Dreißigjähriger Krieg

Wallensteins Truppen im Krieg
Wallensteins Truppen im Krieg

Kaiser Ferdinand I. (1556-64) und seine Nachfolger Maximilian II. (1564-76), Rudolf II. (1576-1612) und Matthias (1612-19) hatten den Augsburger Religionsfrieden respektiert und Kämpfe der Religion wegen im Reich vermieden.

Das änderte sich, als der streng katholische Ferdinand II. (1619-37), Erzherzog von Österreich und Kronprinz von Böhmen, den Thron bestieg. Er wollte seinen Ländern die religiöse Einheit aufzwingen. Mit anderen Worten: den Katholizismus. Damit brachte er den protestantischen, überwiegend hussitischen böhmischen Adel sehr gegen ihn auf. Am 23. Mai 1618 warfen aufgebrachte protestantische Böhmen die kaiserlichen Beamten in hussitischer Tradition aus dem Fenster der Prager Burg. Böhmen war in Aufruhr.

Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618-23)

Die Böhmen holten Friedrich, den calvinistischen Kurfürsten der Pfalz, auf ihren Thron, doch er unterlag schon 1620 gegen Kaiser Ferdinand II. Böhmen wurde zwangsweise rekatholisiert.

Der Krieg hätte hier enden können, doch der Dreißigjährige Krieg nährte sich immer wieder aus sich selbst. Als Söldnertruppen der protestantischen Seite marodierend nach Westfalen zogen, marschierte der katholische Feldherr Tilly mit seiner Armee hinterher und schlug sie in der Schlacht.

Auch der Unabhängigkeitskrieg der Niederlande gegen Spanien wurde zum Teil auf Reichsgebiet ausgetragen. 1620 besetzten holländische Truppen die Rheininsel „Komper Werth“ bei Bonn.

Niedersächsisch-Dänischer Krieg (1625-29)

Die siegreiche katholische Armee im Norden ließ die protestantischen Fürsten um ihren Besitz fürchten. Angeführt von Christian IV. von Dänemark, unterstützt von Holland und England, nahmen sie den Kampf auf. Inzwischen verfügte der Kaiser über eine zweite Armee unter General Albrecht von Wallenstein, einem Kriegsgewinnler des böhmisch-pfälzischen Kriegs. Er war besonders rücksichtslos gegen die Zivilbevölkerung und presste ihr ab, was seine Truppen brauchen. Wallenstein und Tilly besiegten die protestantischen Heere und besetzten ganz Norddeutschland. Wallenstein schickte sich an, den Nord- und Ostseeraum für den Kaiser zu erobern.

Auf der Höhe seiner Macht, erließ Kaiser Ferdinand II. 1629 das „Restitutionsedikt“: Aller Kirchenbesitz, den katholische Geistliche beim Übertritt zum Luthertum entgegen den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens mitgenommen hatten, wurde zurückgefordert. Hier ging es um sehr viel, denn wäre der Kaiser damit durchgekommen, hätte er der Reformation beträchtlich geschadet und zugleich seine Macht ungeheuer gestärkt. So brachte er alle Fürsten, Katholiken wie Protestanten, gegen sich auf. Er musste das Edikt revidieren, und Wallenstein, der verhasste Emporkömmling, musste gehen.

Schwedischer Krieg (1630-35)

Die ehrgeizigen Pläne des Kaisers für den Ostseeraum hatten die Schweden unter König Gustav Adolf alarmiert. Sie wollten ihre Vorherrschaft verteidigen, und als Protestanten die Vernichtung der Reformation im Reich verhindern. 1630 trat Schweden in den Krieg ein, finanziell unterstützt von Frankreich unter Kardinal Richelieu. Zwar waren die Franzosen Katholiken, doch Richelieu wollte nicht zulassen, dass die Habsburger eine Vormachtstellung in Europa erlangten.

Die norddeutschen Fürsten hielten sich zurück. Erst als Magdeburg 1631 fiel und in Flammen aufging, bekam Gustav Adolf Unterstützung von ihnen. Nun zog er nach Süden, besiegte Tillys Armee zweimal und stand 1632 in München. Die Liga schien am Ende. Tilly war tödlich verwundet worden, und der Kaiser rief Wallenstein zurück.

Nachdem er maßlose Forderungen erfüllt bekommen hatte, zog Wallenstein gegen die Schweden, konnte sie aber nicht besiegen. Doch 1632 fiel Gustav Adolf in der Schlacht, ein schwerer Schlag für die protestantische Seite. Wallenstein setzte nicht nach, sondern sah er zu, wie die Schweden weitere Städte eroberten und verhandelte mit mehreren Seiten. Was auch immer seine Motive gewesen sein mögen – für den Kaiser war es Hochverrat. Wallenstein wurde abgesetzt, geächtet, und wenig später ermordet (1634).

Nun übernahm Erzherzog Ferdinand die Führung der kaiserlichen Truppen. Er eroberte Süddeutschland von den Schweden zurück. Brandenburg und Sachsen schlossen Frieden mit dem Kaiser.

Zerstörung der Burgen Drachenfels und Löwenburg

Der Kölner Erzbischof hat Tilly drei Regimenter zur Verstärkung geschickt. 1632 zog der schwedische General Baudissin gegen das Erzbistums Köln. Überall wurde gekämpft, geplündert und gebrandschatzt. Im November 1632 eroberten die Schweden den Drachenfels und schleiften die Außenwerke der Burg. Doch vermutlich bereits kurz darauf wurden sie von den Spaniern vertrieben.

Um die gleiche Zeit, 1633, wurde die Löwenburg zerstört. Einige Jahre später ließ der Kölner

Erzbischof die Burg auf dem Drachenfels ganz abreißen. Eine Instandsetzung wäre viel zu teuer und wohl auch sinnlos gegen Kanonen und Feuerwaffen. Zudem war die halb zerstörte Burg ein guter Schlupfwinkel für Feinde und Gesetzesbrecher.

Schwedisch-Französischer-Krieg (1635-48)

Endlich sah es 1635 so aus, als könnte das Land Frieden finden, doch nun trat Frankreich offen in den Krieg ein. Schon lange ging es nicht mehr um einen Glaubenskrieg innerhalb Deutschlands, sondern um die Vorherrschaft in Europa.

Es folgten Schreckensjahre. Viele Heerführer hatten Wallensteins Vorgehen, der Zivilbevölkerung den Unterhalts seines Heeres abzupressen, übernommen; der jahrzehntelange Krieg hatte die Kämpfer verroht. Söldnerheere mit ihrem Tross zogen durch die Lande, unter ihnen viele Abenteurer oder gar Kriminelle. Verspätet oder gar nicht besoldet, hielten sie sich durch Diebstahl, Raub oder Brandschatzung schadlos. Während die Menschen in den ummauerten Städte einigermaßen geschützt waren, hatten die Menschen in den Dörfern keine Chance. Schweden, Holländer und Hessen zogen raubend und plündernd durch das Land.

1638 berichtete Wolfgang Wilhelm, der Herzog von Jülich-Kleve-Berg, dass im Bergischen Land kaum ein Sechstel der Einwohner überlebt hatte. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges waren weite Landstriche verödet und menschenleer. Nicht nur der Krieg, auch Hunger und Seuchen hatten viele Menschen dahingerafft.

Westfälischer Friede (1648)

1648 wurde in Münster und Osnabrück Frieden geschlossen. Die Calvinisten bekamen die gleichen Rechte wie die Lutheraner. Die Niederlande und die Schweiz schieden aus dem Reich aus. Die Fürsten nahmen an den Verhandlungen teil und bekamen die volle Souveränität in ihren Ländern zugesprochen. Das Reich bestand nun aus ca. 300 kleineren und größeren Einzelstaaten, und es war bettelarm.

Eine erneute Pestwelle (1666) als Folge des Krieges brachte noch mehr Leid.

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