Drachenfels

Drachenfels, vom Ölberg

Der Drachenfels in Königswinter ist sicher der bekannteste Berg im Siebengebirge. Er hat schon Dichter wie Heinrich Heine und Lord Byron inspiriert, und heute zieht er Jahr für Jahr unzählige Besucher an. 

Wenn man eine Bootstour auf dem Rhein macht oder im Zug zwischen Köln und Frankfurt unterwegs ist, hat man bei Bonn-Bad Godesberg auf der linken bzw. Bad Honnef und Königswinter auf der rechten Rheinseite einen wundervollen Blick auf den Drachenfels und das Siebengebirge. Für viele Menschen aus unserer Region ist er ein Stück Zuhause.

Blick vom Drachenfels auf den Rhein und Nonnenwerth
Blick vom Drachenfels auf den Rhein und Nonnenwerth

Hinauf zum Drachenfels

Der steile Anstieg hat es schon in sich, doch der Weg durch das Nachtigallental in Königswinter, den Eselsweg hinauf oder  von Rhöndorf aus durch den „wilden Wald“ sind ein besonderes Erlebnis. Von der Bushaltestelle Wintermühlenhof führt ein asphaltierter Weg an der Hirschburg vorbei hinauf.

Natürlich kann man auch mit der historischen Zahnradbahn hinauffahren. 1883 fuhr die erste Zahnradbahn auf dem Drachenfels, sie hatte eine Dampflok und war die erste Zahnradbahn in Deutschland überhaupt. 1953 wurde sie auf elektrischen Betrieb umgestellt und fährt heute noch. Mehr über die Drachenfelsbahn bei Drachenfelsbahn Königswinter.

Vom Drachenfelsplateau geht es noch ein Stück steil hinauf zur Ruine der mittelalterlichen Burg. Von hier oben hat man einen atemberaubenden Blick auf das Rheintal, an guten Tagen bis nach Köln. Manchmal fällt es dann schwer, sich das Leben im Mittelalter auf Burg Drachenfels vorzustellen.

Auf halber Höhe steht die Drachenburg. Hier hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts Baron Sarter aus Bonn einen Traum erfüllt. Die Stil heißt Historismus – ein Stil, der sich historischer Formen bediente, sie dabei aber überzieht und mischt. In der Vorburg befindet sich heute das Museum zur Geschichte des Naturschutzes.

Eine bewegte Geschichte

Über so viel Rhein-Romantik mag man vergessen, dass der Drachenfels eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

Römische Steinbrüche

Schon die Römer haben hier Steine gebrochen, sie den Berg hinab rutschen lassen und in ihrer kleinen Verladestation am südlichen Ende des heutigen Königswinters auf Schiffe gebracht. Heimatforscher und Experten streiten, ob es nicht doch ein kleiner römischer Hafen war. Wie dem auch immer gewesen sein mag -in Bonn und Köln, ja sogar in Xanten und Nimwegen wurde mit Trachyt vom Drachenfels gebaut.

Um die römischen Steinbrüche am Drachenfels geht es in der Geschichte „Leben an der Rheingrenze – eine römisch-ubische Familie am Rhein“ (mit eigener Subdomain).

Burg Drachenfels

Ganz in der Nähe finden Sie die Nibelungenhalle, das Honighäuschen mit dem Schaubienenstand und das Lemmersbad. Und was wäre der Drachenfels ohne seine Esel?  Heute dürfen sie zum Glück nur noch Kinder auf ihrem Rücken tragen.

Die Burg entstand 1147 als Feste der Kölner Erzbischöfe an der Südgrenze ihres Territoriums. Es war eine Gipfelburg, gut geschützt durch ihre Lage. Zudem konnten Feinde kaum schweres Belagerungsgerät hinauf schaffen, und mussten mit Brandpfeilen und Pechnasen rechnen.

Das Mittelalter hindurch ging kam es in unserer Region immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen, und auch die Drachenfelser Burggrafen durchlebten Höhen und Tiefen. 1530 verstarb Heinrich, der letzte Drachenfelser.

Mehr über Burg Drachenfels und die Drachenfelser Burggrafen Sie im Kapitel Burgruinen im Beitrag Burg Drachenfels.

Steine für den Kölner Dom

Im Spätmittelalter ging der Steinbruch weiter, große Teile des Kölner Doms wurden mit Trachyt vom Drachenfels gebaut; die Burggrafen wurden darüber im wahrsten Sinne steinreich. Doch der Dom wurde und wurde nicht fertig. Über Jahrhunderte war der unvollendete Dom fast das Wahrzeichen von Köln.

Truchsessischer Krieg

Die frühe Neuzeit ist auch die Zeit der Glaubensspaltung.  In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war sie weniger von den Ideen Martin Luthers, als vielmehr von denen Jean Calvins und des Täufertums geprägt. Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 konnte ein katholischer geistlicher Würdenträger, z.B ein Erzbischof, selbst durchaus Protestant werden kann – sein erzbischöflicher Besitz aber musste bei der katholischen Kirche verbleiben.

In Köln sagte sich Erzbischof Gebhard I. Truchsess von Waldburg 1582 von der katholischen Kirche los, verkündete Glaubensfreiheit und heiratete eine Protestantin. Seinen erzbischöflichen Besitz aber gab er nicht zurück. Das Domkapitel wählte einen Gegen-Erzbischof. Beide Seiten machten mobil, es kam zum Krieg, fremde Truppen kamen ins Land. Im Truchsessischen Krieg (1583-1588) wurde Königswinter besetzt, gebrandschatzt und dann durch die bayrischen Truppen, die vom Drachenfels über den Feind kamen, entsetzt.

Dreißigjähriger Krieg

Zwischen 1618-48 tobte der Dreißigjährige Krieg über weite Teile Europas. 1638 eroberten protestantische schwedische Truppen den Drachenfels und schleiften die Außenwerke. Kurz darauf wurden sie von den Spaniern, katholische Verbündeten des Erzbistums Köln, vertrieben.
Dennoch ließ der Erzbischof wenig später die Burgruine abreißen. Eine Instandsetzung wäre viel zu teuer gewesen und wohl auch sinnlos gegen Kanonen und Feuerwaffen, zudem war die halbzerstörte Burg war ein guter Schlupfwinkel für Feinde und Gesetzesbrecher.

Die folgenden Jahrzehnte müssen schwer gewesen sein. Eine Pestwelle nach dem Dreißigjährigen Krieg brachte noch mehr Leid. Dann zwang Ludwig XIV. von Frankreich seinen Nachbarn immer wieder Kriege auf. 1689 steckte seine Soldateska Königswinter und Rhöndorf in Brand. Anfang des 18. Jahrhunderts brach der nächste Krieg aus.

Die Romantik entdeckt den Rhein

Machen wir einen gewaltigen Sprung zum Anfang des 19. Jahrhunderts, Nach dem Sieg über Napoleon, dem ende jahrzehntelanger Kriege, konnte man wieder reisen. Vor allem britische Reisende entdeckten das Rheintal. 1816 widmete Lord Byron dem Drachenfels ein Gedicht, „der turmgekrönte Drachenfels“, the castled crag of Drachenfels. Die Romantiker unter den Dichtern und Malern liebten das enge Mittelrheintal mit den zahlreichen Burgruinen.

Aber nicht nur sie, auch Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen kam. Zweimal war er in jenen Jahren am Drachenfels, 1815 und 1817. Das sollte sich als Glücksfall erweisen.

Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., Drachenfels
Rheinprovinz, Kronprinz Friedrich Wilhelm IV am Drachenfels

Die „Ärm Familich“ aus Preußen und der Drachenfels

„Jesses, Maria, Josef! Do hirohde mer in en ärm Famillich!“ – hatte der Kölner Bankier Schaaffhausen die Entscheidung des Wiener Kongresses kommentiert, das Rheinland an Preußen zu geben.  Und doch bewilligte die „ärm Famillich“ später 10.000 Taler für die Erhaltung des Drachenfelses.

Wiedereröffnung der Steinbrüche

Dann 1823 begannen Reparaturarbeiten am Kölner Dom, und die Dombauhütte wollte Trachyt wollte vom Drachenfels haben. Die Königswinterer Steinhauer, zusammengeschlossen in der Steinhauer-Gewerkschaft, wollten sofort mit der Dombauhütte ins Geschäft kommen,  doch die Bergkuppe mit den Steinbrüchen war Eigentum des damaligen Königswinterer Bürgermeister Schaefer. Der sah die Gefahr für die Ruine und das Landsturmdenkmal und wandte sich an die preußische Regierung in Köln. Er schilderte er die Interessen der Steinhauer auf der einen und die der Öffentlichkeit auf der anderen Seite und bot die Kuppe der preußischen Regierung zum Kauf an. Doch das Verfahren zog sich über ein Jahr hin, und schließlich verkaufte Schaefer doch an die Steinhauer-Gewerkschaft. Wenig später wurden die Steinbrüche wiedereröffnet.

Viele Menschen waren besorgt, denn längst hatten die Schäden durch den Steinbruch bedrohliche Formen angenommen, ein Teil der Außenmauern war eingestürzt.  Sie fürchteten um die Sicherheit der Arbeiter in den Weinbergen, der Wanderer und überhaupt der umliegenden Gebiete. Dazu kam die Sorge um den Erhalt der Ruine.

Dem Kronprinzen liegt am Drachenfels

Der Drachenfels Hilfe von prominenter Stelle. Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., der schon zweimal am Drachenfels gewesen war, hatte in einer Zeitung von der Wiedereröffnung der Steinbrüche gelesen und sofort gehandelt: Sein Hofmarschall schrieb dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz, dass dem Kronprinzen und der ganzen königlichen Familie sehr viel am Erhalt der Ruine läge. Wenig später schrieb auch Prinz Friedrich von Preußen an den Oberpräsidenten.

Am 4. Mai 1828 wurden die Steinbrüche auf dem Drachenfels auf Anweisung der Königlichen Regierung in Köln die vorläufig geschlossen, vor allem wegen der Gefährdung der Menschen und Gebiete unterhalb der Ruine.

Dennoch wurden weiter Steine gebrochen. Dann stürzte im Mai 1828 der Nordgiebel der einstigen Burgkapelle ab. Die Auseinandersetzungen wurden immer heftiger, sie wurden vor Behörden und Gerichten, aber auch in den Zeitungen ausgetragen.

König Friedrich Wilhelm III. muss entscheiden

Es kam zu einem jahrelangen, erbittert geführten Rechtsstreit zwischen der Königswinterer Steinbrechergewerkschaft, engagierten Bürgern und den preußischen Behörden, der schließlich auf den Schreibtisch König Friedrich Wilhelms III. gelangte.

Am 23. Mai 1829 erließ er eine Kabinettsorder: Der preußische Staat sollte das Eigentum am Drachenfels mit seiner Ruine erwerben, dazu sollten Kaufverhandlungen mit der Steinhauer-Gewerkschaft geführt werden, wofür er 10.000 Taler bewilligte. Sollten die Verhandlungen zu keiner Einigung führen, würde das Enteignungsverfahren nach geltendem Recht eingeleitet. Im selben Jahr verfügte das preußische Innenministerium die Einstellung aller Steinbrucharbeiten.

Tatsächlich scheiterten die Verhandlungen, daraufhin ordnete der König 1830 die Durchführung des Enteignungsverfahrens an. Am 15. März 1831 erklärte das Landgericht Köln die preußische Regierung zur Eigentümerin der Bergkuppe des Drachenfelses. Noch fünf Jahre zog sich der erbittert geführte Rechtsstreit hin, dann 1836 kaufte die preußische Regierung den oberen Teil des Drachenfelses mit der Ruine, und er kam unter Denkmalschutz.

Märchen vom Drachenfels im Siebengebirge

Nun muss ich doch Siegfried den Drachentöter erwähnen, obwohl ich ihn nicht mag. Der Legende tötete Siegfried von Xanten, der Held der Nibelungen-Sage, einen Drachen, der in einer Höhle auf dem Drachenfels lebte. Danach versteckte er den zuvor erbeuteten Nibelungenschatz für eine Weile in dessen Höhle. Später holte er ihn und schenkte ihn seiner Frau Kriemhild zur Hochzeit. Doch Glück brachte er ihm nicht: Bald gab es nur noch Hass und einen Kampf, der viele das Leben kostete – Siegfried selbst wurde ermordet. Schon für den mittelalterlichen Autoren war das schlimme Ende der Nibelungen nur folgerichtig, denn sie hatten ritterliche Tugenden vermissen lassen.

Heute der Drache vom Drachenfels selbst Gelegenheit, seine Sicht der Siegfried-Sage zu erzählen. Wenn Sie einmal oben auf dem Drachenfels sind, besuchen Sie ihn doch einmal selbst.

Um diesen Berg mit seinen Höhlen, der Burg und dem Ausblick auf den Rhein ranken sich seit jeher viele Geschichten. Das lässt schon der Name vermuten. Zunächst die Drachensagen:  Die Drachendame vom Drachenfels, Weihnachten auf dem Drachenfels und die traditionelle Sage Der fiese Drache. Max Franz von Habsburg, der letzte Kölner Erzbischof vor der Franzosenzeit, hat einmal auf dem Drachenfels ein ländliches Fest gefeiert. Darum geht es in der Geschichte Katzen lieben Mozart.

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