Drachen und Löwen auf der Burg?

Drachenfels, Löwenburg – diese Namen klingen schon märchenhaft. Auf dem Wappen der Burggrafen vom Drachenfels sehen wir einen nach rechts schauenden silbernen Drachen auf rotem Grund. Die älteren Grafen von Sayn, Herren der Löwenbur, hatten tatsächlich einen Löwen in ihrem Wappen. Wo kommt das her?

Drachen und Drachenlegenden waren im Mittelalter sehr präsent. Es gibt ein schönes Büchlein über Caesarius von Heisterbach und seinen Drachenfreund Schandor. Sie treffen sich seit vielen vielen Jahren in Vollmondnächten in der Klosterruine Heisterbach und erzählen sich Geschichten, und zwar sehr schöne. Drache Schandor wird sehr alt, Caesarius ist längst ein Geist.

Drachen im Mittelalter

Drachen bedrohen die Menschen

Dass ein Mensch auf einen Drachen stößt, war so ungewöhnlich nicht. Der mittelalterliche Mensch hatte wohl selbst noch keinen Drachen gesehen, schloss aber nicht aus, dass es sie irgendwo anders auf der Welt gibt. Ungewöhnlich ist, dass sie freundschaftlich miteinander umgehen, denn der Drache stand für alles erdenklich Üble, das die Menschen bedrohte, gar als Verkörperung des Teufels. Der wirkliche Caesarius wird das mitbekommen haben. Zu seiner Zeit hatte der Drache in der „wirklichen Welt“ schlechte Karten.

St. Georg, der Drachenkämpfer

Die frommen Menschen verehrten den Drachenkämpfer, den Heiligen Georg. In Köln stand seit gut 150 Jahren die romanische Kirche St. Georg, und auch die Benediktinermönche im nahen Siegburg verehrten in sehr. Zur Zeit der Kreuzzüge kam die Legende vom Drachenkämpfer hinzu, der einst im fernen Libyen einen Drachen getötet, die als Opfer gedachte Königstochter gerettet und eine ganze Stadt befreit hatte. Daraufhin hatten sich alle dort taufen lassen.

Da hatte der christliche Ritter also das Böse schlechthin besiegt. Nun wurde Georg ein Kriegerheiliger und Schutzpatron der Kreuzfahrer, und diese trugen seinen Namen in ihre europäische Heimat. Als König Richard I. Löwenherz im Heiligen Land war, übernahm er das Georgkreuz, es wurde Englands Flagge und Georg wurde Landespatron Englands.

Wappentier Drache

Doch war man sich auch der Kraft, der Stärke und des „Drohpotentials“ des Drachen bewusst, mithin stand er für Wachsamkeit, Klugheit und Stärke. Deshalb findet man Drachen auf Feldzeichen, Wappen und Schilden. Drachen-Feldzeichen kennen wir von den Römern seit der Kaiserzeit, aus unserer Region haben wir die Drachenstandarte aus Niederbieber.

Im Europa des Mittelalters finden wir Drachen an prominenter Stelle nur in England. Kein geringerer als König Artus trug einen roten Drachen auf seinem Waffenrock. Sein königlicher Vater Uther Pendragon führteden Drachen in seinem Namen. Da wundert es nicht, dass wir auch bei Otto IV. wieder auf den Drachen stoßen, er hatte Adler und Drachen als Feldzeichen. Bei ihm führt die Spur ja auch zu seiner Familie mütterlicherseits, den anglonormannischen Plantagenets, die sich als in der Nachfolge Artus‘ stehend sahen.

Burg Drachenfels

Was hat nun die Burggrafen vom Drachenfels bewogen, einen Drachen in ihrem Wappen zu führen? Leider wissen wir nicht so sehr viel von ihnen aus dem Hochmittelalter, als Ritter traten sie damals nicht in Erscheinung. Die frühesten erhaltenen Urkunden stammen vom Beginn des 12. Jahrhunderts, dort ist die Rede vom Drachinfels, Trachefelz oder, etwas pathetisch im mittelalterlichen Latein, der „Mons Draconis“. Es liegt nah, dass die neu eingesetzten Burggrafen den Namen des Bergs für ihre Burg übernommen haben.

Sehr viel später, zur Zeit der Luxemburger, treffen wir Burggraf Godart vom Drachenfels. Der lebte längst schon nicht mehr oben auf dem Drachenfels, sondern in einer bequemen und beheizbaren Wohnung in Königswinter. Dazu gehörten ihm weite Gebiete auf der linken Rheinseite, das Drachenfelser Ländchen. Die Stadt Wachtberg führt noch heute einen prächtigen Drachen in ihrem Wappen.

Schauplatz eines Drachenkampfes?

Da uns geschichtliche Daten aus dem ersten Jahrtausend ganz fehlen, bleibt nur, Vermutungen anzustellen. Vielleicht geht der Name zurück auf Legenden. Da ist die Sage von der christlichen Jungfrau, die dem Drachen oben auf dem Drachen geopfert werden sollte.

Und dann natürlich die Sage von Siegfried, dem Drachentöter. In der Nibelungenhalle können Sie eine Nachbildung von Fafnir sehen, dem Drachen, den Siegfried der Legende nach hier am Drachenfels erschlagen hat. Doch das Nibelungenlied selbst sagt nur wenig über den Drachenkampf, und das auch nur indirekt. Da sieht Hagen in Siegfried einen Rivalen und warnt vor ihm, denn Siegfried sei Held und Drachentöter Die Ortsbeschreibungen sind bis auf Xanten und Worms vage. Der Weg von Xanten nach Worms führt am Drachenfels vorbei, doch im Text gibt es keinen Hinweis auf ihn.

Eine andere Herleitung stammt von Trachyt, also Trachytfelsen. Der Begriff wurde freilich erst 1813 von einem französischen Mineralogen eingeführt.

Löwen im Mittelalter

Löwenburg

Löwenburg, das schwingt noch das mittelhochdeutsche Wort lewe mit, der Löwe. Und tatsächlich führten die älteren Grafen von Sayn einen Löwen in ihrem Wappen. Wahrscheinlich haben sie damals, in einer Zeit der Wirren, den Berg und ihre Burg nach ihrem Wappentier benannt. Die Löwenburg war eine Grenzfeste, und so waren die Burg und ihr Name wohl auch eine Warnung an die territorialen Nachbarn.

Wappentier Löwe

Der Löwe ist ein sehr beliebtes Wappentier. Er symbolisiert Mut, gewaltige Stärke und Königlichkeit, denn er gilt als König der Tiere. Da wundert nicht, dass viele kleine und große Herren einen Löwen in ihrem Wappen haben.

In der Wappenkunde ist Löwe aber nicht gleich Löwe. Wenn er auf vier Beinen schreitet und den Blick zum Beschauer richtet, dann spricht die Wappenkunde von einem Leoparden. Drei goldene schreitende Löwen auf rotem Grund, da haben wir das Wappen von Richard I. Löwenherz, das englisches Wappen wurde. Und das halbe Wappen Ottos IV.

Auch die Staufer haben ihre Löwen. Die Stauferlöwen, drei nach rechts schreitende schwarzen Löwen mit roten Zungen auf goldenem Grund, finden wir heute im Staatswappen von Baden-Württemberg. Hessen und Thüringen haben einen bunten Löwen als Wappentiere, und im bayrischen Staatswappen taucht der Löwe gleich mehrfach auf.

Der bergische Löwe

Steht er auf den Hinterpfoten und hat die Vorderpfoten in der Luft, spricht man von einem Löwen. Einen echten Wappenlöwen haben wir heute noch, den bergischen Löwen. Er ist das Wappentier des ehemaligen Herzogtums Berg. Ganz genau ist es ein Limburgischer Löwe, den Heinrich IV. von Limburg in das Bergische Wappen einfügte, als er 1225 Herzog von Berg wurde. Aufrecht gehend prangt er neben dem Kreuz des Kölner Erzbistums auf dem Wappen von Königswinter.

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