Die Zeit der Luxemburger

Löwenburg, Hauen und Stechen

Die Luxemburger, das sind Karl IV. und seine Nachfolger in Prag. In unserer Region ging der Dauerstreit zwischen Köln und Berg weiter, über Jahrzehnte gibt es Hauen und Stechen unter den Herren vom Siebengebirge.

Karl IV.

Karl IV. (1346-78) gilt als der bedeutendste Kaiser des Spätmittelalters, liest man oft. Mit seinem Namen verbunden ist die „Goldene Stadt“ Prag, seine Hauptstadt mit der Karls-Universität von 1348, der ersten deutschsprachigen Universität im Reich, der Karlsbrücke über die Moldau, dem gotischen St. Veitsdom und der Burg Karlštejn.

Das wohl wichtigste Gesetz aus Karls Regierungszeit ist die Goldene Bulle von 1356. Sie bestätigte die herausragende Stellung der Kurfürsten im Reich, gab ihnen die volle Gerichts- und Landeshoheit und sicherte ihnen zu, dass die Kurfürstentümer „in Zukunft nicht zerteilt und nicht .. zergliedert werden dürfen“. Die Bulle galt bis zum Untergang des Reiches 1806.

Der schwarze Tod

Die Pest verbreitete sich aus dem östlichen Mittelmeerraum, vor allem entlang der Handelswege, überall in Europa bis hinauf nach Island. 1347-51 erreichte sie ihren Höhepunkt. Allein in diesen Jahren starben in Mitteleuropa etwa 25 Mio. Menschen, das waren 2/3 der Gesamtbevölkerung. Ganze Landstriche waren entvölkert. Alle Schichten waren betroffen, doch am meisten die Armen, die in den engen Städten unter schlimmen Bedingungen lebten. Die Ärzte waren hilflos, denn es gab kein Mittel gegen die Pest. So sahen die Menschen sie als eine Strafe Gottes an.

„Geißler“

Sogenannte „Geißler“ zogen mit Fahnen und Kreuzen durch die Straßen und geißelten sich selbst. Sie predigten, dass Jesus die Welt fürchterlich strafen werde, wenn die Menschen nicht Buße täten. Immer mehr Menschen schlossen sich ihnen an, denn sie hatten keine Hoffnung und kein Vertrauen mehr, weder in die weltlichen Herrscher noch in die geistlichen. Doch die Geißlerbewegung selbst wurde zur Bedrohung: Priester wurden verfolgt, ja sogar gesteinigt, und die umherziehenden Geißler selbst trugen zur Verbreitung der Pest bei.

Judenverfolgungen

Wieder richtete sich der Zorn vieler Menschen gegen die Juden. Erneut kam es zu grausamen Judenverfolgungen; an ihrer Spitze fand man oft genug die Geißler. Zudem waren die Juden auch Geldverleiher, und ihr Tod befreite manchen Schuldner. Kaiser Karl hatte davon zumindest gewusst. Dass er es duldete, verstieß auch gegen mittelalterliches Rechtsverständnis, denn die Juden standen unter dem direkten Schutz des König und zahlten dafür.

Hauen und Stechen unter den Herren vom Siebengebirge

Die Rivalitäten zwischen den Grafen von Berg und dem Erzbistum Köln dauerte an. Graf Wilhelm von Berg stand in gutem Kontakt mit Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel, und 1380 wurde er von diesem zum Herzog erhoben. Die Häuser Jülich und Berg heirateten untereinander, so entstand ein großes Herzogtum auf beiden Seiten des Rheins.

Die Wolkenburger sterben aus

Von den Grafen der Wolkenburg wissen wir nur wenig. Seit ihrer Erbauung 1118 war die Wolkenburg eine Festung des Erzbistums Köln und Sitz des Amtes Wolkenburg. In einer Urkunde von 1341 war noch einmal Burggraf Heinrich mit seinen Rechten und Pflichten als Amtmann erwähnt. Er muss einer der letzten, wenn nicht gar der letzte gewesen sein, denn 1353 starb das Geschlecht der Wolkenburger Grafen aus.

Erbstreitigkeiten um die Löwenburg

Auch um die Löwenburg wurde gestritten und gekämpft; die nächsten Jahrzehnte waren von bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt. Schließlich gewann Graf Wilhelm von Jülich-Berg 1365 die Oberhand und setzte seinen Amtmann Johann vom Stein auf der Löwenburg ein.

Eine Generation später war  es mit dem relativen Frieden wieder vorbei, das Hauen und Stechen unter den Herren vom Siebengebirge ging weiter. Johann II. von Loen „der Streitbare“ eroberte 1395 die Löwenburg für Heinsberg. Er verwüstete bergisches Gebiet, dafür eroberten die Berger 1400 die Löwenburg. In jenen Jahren wurde die Zwingermauer gebaut. Rund 40 Jahre lang war er Herr von Löwenburg. Königswinter, damals ein „kurkölnischer Flecken“, wurde um 1400 durch eine Stadtmauer befestigt.

Godart vom Drachenfels

In der späteren Zeit der Luxemburger treffen wir auf Godart, den wohl bekanntesten Drachenfelser Burggrafen. Eine Anekdote besagt, dass er einen prächtigen Ring trug – mit einem Stück Trachyt vom Drachenfels! Die „Steine für den Dom“ hatten ihn reich gemacht.

Mehr über Godart vom Drachenfels:
Die Burgherren vom Siebengebirge (2)
Burg Drachenfels

Pilgrim vom Drachenfels

In der Benediktinerabtei auf dem Siegburger Michaelsberg wirkte Pilgrim vom Drachenfels, zunächst als Scholaster (Kindermeister), dann fast 30 Jahre lang als Abt. Die Bildung seiner Schüler lag ihm so sehr am Herzen, dass er sie auf die 1388 vom Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden gegründete Universität Köln schickt.

Die Abtei lag auf bergischem Gebiet, das war keine einfache Situation für Pilgrim. Adolf von Berg, einer der Söhne Herzog Wilhelms, war rücksichtslos und Pilgrim befürchtete das Schlimmste für den Tag, an dem er die ganze Macht übernehmen würde. Deshalb sicherte er sich bewaffneten Schutz durch Johann von Loen, den Herrn der Löwenburg. Im Jahre 1403, als Johann von Loen weit weg war, überfiel Graf Adolf Siegburg. In der Not schoss man von der Abtei auf die Stadt, es gab einen riesigen Brand. Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu bewaffneten  Auseinandersetzungen zwischen den Kölner Erzbischöfen und den Herzogen von Berg.

Konzil von Konstanz

König Sigismund (1410-1437), ein Sohn Karls IV., regiert in einer schweren Zeit. Die Osmanen beherrschen weite Teile Südosteuropas. Das größte Problem aber ist die Kirchenspaltung. 1378 war der Papst nach Rom zurückgekehrt, doch die französische Geistlichkeit hatten ihn nicht anerkannt und einen Gegenpapst erhoben. Nun bannten beide Päpste sich und ihre Gefolgschaften gegenseitig, so dass viele Gläubige im Bann lebten. Für die tief religiösen Menschen des Spätmittelalters war das eine große Belastung.

Der Prager Magister Jan Hus predigte die Erneuerung der Kirche und die Einziehung des kirchlichen Besitzes. Das war auch eine politische Forderung, denn die reichsten Pfründe hatten Deutsche inne. Der Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen verschärfte sich, und 1409 verließen die deutschen Professoren und Studenten Prag.

König Sigismund lud zu einem Konzil nach Konstanz ein. Es gelang dem Konzil (1414-18), die Einheit der römischen Kirche wiederherzustellen. Die von vielen Menschen geforderte Reform der Kirche aber unterblieb. Auch Magister Jan Hus war zugegen, nachdem der Kaiser ihm freies Geleit zugesagt hatte. Doch als er bei seiner Überzeugung blieb, wurde ihm der Prozess gemacht – er wurde als Ketzer verurteilt und 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Das Hauen und Stechen geht weiter

Im Dauerstreit zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Herzog von Berg konnte König Sigismund noch vermitteln. Doch kaum hatte der amtierende Erzbischof Dietrich von Moers (EB 1414-1463) den Rücken frei, da versuchte er, die Stadt Köln wieder zu beherrschen. Die Kölner wandten sich an den König, dieser ermahnte den Erzbischof, doch der gab keine Ruhe.

Daraufhin verbündeten sich die Kölner mit Adolf von Berg und weiteren Adligen. Auch der Erzbischof suchte und fand Verbündete, unter ihnen Godart vom Drachenfels. 1419 griff man zu den Waffen; es wurde gebrandschatzt, geplündert und verwüstet, allen voran Godart vom Drachenfels. Schließlich vermittelte der Erzbischof von Trier.

Hussitenkriege

Die Verurteilung und Verbrennung von Jan Hus hatte in Böhmen einen Volksaufstand aus, es kam zum Krieg gegen die „Hussiten“, der von beiden Seiten grausam geführt wurde und weite Teile des Reiches verwüstete (1419-36). Zweimal, 1421 und 1431 nahm Erzbischof Dietrich von Moers als hochrangiger Reichsfürst an den Kreuzzügen des gegen die Hussiten teil.

Beide Feldzüge scheiterten, doch der Erzbischof lernte die Kampfesweise der Hussiten kennen. Als der Erzbischof Jahre gegen die Stadt Soest zog, holte er als Söldner ins Land.  Wieder wurden weite Gebiete über Jahre durch Raub- und Plünderungszüge beider Seiten heimgesucht. 

Feuerwaffen kommen auf

Schon zu Godarts Zeit zeichnete sich ab, dass die Zeit der Burgen und Ritter zu Ende ging. Schon in entscheidenden Schlachten des Spätmittelalters hatten gut organisierte Fußtruppen den Sieg erkämpft. So in der „Sporenschlacht“ von Kortrijk/Courtrai 1302, als flandrische Fußsoldaten das siegessichere französische Ritterheer aufrieben. Bogenschützen und eine geschickte Taktik waren in den Schlachten von Crécy und Azincourt im Hundertjährigen Krieg (1337–1453) zwischen Frankreich und England entscheidend. Die Schweizer Eidgenossen mit ihren Spießen und Hellebarden wurden gefürchtete, am Ende überlegene Gegner der alten Ritterheere.

Dazu kamen die Feuerwaffen. Auf Bildern der Belagerung von Orléans 1428 im Hundertjährigen Krieg sieht man die Kanonen. Während der Hussitenkriege (1419–1439) kamen Feuerwaffen und Feldgeschütze zum Einsatz. Das war zu Godarts Zeit, vielleicht hat er diese Waffen gekannt. 1453 wurde dann die bis dahin uneinnehmbare Mauer um Konstantinopel von den Türken sturmreif geschossen.

Zum Weiterlesen
Der Schwarze Tod bei Wikipedia

Spätmittelalter
Interregnum | Rivalitäten im Rheinland | Kurfürsten und Könige
Die Zeit der Luxemburger | Magdalenenflut 1342 | Die Zeit der Habsburger

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*