Zwischen Revolution und Reichsgründung

Deutsch-Französischer Krieg (1870/71)

Als Spanien im Juli 1870 einem Hohenzollernprinzen seine Krone anbot und dieser mit Zustimmung König Wilhelms annahm, kam es zu einer diplomatischen Krise. Der Prinz zogt sich bald darauf zurück, doch das reichte der französischen Regierung nicht. König Wilhelm sollte sich verpflichten, auch künftig keiner Kandidatur des Prinzen mehr zuzustimmen. Wilhelm weilte gerade in Bad Ems zur Kur. Als der französische Botschafter ihm dort seine Forderung vortrug, wies Wilhelm sie höflich, aber bestimmt zurück.

Telegrafisch informierte er Bismarck. Sein Ministerpräsident, ein Meister im Umgang mit der Presse, gab dem Telegramm aus Bad Ems „durch Streichungen, ohne ein Wort hinzuzusetzen oder zu ändern“ eine deutlich schärfere Fassung, und gab es in dieser Form als „Emser Depesche“ an die Presse. Beide Seiten waren empört; jetzt sollten die Waffen entscheiden. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich den Krieg.

Überall in Deutschland war das Nationalgefühl nun stärker als alles andere. Als Wilhelm, Bismarck und Moltke auf dem Weg an die Front in Köln ankamen, schlug ihnen Begeisterung entgegen. Im September 1870 drangen preußische Truppen, unterstützt von Bayern und anderen deutschen Staaten, in Frankreich ein. Bald hatten sie die Hauptarmee der Franzosen in Metz eingeschlossen und ein Entsatzheer bei Sedan eingeschlossen und geschlagen. Fast die ganze Armee und Kaiser Napoleon III. gerieten in Gefangenschaft.

In Frankreich wurde die Republik ausgerufen, ein Volkskrieg gegen die feindlichen Truppen begann; erst Ende Januar 1871 kapitulierte Paris. Im Mai 1871 schloss man in Frankfurt, doch es waren sehr harte Bedingungen: Frankreich musste 5 Mia. Francs Kriegsentschädigung zahlen und Elsass-Lothringen abtreten. Die Menschen dort wurden dabei nicht gefragt.

Reichsgründung

Nach dem Sieg bei Sedan warb Bismarck bei den deutschen Fürsten für ein vereintes Kaiserreich. Im patriotischen Überschwang gaben auch die zögernden Fürsten nach. Als Ranghöchster trug Ludwig II. von Bayern Wilhelm die Kaiserwürde an. Erst danach kam eine Abordnung des Norddeutschen Reichstages, das war ein fundamentaler Unterschied zu 1848/49. Doch auch Wilhelm fiel es sehr schwer, „vom alten Preußen Abschied zu nehmen“, denn der Titel des „Königs von Preußen“ bedeutete ihm viel mehr als der neue des „Deutschen Kaisers“, mit dem er überhaupt nicht einverstanden war.

Am 18. Januar 1871, im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles, wurde König Wihelm I. von Preußen in Gegenwart von Fürsten, Heerführern und Soldaten zum Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Das Deutsche Reich war ein Bundesstaat mit 25 Einzelstaaten; 22 Monarchien und 3 freien Reichsstädten, dazu das „Reichsland“ Elsass-Lothringen.

Zum Weiterlesen
BR alpha, vom Reich zur Republik, Die Reichsgründung

Preußenzeit
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