Interregnum

Interregnum, eine Zeit der Kämpfe und der Unsicherheit

Nach dem Tod Friedrichs II. 1250 brach das Stauferreich zusammen. Seine Söhne Konrad und Manfred und sein Enkel Konradin starben im Kampf um ihr Erbe; Süditalien ging dem Reich für immer verloren.  Im Heiligen Land zeichnet sich das Ende der Kreuzfahrerstaaten und des Lateinischen Kaiserreiches Romania in Byzanz ab.

Rudolf von Habsburg

In Deutschland gab es wohl Könige, sogar mehrere gleichzeitig: Wilhelm von Holland, Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien. Könige waren sie aber nur dem Namen nach, denn keiner von ihnen konnte sich landesweit durchsetzen. Das wäre auch nicht im Interesse der Großen des Reiches gewesen, die ihre eigene Macht ausbauen wollen. Kaum einer hatte die Macht, den zahlreichen Raubrittern das Handwerk zu legen.

Schließlich wurde Rudolf von Habsburg (1273-91) gewählt. Er griff scharf gegen Landfriedensbrecher durch und konnte schließlich in weiten Teilen des Reiches wieder für Ordnung und Sicherheit sorgen. So wurde König Rudolf eine der populärsten Herrscher des Spätmittelalters. Auch gelang es ihm, verloren gegangenes Reichsgut für die Krone zurück zu gewinnen.  Doch 1291 scheiterte sein Versuch, seinen Sohn Albrecht zum Thronfolger wählen zu lassen; offensichtlich war er den Fürsten zu mächtig geworden.

Steine vom Drachenfels für den Kölner Dom

In der Kunst setzte sich die Gotik auch in Deutschland durch. 1248 hatte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für den neuen, gotischen Kölner Dom gelangt. Damit brachen für die Burggrafen von Drachenfels gute Zeiten an, denn für den Dombau war Trachyt vom Drachenfels der ideale Stein. Burggraf Gottfried und das Kölner Domkapitel schlossen 1273 einen Vertrag über den Abbau von Trachyt. In den folgenden Jahren wurde er mehrfach verlängert und sicherte den Burggrafen bald ein beträchtliches Vermögen.

Schwache Könige im Reich, Gewaltherrscher im Ausland

Nach dem Tod König Rudolfs schlug der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg Adolf von Nassau vor, einen weniger bedeutenden Fürsten, der auch mit Johann I. von Löwenberg verschwägert war. Schon vor der Wahl drängten ihn die Fürsten zu umfangreichen Zugeständnissen, allen voran der Kölner Erzbischof.  

Während die Könige im Reich eher schwach waren, herrschten im Ausland mächtige Regenten, ja Gewaltherrscher. Auch am Rhein sah man mit Sorge die Machtgier Philipps IV. von Frankreich. Als er Ende des 13. Jahrhunderts auch Flandern mit Gewalt unter seine Kontrolle bringen wollte, schmiedete Graf Guido von Flandern ein Bündnis mit König Edward I. von England und König Adolf von Nassau gegen Frankreich. Am 24. Juni 1297 zog Graf Eberhard von der Mark an der Spitze einer deutschen Ritterschar nach Nordflandern, um dort das bedrängte Ypern zu schützen. Mit dabei waren Johann von Löwenberg und sein Sohn Heinrich.*

Ein mittelalterliches Impeachment

Als Thronkandidat hat Adolf von Nassau alles zugesagt, was von ihm verlangt wurde. Doch als König wollte  auch er seine Stellung den Fürsten  gegenüber stärken. Das ging nicht gut: sie vereinten sich gegen ihn, setzten ihn ab und wählten am 28. Juli 1298  Albrecht von Habsburg (1298-1308) zum König gewählt. Die Großen des Reiches hatten es geschafft: Sie wählten den König, sie „kürten“ ihn, deshalb bezeichnete man sie seit dieser Wahl als Kurfürsten. 

Doch Adolf gibt nicht kampflos auf, erst nach seinem Tode in der Schlacht bei Göllheim im Juli 1298 war der Weg frei für König Albrecht I.

Albrecht I. (1298-1308)

Als der Papst ihm die Anerkennung verweigerte, schloss er ein Bündnis mit dem französischen König Philipp IV. Das führte zu Spannungen mit den rheinischen Kurfürsten, als Folge hob der König 1301 die von den Kurfürsten willkürlich erhobenen Rheinzölle auf. Erst 1303, und nur gegen weitreichende Zugeständnisse, wurde er vom Papst anerkannt.

Albrecht I. war durch Gewalt König geworden, und durch Gewalt endete auch sein Königtum. Am 1. Mai 1308 wurde er von seinem Neffen Johann Parricida ermordet.

Heinrich VII. von Luxemburg (1308-1313)

Nach der Ermordung Albrechts I. kamen die Kurfürsten am 27. November 1308 erneut zur Wahl zusammen. Dabei konnte sich überraschend Heinrich, der hochangesehene Graf von Luxemburg, durchsetzen. Er war romanisch geprägt, seine Muttersprache war Französisch, aufgewachsen war er in der Tradition des französischen Rittertums. Heinrich verständigte sich mit den Habsburgern und ließ 1309 seine beiden Vorgänger, Adolf von Nassau und Albrecht I., im Kaiserdom der Salier in Speyer bestatten.

Heinrichs Regierungszeit fällt in die Anfangsjahre der „Babylonischen Gefangenschaft“ der Kirche, der fast siebzig Jahre (1309-1377) währenden Schattenherrschaft der Päpste in Avignon. Auch wenn Heinrich hier nicht eingriff, stemmte er sich doch mit aller Kraft gegen Übergriffe Frankreichs auf die linksrheinischen Grenzgebiete des Reiches. 1310 gelang es ihm, die böhmische Krone zu gewinnen, mit der durch Erbverträge auch die polnische verbunden war. Böhmen sollte zum Eckpfeiler der luxemburgischen Hausmacht werden, vor allem unter seinem Enkel Karl IV.

Doppelwahl und Thronstreit

Nach dem plötzlichen Tod Kaiser Heinrichs VII. 1313 in Italien wurde 1314  Ludwig von Bayern von der Mehrheit der Kurfürsten als erster Wittelsbacher zum König gewählt. Die Minderheit der Kurfürsten, unter ihnen auch der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg, erhob den Habsburger Friedrich „den Schönen“ von Österreich (1314-1330) als Gegenkönig. So wurde Bonn erstmals Schauplatz einer Königskrönung, denn am 25. November 1314 krönte Erzbischof Heinrich II. von Virneburg Friedrich im Bonner Münster zum deutschen König. Mit dabei war auch Heinrich I., seit 1306 Herr von Löwenberg und Lehnsmann des Kölner Erzbischofs. Wieder führte eine Doppelwahl zu einem Bürgerkrieg. 1322 trafen beide Heere in der Schlacht bei Mühldorf am Inn aufeinander. Ludwig siegte und nahm Friedrich gefangen.

Der Thronstreit spaltete auch die Familie der Löwenberger: Heinrich I. stand auf der Seite des Erzbischofs und damit auf der Seite Friedrichs, sein Stiefbruder Johann II. auf der Seite von Jülich und Heinsberg, und damit auf der Seite Ludwigs. In den folgenden Kämpfen wurde die Burg Reitersdorf bei Rhöndorf zerstört. Erst 1325 versöhnten sich die Brüder.

Ludwig der Bayer (1314-1346)

König Ludwig der Bayer söhnte sich bald mit seinem Widersacher Friedrich aus und ernannte ihn 1325 sogar zum Mitregenten, Er bemühte sich um die Anerkennung durch den Papst, doch er bekam sie nicht. Seitdem scherte er sich nicht mehr um den Anspruch des Papstes, sein Königtum zu bestätigen (Approbation). Daraufhin verhängte Papst Johannes am 23. März 1324 den Kirchenbann über den König.

Namhafte Gelehrte und auch der Franziskaner-Orden stellten sich auf Ludwigs Seite. 1338 kamen die Kurfürsten im Kurverein von Rhense zusammen und bestätigten, dass ein von ihnen gewählter König nicht vom Papst bestätigt werden musste. Das war ein deutlicher Beweis, wie selbstbewusst die Kurfürsten dem Papst entgegen traten!

Doch der langjährige, verbissene Streit mit drei Päpsten überschattete Ludwigs Regierungszeit. Zudem war er kein geschickter Diplomat, dafür aber ein erfolgreicher, vielleicht zu erfolgreicher Hausmachtspolitiker. 

Schließlich verbündeten sich die Kurfürsten gegen ihn, an ihrer Spitze der Luxemburger Karl. Er begann eine üble Propaganda-Kampagne gegen Ludwig. Mit Unterstützung von Papst Klemens VI., seinem Jugendfreund, und dank einer riesigen Menge Geldes wurde Karl im Frühsommer des Jahres 1346 als Gegenkönig aufgestellt und am 26. November 1346 vom Kölner Erzbischof Walram von Jülich in Bonn zum König Karl IV. gekrönt. Ein Krieg drohte, doch kurz darauf starb Ludwig. Er ist in der Frauenkirche in München beigesetzt.

*In der Geschichte „Bruder Bolko“ können Sie mehr über die damaligen Ereignisse erfahren.

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