Pfalz oder Preußen – wem gehört das Herzogtum Berg?

"Lange Kerls" in der Armee des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.
"Lange Kerls" in der Armee des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.

Das Reich, Anfang des 18. Jahrhunderts. In Berlin regierte inzwischen Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig“, ein treuer Untertan Kaiser Karls VI. in Wien.

Schon sein Großvater, der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, hatte Anspruch auf Jülich-Berg erhoben, sich aber nicht durchsetzen können. Deshalb hatte er 1666 er einen Vergleich mit Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg geschlossen: beim Aussterben des Mannesstamms der einen Linie sollte die andere sie beerben.

Das schien nun soweit, die Linie Pfalz-Neuburg drohte auszusterben.  Friedrich Wilhelm I. in Preußen wollte sich die Nachfolge sichern, deshalb schloss er Kaiser Karl VI. 1726 in Wusterhausen (1726) und 1918 in Berlin zwei Verträge. Der Kaiser garantierte seinen Anspruch auf Jülich-Berg, dafür erkannte Friedrich Wilhelm die Pragmatische Sanktion von 1713 an, die höchst umstrittene Erbfolge der Kaisertochter Maria Theresia.

Die „Pragmatische Sanktion“

Doch zunächst musste die Pragmatische Sanktion von den anderen Herrschern anerkannt werden. Über Jahre verhandelten die kaiserlichen Gesandten und mussten große Zugeständnisse machen. Der Preußenkönig hingegen warb sogar für de Pragmatische Sanktion. Doch er merkte nicht, wie wenig seine Treue belohnt wurde, im Gegenteil. Die Wiener Diplomatie manövrierte ihn immer wieder aus, und das sogar in des Königs abendlicher Lieblingsrunde, dem „Tabakkollegium“. Kaiser Karl VI. in Wien sympathisierte längst mit dem Haus Pfalz-Sulzbach, und weder er noch die Niederlande, England oder Frankreich wollten eine starke Präsenz Preußens im Westen. Den Preußenkönig brauchte er nur so lange, wie er mit den anderen Mächten verhandelte.

Jülich-Berg geht an das Haus Pfalz-Sulzbach

Als 1738 schließlich auch Frankreich der Pragmatischen Sanktion zugestimmt hatte, war es soweit: Der Kaiser gab das Herzogtum Jülich-Berg an das Haus Pfalz-Sulzbach. Erst als der kaiserliche Bescheid in Berlin überreicht wurde, merkte Friedrich Wilhelm, wie sehr er hintergangen worden war. Er zeigte auf seinen Kronprinzen und sagte: „hier steht einer, der mich rächen wird.“ Das hat Friedrich II. dann auch getan.

Nach dem Tod des letzten Herzogs aus der Linie Pfalz-Neuburg 1742 erbte sein Neffe Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach seine Ländereien und Titel. So wurde er auch Herzog von Jülich und Berg. Vor allem war Carl Theodor Kurfürst von der Pfalz, unter ihm wurde seine Residenzstadt Mannheim zu einem kulturellen Zentrum europäischen Rangs. Düsseldorf, die Hauptstadt des Herzogtums Berg, verdankt ihm die barocke Stadterweiterung und Schloss Benrath.

Durch Erbschaft wurde Carl Theodor 1777 auch noch Kurfürst von Bayern, nach ihm ist der Münchner Karlsplatz benannt. Doch er wurde nicht mit Bayern warm, und die Bayern nicht mit ihm (noch heute sagt man dort viel eher „Stachus“ als „Karlsplatz“).

Friedrich II.

1740 starben kurz hintereinander Friedrich Wilhelm I. in Potsdam und Karl VI. in Wien. Nun war Friedrich II. König, ein Anhänger der Aufklärung, der mit Voltaire korrespondierte und in seiner Schrift „Antimachiavel“ sein Idealbild eines pflichtbewussten, friedliebenden Fürsten gezeichnet hatte. Gleich zu Beginn seiner Regierung beseitigte er die Folter im Strafprozess (außer bei Hochverrat und bei Bandenverbrechen) und schaffte die grausamsten Strafen ab. Friedrich verkündigte religiöse Toleranz in seiner berühmten Randnotiz, dass „ein jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden sollte“. Zugleich machte er von Anfang an klar, dass er sich von niemandem würde hineinreden lassen.

Preußen wird Großmacht

Friedrich suchte Ruhm für sich selbst und sein Königreich, und nach dem Vertragsbruch des Kaisers seinem Vater gegenüber fühlte er sich nicht mehr an die Pragmatische Sanktion gebunden. Während die anderen noch verhandelten, schaffte Friedrich Tatsachen: An der Spitze seiner Truppen besetzte er 1741 Österreichs reiche Provinz Schlesien. In den folgenden zwei Schlesischen Kriegen 1741/42 und 1744/45 konnte er sie behaupten. Im Ausland ging der Österreichische Erbfolgekrieg noch drei Jahre weiter; erst im Frieden von Aachen 1748 wurde die Pragmatische Sanktion und die Erbfolge der Kaiserin Maria Theresia endlich anerkannt. Doch dieser Frieden war eher ein Waffenstillstand.

Maria Theresia hatte sich mit dem Verlust Schlesiens nicht abgefunden, in ihren Augen war es schreiendes Unrecht und dafür hasste sie Friedrich. Ihrem genialen Außenpolitiker Graf Kaunitz gelang es, ein Bündnis mit Russland, Sachsen und sogar Frankreich zu schmieden. Auf Preußens Seite stand England, leistete aber nur finanzielle Hilfe, um französische Truppen auf dem Kontinent zu binden, während es in Nordamerika gegen die Franzosen kämpfte.

Ein fürchterlicher Krieg brach aus. Friedrichs Siege über die Reichsarmee und die Franzosen machten ihn populär, doch er erlitt auch furchtbare Niederlagen. Der Krieg brachte Friedrich und Preußen an den Abgrund, doch am Ende war Preußen zur fünften Großmacht in Europa aufgestiegen.

Endlich wurde 1763 der Frieden von Hubertusburg unterzeichnet, der Schlesien endgültig Preußen zuspricht, dafür sagte  Friedrich II. Maria Theresias Sohn Joseph seine Stimme bei der anstehenden Kaiserwahl zu. Aus dieser Position der Stärke heraus konnte er getrost den Verzicht auf das Herzogtum Jülich-Berg erklären.

Der Deutsche Dualismus

Im Reich gab es nun zwei Großmächte, der „deutsche Dualismus“ war entstanden. Das schlug sich auch im Sprachgebrauch nieder. Den Namen „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ findet man nach dem Ende des Mittelalters kaum mehr. Danach heißt es eher „Altes Reich“ oder „das Reich“. Nicht nur die Großmächte Preußen und Österreich, auch die größeren Fürstentümer machten ihre eigene Politik.

1765 wurde Joseph II. zum Kaiser (1765-90) gewählt. Sein Vorbild war ausgerechnet Preußen, er bewunderte Friedrich auch persönlich. Beide sahen kein Unrecht darin, sich in Abstimmung mit Zarin Katharina II. bei der ersten polnischen Teilung 1772 große Stücke Polens anzueignen. Friedrich bekam Westpreußen, und jetzt waren endlich alle preußischen Gebiete in seiner Hand und er konnte sich „König von Preußen“ nennen.

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