Revolution 1848/49 – Schurz und Kinkel

Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche
Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche

Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche

Auch vom Einzug der Parlamentarier in die Frankfurter Paulskirche am 18. Mai 1848 ist uns ein Bild überliefert. Es war ein großer Tag, überall wehten schwarz-rot-goldene Flaggen und die Menschen jubeln den Parlamentariern zu. Unter ihnen waren Jakob Grimm, Ernst Moritz Arndt und der „Turnvater“ Jahn.

Parteien gab es noch nicht, doch Gleichgesinnte fanden sich zu Fraktionen zusammen. Ihre Sitzordnung ist uns heute noch vertraut: Auf der linken Seite saßen die (damals) Radikalen, die eine Republik und unbedingte Gleichheit aller Bürger verlangten, unter ihnen war auch Robert Blum, geboren in Köln. Auf der rechten Seite saßen die Konservativen, die für die Beibehaltung der Monarchie und der Adelsprivilegien waren, unter ihnen auch extrem konservative, gar reaktionäre wie der General von Radowitz, später Berater von König Friedrich Wilhelm IV. In der Mitte saßen die Liberalen, die eine Verfassung und die Mitwirkung des Volkes an der Regierung forderten; sie spalteten sich bald in eine republikanische linke und eine konservative rechte Fraktion.

Schwerer Stand

Die Nationalversammlung stand vor einer gewaltigen Aufgabe, hatte aber von Anfang an einen schweren Stand. Für den Moment hatte die Revolution gesiegt, hatten die Fürsten nachgegeben; doch die meisten von ihnen, allen voran die Großmächte Preußen und Österreich, dachten nicht daran, sich mit dem Sieg der Revolution abzufinden. Während die Parlamentarier berieten, wurde in Deutschland, Preußen und Österreich weiter gekämpft.

Die Nationalversammlung bildete Ende Juni 1848 zunächst eine provisorische Zentralregierung für ganz Deutschland mit dem österreichischen Erzherzog Johann an der Spitze. Seine Regierung wurde von allen Bundesstaaten anerkannt, der Bundestag löste sich auf und übertrug ihr seine Rechte.

Doch die Großmächte Österreich und Preußen weigerten sich, ihre Truppen der Zentralregierung zu unterstellen. Auch außenpolitisch genossen die Nationalversammlung und die Zentralregierung wenig Ansehen. Als es im August zum Krieg Preußens und Hannovers gegen Dänemark um Schleswig-Holstein kam, verhandelten die ausländischen Mächte und Preußen miteinander, so als gäbe es keine Zentralregierung. Gegen den ausdrücklichen Wunsch der Nationalversammlung schloss Friedrich Wilhelm IV. einen Waffenstillstand.

Großdeutsch oder kleindeutsch?

Die Beratungen der Nationalversammlung zogen sich über Monate hin. Die Mehrheit der Parlamentarier trat für die Monarchie ein, aber sollte es ein Erbkaisertum eines Herrscherhauses sein, oder ein Wahlkaisertum? Und wie sollte Österreich einbezogen werden? Die „großdeutsche“ Lösung mit den deutschsprachigen Ländern Österreichs würde die Habsburger Donaumonarchie spalten. Die „kleindeutsche“ Lösung mit Preußen an der Spitze war nur ohne Österreich denkbar, denn der österreichische Kaiser würde sich wohl kaum dem preußischen König unterordnen.

„Ich sterbe für die Freiheit. Möge das Vaterland meiner gedenken“ Robert Blum

Während die Nationalversammlung noch diskutierte, wurde sie von der Realität eingeholt. In Österreich setzten sich die Regierungstruppen durch, im Sommer wurden nationale Erhebungen in Böhmen, Oberitalien und Ungarn niedergeworfen; im Herbst Wien zurückerobert. Der neue österreichische Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg ließ die Revolutionäre standrechtlich erschießen. Am 9. November 1848 sogar Robert Blum, der im Auftrag der Nationalversammlung nach Wien gereist war und als Parlamentarier Immunität genoss. „Ich sterbe für die Freiheit, möge das Vaterland meiner gedenken“ waren seine letzten Worte.

Schwarzenberg stellte die absolute Monarchie wieder her; Franz Josef I. (1848-1916) wurde österreichischer Kaiser. Die Donaumonarchie Österreich lehnte eine Aufspaltung in deutschsprachige und nicht-deutschsprachige Landesteile kategorisch ab; damit war die großdeutsche Lösung unmöglich geworden.

Sieg der Reaktion

Nach den Erfolg Schwarzenbergs in Wien setzte sich Mitte November auch in Berlin die Reaktion durch. Preußisches Militär unter General Wrangel rückte ein die Stadt ein; der Belagerungszustand wurde verhängt. Friedrich Wilhelm IV. berief ein neues Kabinett, in dem nur Konservative saßen. Die preußische Nationalversammlung wurde erst in die Provinz abgeschoben und dann aufgelöst. Wenig später, am 5. Dezember 1848, verfügte der König die „Oktroyierte Verfassung“ die zwar zunächst die Grundrechte sowie das allgemeine und gleiche Wahlrecht vorsah, aber dem Volk keine wirkliche Mitverantwortung zugestand.

Am 22. Januar 1849 wurde in Preußen die Zweite Kammer, die Abgeordnetenkammer des Preußischen Landtags gewählt. Liberale und Demokraten wurden gestärkt, auch Kinkel bekam ein Mandat.

Keine Krone „mit dem Ludergeruch der Revolution“

Am 28. März 1849 verabschiedete Nationalversammlung in der Paulskirche die Verfassung. Eine konstitutionelle Monarchie sollte es sein mit einem Erbkaiser an der Spitze, dieser berief die Reichsminister, die dem Reichstag verantwortlich waren. Der Reichstag sollte das Recht der Gesetzgebung haben und nach allgemeinem und gleichem Wahlrecht gewählt werden. In die Verfassung wurden die Grundrechte aufgenommen. Die Abgeordneten wählten mit 290 von 538 Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum Kaiser, dabei enthielte sich die Großdeutschen.

Im April 1849 traf eine Delegation der Nationalversammlung, unter ihnen der Bonner Professor Ernst Moritz Arndt, in Berlin ein und trug Friedrich Wilhelm die Kaiserkrone an. Höflich, aber unmissverständlich lehnt er ab. Wohl fand er, dass die Familie der Hohenzollern die Kaiserkrone mit Würde tragen konnte, sie aber vom Volk zu empfangen, war mit seinem Verständnis der Herrschaft von Gottes Gnaden nicht zu vereinbaren. Damit hatte Friedrich Wilhelm IV. das Werk der Nationalversammlung endgültig zum Scheitern gebracht.

Am 31. Mai 1849 löste sich die Nationalversammlung auf, zum Teil freiwillig, zum Teil werden die Parlamentarier zurückgerufen. Ein „Rumpfparlament“ musste nach Stuttgart übersiedeln und wurde schließlich von der württembergischen Regierung aufgelöst.

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