Herrscher, Minnesänger und Zisterzienser

Stauferzeit, das kurze Weltkeich Heinrichs VI.
Stauferzeit, das kurze Weltkeich Heinrichs VI.

„Ich grüeze mit gesange die süezen, die ich vermiden niht wil noch enmac
deich si réhte von munde mohte grüezen, ach leides, des ist manic tac.“
„Ich grüße mit Gesang die Süße, die ich nicht meiden will noch mag
dass ich von Mund zu Mund sie grüße, darüber hin ging mancher Tag.“

Heinrich IV.

Diese Zeilen stammen aus einem Minnelied des Stauferkaisers Heinrichs VI. Mit seinem Bild beginnt der Codex Manesse, die große Heidelberger Liederhandschrift.

Doch Heinrich war nicht nur Minnesänger, sondern auch Herrscher und Machtpolitiker mit einer ausgeprägten strategischen Begabung. Wenn man dem vorherrschenden Bild von ihm folgt, war er ein skrupelloser und grausamer Despot. Die neuere Forschung betrachtet ihn differenzierter, sieht den kompetenten Herrscher und Diplomaten, der zu Unrecht im Schatten seines Vaters Barbarossa und seines Sohnes Friedrich II. steht.

Die Staufer in Süditalien

Nach dem tragischen Tod Barbarossas trat Heinrich seine Nachfolge an. Inzwischen war in Palermo König Wilhelm kinderlos verstorben, damit war Heinrichs Ehefrau Konstanze von Hauteville die rechtmäßige Erbin des Königreichs Sizilien. Doch die normannischen Barone hatten andere Tatsachen geschaffen und einen der ihren auf den Thron gehoben. Dabei wussten sie den Papst auf ihrer Seite, denn der wollte eine Herrschaft der Staufer nördlich und südlich des Kirchenstaates auf jeden Fall verhindern. Konstanzes und Heinrichs Erbrecht erkannte er nicht an, somit würden die Staufer Süditalien und Sizilien erst erobern müssen.

1190 zog Heinrich mit seinem Heer nach Italien, mit dabei war Erzbischof Philipp von Köln. Nach der Kaiserkrönung in Rom ging es weiter nach Süden. Doch bei Neapel brach eine Seuche im kaiserlichen Lager aus, auch der Kaiser erkrankte schwer, Erzbischof Philipp verstarb. Der Feldzug wurde abgebrochen.

Heinrich VI. und Richard Löwenherz

Dann hatte Heinrich unverschämtes Glück, denn König Richard I. Löwenherz von England fiel ihm in die Hände. Auf dem Rückweg vom Heiligen Land war er 1192 bei Wien gefangen genommen worden. Erst gegen ein gewaltiges Lösegeld, überbracht von seiner Mutter Eleonore von Aquitanien, und den Lehnseid für England kam Richard Anfang Februar 1194 frei. England stellte Geiseln, unter ihnen war Richards Lieblingsneffe Otto, Sohn Heinrichs des Löwen, der künftige Kaiser.

Das kurze Weltreich

Mit dem Lösegeld für Richard Löwenherz in der Kriegskasse eroberte Heinrich Sizilien. Am 25. Dezember 1194 wurde er in Palermo gekrönt; einen Tag später wurde sein Sohn Friedrich geboren.

Das Reich war eine Weltmacht, der Kaiser aber war verhasst. Er scheiterte mit seinem Plan, die Krone für die Staufer vererbbar machen. 1197, auf dem Weg ins Heilige Land, verstarb er in Messina, vermutlich an der Malaria. Er war knapp 32 Jahre alt geworden.

Sein plötzlicher Tod stürzte das Reich ins Chaos. Die Stauferherrschaft in Süditalien brach zusammen, seine Witwe Konstanze holte eiligst ihren kleinen Sohn Friedrich nach Palermo, ließ ihn zum König von Sizilien krönen, bestellte den Papst zu seinem Vormund und brach mit Deutschland.

Kloster Heisterbach

Bevor wir uns Kloster Heisterbach zuwenden, zunächst einige Worte zu den Zisterziensern.

Die Zisterzienser

Zu jener Zeit waren sie längst eine europäische Größe. Ein Jahrhundert zuvor war im französischen Citeaux das erste Reformkloster gegründet worden. Nicht zuletzt durch das Wirken Bernhards von Clairvaux war der Orden dann gewaltig angewachsen; zur Mitte des 12. Jahrhunderts gab es über 340 Niederlassungen in ganz Europa. Dabei zählten die Kloster in unserer Region zu den frühesten Gründungen außerhalb Frankreichs.

„Der Konzern der weißen Mönche“ war der Titel der großen Zisterzienser-Ausstellung im Bonner Landesmuseum. Das trifft es gut, denn bei den Zisterziensern kamen Frömmigkeit, vielfältige Fertigkeiten und Geschäftssinn zusammen. Sie machten Land urbar, betrieben Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft und Weinbau. Dabei waren sie  so erfolgreich, dass sie mehr erwirtschafteten als sie für sich selbst brauchten. Durch den Verkauf ihrer Produkte hatten sie die Mittel für den Bau und den Unterhalt ihrer Gebäude und den Ankauf weiterer Güter, denn die Mönche wollten auch auch das Gelände um ihre Klöster herum aufkaufen.

So rief der große Erfolg der Zisterzienser Bewunderung, aber auch Furcht hervor. Vielen schienen sie eine übermächtige Konkurrenz. Auf dem Rhein genossen sie Zollfreiheit, ein starker Wettbewerbsvorteil; ihren Grund und Boden erhielten sie meist durch Schenkungen.

Vom Petersberg ins Heisterbacher Tal

Auf dem Petersberg fanden die Zisterzienser-Mönche zwar die gesuchte Abgeschiedenheit, nicht aber die Voraussetzungen, nach ihrem Ideal zu wirtschaften und ihren Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten. Vor allem brauchten sie fließendes Wasser für ihre Fischzucht (die Mönche aßen kein Fleisch), ihre verschiedenen Mühlen in der näheren Umgebung und ihre hohen Hygienestandards.

Schließlich zogen sie 1192 hinab ins Heisterbacher Tal. Auf dem Petersberg blieben ein Wirtschaftshof und eine Priesterstelle.

Heisterbach wurde vor allem vom Kölner Erzbischof beschenkt. Doch die Abtei lag nicht fernab der Welt, vielmehr verschenkte der Erzbischof auch Land, auf dem bereits Bauern lebten, die nun umgesiedelt werden mussten. Der Ortsname „Heisterbacherrott“ deutet auf neu gerodetes Land hin. So waren die Winzer und Bauern im Siebengebirge in großer Sorge. Graf Heinrich II. von Sayn ließ sich zusichern, dass die Mönche kein Gelände kaufen würden, das seiner Vogtei unterstand.

Kloster Heisterbach

Vieles von dem, was wir heute über die Zeit von 1180 bis 1240 wissen, verdanken wir dem bekanntesten Mönch aus Heisterbach: Caesarius, der von 1199 bis 1240 im Kloster Heisterbach lebte. Zunächst war er Novizenmeister und verfasste Lehrschriften, die immer wieder abgeschrieben und in vielen Klöstern genutzt wurden. In seinem bekanntesten Werk, dem „Dialogus miraculorum“ (1219/23), beschrieb er in Wundererzählungen den Alltag des Klosterlebens.

Auch in Heisterbach wollten die Zisterzienser nach ihrem Ideal leben. Sie beteten, bauten ihre Abteikirche und bewirtschafteten ihr Land. Schon bald hatten sie mehr, als sie für sich brauchten, und konnten in Zeiten der Not die Armen versorgen. Caesarius berichtet von einer großen Hungersnot im Jahr 1198, als 1.500 Menschen an der Klosterpforte geholfen wurde. „Die Hand der Armen sei Gottes Opferkasten“, sagte er.

Caesarius, der Chronist

Caesarius schrieb auch über die politischen Ereignisse seiner Zeit, sorgfältig und wahrheitsliebend, deshalb ist er noch heute einer unserer wichtigsten Zeitzeugen über die Jahre 1180-1240. Überliefert sind der Dialogus Miracolorum, in dem er auch über den verheerenden Thronkrieg zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben schreibt, seine Lebensgeschichte des Erzbischofs Engelbert von Berg und seine Lebensgeschichte der Landgräfin Elisabeth von Thüringen.

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