Napoleon und das Großherzogtum Berg

Königswinter
Königswinter, Code Napoleon

Im ersten Kapitel zur Franzosenzeit geht es um Napoleons Herrschaft, in unserer Region entstand das Großherzogtum Berg.

Die französische Revolution erschütterte die Monarchien Europas. Bald stand eine Koalition gegen Frankreich und es kam zum Krieg. Den Söldnerheeren Preußens und Österreichs trat ein Volksheer aus Männern entgegen, die für ihr Vaterland und für die Ideen der Revolution kämpfen. Ihr Kriegslied, die Marseillaise, ist heute noch die französische Nationalhymne.

Die Rheingrenze

1794 besetzten französische Truppen das linke Rheinufer, im Oktober fielen Bonn und Köln. Damit hatte das revolutionäre Frankreich Tatsachen geschaffen, denn nun war der Rhein die Grenze zum Alten Reich. Die französische Militärverwaltung verhängte sofort eine Kriegssteuer und zog die Rechte der geistlichen Fürstentümer an sich.

Schon 1795 schied König Friedrich Wilhelm II. von Preußen aus der Koalition gegen Frankreich aus, denn sein Interesse galt der zweiten polnischen Teilung im Osten. Zuvor ließ er sich eine Entschädigung für Kleve und andere preußische Gebiete auf der linken Rheinseite garantieren.

Noch im selben Jahr setzten französische Truppen über den Rhein und zogen gegen die anrückenden Österreicher. Soldaten beider Armeen marschierten durch unsere Region, zudem musste die Reichsarmee untergebracht und verpflegt werden.

Einer der fähigen Revolutionsgeneräle war der Korse Napoleon Bonaparte. Nachdem er die Österreicher in Italien besiegt hatte, musste Kaiser Franz II. im Frieden von Campo Formio 1797 österreichische Gebiete abtreten und die Rheingrenze anerkennen. Das besetzte linke Rheinufer war nun französisches Staatsgebiet.

Noch im November 1797 begann die Umgestaltung des Landes nach französischem Vorbild: Départements, Arrondissements (Bezirke) und Municipalités (Gemeinden) entstanden. Die in Frankreich geltenden Gesetze und Verordnungen traten auch hier in Kraft.

Die völkerrechtliche Anerkennung folgte im Frieden von Lunéville 1801. Zugleich wurden den Fürsten, die auf der linken Rheinseite Gebiete verloren hatten, Entschädigungen auf der rechten versprochen.

Reichsdeputationshauptschluss

Es lag auf der Hand, dass dies nur auf Kosten der geistlichen und kleinen Fürstentümer möglich sein würde. Alles Weitere sollte ein Ausschuss des Reichstags regeln, der Reichsdeputation, doch Napoleon hatte das letzte Wort. Schließlich verfügte man im Reichsdeputationshauptschluss von 1803, die geistlichen Fürstentümer und Klöster aufzuheben (Säkularisierung) und ihre Gebiete an weltliche Fürsten zu geben. Zudem verloren fast alle kleinen Reichsstädte und Herrschaften ihre Selbständigkeit, ihre Gebiete wurden anderen Fürstentümern zugeschlagen (Mediatisierung).

Recht und Gesetz des Altes Reiches wurden dabei nicht beachtet, und oft waren die Entschädigungen ungleich größer als die Verluste. Unter den Gewinnern waren Bayern und Württemberg, 1805 erhob Napoleon sie zu Königreichen.

Erzbistum Köln und Kloster Heisterbach verschwinden

Das Erzbistum Köln gab es nun nicht mehr. Seine Gebiete auf dem rechten Rheinufer, das Amt Wolkenburg mit Königswinter, dem Drachenfels und Ittenbach, fielen an den Herzog von Nassau-Usingen.

Noch im gleichen Jahr, am 12. September 1803, hob die bergische Regierung das Kloster Heisterbach auf und bot die Abteikirche zum Kauf an. 1809 erwarb sie der französische Unternehmer Piautaz, der hier Steine für den Bau eines Kanals brechen wollte.

Der Rheinbund

Nach Napoleons Sieg über die verbündeten Österreicher und Russen in der Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz 1805 ging es Schlag auf Schlag. Kaiser Franz II. nahm den Titel „Kaiser von Österreich“ an. Der französische Gesandte erklärte dem Reichstag in Regensburg, dass Napoleon den Bestand der deutschen Verfassung nicht mehr anerkannte, wohl aber die vollkommene Souveränität eines jeden der deutschen Fürsten.

Daraufhin schlossen sich 16 Fürsten in Süd- und Mitteldeutschland als souveräne Staaten unter Protektorat Napoleons zum Rheinbund zusammen. Am 1. August 1806 erklärten sie vor dem Reichstag in Regensburg, dass die Reichsgesetze „künftighin null und nichtig“ für sie und ihre Untertanen wären. Das war der Austritt aus dem Verbund des Alten Reiches.

Die Macht des Faktischen und ein Ultimatum Napoleons ließen Franz II. die Konsequenzen ziehen: Am 6. August 1806 dankte er als römisch-deutscher Kaiser ab und erklärte das Alte Reich, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, für erloschen.

Großherzogtum Berg

Zu den Rheinbundfürsten gehörte auch der Herzog von Berg, Max Joseph. Am 15. März 1806 trat er das Herzogtum an Napoleon ab. Das war kein großes Opfer, denn zuvor hatte Napoleon ihn zum König von Bayern erhoben.

Napoleon vergrößerte Berg und erhob es zum Großherzogtum; auch Königswinter mit der Wolkenburg und dem Drachenfels kamen nun zu Berg. Erster Großherzog wurde Napoleons Reitergeneral und Schwager Joachim Murat; ein tollkühner und ehrgeiziger Mann, der prachtvolle Uniformen liebte und in Düsseldorf repräsentativ Hof halten wollte.

Viele Menschen teilten die Ideen der Französischen Revolution von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Noch immer lebten viele in Leibeigenschaft, und Herrschaft oder Zünfte bestimmten ihr Leben. Zudem mussten sie durch ihre Abgaben die Hofhaltung ihrer Herrschaften finanzieren, auch wenn sie selbst nicht mehr ein noch aus wussten.

Nun brachte Napoleon ihnen die Errungenschaften der Französischen Revolution. Am 12. Februar 1808 wurde im Großherzogtum Berg die Leibeigenschaft aufgehoben, am 1. Januar 1810 der französische Franc eingeführt und der Code Civil, auch Code Napoléon genannt, trat in Kraft. 

Napoleon weckte Hoffnung: der Code Napoléon gebot die Gleichheit aller vor dem Gesetz gebot, die feudalen Vorrechte waren dahin, nun sollte es gerechter zugehen. Gewerbefreiheit wurde eingeführt, auf dass sich viele Menschen bescheidenen Wohlstand aufbauen konnten. 1812 folgt eine einheitliche Gerichtsorganisation.

Doch zugleich verfügte Napoleon die Wehrpflicht, und Berg musste jährlich 5.000 Mann für Napoleons Armee abstellen. Bergische Soldaten kämpften gegen die Preußen und in Spanien. In den nächsten Jahren forderten Napoleons Kriege den Menschen immer größere Opfer ab.

Der Zusammenbruch Preußens

Inzwischen regierte Friedrich Wilhelm III. (1797-1840), seine Gattin war Luise, die „Königin der Herzen“ seiner Zeit. Auch er bleib lange neutral. Erst als französische Truppen auf dem Weg nach Austerlitz durch preußisches Gebiet marschierten und Napoleon seine Versprechen brach, erklärt der König Frankreich den Krieg. Doch nun stand er alleine gegen Napoleon.

In der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt im Oktober 1806 erlitt Preußen eine vernichtende Niederlage, und zwei Wochen später zog Napoleon in Berlin ein. Anschließend besiegte er auch die russische Armee und konnte im Frieden von Tilsit die Bedingungen diktieren. Preußen verlor fast alle Landesteile im Westen; hier bildete Napoleon das Königreich Westfalen unter seinem Bruder Jérôme.

In diesen schweren Jahren erkannte der preußische Staat die Notwendigkeit grundlegender Reformen. Der Freiherr vom Stein und Graf Hardenberg kämpften für die Bauernbefreiung und die Aufhebung von Standesschranken, die Generäle Scharnhorst und Gneisenau für eine Heeresreform.

Kontinentalsperre (1806)

Napoleon beherrschte fast ganz Europa, nur der englische Flotte war er in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 unterlegen. Da er England nicht erobern konnte, wollte er es wirtschaftlich niederringen. Kein Land in Europa durfte mit England Handel treiben, kein Hafen englische Schiffe vor Anker gehen lassen. Doch während die englischen Kaufleute neue Absatzmärkte in Übersee für ihre Waren fanden, litten die Menschen auf dem Kontinent. In diesem erbittert geführten Wirtschaftskrieg wurden schließlich auch Waren aus dem Großherzogtum Berg als „feindlich“ eingestuft.

Höhepunkt und Widerstände

1808 war Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht. Fast alle deutsche Staaten hatten sich dem Rheinbund angeschlossen, nur Österreich, Preußen, Dänisch-Holstein und Schwedisch-Pommern waren außen vor. Diejenigen unter den Rheinbund-Fürsten, die vor allem an ihren Status und an ihre Territorien dachten, fanden in Napoleon ihren Meister. Ihm ging es um den Aufbau eines unabhängigen, langfristig an Frankreich gebundenen Staatenbundes, als Puffer zwischen seinem Kaiserreich und seinen Gegnern Preußen und Österreich. Vor allem brauchte er Waffenhilfe, und wann der Bündnisfall eintrat, bestimmte er allein.

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