Vulkangesteine und Steinbrüche

Quarzit
Quarzit

Über Jahrhunderte wurden im Siebengebirge Trachyt, Latit und Basalt abgebaut. Die Steinbrüche hätten unserer Region fast zerstört. Vom Stenzelberg ist kaum etwas geblieben, und heute ist dort ein offengelassener Steinbruch. Ganz ähnlich ist es am Weilberg, auch hier gibt es einen stillgelegter Steinbruch, der zugleich ein Naturdenkmal ist.

Buchenplatz, Trachyt
Buchenplatz, Trachyt

Trachyt vom Drachenfels

Schon die Römer haben am Drachenfels Trachyt abgebaut. In Bonn und Köln, ja sogar in Xanten und Nimwegen wurde mit Steinen vom Drachenfels gebaut.

Im Spätmittelalter wurden große Teile des Kölner Doms mit Trachyt vom Drachenfels gebaut. Die Burggrafen wurden reich, doch der Dom wurde und wurde nicht fertig. 

Zur Preußenzeit, 1823, begannen Reparaturarbeiten am Kölner Dom. Die Dombauhütte wollte wieder Trachyt vom Drachenfels, und die Königswinterer Steinhauer wollte gleich mit ihr ins Geschäft kommen. Doch viele Menschen, preußische Amtsträger und sogar der Kronprinz wollten den Drachenfels mit der Ruine schützen. Jahrelange, erbittert geführte Auseinandersetzungen folgten. 1829 verfügte das preußische Innenministerium die Einstellung aller Steinbrucharbeiten, doch der Rechtsstreit ging weiter bis  1836 hin, als der preußische Staat den Drachenfels kaufte.

Mehr dazu auf der Seite zum Drachenfels.

Latit vom Stenzelberg und der Wolkenburg

Als im Hochmittelalter die Mönche von Kloster Heisterbach an den Bau ihrer Abteikirche gingen, bauten sie am nahegelegenen Stenzelberg Latit ab.

In der frühen Neuzeit hat man auch die Wolkenburg als Steinbruch gebraucht. Die Burg war längst verfallen, und der feine Latit eignete sich gut für die Fronten vornehmer Bauten, und anspruchsvolle Steinmetze des Barocks und anschließenden Rokokos nahmen ihn gerne. Bei zahlreichen ganz feinen Adressen im kurfürstlichen Bonner Raum wurde Latit von der Wolkenburg verwendet, u.a. beim Rathaus, Poppelsdorfer Schloss, und in Brühl bei Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust. Wenn Sie durch Königswinter streifen, finden Sie Latit von der Wolkenburg verbaut beim Siebengebirgsmuseum Königswinter, Haus Rebstock in der Hauptstraße, der Pfarrkirche St. Remigius und beim Weinbrunnen vor dem Rathaus, Drachenfelsstraße.

Viele der Wegekreuze entlang des Petersberger Bittwegs sind aus Latit. Einige ältere Kreuze haben einen Sockel aus Trachyt.

Basalt
Basalt

Basalt-Abbau – riesige Steinbrüche im Siebengebirge

Noch schlimmer wurde es im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Basalt für den Ausbau von Straßen und etwas später Eisenbahnstrecken benötigt wurde. Am Weilberg, Petersberg und Ölberg im Siebengebirge entstanden große Steinbrüche. Die Rheinfront im benachbarten Oberkassel war verheert. 

Schließlich alarmierten die Schäden an der Natur viele Menschen. Man gründete Vereine zum Schutz des Siebengebirges gegründet, die sich später zum Verein zur Verschönerung des Siebengebirges (VVS) zusammenschlossen.

Justizrat Humbroich

Auf dem Weg zum Gipfel des Ölbergs kommen Sie am Humbroich-Platz vorbei. Von hier haben sie eine herrliche Aussicht ins Rheintal. Der Platz erinnert an den Bonner Justizrats Humbroich, einen engagierten Naturschützer. Ohne ihn und seinen „Verein zur Rettung des Siebengebirges“ hätten wir viele schöne Stellen im Siebengebirge gar nicht mehr. Ganz besonders hat er sich um den Petersberg verdient gemacht. Mehr dazu auf der Seite zum Petersberg.

Oberpräsident von Nasse

Auch der preußische Landwirtschaftsminister von Hammerstein stand auf der Seite der Naturschützer, und vor allem der damalige Oberpräsident der Preußischen Rheinprovinz, Berthold von Nasse. Neue Eisenbahnstrecken in unserer Region genehmigte er nur, wenn sie das Siebengebirge nicht gefährdeten, solche zum Transport von Steinen gar nicht. Und ohne eine günstige Anbindung zum Transport der Steine lohnte sich ein Steinbruch nicht. Der Oberpräsident hatte sogar den Boykott von Basalt aus dem Siebengebirge organisiert, und viele rheinische Städte machten mit. Als Bauherrn im Straßen- und Wegebau waren die Rheinprovinz und die Städte ja Großabnehmer.

Der Nasseplatz, ein offengelassener Steinbruch  etwas unterhalb der Margarethenhöhe, ist nach ihm benannt. Heute ist er auch ein beliebter Grillplatz, doch seit  2015 ist er gesperrt – wegen Steinschlags.

Eine Lotterie für das Siebengebirge

Naturschutzgesetze mit Sanktionsmöglichkeiten gab es nicht. So blieb nur,  möglichst viel Gelände und bestehende Steinbrüche im Siebengebirge aufzukaufen und sie dann stillzulegen. Dazu brauchte man Geld, viel Geld, und im schlimmsten Fall ein Enteignungsrecht. 1897 beantragte der VVS eine Geldlotterie und die Bewilligung des Enteignungsrechts bei der Königlich Preußischen Staatsregierung. Es folgte ein langwieriges Verfahren, bei dem viele Interessen gegeneinander abgewogen werden mussten. Den Interessen der Natur standen die Interessen der Betreiber, aber auch der Arbeiter in den Steinbrüchen entgegen. Vergessen wir auch nicht die mittelbar Betroffenen, etwa die Heisterbacher Talbahn, die hauptsächlich den Transport von Steinen betrieb.

Im März 1899 kam dann über den Oberpräsidenten von Nasse der offizielle Bescheid: Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. hat dem VVS am 18. Januar 1899 für die Erhaltung des Siebengebirges eine Geldlotterie mit einem Reinertrag von 1.500.000 Mark genehmigt und auch das Enteignungsrecht verliehen. Ein Jahr später war genug Geld zusammengekommen, um weite Gebiete im Siebengebirge zu kaufen und zahlreiche Steinbrüche stillzulegen.

Nach langen Verhandlungen, Aufkauf von Gelände und juristischen Auseinandersetzungen wurde im April 1908 der letzte Steinbruch am Petersberg geschlossen. Doch an anderen Bergen im Siebengebirge gingen die Steinbrüche weiter, so etwa am Weilberg und am Stenzelberg, von denen uns heute kaum etwas geblieben ist.

Tuffstein

In den Ofenkaulen hat man seit dem Ende des 18. Jahrhundert unter Tage Tuffstein abgebaut und damit Backöfen hergestellt. Um 1890 waren Backöfen aus Königswinter weithin bekannt.

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