Burg Drachenfels

Burg Drachenfels, Wappen der Drachenfelser

Der Berg und die Burg tragen denselben Namen, das ist ein bisschen verwirrend. Auf dieser Seite im Kapitel „Burgen“ geht es um die mittelalterliche Burg Drachenfels und ihre wechselvolle Geschichte.

Rheinland, um 1167. Im Bonner St. Cassius-Stift konnten die Leute um Propst Gerhard von Are zufrieden sein. Fast stand ihre neue Burg Drachenfels. Es war eine Gipfelburg, gut geschützt durch ihre Lage. Angreifer konnten kaum schweres Belagerungsgerät heraufbringen; zudem waren sie Brandpfeilen, Steinen und Pechnasen ausgesetzt. Für den Bergfried hatte man Buckelquader aus Trachyt verwendet (der Bergfried ist verlässlich auf kurz vor 1149 datiert).

Propst Gerhard und das Bonner St. Cassius-Stift waren nicht von Anfang an Bauherren am Drachenfels gewesen, das war um 1140 Erzbischof Arnold I. von Merxheim (EB 1137-1151). Doch seine Männer plünderten in den Dörfern der Umgebung und zerstörten Felder und Weinberge. Besonders schlimm traf es das Bonner St. Cassius-Stift, deshalb bat Propst Gerhard von Are den Erzbischof immer wieder dringend, ihm die Burg zu übertragen. Doch erst als der selbst in arge Bedrängnis kam, gab er nach. 1149 übertrug er die Burg an das St. Cassiusstift. Kein geringerer als Papst Viktor bestätigte Propst Gerhard 1162 den Kauf, mit ausgesprochen freundlichen Worten. 1167 folgte eine Bestätigung durch Rainald von Dassel, Barbarossas Reichkanzler und Kölner Erzbischof.   

Propst Gerhard von Are war ein bedeutender Mann im Bonner Raum, und ihm verdanken wir den Ausbau des Bonner Münsters. Durch seine engen Beziehung zum Papst wurde vieles in seinem Sinne geregelt. Die Bonner Propstei war ein besonders renommiertes Amt.

Nun hatten die Kölner Erzbischöfe eine noch stärkere Präsenz am Südrand ihres Gebietes.  Seit über 30 Jahren standen schon Burg Wolkenburg ganz in der Nähe und drüben auf der linken Rheinseite Burg Rolandseck.

Die Burggrafen

Die Verwaltung der Burg übertrug das St. Cassius-Stift Dienstleuten, den Ministerialen. Diese Personengruppe treffen wir seit Barbarossas Zeit im Stauferreich an, sie übernahmen Verwaltungsaufgaben und leisteten ebenso Kriegsdienst.  Auf dem Drachenfels ist als erster Godart genannt, der Zusatz „vom Drachenfels“ bezeichnet den Dienstort.

Doch diese Regelung verschlang eine Menge Geld. Um 1200 übertrug das St. Cassius-Stiftung die Burg ihren Ministerialen  zu Lehen, gegen einen Anteil der Einkünfte. Um 1225 ist als erster Burggraf Heinrich vom Drachenfels verzeichnet. Anders als etwa ein Landgraf gehörten sie zum niederen Adel.

Es gab auch einen Kaplan auf der Burg, und eine Kapelle entstand.  Man weihte sie später St. Urbanus, dem Schutzpatron der Winzer. Ein Mess-buch, das „Drachenfelser Missale“, ist erhalten geblieben.

Steine vom Drachenfels für den Kölner Dom

1248 hatte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für den neuen, gotischen Kölner Dom gelangt. Damit brachen für die Burggrafen von Drachenfels gute Zeiten an, denn für den Dombau war Trachyt vom Drachenfels der ideale Stein. Burggraf Gottfried und das Kölner Domkapitel schlossen 1273 einen Vertrag über den Abbau von Trachyt. In den folgenden Jahren wurde er mehrfach verlängert und sicherte den Burggrafen bald ein beträchtliches Vermögen.

Die Niederlage von Worringen

Doch politisch brachen bald schwere Zeit an. Als Lehnleute des Kölner Erzbischof waren Burggraf Heinrich vom Drachenfels und sein Bruder in die Schlacht von Worringen im Juni 1288 gezogen. In der bluten Schlacht waren sie unterlagen, in die Gefangenschaft des Herzogs von Berg geraten und hatten ihm den Lehnseid schwören müssen. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis die Folgen der Niederlage einigermaßen überwunden waren.

Burgruine Drachenfels

Godart, VI. Burggraf vom Drachenfels

Im Spätmittelalter, zur Zeit der Luxemburger, treffen wir den wohl berühmtesten Burggrafen vom Drachenfels, Godart, hatte mit dem Drachenfelser Trachyt ein Vermögen gemacht. Eine Anekdote besagt, dass er einen prächtigen Ring mit einem ganz besonderen Stein trug – einem Stück Trachyt vom Drachenfels! Bereits zum Ende des 14. Jahrhunderts gehörten weite Gebiete auf der linken Rheinseite um Ober- und Niederbachem und Berkum zu seinem Herrschaftsgebiet, dem „Drachenfelser Ländchen“.

Der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers war so tief bei ihm verschuldet, dass er ihm 1425 Amt und Burg Wolkenburg verpfändete – Godart vom Drachenfels war quasi Landesherr!

Familiendrama am Drachenfels

Im ausgehenden Spätmittelalter schwelte in der Familie der Burggrafen schwelte ein Konflikt. Heinrich, der neunte Burggraf, war ein jüngerer Sohn; er war 1457 nur bis zur Volljährigkeit der Kinder seines früh verstorbenen älteren Bruders belehnt worden. Doch inzwischen waren diese Kinder, Claus und seine Geschwister, volljährig. Am 11.5.1470 kam es zu einem Vergleich über das Erbe: Claus und seine Geschwister sollten den Drachenfels erhalten, Heinrich andere Güter der Familie. Doch diese Regelung wurde zu Lebzeiten der beiden nicht umgesetzt.

Jahren der Wirren folgten. Der Heinrich, der neunte Burggraf, starb kurz darauf. Claus war in zahlreiche Fehden verwickelt und ging außer Landes.

Heinrichs Sohn, ebenfalls Heinrich, und Claus, beide sahen sich als zehnter Burggraf vom Drachenfels. Als Claus 1493 nach längerer Abwesenheit zurückkehrte und Einlass verlangte, kam es zum Streit – kurz darauf war Claus tot. Am vermutlichen Tatort vor der Nibelungenhalle steht heute ein Kreuz.

Über den Tathergang gibt es verschiedene Darstellungen. Es heißt, Heinrich habe mit seinen Knechten seinen Vetter niedergeknüppelt. Andere Darstellungen rechtfertigen zwar die Tat nicht, zeichnen aber ein schlechtes Bild von Claus.

Heinrich, der letzte Drachenfelser

Schließlich zog der Kölner Erzbischof Hermann von Hessen zu einer Strafexpedition gegen Heinrich, den Täter, und seine Brüder, denen er Mittäterschaft vorwarft. Heinrich floh außer Landes, seine Brüder Johann und Godart kapitulierten schließlich. Das anschließende Verfahren durch das Domkapitel zog sich über Jahre hin, obwohl sich sogar Kaiser Maximilian für die Brüder einsetzte. Erst 1508 bekamen sie die Burgen Drachenfels und Wolkenburg zurück.

Auch Heinrich vom Drachenfels wurde schließlich 1510 von Erzbischof Philipp II. von Daun (EB 1508-1515) begnadigt und kehrte zurück. Gemeinsam mit seinen Brüdern Johann und Godart war er Amtmann des Amtes Wolkenburg, doch der Drachenfels bliebt ihm noch verwehrt.

Jahrzehntelange Rechtstreitigkeiten folgten. 1525 wurde Heinrich vom Drachenfels endlich als Besitzer einer Hälfte des Drachenfelses vom Kölner Erzbischof anerkannt und wieder als Burggraf eingesetzt. Die andere Hälfte gehörte Dietrich von Mirelaer Herr zu Millendonk. Doch Heinrich drohte ein neuer Erbstreit mit der Familie Waldbott von Bassenheim, in die Apollonia vom Drachenfels eingeheiratet hatte. Ihre Söhne waren die nächsten Erben nach Claus vom Drachenfels, den Heinrich 1495 im Streit erschlagen hatte. Man versöhnt sich, Heinrich wurde zu Sühneleistungen verurteilt, doch die Erbsache wurde nicht abschließend geregelt.

Am 3.5.1530 verstarbt Heinrich, der elfte Burggraf aus dem Geschlechts der Drachenfelser – und der letzte.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*