Bundesrepublik

Bundesrepublik, Adenauers Dienstwagen, Haus der Geschichte, Bonn
Adenauers DIenstwagen im Haus der Geschichte

Im letzten Kapitel geht es um den demokratischen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg, die „Bonner Jahre“ und die Staatsgäste auf dem Petersberg.

Wenn man heute durch unsere Gegend streift, mag man vieles für selbstverständlich halten: dass man genug zu essen hat, dass man in einem Rechtsstaat lebt, dass man frei ist. Doch das ist nicht selbstverständlich, und das sehen wir jeden Tag in den Nachrichten. Dieses Kapitel ist daher verbunden mit einem großen Dankeschön an die Mütter und Väter unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Grundgesetz

Am 1. September 1948 trat in Bonn der Parlamentarische Rat zusammen. Genau vier Jahre nach der Kapitulation, am 8. Mai 1949, legte er das Grundgesetz vor. Nachdem die drei westlichen Militärgouverneure es am 12. Mai 1949 genehmigt hatten, trat es am 23. Mai 1949 in Kraft. Bonn wurde als vorläufige Hauptstadt bestimmt.

Die Bundesrepublik suchte die Integration in die demokratische, westliche Welt. Im ersten Bundestag waren die bürgerlichen Parteien – CDU/ CSU, SPD, FDP – in der Mehrheit. Erster Bundeskanzler wurde Dr. Konrad Adenauer (CDU), erster Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss (FDP). Die herausragenden Männer der SPD jener Jahre waren Kurt Schumacher und Erich Ollenhauer.

Petersberger Abkommen

Noch galt einschränkend das Besatzungsrecht. Die Alliierten behielten sich vor, die Arbeit der Bundesregierung zu überwachen, deshalb richteten sie an Stelle der Militärregierungen die Alliierte Hohe Kommission ein. Von 1949-52 residierten die Alliierten Hohen Kommissare im Hotel auf dem Petersberg. Hier wurde das Petersberger Abkommen ausgehandelt, welches den Weg für den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die staatliche Unabhängigkeit der jungen Bundesrepublik Deutschland ebnete.

1950er Jahre

Die ersten Jahre der Bundesrepublik standen im Zeichen der Aussöhnung. Sie schloss den Wiedergutmachungsvertrag mit Israel 1952, vereinbarte den „Plan Schuman“ und gründete die Montan-Union 1952 mit Frankreich. Die Pariser Verträge von 1955 beendeten das Besatzungsregime. Nun war die Bundesrepublik ein souveräner Staat und wurde in die westeuropäische Union und in die NATO aufgenommen.

Im Dezember 1955 reiste Kanzler Adenauer auf sowjetische Einladung nach Moskau, und es gelangt ihm, die Kriegsgefangenen nachhause zu holen.

Dank des Marshall-Plans, Ludwig Erhards vorausschauender Wirtschaftspolitik und des Muts, Fleißes und Optimismus unzähliger Menschen erlebte die Bundesrepublik das „Wirtschaftwunder“. Die Arbeitslosigkeit der Nachkriegszeit ging zurück, und 1962 war Vollbeschäftigung erreicht. Endlich konnten sich die Menschen etwas gönnen: abwechslungsreicheres Essen, eine Urlaubsreise, oder einen VW-Käfer, ein Symbol des Wirtschaftswunders.

1960er Jahre

Noch immer flohen viele Menschen aus der DDR in den Westen. Schließlich riegelte die DDR-Regierung am 13. August 1961 die Grenze ab; und begann mit dem Bau der Mauer in Berlin. Auch wenn sie heute nicht mehr steht, symbolisiert die Mauer den Schrecken und die Menschenverachtung des totalitären Regimes. Das Brandenburger Tor war Sperrgebiet. Die Menschen in Ost und West konnten es nicht durchqueren, und außer den DDR-Grenzsoldaten kam überhaupt niemand an es heran. So symbolisierte es fast dreißig Jahre lang die Teilung Berlins und des ganzen Landes.

Im Juni 1963 besuchte US-Präsident John F. Kennedy Berlin und schloss seine Rede mit dem berühmten Satz: „All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and therefore as a free man, I take pride in the words: Ich bin ein Berliner.“

Im Oktober 1963 trat Konrad Adenauer zurück. Sein Nachfolger wurde Ludwig Erhard, doch als Bundeskanzler war ihm keine Erfüllung vergönnt. Schon 1966 trat er zurück, auf ihn folgte Kurt-Georg Kiesinger (CDU). 1967 verstarb Konrad Adenauer in seinem Haus in Rhöndorf. Heute ist es eine Gedenkstätte.

In den 60er Jahren geriet viel in Bewegung. Die Diskussion um die Verjährung von Naziverbrechen und der Prozess gegen Adolf Eichmann führten zu einer tiefen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Im Bundestag regierte seit 1966 eine Große Koalition von CDU/CSU und SPD, die über eine Zwei-Drittel-Mehrheit verfügte und damit auch das Grundgesetz ändern konnte. Einzige Oppositionspartei war die FDP. Aus Protest gegen die übermächtige Große Koalition, vor allem gegen die von ihr eingebrachten Notstandsgesetze, bildete sich die „Außerparlamentarische Opposition (APO)“. Sie wurde vor allem von Studenten getragen wurde, daher wird sie auch „Studentenbewegung“ genannt oder einfach „68er“.

1970er Jahre

Nach der Bundeswahl 1969 kam es zu einer sozialliberalen Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt. Sein Name ist verbunden mit einer neuen Ostpolitik „Wandel durch Annäherung“. Als der Kanzler 1970 am Denkmal für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto niederkniete, ging das Bild um die Welt. Tagelang wurde im alten Bundeshaus über die „Ostverträge“ diskutiert, sie wurden live übertragen und sogar im Schulunterricht verfolgt. Am 18. September 1973 wurden Bundesrepublik und DDR in die UNO aufgenommen.

Über Jahre wurde die Bundesrepublik von Terroranschlägen erschüttert, Bei den Olympischen Spielen in München 1972 überfiel ein Terrorkommando des „Schwarzen Septembers“ die israelischen Sportler und ermordete zahlreiche Geiseln. Die Rote Armee Fraktion (RAF) ermordete Siegfried Buback, Jürgen Ponto und Hanns Martin Schleyer , verbündete palästinensische Terroristen entführten die Lufthansa-Maschine „Landshut“.

Staatsgäste auf dem Petersberg

Während dieser Jahrzehnte kamen einige hochrangige Staatsgäste nach Bonn, die im Hotel auf dem Petersberg residierten. Unter ihnen war 1955 der Schah von Persien, Reza Pahlevi, mit seiner damaligen Gemahlin Soraya und 1967 mit seiner dritten Frau Farah Diba, dann 1965 Königin Elizabeth II. von Großbritannien. 1973 wohnte der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnjew, auf dem Petersberg. Er bekam einen funkelnagelneuen Mercedes geschenkt, den er gleich Probe fahren wollte .. doch leider fuhr er auf der Serpentinenstraße in den Graben.

Als kleines Kind habe ich einmal den amerikanischen Präsidenten in einer schwarzen Limousine auf der Königswinterer Fähre gesehen, und an der Hauptstraße in Niederdollendorf die Queen in ihrem Rolls-Royce, begleitet von Polizisten auf dem Motorrad, den „Weißen Mäusen“.

Die 1980er Jahre

1982 zerbracht die sozial-liberale Koalition, und am 1. Oktober 1982 stürzte Helmut Kohl (CDU) mit einem konstruktiven Misstrauensvotum Helmut Schmidt. Seitdem war Kohl Kanzler einer CDU/FDP-Regierung und blieb es bis 1998.

Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan, dem NATO-Doppelbeschluss und der Gewerkschaft Solidarność in Polen engagierten sich immer mehr Menschen für die Friedensbewegung. Auch der Umweltschutz wurde ein immer drängenderes Thema, es entwickelte sich eine Umweltbewegung, aus der die Partei Die Grünen hervorging. 1983 zogen die Grünen erstmals in den Bundestag ein.

Zu Beginn der 80er Jahre ging der Kalte Krieg weiter. Das änderte sich, als Michael Gorbatschov Generalsekretär der KPdSU wurde. Seine Reformprogramme Perestroika und Glasnost machten „Gorbi“ im Westen sehr populär, und die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Westen und dem Ostblock verbesserten sich. Gorbatschow drängte die anderen Regimes des Warschauer Pakts, seiner Politik zu folgen. Reformer in Ungarn und Polen waren ermutigt, doch die Hardliner, unter ihnen Erich Honecker in Ostberlin, lehnten Gorbatschows Politik rundweg ab.

„Mr. Gorbachev, open this gate!“ Ronald Reagan in Berlin

Am 12. Juni 1987 sprach der damalige US-Präsident Ronald Reagan in Berlin, und seine Worte gingen um die Welt: „Mr. Gorbatchev, open this gate! Mr. Gorbatchev, tear down this wall!“ – „Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“ Ein Jahr später machte Gorbatschow klar, dass die Sowjetunion nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten des Ostblocks eingreifen würde, wie sie es 1968 in Prag getan hatte. Polen und Ungarn waren die ersten Staaten, die sich befreien.

1989 öffnete Ungarn seine Grenze zu Österreich, und viele Ostdeutsche flohen über Ungarn in den Westen. Ostdeutsche besetzten die westdeutschen Botschaften in Budapest, Warschau und Prag, denn sie wollten unbedingt ausreisen. Im September 1989 campten Tausende Männer, Frauen und Kinder im Garten der Deutschen Botschaft in Prag, bis Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher die erlösende Nachricht brachte: „Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“

Immer mehr Menschen in Ostdeutschland verlangten die Anpassung des politischen Kurses der DDR an den der UdSSR. Woche für Woche demonstrierten unzählige Menschen, vor allem in Leipzig. Am 7. Oktober 1989 besuchte Gorbatschow Ostberlin, um den 40. Jahrestag der DDR zu feiern. Während viele Menschen auf den Straßen demonstrierten, wollte das Politbüro nicht umdenken und verweigerte Reformen.

Die Mauer fällt

Endlich, am 9. November 1989, wurde die Berliner Mauer geöffnet, und Ostdeutsche durften frei reisen.

Anfang 1990 gab es Gespräche zwischen der Bundesregierung und der DDR-Regierung über die deutsche Einheit. Im Februar folgten Gespräche zwischen Helmut Kohl und Michail Gorbatschow im Kaukasus. Am 18. Mai wurde die Wirtschafts- und Währungsunion unterzeichnet, am 1. Juli trat sie in Kraft. Beide Parlamente beschlossen am 23. August das Datum der Wiedervereinigung. Die Siegermächte stimmten im September 1990 mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag der Einheit zu und entliessen Deutschland in die volle Souveränität.

Am 3. Oktober 1990 wurden die beiden deutschen Staaten wiedervereinigt. Am 20. Juni 1991 beschloss der Bundestag in einer hart umkämpften Abstimmung, Berlin seine Hauptstadtfunktion zurückzugeben. 1999 erfolgte der Regierungsumzug vom Rhein an die Spree.

Staatsgäste im neuen Hotel auf dem Petersberg

Zum Abschluss noch einmal ins Siebengebirge, auf den Petersberg. Das alte Hotel steht nicht mehr; an seiner Stelle wurde, unter Verwendung einiger alter Steine, ein neues Gästehaus gebaut, das dem alten Hotel nachempfunden ist. Auch dieses Hotel hat schon prominente Staatsgäste beherbergt, unter ihnen 1994 Hillary und Bill Clinton.

Noch ein Tipp

Adenauers Dienstwagen und vieles mehr aus den Bonner Jahren können Sie heute im Bonner Haus der Geschichte sehen.

Zum Abschluss

„Wenn man heute durch unsere Gegend streift, mag man vieles für selbstverständlich halten ..  Doch das ist nicht selbstverständlich, das sehen wir jeden Tag in den Nachrichten.“

Das steht seit langem am Anfang dieses Kapitels. Heute möchte ich hinzufügen: „das erleben wir zunehmend im eigenen Land, in erschreckender Weise.“ Die „große Politik“ erreicht viele Menschen nicht mehr. Das macht es leichter für Hassprediger und Populisten. Wir erleben, wie der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft schwindet, ebenso der zwischen den Staaten. Katastrophen bringen uns für kurze Zeit wieder näher, dann siegen wieder eigene, oft genug kurzfristige Interessen.

Doch es ist unser Land, unser Leben, das wir gestalten. Überlassen wir es nicht den Egoisten und Hasspredigern!

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