Erbfolgekriege

Rheinland, um 1680. Das Reich war in unzählige Fürstentümer zersplittert, die Karte glich einem Mosaik. Die prägende Figur jener Zeit war Ludwig XIV. von Frankreich, der Sonnenkönig.

Landesherrn in Bonn und Düsseldorf

Die meisten Dörfer auf der rechten Rheinseite gehörten zum Herzogtum Berg, das mit dem Herzogtum Jülich auf der linken Rheinseite verbunden war. Hauptstadt war seit langem Düsseldorf. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts war der Herzog von Berg auch Kurfürst von der Pfalz. Das Städtchen Königswinter mit den Burgen Drachenfels und Wolkenburg gehört zum Erzbistum Köln, der Erzbischof residierte in Bonn.

Was ihre politische oder gar militärische Macht angeht, gehörten beide Landesherren, der Herzog von Berg ebenso wie der Kölner Kurfürst, und in zweite Reihe; daher wurden sie immer wieder in die Konflikte der Mächtigen hineingezogen.

Keine Religionsfreiheit

Das Bekenntnis des Landesherrn bestimmte das seiner Untertanen. andersgläubige Menschen mussten konvertieren oder das Land verlassen. Der Kölner Kurfürst war zugleich Erzbischof und Katholik,, auch der Herzog Berg war, Johann Wilhelm, war ein strenger Katholik, der keine andere Religion duldete.

Seit dem Westfälischen Frieden (1648) war das katholische, das protestantische und das calvinistische Bekenntnis anerkannt. Die Täufer hingegen, unten ihnen die Mennoniten, wurden verfolgt. Mit ihrer Forderung nach Religionsfreiheit und einer radikalen Trennung zwischen Kirche und Staat waren sie eine Gefahr für die Obrigkeit. Täufer, die nicht abschworen, konnten sofort und ohne Verfahren hingerichtet werden (Wiedertäufermandat, Reichstag zu Speyer, 1529).

Nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde das in der Pfalz toleranter gehandhabt: dem Kurfürsten Karl Ludwig waren Mennoniten als tüchtige Arbeiter willkommen, um sein zerstörtes Land wieder aufzubauen. Auch Familien aus dem Siebengebirge waren in die Pfalz gezogen.

Mächtige und weniger Mächtige

Ludwig XIV. in Frankreich hatte eine solche Machtfülle, dass man ihm den Satz zugeschrieben hat „Der Staat, das bin ich.“ Die meisten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation konnten das nicht von sich sagen. Die Fürsten waren Landesherrn, die Karte des Reiches glich einem Mosaik, und vor allem die Kurfürsten hatten eine sehr starke Stellung.

Zudem war das Reich in großer Gefahr. 1683 stand eine gewaltige türkische Armee vor der Kaiserstadt Wien. Mehrfach hatte Ludwig XIV. den Sultan in Istanbul wissen lassen, dass Kaiser Leopold I. in Wien von ihm keine Hilfe zu erwarten hatte. Die Stadt schien fast verloren, als endlich das ersehnte Entsatzheer am 12. September 1683 am Kahlenberg vor Wien die türkische Armee besiegte.

In seinem Bestreben, die Vorherrschaft in Europa zu erlangen, zwang Ludwig XIV. seinen Nachbarländern immer wieder Kriege auf. Er plante sie in seinem Arbeitszimmer (daher der Name Kabinettskriege) mit seinen Ministern und schickte dann Söldnerheere los: Krieg gegen Holland 1681-1697, Reunionskriege 1683. Dass auch die Menschen in Frankreich unten seinen Kriegen litten, kümmert ihn wenig.

Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688-97)

Als der Kurfürst der Pfalz 1685 starb, trat Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, der zugleich Herzog von Berg war, die Nachfolge an. Doch auch Ludwig XIV. erhob Anspruch auf die Pfalz, denn seine Schwägerin war Liselotte von der Pfalz. Sie selbst war gegen Ludwigs Vorhaben. Als Philipp Wilhelm und sein Sohn Johann Wilhelm den Forderungen nicht nachgaben, besetzten französische Truppen die Kurfürstentümer Köln und Trier und die ganze Kurpfalz. Jetzt machte fast ganz Europa Front gegen Ludwig.

In Köln aber war eine zweite Front entstanden. Bei der Wahl des Erzbischofs setzte sich der Favorit Ludwigs gegen den kaiserlichen Kandidaten Joseph Clemens durch. Sogleich zog er in der Bonner Residenz ein und holte französische Truppen in die Region, u.a. wurden Bonn und Siegburg besetzt. Die kurfürstliche Residenzstadt Bonn wurde über Monate belagert und beschossen, bis sie schließlich kapitulierte. Weite Teile der Stadt lagen in Trümmern.

Königswinter und Rhöndorf brennen

Am 23. Mai 1689 setzten etwa 600 Mann Soldateska bei Oberkassel über die Rhein. Bald wurden Oberkassel und Dollendorf eingenommen und geplündert. Dann zogen sie weiter nach Königswinter, die Stadt wurde geplündert und in Brand gesteckt, fast der ganze Ort wurde zerstört. Das gleiche Schicksal erlitt Rhöndorf. Dann endlich waren die Brandenburger Soldaten des Kurfürsten Friedrichs III. da und setzten dem Mordbrennen ein Ende.

Auch in der Pfalz stand die Armee Ludwigs XIV. am Rande der Niederlage. Vor dem Rückzug gab der Kriegsminister einen schrecklichen Befehl: „Brulez le Palatinat! Verbrennt die Pfalz!“ Ganze Dörfer und Städte wurden ausgeplündert und niedergebrannt. Als 1697 endlich in Rijswijk Frieden geschlossen wurde, ging Ludwig XIV. zwar leer aus, doch weite Regionen im Westen des Reiches lagen in Trümmern.

Bittere Armut, religiöse Bedrängnis und Auswanderung

In der Pfalz und den angrenzenden Gebieten, die besonders unter den Kriegen gelitten hatten, konnte das ruinierte Land nicht mehr alle versorgen. Bittere Not und religiöse Bedrängnis machten die Auswanderung ins ferne Nordamerika zu einer Alternative, auch wenn man kaum etwas darüber wusste. Auf der anderen Seite suchte England Siedler für seine Kolonien. Zahlreiche Werber kamen an den Mittel- und Oberrhein. Formal war die Auswanderung zwar verboten, doch so zersplittert wie die Länder waren, konnten die Fürsten ihre Tätigkeit kaum unterbinden.

Auch der englische Quäker William Penn hatte in Deutschland für seine Kolonie Pennsylvania geworben. 1683 segelten 13 mennonitische Familien, aus dem Krefelder Raum um Franz Daniel Pastorius, die „Original 13“, auf der „Concord“ nach Nordamerika. In Pennsylvania gründeten sie Germantown; heute ein Stadtteil von Philadelphia.

Wenn Sie mehr zu diesem Thema lesen möchten, dann habe ich eine Geschichte über rheinische Auswanderer in den USA.

Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1715)

Der Frieden währte nicht lange. Als die Linie der spanischen Habsburger ausstarb, erhob der Habsburger Kaiser Leopold I. (1658-1705) in Wien Anspruch auf die spanische Krone für seinen zweiten Sohn Karl. Doch auch Ludwig XIV. wollte das spanische Weltreich und brachte seinen Enkel auf den spanischen Thron. Sofort hatte er England, die Vereinten Niederlande und fast alle deutschen Fürsten gegen sich.

Bayern jedoch stellte sich auf Ludwigs Seite; Kurfürst Max Emanuel hoffte wohl, so König der Spanischen Niederlande zu werden. Auch sein Wittelsbacher Verwandter Erzbischof Joseph Clemens von Köln verbündete sich mit Ludwig XIV. 1702 besetzten kaisertreuen Truppen unter Friedrich I. in Preußen Bonn, die Residenzstadt des abtrünnigen Erzbischofs. Joseph Clemens floh ins französische Exil und wurde 1706 vom Kaiser geächtet.

Den französischen Truppen standen zwei militärische Genies gegenüber: Prinz Eugen von Savoyen und John Churchill, der Herzog von Marlborough. Ludwig XIV. stand am Rand einer Niederlage, sein Volk litt Hunger und Not, sein Staat war fast ruiniert. 

Da trat eine für ihn glückliche Wendung ein. In Wien verstarb 1705 Kaiser Leopold I., sein ältester Sohn und Nachfolger Joseph I. überlebte ihn nicht lange. Nun erbte Karl die Kaiserkrone, eben der Karl, für dessen spanische Krone die Allianz kämpfte. Doch sie hatte nicht gegen eine drohende Vorherrschaft Frankreichs gekämpft, um nun die der Habsburger zu dulden. Die Allianz fiel auseinander, man schloss Frieden mit Frankreich. Ludwigs Enkel erhielt Spanien, Österreich die Spanischen Niederlande; Karl wurde als Karl VI. Kaiser (1711-1740).

Rokoko-Fürsten in Bonn

Erzbischof Josef Clemens hatte alle seine Würden und Länder zurückerhalten. Nun begann er mit dem Wiederaufbau des Wasserschlosses in Brühl und dem Bau des Poppelsdorfer Schlosses in Bonn. Sein Nachfolger Clemens August I. von Bayern, ein Sohn Kurfürst Max Emanuels, brachte so viele Ämter und Territorien an sich, dass man ihn „Monsieur des Cinq Eglises“ (Herr von Fünfkirchen) nannte. Der Luxusmensch und Kunstmäzen baute in Bonn das Poppelsdorfer Schloss und die Residenz aus und ließ die Poppelsdorfer Allee anlegen. In Brühl entstanden die Schlösser Augustusburg und Falkenlust.

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