Steinbrüche im Siebengebirge

Rhein, Königswinter und Siebengebirge um 1900
Rhein, Königswinter und Siebengebirge um 1900

Über Jahrhunderte wurden im Siebengebirge Trachyt, Latit und Basalt abgebaut, alles vulkanisches Gestein. Die Steinbrüche hätten unsere Region fast zerstört.

Vom Stenzelberg heute ein aufgelassener Steinbruch, ist kaum etwas geblieben. Ganz ähnlich ist es am Weilberg, auch hier gibt es einen stillgelegter Steinbruch, der zugleich ein Naturdenkmal ist.

Trachyt vom Drachenfels

Römisches Steinbrüche

Schon die Römer haben hier Steine gebrochen, sie den Berg hinab rutschen lassen und in ihrer kleinen Verladestation am südlichen Ende des heutigen Königswinters auf Schiffe gebracht. Heimatforscher und Experten streiten, ob es nicht doch ein kleiner römischer Hafen war. Wie dem auch immer gewesen sein mag -in Bonn und Köln, ja sogar in Xanten und Nimwegen wurde mit Trachyt vom Drachenfels gebaut.

Rüdenet, römische Steinbrüche am Drachenfels
Rüdenet, römische Steinbrüche am Drachenfels

Steine für den Kölner Dom

Im Spätmittelalter wurden große Teile des Kölner Doms mit Trachyt vom Drachenfels gebaut. Die Burggrafen wurden reich, doch der Dom wurde und wurde nicht fertig. 

Rhein, Siebengebirge und Kölner Dom
Rhein, Siebengebirge und Kölner Dom

Wiedereröffnung der Steinbrüche

Dann 1823 begannen Reparaturarbeiten am Kölner Dom, und die Dombauhütte wollte Trachyt wollte vom Drachenfels haben. Die Königswinterer Steinhauer, zusammengeschlossen in der Steinhauer-Gewerkschaft, wollten sofort mit der Dombauhütte ins Geschäft kommen,  doch die Bergkuppe mit den Steinbrüchen war Eigentum des damaligen Königswinterer Bürgermeister Schaefer. Der sah die Gefahr für die Ruine und das Landsturmdenkmal und wandte sich an die preußische Regierung in Köln. Er schilderte er die Interessen der Steinhauer auf der einen und die der Öffentlichkeit auf der anderen Seite und bot die Kuppe der preußischen Regierung zum Kauf an. Doch das Verfahren zog sich über ein Jahr hin, und schließlich verkaufte Schaefer doch an die Steinhauer-Gewerkschaft. Wenig später wurden die Steinbrüche wiedereröffnet.

Viele Menschen waren besorgt, denn längst hatten die Schäden durch den Steinbruch bedrohliche Formen angenommen, ein Teil der Außenmauern war eingestürzt.  Sie fürchteten um die Sicherheit der Arbeiter in den Weinbergen, der Wanderer und überhaupt der umliegenden Gebiete. Dazu kam die Sorge um den Erhalt der Ruine.

Rheinprovinz, Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., Drachenfels
Rheinprovinz, Kronprinz Friedrich Wilhelm IV am Drachenfels

Dem Kronprinzen liegt am Drachenfels

Der Drachenfels Hilfe von prominenter Stelle. Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., der schon zweimal am Drachenfels gewesen war, hatte in einer Zeitung von der Wiedereröffnung der Steinbrüche gelesen und sofort gehandelt: Sein Hofmarschall schrieb dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz, dass dem Kronprinzen und der ganzen königlichen Familie sehr viel am Erhalt der Ruine läge. Wenig später schrieb auch Prinz Friedrich von Preußen an den Oberpräsidenten.

Am 4. Mai 1828 wurden die Steinbrüche auf dem Drachenfels auf Anweisung der Königlichen Regierung in Köln die vorläufig geschlossen, vor allem wegen der Gefährdung der Menschen und Gebiete unterhalb der Ruine.

Dennoch wurden weiter Steine gebrochen. Dann stürzte im Mai 1828 der Nordgiebel der einstigen Burgkapelle ab. Die Auseinandersetzungen wurden immer heftiger, sie wurden vor Behörden und Gerichten, aber auch in den Zeitungen ausgetragen.

König Friedrich Wilhelm III. muss entscheiden

Es kam zu einem jahrelangen, erbittert geführten Rechtsstreit zwischen der Königswinterer Steinbrechergewerkschaft, engagierten Bürgern und den preußischen Behörden, der schließlich auf den Schreibtisch König Friedrich Wilhelms III. gelangte.

Am 23. Mai 1829 erließ er eine Kabinettsorder: Der preußische Staat sollte das Eigentum am Drachenfels mit seiner Ruine erwerben, dazu sollten Kaufverhandlungen mit der Steinhauer-Gewerkschaft geführt werden, wofür er 10.000 Taler bewilligte. Sollten die Verhandlungen zu keiner Einigung führen, würde das Enteignungsverfahren nach geltendem Recht eingeleitet. Im selben Jahr verfügte das preußische Innenministerium die Einstellung aller Steinbrucharbeiten.

Tatsächlich scheiterten die Verhandlungen, daraufhin ordnete der König 1830 die Durchführung des Enteignungsverfahrens an. Am 15. März 1831 erklärte das Landgericht Köln die preußische Regierung zur Eigentümerin der Bergkuppe des Drachenfelses. Noch fünf Jahre zog sich der erbittert geführte Rechtsstreit hin, dann 1836 kaufte die preußische Regierung den oberen Teil des Drachenfelses mit der Ruine, und er kam unter Denkmalschutz.

Kloster Heisterbach
Kloster Heisterbach

Latit vom Stenzelberg und der Wolkenburg

Als im Hochmittelalter die Mönche von Kloster Heisterbach an den Bau ihrer Abteikirche gingen, bauten sie am nahegelegenen Stenzelberg Latit ab.

In der frühen Neuzeit hat man auch die Wolkenburg als Steinbruch gebraucht. Die Burg war längst verfallen, und der feine Latit eignete sich gut für die Fronten vornehmer Bauten, und anspruchsvolle Steinmetze des Barocks und anschließenden Rokokos nahmen ihn gerne. Bei zahlreichen ganz feinen Adressen im kurfürstlichen Bonner Raum wurde Latit von der Wolkenburg verwendet, u.a. beim Rathaus, Poppelsdorfer Schloss, und in Brühl bei Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust. Wenn Sie durch Königswinter streifen, finden Sie Latit von der Wolkenburg verbaut beim Siebengebirgsmuseum Königswinter, Haus Rebstock in der Hauptstraße, der Pfarrkirche St. Remigius und beim Weinbrunnen vor dem Rathaus, Drachenfelsstraße.

Viele der Wegekreuze entlang des Petersberger Bittwegs sind aus Latit. Einige ältere Kreuze haben einen Sockel aus Trachyt.

1 Kommentar

  1. Mein Urgroßvater,Johann Wittling, geb. am 29.09.1823 in Heisterbacherrott, von Beruf Steinhauer,heiratete meine Urgroßmutter am 04.11.1855 in Merkstein-Worm, heute Herzogenrath.Im Rahmen meiner Ahnenforschung interessierte mich die Frage: Warum und unter welchen Umständen mein Urgroßvater von Heisterbacherrrott nach Merkstein kam? Die Frage kann mir heute niemand mehr beantworten, denn aus der Generation meines Vaters, der darüber evtl. etwas hätte wissen können, lebt niemand mehr.Mein Urgroßvater arbeitete in den nehegelegenen Nievelsteiner Sandwerken und verunglückte dort am 22.05.1868 tödlich.
    Nun bin ich, mehr durch Zufall, auf diese Seite aufmerksam geworden und lese, dass die Steinbrucharbeiten am Stenzelberg im Jahre 1931 eingestellt wurden. Mithin kann ein Verlust der Arbeitsstelle nicht der Grund für den Wohnortwechsel meines Urgroßvaters gewesen sein.

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