Friedrich Barbarossa und die Kölner Erzbischöfe

Stauferzeit, Barbarossa und die Kölner Erzbischöfe
Stauferzeit, Barbarossa und die Kölner Erzbischöfe

Europa um 1150

Heiliges Römisch Reich

Der größte Teil Mitteleuropas und Teile Südeuropas gehörten zum Heiligen Römischen Reich. Heiliges Römisches Reich? Das kommt aus der Tradition Karls des Großen und Otto I. Beide wurden in Rom zum Kaiser gekrönt. Die hochmittelalterlichen Herrscher sahen sich in der Nachfolge der antiken römischen Kaiser, denn sie erneuerten das antike Reich im christlichen Sinn, und  Gottes Wille selbst legitimierte ihre Herrschaft. Der König trug den Titel „römisch-deutscher-König“ und zog zur Kaiserkrönung nach Rom.

Normannisches Königreich Sizilien

In Süditalien und Sizilien hatten die Normannen ihr Königreich errichtet – mit dem Segen des Papstes. Der erste König war Roger II. Zwei seiner Nachkommen werden wir später treffen: seine Tochter Konstanze und seinen Enkel Friedrich II.

Die Plantagenets in Frankreich

Frankreich war umstritten. König Ludwig in Paris herrschte nur über die Ile de France und die angrenzende Gebiete. Der größte Teil Westfrankreichs gehörte den anglonormannischen Plantagenets, König Heinrich II. von England und seiner Ehefrau Eleonore von Aquitanien. Ihren Sohn Richard I. Löwenherz und ihren Enkel Otto IV. werden wir später treffen. Französisch war auch ihre Muttersprache.

Das Reich

Friedrich I. Barbarossa

Im Heiligen Römischen Reich regierte seit 1152 Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus der Familie der Staufer. Für viele war er der Inbegriff eines Königs und Kaisers, denn er war zumeist ritterlich und von seiner hohen Aufgabe erfüllt. Nach den Wirren des Investiturstreits unter den letzten Saliern und dem Scheitern des Zweiten Kreuzzugs wollte er dem Kaisertum neuen Glanz schenken.

Kaiser und Papst

Die streitbaren Päpste des Hochmittelalters sahen das anders: Für sie war der Kaiser der Mond, der seinen Glanz von der Sonne, dem Papsttum erhielt. 80 Jahre zuvor hatte der Salier Heinrich IV. den „Gang nach Canossa“ antreten müssen.

Die veränderten Machtverhältnisse trafen Barbarossa mit voller Wucht. Mehrfach brachte ihn Papst Hadrian IV. zur Weißglut, um seine Kaiserkrone musste er in Rom regelrecht schachern, und dann wiegelte der Papst auch noch die Stadtrömer und die deutsche Geistlichkeit gegen ihn auf. Barbarossa langte es: „Das Reich ist heilig!“ donnerte er. In jenen Jahren  entstand in den staufischen Kanzleien der Name „Sacrum Imperium“, Heiliges Reich.

Staufer und Welfen

Neben den Staufern gehörten die Welfen zu den ersten Familien des Reiches. Bei der Wahl des ersten Stauferkönigs hatten sich die Welfen übergangen gefühlt, seither schwelte ein Konflikt. Barbarossa, Sohn eines Staufers und einer Welfin, sollte Frieden stiften. Er versöhnte sich dann auch mit seinem welfischen Vetter Heinrich dem Löwen und übertrug ihm die Herzogtümer Sachsen und Bayern. Seit 1165 war Heinrich zudem Schwiegersohn des englischen Königs Heinrichs II. Plantagenet. Kein anderer Fürst im Reich hat eine solche Machtfülle. Dafür hielt der Löwe dem Kaiser den Rücken frei.

Die Kölner Erzbischöfe – mächtige Männer in Reich und Region

Burg Wolkenburg

Auch die Kölner Erzbischöfe waren mächtige Männer: Sie krönten den König in Aachen, und Barbarossas Kanzler war der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel (1159-67). Auch in unserer Region hatten sie das Sagen. Seit 1118 stand ihre Burg auf dem Berg Wolkenburg; es war die erste Burg im Siebengebirge. Doch die Grafen von Sayn und die Grafen von Berg machten dem Erzbistum die Vorherrschaft zunehmend streitig. 1139 hatten die Grafen von Sayn sogar die Grafschaft Bonn belagert.

Burg Drachenfels

Um 1140 hatte Erzbischof Arnold I. von Merxheim mit dem Bau einer Burg auf dem Drachenfels begonnen. Doch seine Männer plünderten in den Dörfern der Umgebung und zerstörten Felder und Weinberge. Besonders schlimm traf es das Bonner St. Cassius-Stift, deshalb bat dessen Propst Gerhard von Are den Erzbischof immer wieder dringend, ihm die Burg zu übertragen. Doch erst als der Erzbischof selbst in Bedrängnis kam, gab er nach. 1149 übertrug er die Burg an das St. Cassiusstift.

Barbarossas Italienzüge

Während am Drachenfels gebaut wurde, zog Kaiser Friedrich Barbarossa immer wieder mit einer großen Armee über die Alpen gegen die oberitalienische Städte.

Oberitalien gehörte seit den Tagen Ottos des Großen zum Reich, und die lombardischen Städte waren reich. Doch inzwischen hatten die deutschen Herrscher im Kampf mit dem Papsttum viel Ansehen und Einfluss verloren. Die aufblühenden Städte hatten den Freiraum für sich genutzt, prägten ihre eigenen Münzen, forderten Zölle und Steuern nach eigenem Ermessen und für ihre Kassen, und Selbstverwaltung. Was Barbarossa für die Rechte des Reiches hielt, empfanden sie als Unrecht. Sie hatten sich alles selbst erarbeitet, durch Fleiß und Unternehmergeist, und nun kam der Kaiser von jenseits der Alpen mit seinem Heer über sie.

Der Kampf wurde auf beiden Seiten unerbittlich, ja grausam geführt. Barbarossa ließ sogar 1162 Mailand zerstören. Die wertvollen Mailänder Reliquien verteilte er an seine Bischöfe, die kostbarsten, die Gebeine der Heiligen Drei Könige, brachte Kanzler Rainald von Dassel 1164 als Kriegsbeute nach Köln.

Nach dem Tod Papst Hadrians IV. kam es zu einer Doppelwahl. Barbarossas Favorit Viktor IV. fand kaum Anerkennung in Europa, dafür umso mehr Gegenpapst Alexander III. Der bannte den Kaiser.

Der Drachenfels steht

Propst Gerhard von Are in Bonn wird einige dankbare Gedanken zu Viktor nach Rom geschickt haben, denn am 11. September 1162 bestätigte der ihm den Erwerb des Drachenfelses. 1167 war die Burg fertiggestellt. Es war eine Gipfelburg, gut geschützt durch ihre Lage. Angreifer konnten kaum schweres Belagerungsgerät herauf bringen; zudem waren sie Brandpfeilen, Steinen und Pechnasen ausgesetzt.

Die Verwaltung von Burg Drachenfels übertrug das St. Cassius-Stift Dienstleuten, den Ministerialen. Diese Personengruppe treffen wir seit Barbarossas Zeit im Stauferreich an, sie übernahmen Verwaltungsaufgaben und leisteten ebenso Kriegsdienst. Auf dem Drachenfels ist als erster Godart genannt, der Zusatz „vom Drachenfels“ bezeichnet den Dienstort.

Der Sturz Heinrichs des Löwen und der Aufstieg Philipps von Heinsberg

Heinrich der Löwe war der nach dem Kaiser mächtigste Mann in Deutschland, und so trat er auch auf. Das schürte Unmut und Neid bei den anderen Fürsten. Als Barbarossa 1176 erneut gegen die oberitalienischen Städte zog, verweigerte der Löwe ihm die Gefolgschaft. Der Kaiser erlitt eine schwere Niederlage, musste Frieden schließen und den ihm verhassten Alexander III. als Papst anerkennen.

Doch Heinrich der Löwe hatte den Bogen überspannt. Über ihn wurde die Reichsacht verhängt, Kaiser und Fürsten gingen mit Waffengewalt gegen ihn vor. Schließlich verlor er all seinen Besitz bis auf Braunschweig und Lübeck, und wurde für drei Jahre verbannt. Er ging mit seiner Familie an den Hof seines englischen Schwiegervaters.

Am meisten profitierte der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg vom Sturz Heinrichs des Löwen, er bekam dessen Gebiete in Westfalen. Nun war er der mächtigste Mann nach dem Kaiser.

Kaiser und Lehnsleute

Die Grafen von Sayn

Wir wissen nicht viel darüber, was in den frühen Regierungsjahren Barbarossas im Bonner Raum geschah. Es gab wohl eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Kölner Erzbischof und der ersten Generation der Grafen von Sayn. In der zweiten Generation hatten die Grafen es dann geschafft: Durch militärische Erfolge, kluge Politik und Ehen mit anderen Adelshäusern waren sie zu einem bedeutenden Geschlecht in unserer Region aufgestiegen. Oberhalb der Sieg entstand ihre Burg Blankenberg. Das brachte ihnen freilich erheblichen Ärger mit den Äbten von Siegburg und deren Vögten, den Grafen von Berg. Erzbischof Philipp von Heinsberg vermittelte; 1181 war Burg Blankenberg fertiggestellt.

Die Grafen von Berg

Die Berger waren eine mächtige Familie, die bereits zwei Kölner Erzbischöfe gestellt hatte und auch weiter dieses Amt anstrebte. In jenen Jahren treffen wir sie nur im nördlichen Teil des Siebengebirgsraums. Sie waren Vögte der Abtei Siegburg, und damit auch deren Propstei in Oberpleis.

„Höfische Zeit“ – Minnesang und Heldenepen

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts begann die „Höfische Zeit“, eine Blütezeit der Literatur und der Kunst. In jener Zeit entstanden Heldenepen wie das Nibelungenlied, höfische Romane wie Parzival und der Minnesang. Viele große Minnesänger waren zugleich Ritter, so  gehört der Minnesänger Friedrich von Hausen gehörte zu den Ministerialen im Stab des Kaisers.

Ein erster Höhepunkt war der glanzvolle Mainzer Hoftag zu Pfingsten 1184, auf dem die Kaisersöhne Heinrich und Friedrich zu Rittern geschlagen wurden. Das Bild des Ritters hatte sich gewandelt. Er war nicht mehr nur der Berufssoldat zu Pferde, nun kam der ethische Anspruch hinzu: der Ritter musste sich im Kampf auszeichnen, aber genau durch geziemendes „höfliches“ Verhalten am Hof, und vor allem musste er das Christentum auch leben und die Schwachen schützen.

„Vom Kölner Pfaffen gezwungen ..“der Erzbischof überzieht

Der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg hatte eine Machtfülle, die den Kaiser und die anderen Fürsten beunruhigte. Auf dem Hoftag in Mainz kam es zu einem Rangstreit um den Platz zur Linken des Kaisers, da wollte der Erzbischof schon verärgert abreisen. In den folgenden Jahren opponierte er zunehmend gegen den Kaiser.

Als Philipp im März 1187 nach Köln einlud, folgten 4.000 Ritter dem Ruf. Aus Sicht des Kaisers machte der Erzbischof mobil, deshalb zog er im Juni 1187 mit einem Heer gegen Köln. Verhandlungen scheiterten. Schließlich erklärte Barbarossa am Weihnachtstag 1187 von Trier aus, „er werde in seinem vorgerückten Alter vom Kölner Pfaffen gezwungen, ein Heer zu sammeln und gegen seinen Willen einen Teil des Reichs zu verwüsten“. Wir wissen nicht, ob es wirklich dazu kam, hoffentlich nicht. Letztendlich behielt der Kaiser die Oberhand, Erzbischof Philipp unterwarf sich im März 1188.

Zisterzienser auf dem Stromberg

Zurück ins Siebengebirge. Das Erzbistum Köln hielt die Burgen Wolkenburg und Drachenfels. Auf dem Stromberg, dem heutigen Petersberg, stand eine kleine Kirche, die Augustinermönche um die Mitte des Jahrhunderts errichtet hatten. Nun waren sie fortgezogen, und Erzbischof Philipp hatte sich vorsichtshalber alle Rechte an dem Berg gesichert.

Im März 1189 rief er Zisterzienser aus Himmerod ins Siebengebirge. Am 22. März kamen zwölf Mönche unter ihrem Abt Hermann über die Mosel und den Rhein auf den Stromberg. Sie bezogen die verlassenen Gebäude, bauten die Kirche aus und widmeten sie dem Heiligen Petrus, seitdem hieß der Berg Petersberg.

Auch das hat eine politische Seite. Seit 1181 stand die Burg Blankenberg der Grafen von Sayn an der Sieg. Zwar waren die Grafen treue Lehnsleute des Kölner Erzbischofs und hatten ihm sogar bei seiner Machtprobe mit dem Kaiser zur Seite gestanden, doch zu mächtig wollte er sie nicht werden lassen. Nun, da sich Zisterziensermönche auf dem Petersberg ansiedelten, konnte kein anderer dort seine Burg bauen.

Dritter Kreuzzug

Endlich herrschte Frieden im Reich, Barbarossa wurde allseits respektiert. Sein ältester Sohn und Thronfolger Heinrich VI. arbeitete bereits in der Regierung mit. 1186 hatte er Konstanze von Hauteville geheiratet, die das Königreich Sizilien erben würde, falls König Wilhelm in Palermo kinderlos starb.

Doch aus dem Nahen Osten kamen bedrohliche Nachrichten: Im Juli 1187 hatten die Araber unter Sultan Saladin ein christliches Heer vernichtend geschlagen; das wahre Kreuz war in ihren Händen, Anfang Oktober war Jerusalem gefallen. Der hochbetagte Kaiser nahm das Kreuz und brach 1189 ins Heilige Land auf. Mit dabei waren auch Graf Heinrich II. von Sayn und Graf Engelbert I. von Berg, beide Grafenhäuser waren treue Gefolgsleute des Kaisers. Die Reise führte sie die Donau entlang über den Balkan. Bereits Anfang Juli 1189 starb Graf Engelbert von Berg in Serbien.

Es war der „Kreuzzug der Könige“, denn auch Philipp II. von Frankreich und Richard I. Löwenherz von England hatten das Kreuz genommen. Doch für die deutschen Ritter endete der Kreuzzug in einer Katastrophe. Der Kaiser kam bei einem Bad in einem kleinen Gebirgsfluss in Anatolien um. Unzählige Menschen und Tiere starben vor Erschöpfung, Hunger und Durst und in den ständigen Gefechten unterwegs; Jerusalem sahen sie nie.

Von den ungefähr 15.000 ausgezogenen Rittern kamen nur 1.000 zurück. Einer der wenigen Heimkehrer war Heinrich II. von Sayn.

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