Maximilian lebte in der Zeit des Übergangs zur Neuzeit. Mutige Seeleute hatten Afrika, Asien und Amerika entdeckt, und bald verbanden Handelswege Europa mit diesen Kontinenten. Kaufleute und Banker wie die Familie Fugger in Augsburg machten ein Vermögen. Die Ideen des Humanismus verbreiteten sich in Europa, und in den Stadtstaaten Norditaliens blühte die Kunst der Renaissance: Botticelli, Michelangelo und Leonardo da Vinci inspirierten Albrecht Dürer.

Der Kaiser selbst, hoch gebildet und ein Freund des Humanismus und der Renaissance, symbolisiert den Umbruch. Als „letzter Ritter“ liebte er das burgundische Rittertum. Doch die Zeit der Ritter und der Burgen war vorbei, Artillerie und Schusswaffen hatten längst ihren Siegeszug angetreten. Als „Freund der Landsknechte“ übte Maximilian oft und gerne mit den neuen Infanterie-Soldaten, und stundenlang konnte er beim Gießen einer Kanone zusehen.

Die Löwenburg kommt zu Berg

Das Spätmittelalter hindurch hatte es immer wieder Erbstreitigkeiten um die Löwenburg und das umgebende Land Löwenberg gegeben, die oft genug mit Waffengewalt ausgetragen wurden. Schließlich heiratete Herzog Wilhelm von Berg, der mächtigste Fürst in unserer Region, eine der Erbinnen und suchte eine gütliche Einigung mit dem Rest der Familie. So kam das Land Löwenberg 1484 endgültig zu Berg und wurde zum „Amt Löwenberg“.

Familiendrama am Drachenfels

In der Familie der Burggrafen auf dem Drachenfels dauert der Konflikt in der nächsten Generation an. Claus fühlt sich um sein Erbe betrogen. 1489 schloss er einen Vertrag mit seinem Vetter Heinrich und dessen Brüdern, doch der Streit schwelt weiter.  Als Claus 1493 nach längerer Abwesenheit zurückkehrte und Einlass verlangte, kommt es zum Streit – kurz darauf war Claus tot. Am vermutlichen Tatort vor der Nibelungenhalle steht heute ein Kreuz. Über den Tathergang gibt es verschiedene Darstellungen. Es heißt, Heinrich habe mit seinen Knechten seinen Vetter niedergeknüppelt. Andere Darstellungen rechtfertigen zwar die Tat nicht, zeichnen aber ein schlechtes Bild von Claus.

Schließlich zog der Kölner Erzbischof Hermann von Hessen zu einer Strafexpedition gegen Heinrich, den Täter, und seine Brüder, denen er Mittäterschaft vorwarft. Heinrich floh außer Landes, seine Brüder Johann und Godart kapitulierten schließlich. Das anschließende Verfahren durch das Domkapitel zog sich über Jahre hin, obwohl sich sogar Kaiser Maximilian für die Brüder einsetzte. Erst 1508 bekamen sie die Burgen Drachenfels und Wolkenburg zurück.

Heinrich, der letzte Burggraf aus der Familie der Drachenfelser

Auch Heinrich vom Drachenfels wurde schließlich 1510 von Erzbischof Philipp II. von Daun (EB 1508-1515) begnadigt und kehrte zurück. Gemeinsam mit seinen Brüdern Johann und Godart war er Amtmann des Amtes Wolkenburg, doch der Drachenfels bliebt ihm noch verwehrt. Heinrichs Brüder verstarben in den Jahren 1513/18, und Godarts Anteil fiel an seine Tochter Agnes Augusta und ihren Ehemann Dietrich von Mirelaer Herr zu Millendonk. Nun versuchte ein anderer aus der Familie, Werner vom Drachenfels, seit 1487 Ritter des Deutschen Ordens, den Anteil für die Familie zurückzugewinnen. Es kam zu einem langen Rechtsstreit, der durch Werners Tod 1524 beendet wird. 1525 wurde Heinrich vom Drachenfels endlich als Besitzer einer Hälfte des Drachenfelses vom Kölner Erzbischof anerkannt und wieder als Burggraf eingesetzt. Die andere Hälfte gehörte Dietrich von Mirelaer Herr zu Millendonk.

Doch Heinrichs drohte ein neuer Erbstreit mit der Familie Waldbott von Bassenheim, in die Apollonia vom Drachenfels eingeheiratet hat. Ihre Söhne sind die nächsten Erben nach Claus vom Drachenfels, den Heinrich 1495 im Streit erschlagen hatte. Man versöhnt sich, Heinrich wurde zu Sühneleistungen verurteilt, doch die Erbsache wurde nicht abschließend geregelt. Am 3.5.1530 verstarbt Heinrich, der elfte Burggraf aus dem Geschlechts der Drachenfelser – und der letzte.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*