Magdalenenflut 1342

Stadttor Königswinter
Stadttor Königswinter

Im Juli 1342 brach eine verheerende Flutkatastrophe über weite Teile Europas herein – die Magdalenenflut, benannt nach dem Tag der Heiligen Maria Magdalena. Sie verwüstete auch weite Teile Deutschlands und bereitete der Pest den Weg.

Nicht die Historiker, die Geologen

Die Historiker berichten wenig darüber, dabei gibt es zahlreiche Bilder und Berichte von Menschen, die diese Katastrophe überlebt haben. In Köln habe das Hochwasser so hoch gestanden, dass man mit Kähnen über die Stadtmauer fahren konnte, hieß es. Das schien zu übertrieben um wahr zu sein.

Mehr erfährt man von den Geologen. Diese Flutkatastrophe war 50 bis 100 mal so schlimm wie Überschwemmungen, die man vom Rhein kennt. „Die Wassermassen waren enorm: Sie entsprachen dem 50- bis 100-Fachen des Hochwassers an der Oder 1997 oder der Elbe 2002 und 2013“, sagt Ökosystemforscher Hans-Rudolf Bork von der Universität Kiel, der sich intensiv mit dem Jahr 1342 befasst hat.

Dramatische Klimaänderungen

Anfang des 14. Jahrhunderts veränderte sich das Wetter dramatisch, es kühlte ab. Jahre ohne Sommer hatten Ernteausfälle, wirtschaftliche Einbrüche und Hungersnöte zur Folge. Wir wissen von der Großen Hungersnot von 1315-18 und Einfällen von Heuschrecken 1338.

Der Winter 1341/42 war eisig und brachte viel Schnee, dann setzte plötzlich Tauwetter ein. In der Hauptstadt Prag riss die Moldau die Judithbrücke, den Vorgängerbau der Karlsbrücke, mit sich fort. Der folgende Frühling war nass und kalt, in den südlichen Gebieten des Reiches sogar frostig.

Dann kam eine Dürreperiode im Juli, bald waren die Böden ausgetrocknet und verkrustet. Damals gab es kaum mehr Wald in Deutschland, denn bis auf 10-15 % war alles abgeholzt.

Extreme Niederschläge

Als endlich dunkle Wolken am Himmel aufzogen, schöpften die Menschen Hoffnung. Doch es kam eine Sintflut. Donau, Rhein und Main und zahlreiche Flüsse erreichten ihre bis heute höchsten je gemessenen Wasserstände. Eine riesige Flutwelle rollte den Main entlang und erreicht am 21. Juli den Rhein. Die Wassermassen trugen Türme, Stadtmauern, Brücken, Häuser und die Bollwerke der Städte davon,. Menschen flohen auf höher gelegene Standorte und bauten dort Notunterkünfte. Für die Landwirtschaft war es verheerende. Das Wasser riss massenweise fruchtbares Ackerland mit, binnen Stunden entstanden tiefe Schluchten, geschätzte 13 Milliarden Tonnen Boden gingen verloren.

Schlimme Spätfolgen

Das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigte sich erst Wochen nach dem Dauerregen, als sich der Strom der Flüsse endlich normalisierte. Zehntausende waren umgekommen.

Die Spätfolgen waren noch schlimmer, denn in vielen Regionen war Ackerbau nun unmöglich, Missernten und Hungersnöte folgten. Die ohnehin geschwächten Menschen wurden noch anfälliger für Krankheiten. Es ist möglich, dass die Flut sogar die Pestepidemien einige Jahre später begünstigten (siehe Zeit der Luxemburger).. So deutet es die Wissenschaftlerin Eveline Zbinden von der Universität Bern in ihrer umfangreichen Zusammenfassung der Flut und ihrer Folgen an.

Magdalenflut, mehr lesen
https://mittelalter.hypotheses.org/3016
Die Magdalenflut – ein unterschätztes Jahrtausendereignis?
Eveline Zbinden: Das Magdalenen-Hochwasser von 1342 – der „hydrologische Gau“ in Mitteleuropa, in: Schweizer Wasserwirtschaftsverband: Wasser, Energie, Luft. Fachzeitschrift für Wasserwirtschaft 3 (2011), S. 193-203
WDR Zeitzeichen
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-das-magdalenenhochwasser-beginnt-in-mitteleuropa-am–100.html

Spätmittelalter
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