Erster Weltkrieg

Zerstörte Häuser

Am 28. Juni waren in Sarajevo der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Gattin Sophie ermordet worden

Juli-Krise

Den Juli hindurch gab es eine rege diplomatische Aktivitäten zwischen den Hauptstädten Europas. Doch am 23. Juli stellte Österreich-Ungarn Serbien ein sehr scharf formuliertes Ultimatum. Obwohl die serbische Regierung auf fast alle Forderungen einging und sogar Wilhelm II. einlenkte, erklärte Österreich-Ungarn Serbien am 28. Juli den Krieg. Am 30. Juli machte Russland mobil, daraufhin unterzeichnete Wilhelm II. die Proklamation drohender Kriegsgefahr.

Nach dem sogenannten Schlieffenplan für einen Zweifrontenkrieg musste Deutschland Frankreich besiegen, während die Mobilmachung im riesigen Russland noch lief. Am 1. August erklärte Deutschland Russland, am 3. August an Frankreich den Krieg. Viele Politiker und Militärs waren überzeugt, dass der Krieg zur Durchsetzung berechtigter Ansprüche zulässig war, und viele Soldaten wollten für eine gute und gerechte Sache in den Kampf ziehen und meldeten sich freiwillig. Sie wurden mit Jubel verabschiedet, und Priester aller Konfessionen segneten sie. Dabei verfolgten alle kriegsführenden Länder weit gesteckte Kriegsziele.

„Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.“ Wilhelm II.

Die Parteien schlossen für die Zeit des Kriegs einen Burgfrieden. Als der Reichstag 1914 über die nötigen Kriegskredite zu entscheiden hatte, stimmten alle Parteien zu, auch die SPD: „Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich (…)“ Auch die vielbeschworene internationale Solidarität der Sozialisten galt nicht mehr.

Doch die SPD zerbrach darüber. Ende 1914 stimmte lediglich Karl Liebknecht (1871-1919) gegen weitere Kriegskredite, doch Ende 1915 waren es über 43 Abgeordnete. Die Linken um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht forderten die Rückkehr zu der Vorkriegspolitik der SPD, aus diesem Kreis ging 1916 der Spartakusbund hervor. Im März 1916 wurden die extremen Linken aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen.

Kriegsjahre 1914-1916

Westfront

Die deutschen Truppen drangen durch das neutrale Belgien nach Frankreich ein; daraufhin erklärte England am 4. August Deutschland den Krieg. An der Marne stießen die deutschen und französischen Truppen aufeinander, und auf der Höhe der Schlacht befahl die Oberste Heeresleitung (OHL) den Rückzug. Die Franzosen sprachen vom „Wunder an der Marne“, der deutsche Schlieffenplan war gescheitert. An der Westfront begann der Stellungskrieg: Millionen Soldaten lagen sich in Schützengräben gegenüber, und mit ungeheurem Einsatz von Menschen und modernsten Waffen – Maschinengewehre, schwere Geschütze, Flugzeuge und Panzer, Flammenwerfer und Giftgas – sollte die Entscheidung erzwungen werden.

Ostfront

Im Osten konnten die deutschen Truppen unter General Paul von Hindenburg und seinem Stabschef Erich Ludendorff den Vormarsch der russischen Armeen nach Ostpreußen stoppen. Doch in Galizien schlugen die Russen Österreich-Ungarn vernichtend. Das Jahr 1915 brachte den deutschen Truppen weitere Siege, Kurland und Litauen und auch Serbien wurden erobert. Bulgarien schloss sich den Mittelmächten an; Italien der Entente. Während im Westen die Schlacht an der Somme tobte, griffen die Russen erneut an; Rumänien tritt auf Seiten der Entente in den Krieg ein.

Seeblockade und U-Boote

Gleich zu Beginn des Krieges hatte England die Nordsee gesperrt und so alle Lieferungen an Deutschland und seine Verbündeten unterbunden – auch Lebensmittel. Da nach Einschätzung der deutsche Admiralität nur der Einsatz der neuen U-Boote helfen konnte, erklärte Deutschland im Februar 1915 das Seegebiet um die Britischen Inseln zum Kriegsgebiet, in dem jedes Schiff ohne Warnung torpediert würde. Als auch Amerikaner dabei getötet wurden, protestieren die USA scharf und drohten ihrerseits mit Krieg. Ab Frühjahr 1916 wurden Handelsschiffe nicht mehr ohne Warnung versenkt.

Verdun und Somme

Im Februar 1916 griffen die deutschen Soldaten Verdun an, das Kernstück der französischen Befestigung. Nach sechs Monaten mörderischen Kampfes waren mehr als 500.000 Soldaten in der „Hölle von Verdun“ gefallen. Noch während der Schlacht um Verdun begannen Engländer und Franzosen eine Großoffensive. In der größten Materialschlacht an der Somme starben eine Millionen Soldaten. Unter den Toten waren auch die Freunde August Macke und Franz Marc. Macke fiel am 26. September 1914 südlich von Perthes-les-Hurlus, Marc am 4. März 1916 vor Verdun.

Uneingeschränkter U-Boot-Krieg

Doch die Blockade machte Deutschland immer mehr zu schaffen; im Winter 1916/1917 ernährten sich viele hauptsächlich von Steckrüben. Seit Ende 1916 drängte die OHL auf den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, im Februar 1917 gabtder Kaiser nach; vergeblich erinnerte Reichskanzler Bethmann-Hollweg an die Drohung der USA. Die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges führte zum Kriegseintritt der USA. Neben ideellen Motiven – dem Kampf für die Demokratie gegen das monarchisch-autokratische Regiment, dem Einsatz für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und dem Schutz der international garantierten Freiheit der Meere – gab es auch wirtschaftliche Motive für den Kriegseintritt der USA: Bei Kriegsbeginn hatten die Entente-Mächte Kriegsanleihen in den USA aufgenommen und die Ausfuhr nach England und Frankreich war um das Dreifache gestiegen, so dass die USA auch ihre bisherigen Kriegsanleihen sichern wollten.

Epochenjahr 1917

Die deutsche Kriegspropaganda versprach immer wieder den Sieg. Doch die Menschen litten immer mehr, die sozialen Spannungen brachen wieder auf, im Frühjahr kam es zu Generalstreiks und der innenpolitische Burgfriede zerbrach.

Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD)

Am 7. April 1917 trennte sich die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) von der SPD ab. In vielen Betrieben wählten die Arbeiter „Revolutionäre Obleute“, die Protestaktionen organisierten und weitgehend die USPD unterstützten.

Friedensresolution

Auch Politiker anderer Parteien forderten einen Verständigungsfrieden. Matthias Erzberger (Zentrum), der zunächst auch Annexionen befürwortet hatte, warb nun für eine Friedensresolution. Am 19. Juli 1917 wurde sie im Reichstag mit den Stimmen des Zentrums, der Fortschrittlichen Volkspartei und der SPD verabschiedet. Doch die Oberste Heeresleitung (OHL), an ihrer Spitze Hindenburg und Ludendorff, sah darin ein Eingeständnis der Schwäche und erzwang den Rücktritt des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg. Zwar wurde ein neuer Reichskanzler ernannt, de facto aber bestimmte die OHL, genau gesagt General Ludendorff, die deutsche Politik. Kaiser Wilhelm II.iwar längst an den Rand gedrängt und der Situation nicht gewachsen. Die Rechten schlossen sich zur Vaterlandspartei zusammen und forderten weiter einen Siegfrieden.

Kriegseintritt der USA

Die Vereinigten Staaten unter Präsident Woodrow Wilson waren bislang neutral geblieben. Sicher standen die demokratischen USA den demokratischen Regierungen der Entente näher, und ein Hauptanliegen Präsident Wilsons war das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Wirtschaftlich waren die USA beteiligt, denn bei Kriegsbeginn hatten die Entente-Mächte Kriegsanleihen in den USA aufgenommen, und die Ausfuhr nach England und Frankreich auf dem Seeweg war um das Dreifache gestiegen.

Nach dem deutschen Überfall auf das neutrale Belgien, dem „Rape of Belgium“, kippte die Stimmung gegen Deutschland. Die Deutschen wüteten „wie die Hunnen“, druckte man auf die Werbeplakate in Großbritannien. Dann, am 7. Mai 1915, war das britischen Passagierschiff RMS Lusitania vor Südirland durch deutsche U-Boote versenkt worden. Unter den Opfern waren auch amerikanische Staatsbürger. Die USA hatten scharf protestiert und ihrerseits mit Krieg gedroht.

Dann hatte die Briten Mitte Januar 1917 ein verschlüsseltes Telegramm des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amt, Arthur Zimmermann, an den deutschen Gesandten in Mexiko abgefangen. Es war eine Ankündigung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs und eine Bündniseinladung an Mexiko. Am 1. April berichtete die „New York Times“ über das deutsche Angebot und veröffentlichte den Text der Depesche. Der Präsident, seine Regierung und die Öffentlichkeit der USA waren empört. Man begann, der deutschen Staatsleitung so gut wie alles zuzutrauen.

Präsident Woodrow Wilson war entschlossen, und auch viele Politiker und Bürger hielten es nun für richtig, gegen ein als aggressiv angesehenes Deutsches Reich in den Kampf zu ziehen. Am 6. April 1917 erklärten die USA Deutschland den Krieg. Für die Deutschamerikaner begann eine schwere Zeit.

Revolution in Russland

In Russland hatte die Februarrevolution Zar Nikolaus II. zur Abdankung gezwungen. Doch im Oktober desselben Jahr übernahmen die Bolschewiki unter Lenin gewaltsam die Macht, ein verheerender Bürgerkrieg brach aus. Das war durchaus im Interesse der deutschen Regierung, denn auf diese weitere Destabilisierung des Kriegsgegners Russlands hatte sie gehofft und Lenins Reise aus seinem Schweizer Exil in einem plombierten Eisenbahnwagen ermöglicht. Lenin wiederum war die militärische Niederlage Russlands willkommen, denn dann würde es in Russland die sozialistischen Revolution siegen, vielleicht sogar auf der ganzen Welt.

Kriegsjahr 1918

Frieden und Brot! Generalstreiks

Im Januar 1918 kam es erstmals seit Kriegsbeginn in vielen Städten zu einem politischen Massenstreik für die Beendigung des Krieges, für einen Verständigungsfrieden und die grundlegende Demokratisierung des Reiches. Allein in Berlin streikten rund 500.000 Menschen. Die Revolutionären Obleute in den Betrieben standen überwiegend der USPD nah. Um ihren eigenen Einfluss auf die Arbeiter zu wahren, trat die SPD in Berlin in die Streikleitung ein – aus Sicht der anderen Reichstagsparteien war das Verrat. Erst als die Regierung den verschärften Belagerungszustand über Berlin verhängte, die Großbetriebe militärischer Kontrolle unterstellte und mit Verhaftung oder Einberufung drohte, wurden die Streiks abgebrochen.

Die letzten Offensiven

Seit sich die Amerikaner am Krieg beteiligten, konnten die Alliierten mit ihrer Unterstützung neue Offensiven beginnen. Sie sollten die Entscheidung bringen. In der Champagne und in Flandern entwickelten sich Materialschlachten, wie man sie bisher nicht gekannt hatte.

An der Ostfront hatte Lenin bereits am 8. November 1917 Frieden angeboten, doch zunächst waren die Kämpfe weitergegangen. Im März 1918 wurde dann der sehr harte Frieden von Brest-Litowsk unterschrieben. Nun hofften Hindenburg und Ludendorff, mit den im Osten frei gewordenen Divisionen den Sieg an der Westfront zu schaffen, bevor die amerikanischen Truppen eingreifen konnten. Verhandlungen auf der Basis von Wilsons 14 Punkten lehnten sie entschieden ab. Ein letzter, alle Kräfte einsetzender Angriff sollte die Front der Gegner durchbrechen und die Entscheidung bringen.

Doch die Amerikaner trafen schneller in Europa ein als erwartet. Ihre Verstärkung und die neue Panzer brachten die Entscheidung für die Alliierten; die deutsche Front muss zurückgenommen werden. Ab Mitte August war die Lage hoffnungslos.

Waffenstillstandsgesuch

Anfang Oktober bat das Deutsche Reich um Waffenstillstand, auf der Basis der 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Gut einen Monat waren Noten hin und her gegangen. Wilson verlangte die Räumung der besetzten Gebiete und die Einstellung des U-Boot-Krieges; zudem würde er „mit den militärischen Beherrschern und monarchistischen Autokraten“ nicht verhandeln.

Daher sollte ein demokratischer Politiker Deutschland vertreten, Matthias Erzberger vom Zentrum. Es war eine sehr schwere Aufgabe, denn ganze Regionen im Nordosten Frankreichs und Belgiens waren zerstört und durch Minen und Giftgas auf Jahre hin eine lebensfeindliche Umgebung geworden. Noch im Rückzug hatten die deutschen Truppenführer angeordnet, alles nieder zu brennen.

All dies war der Obersten Heeresleitung unter Ludendorff und Hindenburg wohl bewusst. Für die bitteren Folgen der Niederlage sollten nicht die Generäle des Kaisers. sondern die demokratischen Politiker geradestehen. „Sollen sie doch die Suppe auslöffeln, die sie uns eingebrockt haben“, so Ludendorffs zynischer Kommentar.

Parlamentarische Monarchie

Kaiser Wilhelm II. ernannte den als liberal geltenden Prinz Max von Baden zum Reichskanzler. Der Prinz rief Vertreter der Mehrheits-Sozialdemokraten und Zentrumspolitiker in sein Kabinett. Eilig änderte man Ende Oktober die Verfassung. Nun war der Kanzler nicht mehr dem Kaiser, sondern dem Parlament verantwortlich. Deutschland war eine parlamentarische Monarchie.

Der Kaiser selbst hatte Berlin verlassen. Nun saß er im Hauptquartier der Obersten Heeresleitung im belgischen Spa und hoffte, dass er bald mit seinen Truppen in Berlin einmarschieren konnte, doch er verkannte die Lage völlig.

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