Reformation – Luther, Täufer, Calvinisten

Herzog Wilhelm V. "der Reiche" von Jülich-Cleve-Berg
Herzog Wilhelm V. "der Reiche" von Jülich-Cleve-Berg

Im Siebengebirge zur Zeit der Reformation. Kölner Erzbischof war Hermann von Wied, in Berg regierte Herzog Wilhelm V., „der Reiche“. Überwiegend blieb das Rheinland katholisch, doch auch hier gab es Gemeinden der Lutheraner, Täufer und später Calvinisten. Letztere wurden verfolgt.

Reich und Region, Anfang des 16. Jahrhunderts. Für die Menschen des Mittelalters waren Hölle und Fegefeuer Realität; Wallfahrten, Almosen und wohltätige Stiftungen für das eigene Seelenheil hatten eine lange Tradition.

„Sobald die Münze in dem Koffer klingt ..“

„.. die Seele aus dem Feuer springt.“ Die Kirche behauptete, dass der Papst einen Teil der Strafen im Fegefeuer erlassen konnte, und die Menschen spendeten, um verstorbenen Verwandten und sich selbst diese Qualen zu ersparen. So war der Ablasshandel war ein überaus einträgliches Geschäft. Um den Neubau des Petersdoms in Rom zu finanzieren, wurden Ablässe ausgeschrieben. Der Dominikaner Johann Tetzel, ein bekannter Ablassprediger, verkaufte den Menschen Ablass von ihren Sünden gegen bare Münze.

Martin Luthers Thesen

Dr. Martin Luther, Augustiner-Mönch, Theologe und Universitätsprofessor in Wittenberg, war empört. Er glaubte fest daran, dass nur die Gnade Gottes Vergebung schenken konnte, und dass die Christen mit dem Ablasshandel in die Irre geführt wurden. In einem Brief an Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg protestierte er gegen den Ablasshandel und fügte seine 95 Thesen bei. Es heißt, dass er am selben Tag, dem 31. Oktober 1517, eine Kopie an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte.

Dabei ging es ihm um die Klärung drängender religiöser Fragen; eine Spaltung des Reiches oder gar Kriege um der Religion wollte er sicher nicht. Doch darauf lief es hinaus, denn seine Thesen, bald vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt und dank der neuen Gutenberg-Druckerpresse schnell in Deutschland und Europa verbreitet, stellten die Autorität des Papstes und der Kirche in Frage.

Der Papst exkommunizierte ihn 1520, wenig später forderte Kaiser Karl V. ihn auf, sich von seinen Thesen und Büchern loszusagen. Mit dem berühmt gewordenen „Hier stehe ich ..“ lehnte Luther ab. Daraufhin verhängte der Kaiser die Reichsacht über Luther und verbot jedem, seine Schriften zu lesen. Luthers Landesherr, der Kurfürst von Sachsen, brachte ihn auf der Wartburg in Sicherheit. Hier übersetzte Luther 1521/22 die Bibel vom Griechischen ins Deutsche, so wie die Menschen es damals sprachen. Jetzt konnten sie zum ersten Mal Gottes Wort selbst lesen.

Religion und Politik

Trotz des Edikts von Worms verbreitete sich die Reformation. Auch andere Fürsten bekannten sich zu Luthers Lehre, so die Herrscher Hessens, der Kurpfalz, Sachsens und Württembergs. Dies geschah aus Überzeugung, aber auch aus politischem Kalkül: Indem ein Landesfürst sich zur Reformation bekannte, streifte er die Autorität des Papstes ab, und damit auch die erdrückenden Abgaben an die Kurie. Dafür konnte er eine eigene, protestantische Landeskirche aufbauen und seine Position dem katholischen Kaiser gegenüber stärken. Die Reformation war also nicht mehr nur eine Sache der Theologen.

Sie war auch nicht mehr einheitlich lutheranisch. Andere Reformatoren wie Thomas Müntzer gaben andere Antworten auf die drängenden Fragen ihrer Zeit. Unabhängig von Luther wirkte eine Reformationsbewegung in Zürich um Huldrych Zwingli. Im Umfeld der Züricher Reformation entstand um 1525 die Täuferbewegung.

Kaiser Karl V. muss es gehasst haben, zuzusehen. Habsburg war eine Weltmacht, doch er konnte nicht energisch gegen die Reformation vorgehen, weil er ständig Krieg führen musste und oft außer Landes war. Frankreich kämpfte gegen die Umklammerung durch die Habsburger, und im Osten drangen die Osmanen immer weiter vor. Viele Jahre lang musste sich der Kaiser mit den protestantischen Fürsten arrangieren.

Auf dem Reichstag zu Speyer 1529 wurde das Wormser Edikt bestätigt. Im „Augsburger Bekenntnis“, geschrieben von Luthers Weggefährten Philipp Melanchton, legten die protestantischen Fürsten dar, dass ihre Religion sich nicht gegen den Kaiser richtete – doch der reagierte wieder hart. Der Reichstag setzte auch das „Wiedertäufermandat“ in Kraft; danach könnten Täufer, wenn sie nicht abschwörten, sofort und ohne Verfahren hingerichtet werden.

Die protestantischen Fürsten schlossen sich 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Doch die Türken unter Süleiman dem Prächtigen bedrohten Wien und der Kaiser musste sich mit den Fürsten einigen, damit er seinen Feldzug finanzieren konnte. Der Nürnberger Religionsfrieden von 1532 war dann auch eher ein Waffenstillstand: Bis zu einem Konzil über Glaubensfragen sollten die Protestanten ihre Religion ausüben dürfen.

Erzbischof Hermann von Wied und Herzog Wilhelm V. von Berg

Erzbischof Hermann von Wied von Köln (1515-1547) war zunächst hart gegen Reformatoren und vermeintliche Ketzer vorgegangen. Doch als guter Landesherr sah er, wie drängend Reformen innerhalb der katholischen Kirche waren. Als sie trotz seines jahrelangen Bemühens nicht zustande kamen, rief er schließlich Theologen der Reformation ins Land, unter ihnen Martin Bucer aus Straßburg und Philipp Melanchton aus Wittenberg. Bei vielen Menschen fand er Unterstützung, denn seine Neuerungen kamen ihnen entgegen. Von Bonn aus verbreitete sich die Reformation auch in den Dörfern auf der rechten Rheinseite. Dabei übte Hermann keinen Zwang aus, es gibt ein friedliches Nebeneinander der Konfessionen.

Im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg regierte Herzog Wilhelm V. (1539-92), der Bruder von Anna von Kleve, der vierten Ehefrau Heinrichs VIII. von England. Der Herzog war ein aufgeschlossener Katholik und brachte der Reformation und Erzbischof Hermann von Wied Toleranz entgegen.

Doch dann änderten sich die politischen Rahmenbedingungen. Nach jahrzehntelangem Krieg im Ausland hatte Kaiser Karl V. den Rücken frei, um endlich auch in Deutschland seine Macht zu zeigen.  Als Herzog Wilhelm Anspruch auf Stadt und Region Geldern erhob, ging der Kaiser mit Waffengewalt gegen ihn vor und setzte sich durch. Im Vertrag von Venlo 1543 wurde Herzog Wilhelm gezwungen, auf Geldern zu verzichten und in seinem Herzogtum streng gegen die Reformatoren vorzugehen.

Der Kölner Erzbischof Hermann von Wied hatte sich durch seine Reformen das Domkapitel zum Feind gemacht. 1545 wurde er zum Papst und zum Kaiser in Brüssel zitiert und 1547 abgesetzt.

Konzil und Krieg (1545-1548)

In der nächsten Jahren gewann der Kaiser die Oberhand. Endlich kam auf Drängen des Kaisers das Konzil von Trient zusammen, doch es unterstand dem Papst, nicht dem Kaiser, und es war kein deutsches Konzil, wie es die Protestanten gefordert hatten. Daher weigerten sich die deutschen protestantischen Fürsten, Vertreter zu entsenden und sich seinen Beschlüssen zu unterwerfen. Das Konzil beschloss die Gegenreformation, getragen vor allem vom Jesuiterorden.

Es kam zum Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund 1546/47. Mit Hilfe seiner spanischen und italienischen Söldner setzte sich Kaiser Karl V. durch. Auf dem anschließenden „geharnischten“ Reichstag 1548 in Augsburg wollte er den Protestanten eine Religion diktieren (Augsburger Interim).

Karls Sieg verschärfte auch den Druck auf Herzog Wilhelm: Nun musste er den Beweis liefern, dass sein Herzogtum römisch-katholisch blieb. 1550 beauftragte er seine Amtmänner mit einer Inspektion sämtlicher Pfarreien in seinem Territorium; er musste beweisen, dass die überwiegende Zahl der Geistlichen und ihrer Gemeinden katholisch war und Abweichler entfernt wurden. Die Protokolle dieser „Visitationen“ sind unsere wichtigste Quelle aus jener Zeit.

Augsburger Religionsfrieden (1555)

Der „geharnischte Reichstag“ von Augsburg war zunächst ein Sieg für Karl, aber auch ein Wendepunkt. Die protestantischen Länder setzten das Augsburger Interim nur zögernd um, und auch die katholischen Fürsten fürchteten das spanische Übergewicht. Als Karl seinen Sohn Philipp II. von Spanien als Nachfolger vorschlug, rebellierten die Fürsten. Vereint und mit Unterstützung des französischen Königs bereiteten sie dem Kaiser eine vernichtende Niederlage. Karl V. musste fliehen.

Sein Bruder Ferdinand I. übernahm die Regierung in Deutschland (1556-1564) und schloss mit den Protestanten den Augsburger Religionsfrieden. Fortan sollte der Landesherr die Religion für sich und sein Gebiet bestimmen: „wessen Land, dessen Religion“. Doch nur das lutherische Bekenntnis wurde als dem katholischen gleichberechtigt anerkannt, nicht das reformierte. Eine weitere Bestimmung, der „geistliche Vorbehalt“ besagte, dass ein katholischer geistlicher Würdenträger, z.B ein Erzbischof, selbst durchaus Protestant werden konnte – sein erzbischöflicher Besitz aber verblieb bei der katholischen Kirche.

Im Herzogtum Berg konnte Herzog Wilhelm aufatmen, nun erlaubte er in seinen Ländern den Laienkelch und die Priesterehe.

Das Reich, zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Kaiser Karl V. hatte letztendlich verloren, sein Nachfolger Ferdinand I. hatte mit den Fürsten den Augsburger Religionsfrieden geschlossen.

Glaubensspaltung

Täufer und Calvinisten

In unserer Region finden wir ein erneutes Ansteigen der Reformation. Doch nun war weniger von den Ideen Martin Luthers, als vielmehr von denen Jean Calvins geprägt.

Calvinisten

Die „Reformierte Kirche“ des Jean Calvin war 1541 in Genf entstanden und verbreitete sich schnell nach Frankreich, den Niederlanden, England und Schottland und später nach Nordamerika. Auch in Deutschland fand der Calvinismus Anhänger, allen voran die Herrscher Brandenburg-Preußens.

Auch in unserer Region gab es calvinistische Gemeinden, so in Niederdollendorf und Oberkassel. Doch es war gefährlich, sich zum Calvinismus zu bekennen, denn der Augsburger Religionsfrieden erkannte nur das lutherische Bekenntnis an, nicht aber das reformierte. Vor allem kämpften die calvinistischen Niederlande seit 1566 um ihre Unabhängigkeit vom habsburgischen Spanien. Da war es undenkbar, dass die habsburgische Obrigkeit im Reich calvinistische Gemeinden so nah an der Grenze duldete.

Täufer

Noch mehr als der Calvinismus hatte das Täufertum mennonitischer Prägung in den rechtsrheinischen Dörfern Fuß gefasst. Sie lehnten die Kindestaufe ab und ließen nur die Erwachsenentaufe gelten. In Ober- und Niederdollendorf, Oberkassel, Honnef und im erzbischöflichen Königswinter gab es Täufergemeinden.

Die Bewegung war sehr vielschichtig und umfasste Menschen, die Unrecht bewusst erduldeten, aber auch Gewaltbereite, denen jedes Mittel recht schien („Gottesstaat“ in Münster 1534/35). Darüber hinaus verlangten sie Religionsfreiheit und die radikale Trennung von Kirche und Staat. Das war eine politisch brisante Forderung, und sie führte zu Verfolgungen durch die katholische und die protestantische Obrigkeit.

Seit dem Reichstag von Speyer 1529 galt das „Wiedertäufermandat“. Täufer, die nicht abschworen, konnten sofort hingereicht werden. Die Täufer in unserer Region waren gewaltlos, ja pazifistisch, aber auch sie wurden verfolgt. Zwar wurde das im Rheinland milder gehandhabt als in anderen Gegenden, doch auch hier kam es zu Hinrichtungen. 1565 wurde der aus Dollendorf stammenden Prediger Conrad Koch in Honnef hingerichtet.

Gegenreformation

Seit dem von Karl V. einberufenen Konzil von Trient ging die katholische Kirche und die katholische Obrigkeit daran, die Reformation zurückzudrängen – wenn es sein musste auch gewaltsam. In unserer Region kam die Gegenreformation zunächst nicht voran. Den meisten Menschen war religiöser Fanatismus fremd, zumal die Unterschiede zwischen den Konfessionen längst nicht jedem klar waren. Noch regierte in Berg Herzog Wilhelm V., der tolerante Landesherr, und noch hatte die harte Gegenreformation nicht die Mittel, sich überall durchzusetzen. Das sollte sich zum Ende des 16. Jahrhunderts ändern.

Zum Weiterlesen
Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg im Portal Rheinische Geschichte, LVR

Glaubensspaltung und Erbfolgekriege
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