Interregnum

Interregnum, eine Zeit der Kämpfe und der Unsicherheit

Zu Beginn des Spätmittelalter steht das Interregnum – ein Umbruch in Reich und Region nach dem Tod Friedrichs II. und Heinrichs III. von Sayn.

Nach dem Tod Friedrichs II. 1250 brach das Stauferreich zusammen. Seine Söhne Konrad und Manfred und sein Enkel Konradin starben im Kampf um ihr Erbe; Süditalien ging dem Reich für immer verloren.  Im Heiligen Land zeichnet sich das Ende der Kreuzfahrerstaaten und des Lateinischen Kaiserreiches Romania in Byzanz ab.

Wilhelm von Holland

In Deutschland war Gegenkönig Wilhelm von Holland während seiner ersten Regierungsjahre eng an den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden gebunden. Doch nach dem Tod Friedrichs II. und der Abreise König Konrads nach Italien, wurde Wilhelm immer mehr zu einem König, der seine eigene Politik betrieb. Bald geriet er auf Kollisionskurs mit dem Erzbischof. Außer sich vor Wut, scheute der vor Mord nicht zurück, Wilhelm entkam dem Anschlag mit knapper Not. Aber ehe es sich zeigen konnte, wessen Einfluss größer war, fiel Wilhelm von Holland im Januar 1256.

Erzbischof Konrad von Hochstaden auf dem Höhepunkt der Macht

Erneut suchte Konrad von Hochstaden einen König. Ein Kandidat brachte sich gleich ins Gespräch: Richard von Cornwall, Bruder des englischen Königs Heinrich III., bot sich an und brachte riesige Geldsumme mit. 1257 wurde er gewählt. Konrad von Hochstaden konnte das Geld gut gebrauchen, und „Handsalbungen“ waren längst üblich. Der Erzbischof von Trier, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen hingegen wählten im April Alfons von Kastilien zum König. Auch wenn es „Interregnum“ heißt, gab es in Deutschland gleich zwei Könige.

Zugleich sieht man, auf welche sieben Fürsten es im Reich ankam, welche sieben die Königswahl unter sich aufmachten. Für die Gunst, und die Stimme, mussten die Kandidaten hohe Summen aufbringen und weitreichende Versprechen machen. Als Könige hatten sie es dann schwer, ihre eigene Politik zu machen.

Schon Erzbischof Adolf von Altena hatte immer wieder die überragende Bedeutung des Erzbischofs von Köln bei der Königswahl und Krönung betont. Konrad von Hochstaden sah das genauso, noch mehr aber wollte er die Macht. Als Richard von Cornwall nach seiner Krönung Deutschland wieder verließ, handelte der Erzbischof fortan fast an Stelle des Königs. Die Kölner Bürger brachte er mit List und Gewalt unter seine Knute. Kein Erzbischof des frühen und hohen Mittelalters hat die Zügel so fest in der Hand gehalten wie Konrad von Hochstaden am Ende seines Lebens.

Gräfin Mechthild und Burg Löwenburg

In unserer Region war der Tod Graf Heinrichs III. von Sayn 1246/47 ein tiefer Einschnitt. Er war ein mächtiger Fürst gewesen, der mit Kaiser Friedrich II. und König Heinrich (VII.) in Kontakt gestanden hatte; seine Nachfolger, die Herren von Sponheim und dann die Herren von Löwenberg, konnte diese herausragende Stellung nicht halten.

Gräfin Mechthild überlebte ihren Gatten um fast 40 Jahre. Für sie, die Thüringerin, wurde es schwer. In seinem Testament hatte der Graf ihr die Löwenburg als Witwensitz vermacht, doch bedrängt von den Verwandten ihres Mannes, gab sie ihre Rechte vorzeitig ab. Konrad von Hochstaden, der machtbewusste Kölner Erzbischof, versprach ihr Schutz, hatte aber vor allem Mechthilds großen Grundbesitz im Blick. All die Jahrzehnte ihrer Witwenschaft hindurch blieb Mechthild die Große Gräfin, der am Wohlergehen der Menschen in ihren Ländereien lag.

Mehr dazu auf den Seiten Burg Löwenburg und Burgherren vom Siebengebirge (1).

Rudolf von Habsburg

Auch wenn diese Zeit „Interregnum“ heißt: In Deutschland gab es wohl Könige, sogar mehrere gleichzeitig, doch keiner von ihnen konnte sich landesweit durchsetzen. Das wäre auch nicht im Interesse der Großen des Reiches gewesen, die ihre eigene Macht ausbauen wollen. Kaum einer hatte die Macht, den zahlreichen Raubrittern das Handwerk zu legen. Die Herren rheinaufwärts auf den Burgen Sooneck und Reichenstein, längst als Raubritternester gefürchtet, dürfte es gefreut haben.

Schließlich wurde Rudolf von Habsburg (1273-91) gewählt. Er griff scharf gegen Landfriedensbrecher durch und konnte schließlich in weiten Teilen des Reiches wieder für Ordnung und Sicherheit sorgen. So wurde König Rudolf eine der populärsten Herrscher des Spätmittelalters. Auch gelang es ihm, verloren gegangenes Reichsgut für die Krone zurück zu gewinnen. Doch 1291 scheiterte sein Versuch, seinen Sohn Albrecht zum Thronfolger wählen zu lassen; offensichtlich war er den Fürsten zu mächtig geworden.

Steine vom Drachenfels für den Kölner Dom

In der Kunst setzte sich die Gotik auch in Deutschland durch. 1248 hatte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für den neuen, gotischen Kölner Dom gelangt. Damit brachen für die Burggrafen von Drachenfels gute Zeiten an, denn für den Dombau war Trachyt vom Drachenfels der ideale Stein. Burggraf Gottfried und das Kölner Domkapitel schlossen 1273 einen Vertrag über den Abbau von Trachyt. In den folgenden Jahren wurde er mehrfach verlängert und sicherte den Burggrafen bald ein beträchtliches Vermögen.

Schwache Könige im Reich, Gewaltherrscher im Ausland

Nach dem Tod König Rudolfs schlug der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg Adolf von Nassau vor, einen weniger bedeutenden Fürsten, der auch mit Johann I. von Löwenberg verschwägert war. Schon vor der Wahl drängten ihn die Fürsten zu umfangreichen Zugeständnissen, allen voran der Kölner Erzbischof.

Während die Könige im Reich eher schwach waren, herrschten im Ausland mächtige Regenten, ja Gewaltherrscher. Auch am Rhein sah man mit Sorge die Machtgier Philipps IV. von Frankreich. Als er Ende des 13. Jahrhunderts auch Flandern mit Gewalt unter seine Kontrolle bringen wollte, schmiedete Graf Guido von Flandern ein Bündnis mit König Edward I. von England und König Adolf von Nassau gegen Frankreich. Am 24. Juni 1297 zog Graf Eberhard von der Mark an der Spitze einer deutschen Ritterschar nach Nordflandern, um dort das bedrängte Ypern zu schützen. Mit dabei waren Johann von Löwenberg und sein Sohn Heinrich.*

Ein mittelalterliches Impeachment

Als Thronkandidat hat Adolf von Nassau alles zugesagt, was von ihm verlangt wurde. Doch als König wollte  auch er seine Stellung den Fürsten  gegenüber stärken. Das ging nicht gut: sie vereinten sich gegen ihn, setzten ihn ab und wählten am 28. Juli 1298  Albrecht von Habsburg (1298-1308) zum König gewählt. Die Großen des Reiches hatten es geschafft: Sie wählten den König, sie „kürten“ ihn, deshalb bezeichnete man sie seit dieser Wahl als Kurfürsten. 

Doch Adolf gibt nicht kampflos auf, erst nach seinem Tode in der Schlacht bei Göllheim im Juli 1298 war der Weg frei für König Albrecht I.

*In der Geschichte „Bruder Bolko“ können Sie mehr über die damaligen Ereignisse erfahren.

Rivalitäten im Rheinland – Worringen 1288, zum Weiterlesen
Vera Turowsky: Worringen 1288, Ursachen und Folgen der Schlacht, Lnadschaftsverband Rheinland

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