Europa zur Stauferzeit

Richard und Otto, Heinrich VI. und Konstanze
Richard und Otto, Heinrich VI. und Konstanze

Auch wenn es hier um die Stauferzeit im Siebengebirge geht, sollten wir einen Blick über das Rheinland und Deutschland hinaus werfen, in Europa der Stauferzeit.

Der Reichsdienst führte die rheinischen Herren oft weit weg, und die Könige und Kaiser nach Barbarossa waren europäisch geprägt.

Die Kölner Erzbischöfe waren Kanzler des Reiches, die Grafen von Sayn und die Grafen von Berg standen im Reichsdienst, das heißt sie folgten den Kaisern auf ihren Heerzügen nach Italien oder ins Heilige Land.

Normannisches Königreich Sizilien

In Süditalien und Sizilien hatten die Normannen ihr Königreich errichtet, und zwar mit dem Segen des Papstes. Der erste König war Roger II. Zwei seiner Nachkommen werden wir später treffen: seine Tochter Konstanze und seinen Enkel Friedrich II.

Die Plantagenets in Frankreich

Frankreich war umstritten. König Ludwig in Paris herrschte nur über die Ile de France und die angrenzende Gebiete. Der größte Teil Westfrankreichs hingegen gehörte den anglonormannischen Plantagenets, König Heinrich II. von England und seiner Ehefrau Eleonore von Aquitanien. Ihren Sohn Richard I. Löwenherz und ihren Enkel Otto IV. treffen wir in diesem Kapitel. Französisch war auch ihre Muttersprache.

Europäisch geprägte Herrscher

Betrachten wir schließlich die Könige und Kaiser selbst. Friedrich I. Barbarossa können wir, trotz seiner zahlreichen Italienzüge, noch ganz nördlich der Alpen verorten. Bei seinem Sohn Heinrich VI. ist das schon anders, denn seine Mutter Beatrix stammte aus Burgund, und seine Ehefrau Konstanze von Hauteville war die Erbin des Königreichs Sizilien. Heinrich VI. wurde in Palermo gekrönt. Barbarossas Enkel Friedrich II. war dann ganz Sizilianer, er liebte die Insel und Süditalien, vor allem Apulien. Dort hat er wohl Volgare gesprochen, das mittelalterliche Italienisch. Das Zentrum seines Kaiserreiches war Süditalien, das nordalpine Reich seines Großvaters kam an zweiter Stelle.

Otto IV. war Welfe durch seinen Vater Heinrich den Löwen, und Plantagenet durch seine Mutter Mathilde von England. Als Heinrich der Löwe verbannt wurde, ging er mit seiner Familie ins Exil an den Hof seines englischen Schwiegervaters Heinrich II. Otto war damals ein Bub und wuchs in der anglonormannschen Kultur seiner Mutter und seines Onkels Richard Löwenherz auf, folglich war seine erste Muttersprache wohl Französisch. Er war Graf von Poitou, als Richard Löwenherz ihn als Thronkandidaten vorschlug. Und Richard selbst dürfte seine Gefangenschaft in Deutschland nicht vergessen haben.

Europa zur Stauferzeit | Zum Weiterlesen
Das Buch der Königin, ein historischer Roman über Konstanze von Hauteville