Die totalitäre NS-Diktatur

Alte Rheinbrücke, Bonn
Alte Rheinbrücke, Bonn

Der erste Beitrag führt in die 1930er Jahre. Nach Papens „Preußenschlag“ 1932 war es mit der Demokratie vorbei. Nun war Hermann Göring preußischer Ministerpräsident, und ein Nationalsozialist war Oberpräsident der Rheinprovinz. Seit dem 30. Januar 1933 war Hitler Reichskanzler.

Machtergreifung

Sogleich ergriff er Maßnahmen zur Umsetzung seiner Ziele. Um im Reichstag eine Mehrheit zu bekommen, forderte er Neuwahlen. Als am Abend des 27. Februar 1933 im Reichstagsgebäude ein Brand ausbrach, stellte ihn Hitler als einen Anschlag der Kommunisten hin. Darauf ließ er noch in derselben Nacht Tausende Kommunisten und andere politische Gegner verhaften, nach längst vorbereiteten Listen.

Dann bewegte er Hindenburg, eine „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“ zu unterzeichnen. Diese Notverordnung setzte die Grundrechte der Weimarer Verfassung „bis auf weiteres“ außer Kraft. Nun gab es keinen Schutz vor staatlichen Übergriffen mehr. Anders ausgedrückt: Jede Person oder Gruppierung, die der Regierung nicht genehm war, konnte eingesperrt werden. Ein Rechtsmittel dagegen gab es nicht. Seitdem wurden Tausende von Kommunisten und Sozialisten wurden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Dort waren die Häftlinge der Willkür der Geheimen Staatspolizei ausgeliefert, denn die Gerichte hatten keinen Einfluss auf die Gestapo und die KZs. Schlielich errichtete Hitler den Volksgerichtshof für Fälle von Hochverrat und Landesverrat und ernannte selbst die Richter.

Ermächtigungsgesetz

Inzwischen kontrollierten die Nationalsozialisten auch den Rundfunk und terrorisierten ihre Gegner. Trotzdem bekam die NSDAP bei den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 nur 44% der Stimmen. Selbst mit den 8% der Deutschnationalen hatte Hitler nur eine knappe Mehrheit. Bis auf das Zentrum waren die Parteien der Mitte kaum mehr vertreten. Damit er die Macht in äußerlich „legaler“ Weise ausüben konnte, forderte Hitler ein weitreichendes Ermächtigungsgesetz.

Zuvor inszenierte er am 21. März 1933 einen Staatsakt in der Potsdamer Garnisonskirche, in deren Gruft der Sarg Friedrichs des Großen stand. Reichspräsident Hindenburg erschien in der Uniform eines kaiserlichen Feldmarschalls und tauschte einen Händedruck mit Hitler, der schwarzes Zivil trug. SPD und KPD waren nicht vertreten.

Am 24. März 1933 verabschiedete der Reichstag dann das „Ermächtigungsgesetz“ und nur die SPD stimmte dagegen. Dadurch übertrug das Parlamenet für die nächsten vier Jahre der Regierung Hitler auch die gesetzgebende Gewalt. Nach der Rechtsstaatlichkeit war nun auch die Gewaltentrennung preisgegeben.

Die totalitäre Diktatur

In wenigen Monaten beseitigten die Nazis alle Organisationen, die ihnen Widerstand leisten konnten. Sie lösten die Länderparlamente auf und unterstellten die Landesregierungen der Reichsregierung, außerdem setzen sie Reichsstatthalter ein. Zudem verboten sie alle Parteien außer der NSDAP sowie die Gewerkschaften. Oppositionelle Politiker und Beamte verloren ihre Posten, unter ihnen war auch der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer.

Hitlers einstige Gegner überlebten seine Machtergreifung nicht lange. So ließ er den ehemaligen Reichskanzler von Schleicher ermorden, dann den SA-Stabschef Ernst Röhm verhaften und liquidieren. Nach der „Nacht der langen Messer“ Mitte 1934 wurde auch Adenauer verhaftet und war eine kurze Zeit im Gefängnis. Während der folgenden Jahre wechselte er aus Angst vor weiteren Verhaftungen mehrfach den Wohnort.

Nachdem Hindenburg verstorben war, übernahm Hitler im August 1934 auch das Amt des Reichspräsidenten. Reichswehr und Beamtenschaft, die bislang auf die Verfassung vereidigt waren, wurden nun auf ihn persönlich vereidigt. In der Reichsregierung bestimmte er allein und ersetzte die DNVP-Minister schon bald durch Nationalsozialisten.

Judenverfolgungen

Schon 1933 begann die planmäßige Verfolgung von Juden und ethnischen Minderheiten. Die Nazi-Regierung verabschiedete eine Reihe von Gesetzen, welche die Rechte der deutschen Juden beschnitten. Durch die Nürnberger Rassengesetze vom September 1935 verloren die Juden ihre deutsche Staatsbürgerschaft. Zudem war es ihnen verboten, nicht-jüdische Deutsche zu heiraten. Auch Sinti und Roma sowie andere Minderheiten wurden diskriminiert. Die sogenannten „Rheinland-Bastarde“, Kinder von Deutschen und Soldaten der Besatzungsarmeen, litten schrecklich.

Eine Politik der vollendeten Tatsachen

Seit 1926 war Deutschland Mitglied im Völkerbund. 1932 waren ihm die Reparationslasten erlassen worden, und eine erste Abrüstungskonferenz hatte ihm militärische Gleichberechtigung zugebilligt. Eine zweite  Konferenz folgte, doch wegen Bedenken Frankreichs kam man nicht voran. Darauf berief Hitler seine Unterhändler ab und erklärte Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund. Der nahm es hin.

Hitler betrieb eine Politik der vollendeten Tatsachen, doch die übrigen Mächte griffen nicht ein. Dabei fuhr er von Anfang an zweigleisig. Nach außen beteuerte er ständig seinen Friedenswillen, denn er wollte dem Ausland keinen Anlass geben, bewaffnet gegen Deutschland vorzugehen. Ein Krieg würde niemals eine Lösung der europäischen Probleme bringen, behauptete er, sondern nur das Chaos vollenden und alle Völker dem Bolschewismus in die Arme treiben. Doch hinter dieser Fassade rüstete er längst auf. Von 1933 bis 1938 gab Deutschland mehr für Rüstungszwecke aus als England, Frankreich und die USA zusammen.

Überdies gelang es Hitler, die Solidarität der europäischen Großmächte aufzubrechen. Zudem entzweiten der Krieg in Abessinien und ein Jahr später der Spanische Bürgerkrieg die Großmächte. Hitler unterstützte Mussolini in Abessinien und General Franco gegen die republikanische Regierung in Spanien. Beide schlossen sich mit Japan zum Antikominternpakt zusammen. Genaue Beobachter erkannten, dass der Anti-Kommunismus Fassade war, denn alle drei Länder hielten sich für berechtigt, ihr Territorium auszudehnen.

Einmarsch ins Rheinland

Im Vertrag von Locarno hatte Deutschland die Westgrenze anerkannt und zugestimmt, dass das Rheinland eine entmilitarisierte Zone blieb. Doch am 7. März 1936 rückten deutsche Truppen ins Rheinland ein. Nach dem Locarno-Vertrag musste Großbritannien nun zugunsten Frankreichs intervenieren. Doch nichts geschah, und so stärkte dieser Coup Hitlers Ansehen weiter.

Olympia in Berlin (August 1936)

Im August 1936 feierte man die Sommerolympiade in Berlin. Sie sollte ein positives Bild von Nazi-Deutschland zeichnen, und das gelang durchaus. Zahlreiche ausländische Besucher der Spiele sahen ein wohlorganisiertes, gastliches Land, mit friedfertigen, fleißigen Menschen und einem Staatschef, der sich bescheiden und leutselig gab. Doch gab er dem überragenden farbigen Leichtathleten Jesse Owens nicht die Hand.

Hitler hatte Deutschland wieder einen Platz in der Weltpolitik verschafft, und im Ausland begann man seine Erfolge zu sehen. Edward VIII. von England, der für Wallis Simpson auf den Thron verzichtet hatte, besuchte ihn und bewunderte ihn offen. Jedoch trug ihm das daheim arge Kritik ein.

Kriegsvorbereitungen

Seine wahren Ziele hatte Hitler schon in „Mein Kampf“ dargelegt und nie aufgegeben. In einer Geheimkonferenz am 5. November 1937 mit seinen Oberbefehlshabern sprach er sie dann offen aus. Ihm ging es um die gewaltsame Erweiterung des ‚Lebensraums‘ für die 85 Millionen Deutsche in Europa. Die Weichen waren längst auf Krieg gestellt.

Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Zwei Tage später wurde Österreich mit Deutschland vereinigt. Das gab den Sudetendeutschen Auftrieb, die im überwiegend von Deutschen bewohnten Teil der Tschechoslowakei an der Grenze zum Reich lebten. Hitler wies sie an, der Regierung in Prag immer höhere Forderungen zu stellen, denn er war nicht auf eine Verständigung aus.

Die englische Regierung von Premier Neville Chamberlain warnte Hitler vor Gewaltanwendung, ließ jedoch durchblicken, dass sie mit einer friedlichen Grenzrevision einstanden wäre. Vergeblich drängten Widerstandskreise die britische Regierung zu einer festeren Haltung. Doch England war mit seiner Rüstung im Hintertreffen, und Chamberlain glaubte, man könne Hitler durch Erfüllung berechtigter Forderungen beschwichtigen (Appeasement). Hitler aber schürte die Krise, und dann brach im Sudetenland ein Aufstand aus. Als Truppen ihn blutig niederschlugen, war eine gütliche Regelung unmöglich geworden.

Chamberlain auf dem Petersberg

Zweimal suchte Chamberlain Hitler persönlich auf, um den Frieden zu retten. Im September 1938 kam er an den Rhein. Der Premier und seine Delegation wohnten im Grand Hotel auf dem Petersberg, mit allem erdenklichen Komfort. Hitler hingegen war im Rheinhotel Dreesen in Bad-Godesberg auf der anderen Rheinseite abgestiegen und ließ Chamberlain immer dorthin kommen. Doch die Gespräche scheiterten.

Auf Vermittlung Mussolinis kam dann eine Konferenz in München zusammen. Im Münchener Abkommen vom 29. September 1938 verlor die Tschechoslowakei einen erheblichen Teil ihres Staatsgebietes.

Reichskristallnacht (9. November 1938)

Nach fünf Jahren hasserfüllter Propaganda gegen die Juden, nach Boykotten und diskriminierenden Gesetzen, waren sie vom sozialen und politischen Leben fast ausgeschlossen. Inzwischen hatten viele von ihnen Deutschland bereits verlassen.

In der Nacht vom 9./10. November 1938, der „Kristallnacht“, wurden fast 100 Juden ermordet und 25.000-30.000 verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Im ganzen Land wurden mehr als 200 Synagogen, tausende jüdischer Geschäfte und Häuser verwüstet.

Der Weg in den Krieg

Auch nach dem Münchener Abkommen war Hitler nicht zufrieden. Unter Bruch des Abkommens marschierten deutsche Truppen am 15. März 1939 in Prag ein. Dann wurden die Tschechen wurden in ein „Protektorat Böhmen und Mähren“ gezwungen. Die Slowakei musste sich selbständig erklären und deutsche Truppen aufnehmen.

Als Polen deutsche Revisionsforderungen ablehnte, verständigte sich Hitler mit der Sowjetunion. Am 1. September marschierten deutsche Truppen in Warschau ein. Nun erklären England und Frankreich den Krieg gegen Deutschland.

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